Emotionsarbeit zwischen den Jahren

Es ist typisch für diese Tage zwischen den Jahren, dass man sich zum Abschließen aller möglichen Dinge gedrängt fühlt. Da geht’s um Organisatorisches, Verwalterisches, aber teils auch um soziale Beziehungen. M. sagte mir, sie habe das, ausgehend von einer Empfehlung aus ihrem Raunächte-Buch, gleich einmal umgesetzt. Mit einer Person, die ihr schon seit Jahren mit Unfreundlichkeit begegnet, obwohl seit Kindertagen ein eigentlich gutes Verhältnis bestanden hatte. Und immerhin in dieser einen Situation konnte sie das auch gut und versöhnlich auflösen. Meine eigene Zuversicht, dass man an verkorksten Verhältnissen nachhaltig etwas ändern kann, ist da nicht ganz so groß. Aber ich kann schon sagen, dass ich es manchmal selbst versuche. Ich freue mich, dass wir Frau T. heute in der Klinik besuchen konnten. Eine wirklich Vertraute, die sich über den Besuch natürlich gefreut hat. So wie es uns ein Anliegen war, unsere Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Einfach rührend, wie liebevoll die Schwestern dort die Gänge und Aufenthaltsräume weihnachtlich ausgeschmückt haben. Mit selbstgemachten Dekorationen an den Wänden. Mehrere sehr sorgfältig und stimmig geschmückte und schön beleuchtete Weihnachtsbäumchen im Foyer und in den Gängen. Sogar eine Krippe habe ich gesehen. Ich finde es toll, dass das Personal dort neben ihren Routinearbeiten an solcher Symbolarbeit festhält und das mit großen Engagement und spürbarer Ehrlichkeit umsetzt. Ich bin sicher, das macht das Leben gerade in dieser Zeit für die Patienten dort, gerade im Hinblick auf ihre vielen Belastungen und Ängste, ein gutes Stück weit schöner und hoffnungsvoller.

Weihnachtliche Kultur

Es gehört zu den Erkenntnissen dieses Weihnachtstags, dass die Raunächte bereits mit der Heiligen Nacht beginnen. Der kleine Band zum Thema enthält auch grundlegende Informationen zur Geschichte des Weihnachtsbrauchtums allgemein, geht dann aber speziell auf die Zeit „zwischen den Jahren“ ein. Woher dieser Ausdruck stammt wird übrigens auch erklärt, nämlich aus der Differenz zwischen dem 365 Tage umfassenden Sonnenjahr und dem der am Mond orientierte Monatsrechnung, bei der man auf 11 Tage oder 12 Nächte weniger kommt. Das alte Jahr ist also noch nicht ganz abgeschlossen und das neue hat in dieser Zeit noch nicht wirklich begonnen. Was in dem Band teils aus der Astronomie, teils aus historischen Quellen oder volkstümlichen Überlieferungen heraus erklärt wird, begegnet dem, der Weihnachten und die Zeit danach einfach erlebt, allerdings größtenteils auch ohne Hintergrundwissen. Schließlich sind viele dieser Traditionen und Bräuche aus einem tiefen Empfinden dieser Zeit des Jahres in Folge der Wintersonnenwende entstanden, wenn die Innenschau und das enge Zusammensein durch die Notwendigkeiten der Natur naheliegend oder erzwungen waren. Es ist für mich sehr spannend, dennoch weitergehende Erklärungen in der Literatur zu finden, weil es die eigene Wahrnehmung reichhaltiger macht und ergänzt. Der Weihnachtsbaum ist da nur ein besonders prominentes Symbol, in dem sehr vieles, eigentlich das Wesentliche der auf diese Zeit bezogenen Bedeutungen in einer markanten Form konzentriert ist. In anderen Bräuchen und Symbolen werden teils ähnliche, teils andere Saiten spiritueller Wahrnehmung und spirituellen Erlebens zum Klingen gebracht. Alles zusammen faszinierende Beispiele einer weihnachtlichen Kultur, die sich durch äußeres und inneres Handeln so vieler Menschen in Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft hinein entwickelt.

Feiertagstraditionen

J. und W. verwenden mindestens so viel Mühe und Sorgfalt auf die weihnachtliche Dekoration ihrer Wohnung wie wir das traditionell bei uns tun. Und so sind an allen Ecken, an Wänden, auf und in Schränken auf Tischen und Ablagen zahlreiche Engel, Glitzerelemente, Weihnachtsgestecke, Kerzen, Teelichter und Holzfigürchen zu finden. Der Weihnachtsbaum hat eine ähnliche Figur wie im letzten Jahr, breit, mittelgroß, knubbelig und mit kräftigen grünen Nadeln und starken Ästen. Er leuchtet schön und ist neben der Hintertür zentral platziert. Dort wie hier ist eigentlich aus dem weihnachtlichen Ambiente nicht wegzudenken. Ich bin froh, dass wir diesen wettermäßig gar nicht weihnachtsidealtypischen Tag zusammen verbracht haben und wünsche uns für den Abend und den zweiten Feiertag die Muße, das Fest und seinen Sinn in uns weiter zur Geltung bringen zu können.

