Willkommene Ausnahme

Fast alle sind jetzt im Fastnachtsmodus, selbst die, die dem Thema wenig Begeisterung entgegen bringen. Einfach weil sie den Begeisterten begegnen und die sich eben in Ausnahmestimmung befinden. So ist es wie jedes Jahr um diese Zeit: Die Menschen nehmen die tollen Tage als willkommene Ausnahme wahr und freuen sich, dass die Routine einmal ausgesetzt werden kann. Ich finde diese Stillstandzeiten immer sehr anregend, weil man dann so gut beobachten kann. Das Interesse an der Symbolik der Bäume ist interessanterweise auch an solchen Tagen präsent, vielleicht weil man dann einmal Zeit und Muße hat, über Allgemeineres nachzudenken. Gleichzeitig merke ich, dass im Angesicht des Fastnachtstreibens in den Köpfen jetzt schon der Frühling präsent ist. Die Fastnacht quasi als Maßnahme zum Vertreiben des Winters aufgefasst wird. Das ist aber nur deshalb so schlüssig, weil wir diesen milden Winter erleben, der Gedanken an Frühling wahrscheinlicher macht als gewöhnlich Anfang Februar.

Prinzipien des Lebens

Besser und weiter als erwartet ging die Holzarbeit heute von der Hand. Dabei ist die Witterung für diese Arbeit nicht gerade motivierend. Dennoch sind sehr schöne Stäbe entstanden, auf denen sich die übrigen Arbeitsschritte problemlos anschließen lassen. Und eine der Arbeiten konnte ich auch schon abschließen. Eine schöne Abwechslung zum Abschluss der Arbeitswoche. Am Montag geht’s dann weiter, neben allem, was mich über die Bäume hinaus zurzeit bewegt und beschäftigt. Schön, dass sich auch im zeitliche Abstand die „alten“ Themen rund um den Lebensbaum-Begriff wieder als aktuell herausstellen. Und vor allem, wenn ich sehe, dass das Interesse an diesen Themen geteilt wird. Es gibt kaum etwas Aufbauenderes als die zeitlosen Themen, denen politische, gesellschaftliche und kulturelle Moden, Trends und Veränderungen nichts anhaben können, weil sie Prinzipien des Lebens schlechthin betreffen.

Lebenslanges Vorhaben

Wieder ein einundzwanzigster vorbei, und das für mich fast unbemerkt. Es ist, als ob selbst solche Symbolmarken derzeit kaum Wirkung zeigen. Wie so oft werde ich wohl erst im Nachhinein Sinn und Zweck solcher Phasen nachvollziehen oder zumindest einordnen können. So lange sehe ich es als eine Art Gelassenheitsprüfung an. Aufbauend ist doch, dass mich auch Jahre nach dem Start des Wunschbaum-Projekts noch positive Rückmeldungen und echtes Lob zu den dargestellten Inhalten erreicht. Das zeigt mir, dass bei gleichgerichteten Interessen auch zeitlose Themen noch auf Resonanz stoßen und Kommunikationen in Gang setzen. Das motiviert mich immer wieder, diese Initiativen weiterzuführen und im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten und inhaltlich weiterzuentwickeln. Es gibt noch so vieles, das ich genauer ausführen und auf seine Wurzeln zurückverfolgen möchte. Ein sicherlich lebenslanges und nie abgeschlossenes Vorhaben.

Überdauernde Geschöpfe

Der Baumkreis ist durchaus noch ein Thema. Die letzten Wochen haben mir das wieder gezeigt, nachdem ich schon den Eindruck gewonnen hatte, das dieses und verschiedene andere Symbolthemen inzwischen sozusagen aus der Mode gekommen seien. Nein, die Menschen kommen auf sie zurück. Wahrscheinlich weil ihnen eine zeitlose Bedeutung anhaftet, die im Durchschnitt der Erfahrung als sinnhaft erkannt wird. Es sind gerade diese zeitlosen Themen, die mich am meisten interessieren. Etwas festzuhalten, als Text, als handwerkliche Arbeit, als Kunstwerk oder Fotografie, von dem ich auch in 20 Jahren noch sagen kann, es bewegt mich auf eine Weise, die ohne sein Vorhandensein nicht vorstellbar wäre. Das ist meine eigentliche Motivation. Dieser Wunsch, etwas hervorzubringen, etwas Materialhaftes oder auch etwas Geistiges, welches das Zeug hat, einen selbst zu überdauern, ist schon ein starkes Motiv. Man sagt, Männer seien vor allem so ausgerichtet. Ich meine aber, das ist ein menschliches Streben schlechthin. Und auch das ist zeitlos.

Essenzielle Themen überdauern Pausen

In diesen Tagen beschäftigen mich viele Dinge, die schon weit zu liegen schienen. Durch die Arbeit an der Rezension zu Kent Naganos Buch etwa die ernste Musik, die für meine Jugendzeit so prägend war und heute so stark in den Hintergrund getreten ist. Aus dieser Lektüre ist mir aber deutlich geworden, dass nichts je verloren geht. Das Essenzielle aus dem Erleben und das implizite Wissen, sicher auch einiges aus dem formulierbaren Wissensschatz, es bleibt unverändert, ist unter den passenden Umständen jederzeit abrufbar. So als ob es keine Abwesenheit, keine Lücke in der Beschäftigung gegeben hätte. Vielleicht liegt da der Unterschied zwischen Tätigkeiten, die aus praktischen Erwägungen heraus abgewickelt werden, und solchen, die einer uns eigenen Selbstverständlichkeit, einer inneren Notwendigkeit entspringen. So wie mit der Musik geht es mir auch mit der Bildhauerei, den christlichen Grundgedanken, den Grundfragen der Sprachphilosophie und natürlich den speziellen symbolischen Fragen, die sich mir und vielen anderen aus der Betrachtung des Spiegels ergeben, den wir uns in der Lebenssymbolik der Bäume nicht selten vorhalten. Auch das ist eines der Felder, die eine längere Pause verkraften könnten, ohne Schaden zu nehmen. Es ist dennoch schön, dass ich diese eine Pause seit fast zehn Jahren nicht mehr einlegen musste.