Verlorene Inhaltlichkeit

Das Thema beschäftigt mich nun schon seit einigen Tagen: Diese merkwürdige Abkehr vom Inhaltlichen. Zu Studienzeiten habe ich gerne damit kokettiert, dass ich mit der Kommunikationswissenschaft nichts Inhaltliches lernen würde, dass es eigentlich immer nur um Methoden, Selbst- und Fremdbeobachtung, Analyse und Rekonstruktion gehe. Nicht aber um geschichtliche Daten, Zahlen oder Vokabeln. In gewisser Weise stimmte das auch, aber die Inhalte fliegen mir im Alltag ständig zu. Und das angelernte Instrumentarium bereichert mich ungemein, wenn es darum geht, diese Inhalte zu selektieren, zu strukturieren, zu modifizieren und für eigenes Gestalten und Schaffen fruchtbar zu machen. Deshalb hat mich seit dem Ende meiner Schulzeit auch das Inhaltliche nie losgelassen. Aber dass es mir sehr viel bedeutet, das merke ich erst jetzt, umgeben von rein formaler, auf den Ablauf des Wirtschaftsprozesses oder die Sicherung des alltäglichen Wohlstands konzentrierter Denkart. Eine Denkart, die mich zunehmend erschreckt. Haben wir denn gar nichts mehr zu sagen? Gibt es keine Themen mehr, die außerhalb massenmedialer Kurzsichtigkeit und Selektivität den Einzelnen bewegen, zur Stellungnahme herausfordern, zum Gestalten hinführen oder einfach Anlass zu einem Gespräch sind. Vor allem letztere, die Gespräche scheinen verloren gegangen zu sein, einer reinen Oberflächenkommunikation, der genannten Denkart folgend, gewichen zu sein. Welch unglaubliche Verarmung der kommunikativen Kultur, ich weiß nicht, nur in diesem Lande? Bei aller eigenen Begeisterung für moderne Technologien und effizienten Formalismus. Es hat doch alles einen Sinn, der auf Inhaltliches abzielt. Oder wenigstens einmal abzielte, denn es scheint sich zwischenzeitlich verselbständigt zu haben. Ich wünsche mir einen neuen inhaltlichen Diskurs im Alltag, der ermöglicht, die ermüdenden Routinen zu durchbrechen und damit das Leben zu bereichern. Meine Arbeit über und mit den Bäumen sehe ich als einen Beitrag, das verloren gegangene Inhaltliche wieder hervorzuholen. Und die Resonanzen zeigen mir, dass es sich lohnt.

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