Heilig Abend zwischen Weihnachtsbaum und Kosmos

Wie oft ich den Weihnachtsbaum-Text von Rudolf Steiner nun schon gelesen habe, erinnere ich nicht. Aber die Lektüre dieser über hundert Jahre alten Vortragsmitschrift gehört mittlerweile zu meinem festen Programm an Heilig Abend. Dabei ist es erstaunlich, wie unendlich viele Facetten der Text enthält. So viele, dass ich immer wieder andere Inhaltsschwerpunkte wahrnehme, diesmal solche, die um das eigentliche Thema des Symbolbaums herum platziert sind. Aber so ist das bei den meisten Steiner-Texten: Sie sind so vielschichtig und so stark von einem universellen Wissen durchdrungen, dass tiefe Wahrheiten in der Behandlung fast jedes Themas zum Ausdruck kommen. Dabei hilft mir die umfassender werdende Kenntnis des Steinerschen Gesamtwerkes, das mich über den Horizont des jeweiligen Teilthemas hinausblicken lässt und mir hilft, verwendete Begriffe und Verweise mit Bedeutungen im Sinne des Autors füllen zu können. Da stellt mir dann mein selbst ausgewähltes Weihnachtsgeschenk eine neue Herausforderung. Es handelt sich um einen umfangreichen Band mit Programmausschnitten, Vorträgen und Berichten des Münchner Kongresses, an dem Steiner teilgenommen hat – Beiträge, die sich v. a. auf architektonische Projekte dieser Zeit beziehen – ergänzt durch einen Bildteil aus einzelnen kartonierten Reproduktionen von Steinerschen Zeichnungen, Entwürfen und handschriftlichen Notizen. Ich werde einige Zeit benötigen, um diese ungewöhnliche Veröffentlichung aus dem Gesamtwerk zu sichten und die für mich relevanten Teile einzuordnen. Worum es mir dabei aber vor allem geht, habe ich schon gefunden: Fotografien von Modellen und Reproduktionen von Originalzeichnungen Steiners zu den Säulenkonstruktionen des großen und kleinen Kuppelraums im ersten Goetheanums, jenes von Steiner entworfenen Versammlungs- und Vortragsgebäudes der anthroposophischen Gesellschaft, das später in Brand geriet und durch einen Betonbau ersetzt wurde. Die je sieben Säulen dieser Kuppelkonstruktionen bestehen aus je unterschiedlichen Holzarten, wodurch Steiner Bezüge zu den Planeten herstellt. Der Zusammenhang wurde später von anthroposophisch orientierten Autoren unter dem Titel „Bäume und Planten“ aufgegriffen und ausgeführt. Ich bin sehr daran interessiert, das herauszufiltern, was Steiner selbst über diese Dinge geschrieben und gedacht hat, welche gestalterischen Umsetzungen er dafür vorgesehen hat. Das könnte dann die Grundlage für ein neues Produkt der Wunschbaum-Manufaktur werden.

Die Weihnacht in uns

Die letzten Arbeiten konnte ich heute abschließen. Und auch die meisten Geschenke haben wir schon verpackt. Jetzt freue ich mich wirklich auf die Weihnachtsfeiertage. Einfach ruhig sein, alles, was zum Ereignis gehört, wahrnehmen und die astronomische Wende als Neuanfang im christlichen Sinne vergegenwärtigen. Wenn das gelingt, haben wir die Weihnacht in uns zum Leben erweckt. In diesem Jahr wird uns der Weihnachtsbaum ein bis zum Dreikönigstag bleibender Begleiter sein können. Ich freue mich auf die Atmosphäre, die er insbesondere in den Morgen- und Abendstunden um sich erzeugt. Und ich freue mich, dass seine Beschreibung und Abbildung im Baumtagebuch vom 20. Dezember bereits Resonanz gefunden hat und geteilt wird. Der Weihnachtsbaum bleibt eben ein Symbol, dem sich eigentlich niemand ganz entziehen kann. Eines, in dem ein wahrnehmbarer und seelisch eindrücklicher äußerer Abdruck der einen gemeinsamen Quelle des Lebendigen und Geistigen gegenwärtig zu sein scheint.

