Ein etwas anderer und leider auch trauriger Tag fürs Kräutersammeln

Die Tradition will ich auf jeden Fall pflegen, auch wenn die heutige Nachricht vom Tod des uns so lieb gewonnenen Pastors M. uns sehr betroffen gemacht hat. Ob wir die Kräuter, die wir heute wieder in der nahen Landschaft gesammelt haben und die wir in den nächsten Tagen zu Sträußen zusammenbinden werden, ob wir die wie jedes Jahr zu Mariä Himmelfahrt auch tatsächlich in der Kirche werden segnen lassen können, ist tatsächlich offen. Denn diese Feiertagsmesse wurde ja in den letzten Jahren immer von Pastor M. gehalten, für den sich ein vergleichbarer Nachfolger so einfach nicht finden lassen wird. Ich bin sehr froh, dass A. und M. mich auch in diesem Jahr zum Kräutersammeln begleitet haben. Das gehört dazu, ein erweitertes Familiending eben, das dem Ritual erst seinen eigentlichen Sinn verleiht. Dass nach der langanhaltenden Hitze und Trockenheit die Auswahl an sammelbaren Kräutern kleiner sein würde, war auch vorher schon klar. Aber nach beharrlichem und geduldigem Absuchen unserer Lieblingssammelstellen haben wir doch noch genügend Kräuter zusammengetragen, um die Kräuterstrauß-Tradition auch in diesem Jahr wieder aufleben lassen zu können.

Traditionspflege und die Einschränkungen des diesjährigen Hochsommers

So ganz scheint das Urlaubsfeeling noch nicht verflogen zu sein. Jedenfalls sonnen sich die meisten, denen ich begegne, aktuell noch in der Sommer-Auszeit, was ihnen durch das enorm konstante Hochsommerwetter auch leicht gemacht wird. Ich versuche, die Konzentration trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, hochzuhalten, um meine kreativen Aufgaben möglichst zeiteffektiv umsetzen zu können. Das trägt zu einer guten Qualität der Ergebnisse bei, ist aber auch eine Notwendigkeit, da in den kommenden Monaten viele aufwändige Projekte darauf warten weiterverfolgt oder abgeschlossen zu werden. Wir versuche dennoch, die Basisthemen nicht zu vernachlässigen, wozu eben auch die Pflege der feiertäglichen und z. T. vegetabilen Traditionen gehören. Ende der Woche einmal nicht mit Bezug zu den Bäumen, aber eben zu den Wiesenkräutern, die in normal temperierten Jahren in dieser Zeit an Wegesrändern und auf kargen Freiflächen üppig gedeihen und intensiv blühen. Nach wochenlanger Extremhitze wird das Sammeln dieses Mal nicht so ergiebig sein. Da werden wir uns auf die wenigen Arten konzentrieren müssen und davon vielleicht etwas mehr sammeln müssen, die sich trotz der Dauerhitze gut entwickelt haben und noch nicht eingetrocknet sind. Ich fürchte allerdings, dass die Königskerze, in den Vorjahren erfreulich zahlreich zu finden, diesmal nicht dabei sein wird. Das traditionelle Zentrum der Kräutersträuße werden wir wohl mit einer anderen Kräuterart ersetzen müssen.

Unverhofftes Pfingstwetter mit gewaltigen vegetabilen Raumimpressionen

Nun hat uns, ganz unverhofft, der zweite Pfingstfeiertag doch noch echtes Pfingstwetter beschert. Damit war gestern noch gar nicht zu rechnen. Aber sowohl die Temperatur als auch vor allem das Sonnenlicht war heute einem Pfingsttag wahrlich würdig. Selbst jetzt am Abend ist die tiefstehende Sonne noch wärmend und strahlt ein sehr warmes Licht aus, das den Frühling verkörpert. In der Baumlandschaft war beim heutigen Spaziergang am Flussufer, das zuletzt von dieser Überschwemmungskatastrophe heimgesucht war und an dem sich die Auswirkungen des Hochwassers vielerorts jetzt deutlich zeigen, vor allem die Blüte des Hartriegels augenfällig. Die war bei den vielen Hartriegelsträuchern, die am Rand des Damms gepflanzt sind gerade auf ihrem Höhepunkt angekommen und setzte überall weiß strahlende Farbtupfer auf das vom Regen üppig gewordene Grün. Am faszinierendsten fand ich aber, wie zuletzt meist um diese Jahreszeit, die filigranen und unendlich formenreichen und irgendwie unergründbaren Strukturen und Farben der Frühlingswiese mit ihren vielen kleinen Blüten, Stängeln, Transparenzen und Farbnuancen. Einige Impressionen dieser Wiesensituationen habe ich in Fotos festgehalten. Einige davon wirken wie abstrahierende Malereien. Ich stelle mir vor, sie in Öl oder Acryl quasi malerisch zu interpretieren. Das könnte gewaltige vegetabile Raumwirkungen ins Leben rufen.

Frühlingswiesenimpression 2024 I
Frühlingswiesenimpression 2024 II
Frühlingswiesenimpression 2024 III
Frühlingswiesenimpression 2024 IV