Die Raunächte, das Weihrauchritual und der heilsame Geist der Weihnachtszeit

Eigentlich hatte ich in dieser Weihnachtszeit einmal vor, das Räucherritual etwas früher aus-zuführen, z. B. am Silvestertag oder an Neujahr. Aber da kam immer etwas dazwischen. Deshalb ist es doch wieder der Dreikönigstag geworden, an dem ich die Tradition auch sonst immer, als letzte Gelegenheit sozusagen, habe Wirklichkeit werden lassen. Für das Durch-schreiten der Wohnräume nutze ich immer eine Keramikschale, auf der ich ein bis zwei Räucherkohlen entzünde und mit echtem Weihrauch-Harz bestreue. Wie immer waren die Kohlen nicht leicht zu entzünden, wahrscheinlich weil sie zu alt werden, immer nur an diesem Tag herausgeholt werden. Aber mit etwas Geduld gings dann doch, und am Ende verströmte die Schale auch eine kontinuierliche Weihrauchschwade, die sich in den Räumen verteilen konnte. Es freut mich, dass inzwischen auch V. nichts mehr gegen den praktizierten Brauch ein-zuwenden hat. Deshalb bin ich diesmal auch ganz offiziell durch die gemeinsam bewohnten Räume mit dem Weihrauch gegangen, damit alle etwas davon registrieren und nicht nur da-nach den Duft noch wahrnehmen. Natürlich hat das auch Bezüge zu den Heiligen drei Königen, die u. a. mit Weihrauch als Gaben zur Geburtskrippe des Jesuskinds kamen. Aber die Erwähnung im Baumtagebuch geht v. a. auf die Tatsache zurück, dass der Weihrauch ein Harz des Weihrauchbaums ist, genauer von einem der verschiedenen Boswellia-Arten gewonnen wird. Die wachsen vornehmlich in afrikanischen Ländern, v. a. im heutigen Somalia, auch in Eritrea, Sudan und Äthiopien. Also in Gegenden, aus denen die Heiligen drei Könige oder die „Weisen aus dem Morgenland“, was eher den vorderen Orient bezeichnet, nicht stammten. Ich finde, der Räucherbrauch während der Raunächte transportiert in besonders eindrücklicher und erinnerungswürdiger Weise den heilsamen Geist der Weihnachtszeit.

Zwischenzeitliche Aktivitäten und weihnachtliche Symbolarbeit

Mit der -Durchsicht und Bearbeitung meiner Weihnachtsfotografien bin ich in dieser Saison frühzeitiger zu ersten Ergebnissen gekommen als in den letzten Jahren. Allerdings sind noch nicht alle Bildideen umgesetzt, so dass weiter Bearbeitungsreihen folgen werden. Dennoch bin ich froh, einige sehr originelle Bildideen schon umgesetzt zu haben. Ob das wirklich auf Interesse stößt und in seiner speziellen Bildsprache auch verstanden bzw. mit Weihnachten stimmig in Verbindung gebracht wird, ist nicht klar, wird sich in den nächsten Monaten aber zeigen. Manchmal brauche gute Motive auch mehrere Jahre, bis sie auffallen und nachge-fragt werden. Da muss man geduldig sein und mit positiven Überraschungen bei der Art rechnen, wie die Microstock-Agenturen ihre Bilderpools bewerben und nach welchen Kriterien sie sie auffindbar und durchsuchbar machen. Das ist den Fotografen selbst nicht ersichtlich und bleibt letztlich eine Glückssache. Ich freue mich aber auch, dass die Raunächte nicht ganz an mir vorbei gehen, zum Beispiel habe ich in den letzten Tagen häufiger Räucherkegel aufgestellt und verqualmen lassen. Das passt gut zu meinen weihnachtlichen Bearbeitungen und in diese Zwischenzeit. Das Durchgehen sämtlicher Wohnräume mit der Räucherschale habe ich aber noch nicht durchgeführt. Ich überlege, ob ich das diesmal noch im alten Jahr machen soll, und nicht erst bei der letzten Gelegenheit am 6. Januar.