Vorweihnachtserfahrungen

Nun ist auch das letzte vorweihnachtliche Armbandprojekt soweit, dass ich es morgen abschließen kann. Wahrscheinlich wird aber auch die Zeit der Raunächte nicht frei von kunsthandwerklicher Arbeit sein. Morgen aber kann ich mich erst einmal auf die Feiertage freuen. Unser Weihnachtsbaum wurde schon von einigen bewundert, v. a. von Ms Gratulanten, denen er vorgestellt wurde. Und tatsächlich ist es ein sehr schöner, strahlender Baum, der ziemlich gleichmäßig gewachsen ist. Dass er so ungewöhnlich intensiv strahlt, hat uns zunächst überrascht, kommen doch immer dieselben drei Lichterketten zum Einsatz. Aber natürlich ist die Erklärung naheliegend: Der Baum ist einfach weniger hoch und schmäler als bisher gewohnt. Und dadurch stehen die Christbaumkerzen automatisch enger zusammen. Eigentlich eine gute Lösung vielleicht auch für die kommenden Jahre. Nur 20 Zentimeter weniger Höhe können sich in solchen Details sehr positiv auswirken, ohne dass die Gesamterscheinung des Weihnachtsbaumes dadurch weniger eindrucksvoll ausfiele.

Kontemplativer Auftakt der Weihnachtswoche

Ein schöner Auftakt der Weihnachtswoche war Ms Geburtstag. Mit der Wahl des Lokals lagen wir an der Reaktion der Freunde bemessen genau richtig. Alle haben sich wohl gefühlt. Und man merkte, die meisten Gäste waren bereits in weihnachtlicher Stimmung, anders als die Mitarbeiter, für die gerade diese Festtagszeit einen enormen Stress bedeutet. Auch für mich steht noch mindestens der Abschluss eines Projekts bevor. Heute konnte ich aber kleine Ruhe- und Kontemplationsphasen einlegen, u. a. mit der Lektüre der Mitschrift eines Vortrags von Rudolf Steiner, in dem er sich über die zwei Weihnachtsverkündigungen auslässt. Der Beitrag von 1921, also gewissermaßen zu seinem Spätwerk gehörend, ist außerordentlich dicht geschrieben, mit sehr vielen angerissenen, aber nicht ausgeführten Verweisen und komplexen Bezügen. Insofern kann er den Weihnachtsgedanken nicht so klar eingrenzen wie die früheren Vorträge zum Thema. Ich kann mir vorstellen, dass diese späten Beiträge auch den zeitgenössischen Zuhörern nicht so ganz leicht verständlich gewesen sein könnten. Denn in Steiners damals schon zu einer enormen Komplexität angewachsenen Denkart spielt so vieles hinein, dass der nicht permanent mit dem Steinerschen Werk Befasster vermutlich Verständnisschwierigkeiten haben musste. Dennoch der Grundgedanke ist schon verstehbar und wirft einen interessanten und sehr ungewohnten Blick auf das Weihnachtsfest: Die beiden Verkündigungen der Geburt Christi zum einen an die Hirten auf dem Felde und zum anderen an die drei Könige bzw. Weisen aus dem Morgenland stellen zwei verschiedene Arten auch für die damalige Zeit außergewöhnlicher Wahrnehmung bzw. Erkenntnis des Geistigen dar. Einmal mittels der Kenntnisse über den Lauf und die Konstellation der Planeten, und das heißt vermittelt über mathematische Erkenntnisse. Und zum anderen über ein traumhaftes Bewusstsein darüber, dass etwas Göttliches kurz davor steht, auf die Erde zu kommen. Es ist Steiners wohl einmaliges Verdienst und Fähigkeit, die Denk- und Empfindungswelt damaliger Menschen vorstellbar zu machen, unter denen die Hirten und Weisen mit besonderen Fähigkeiten ausgestattete gewesen sein mussten. Sie hatten etwas, nämlich Reste eines wiederum früher selbstverständlichen Hellsehens, eines natürlichen Einblicks in die geistige Welt, das uns heute fehlt. Dieser Vortrag ist insofern im Kontext der Steinerschen Vorstellungen über die Entwicklung von Mensch und Kosmos als Ankündigung zu verstehen, dass es für uns heute wieder – nach Erkenntnisfortschritten, die wir auf dem Gebiet der rationalen Erkenntnis zwischenzeitlich zweifelsfrei gemacht haben – darauf ankommt, in die geistigen Welt hineinblicken zu können, um z. B. zu einem Verständnis des weihnachtlichen Mysteriums zu gelangen, das ihm außerhalb äußerlicher Rituale gerecht wird. So geht Steiner auch in diesem Vortrag wieder auf den vergleichsweise jungen Brauch des Weihnachtsbaums ein, der aber hier ganz ungewohnt eingeordnet wird. Ich werden den Text erneut lesen müssen, um diese Facette der Steinerschen Weihnachtsauffassungen vernünftig einordnen zu können.