Vegetabile Symbolik zum Ende der Raunächte

Heute ist der Dreikönigstag und eigentlich der offizielle Abschluss der Weihnachtszeit. Allerdings haben wir uns darauf verlegt, die Zeit um mindestens eine Woche zu verlängern. Jedenfalls ließen wir unseren schönen Weihnachtsbaum und die Dekoration in den vergangenen Jahren immer bis zum darauffolgenden Wochenende. In solchen Zeiten wie diesen erst recht, egal, was andere zu dem Thema sagen. Und wie immer an diesem Tag werde ich heute Abend noch die Raunächte-Tradition pflegen, es ist die letzte Gelegenheit dazu, und mit einer Schale durch die verschiedenen Räume des Hauses gehen, um darauf entzündeten Weihrauch zu verräuchern. Diesmal können wir wegen Vs Abwesenheit auch alle Räume damit beräuchern. Das ist mir wichtig, ganz unabhängig von der heidnischen Tradition und möglichen Bedeutungen. Ich finde es einfach bedeutungsvoll, solche Rituale im Schnittfeld zwischen Christentum und vegetabiler Symbolik aufrechtzuerhalten.

Für mich ein sinnhaftes Räucherritual

Die Tradition habe ich nicht vergessen. Auch in den Vorjahren hatte ich das Räucherritual immer auf den letzten Tag der Weihnachtszeit gelegt, den Festtag der Heiligen Drei Könige. Weihrauch habe ich ausreichend zur Verfügung, sogar verschiedene Sorten. Aber die Zündkohlen gehen mir nun doch aus, vor allem sind sie so alt geworden, dass ich sie nur mit Mühe und nach mehreren Anläufen zum Zünden bekomme. Letztlich hat es aber funktioniert, jedenfalls so gut, dass ein schmaler Rauchfaden regelmäßig aus der glasierten Tonschale entströmte, auf der ich die Kohle immer platziere, um mit der Schale in der Hand die verschiedenen Wohnräume zu durchschreiten. V. hält nichts davon, aber das spielt keine Rolle. Ich finde den Gedanken einer Schutzwirkung für das vor uns liegende Jahr tröstlich und das Ritual vor allem so schön in die Weihnachtszeit passend, dass ich gerne daran festhalte. Zumal wir von den Heiligen Drei Königen in Form der Sternsinger schon länger nichts mehr mitbekommen haben. Sofern das in der Pandemiezeit überhaupt noch stattgefunden hat, läuft es eher anonym ab, mit vorgefertigten Aufklebern, ohne Singen und überhaupt ohne jene von der Präsenz der in Rollen geschlüpften Kinder lebende Symbolwirkung. Eigentlich schien es auch schon in den Jahren zuvor zunehmend rein formal und sinnentleert. Aber das liegt daran, dass in die Vorbereitung der Sternsinger auf ihre Aufgabe immer weniger Mühe investiert wird und man hier wie in vielen christlichen Traditionen einen Hang zur wenig innerlichen Folklore entwickelt hat. So ist es heute schwierig geworden, die Weihnacht in ihrem weitreichenden und tief gehenden Sinn als Gemeinschaftsfestzeit zu erleben und zu gestalten.

Traditionelles Räucherritual

Jedes Jahr verschiebe ich das Räuchern bis kurz vor den 6. Januar, auch wenn das Räuchern traditionell während der gesamten Zeit der Raunächte bzw. der dazwischen liegenden Tage angesagt ist. Aber der Eintrag im Bauernkalender hat mich noch einmal bestärkt, dass gerade der Abend vor dem Fest der Heiligen Drei Könige oft für das Räuchern von Haus und Stall reserviert war. Gerne vollziehe ich das zumindest für meinen persönlichen Lebens- und Arbeitsbereich nach. Eine symbolische Handlung, die ich auch in heutiger Zeit noch stimmig finde. Etwas Probleme haben mir die alten und wohl schon etwas abgestandenen Kohlen gemacht, die sich nicht so leicht entzünden ließen. Nach einigen Anläufen war das Räucherwerk dann doch zu aktivieren und die verschiedenen Sorten von duftenden Hölzern und Weihrauch verströmen ihr rauchiges Aroma. Darunter sind auch einige Späne, die ich bei meiner Holzarbeit z. T. schon vor Jahren für diesen Zweck aufbewahrt hatte, u. a. von Olivenbaum. Das Ritual macht es mir auch ein wenig leichter, mich mit dem Ende der Weihnachtszeit anzufreunden, die von mir aus noch einige Wochen andauern könnte. Dieses Mal fällt mir der Einstieg ins neue Kalenderjahr deutlich schwerer.