Vorweihnachtliche Planungen

Dadurch, dass Heilig Abend dieses Jahr in die Wochenmitte fällt und man damit ja gleich eine halbe Feiertagswoche einleitet, fallen die vorweihnachtlichen Planungen ungewohnt aus. Die meisten scheinen in dieser Woche bereits das Geschäftsjahr abzuschließen, ungeachtet der beiden noch ausstehenden zweieinhalb Arbeitstage. Für mich geht’s eigentlich ununterbrochen weiter, schon allein wegen der Bestellungen, die zwischen den Tagen versandfertig sein sollen. Aber es gibt auch einige Unterbrechungen mit angenehmen und weniger angenehmen Verpflichtungen. So steht diese Adventszeit für mich überwiegend im Zeichen der symbolischen Arbeit mit den Bäumen. Eine schöne Herausforderung, die ich in dieser Dichte bisher noch nicht erlebt habe. Dass ich mit meinen handgefertigten Produkten so manchem ein Weihnachtsgeschenk zur Verfügung stellen kann, in diesem Jahr sehr viel häufiger als sonst, das finde ich wirklich spannend. Da geht die Wahl und das Schmücken des Weihnachtsbaums, ein Projekt, das ich ab Freitagvormittag vorgesehen habe, schon fast unter. Dennoch hoffe ich auf die Muße und eine glückliche Hand bei der Suche und Auswahl, die das traumatisches Erlebnis des Vorjahrs nicht zur Wiederholung werden lässt.

Vom eigentlichen Sinn des Feiertags

Ich hoffe, noch vor den Feiertagen zur Lektüre des neuen Steiner-Vortrags über Weihnachten zu kommen. Der Titel ist „Die zwei Weihnachtsverkündigungen“ und wurde von Rudolf Steiner am 1. Januar 1921 in Stuttgart gehalten. Ich kenne den genauen Inhalt noch nicht und bin deshalb gespannt, welchen Aspekt der Weihnacht er in diesem Vortrag herausstellt. Die übrigen als Sonderdruck veröffentlichten und auf Weihnachten bezogenen Vortragsmitschriften habe ich in den letzten Jahren bereits gelesen. Dabei finde ich den vor Jahren zunächst entdeckten „Der Weihnachtsbaum – Ein Symbolum“ immer noch am eindrücklichsten. Ich bemühe mich, ihn um die Feiertage herum immer wieder neu zu lesen und stelle jedes Mal fest, dass ich andere Aspekte wahrnehme und der Text offenbar endlos viele Facetten offenbart. Eine Feststellung, die ich bei so manchen Niederschriften Steiners schon öfters gemacht habe. Es ist einfach schön, sich zumindest im Verlauf der Lektüre solcher Texte den eigentlichen Sinn des Feiertags vor Augen zu führen. Denn das geht im Zusammenhang familiärer Kommunikation, in der Form, wie sich diese konventionell entwickelt hat, allzu leicht vollständig unter.

Weihnachtsstimmung international

Vor einigen Tagen habe ich es schon einmal bemerkt. Die Vorweihnachtszeit wird in diesem Jahr bewusster wahrgenommen. Man hat den Eindruck, dass der eigentliche Inhalt des Weihnachtsgedankens stärker in den Vordergrund getreten ist. Da kann die immer wieder gerügte Kommerzialisierung nichts dran ändern. Inhaltlich können die Menschen wieder mehr in der Weihnacht erkennen, lassen sich wieder mehr Zeit zum bewussten auf die Festtage bezogenen Stillsein. Mehr und bessere rührende Weihnachtsfilme im Fernsehen, phantasievollere Weihnachtsdekoration in den Geschäften und Privatwohnungen. Viel weihnachtliche Musik schon von Beginn der Adventszeit an. Das sind natürlich äußerliche Zeichen, die aber dennoch für etwas tiefer Gehendes stehen. Die Reportage vorhin über das Erleben des Weihnachtsfestes unter Seeleuten im Hamburger Hafen hat es wieder einmal gezeigt. Auch wer auf Grund seiner Religion oder seiner Erziehung nicht wirklich einen Bezug zu den Symbolen und Ritualen der Weihnachtszeit hat, kann sich dennoch der emotionalen Energie und inhaltlichen Stärke dieser Symbole und Rituale nicht entziehen. Spätestens beim Anblick des großen beleuchteten und festlich geschmückten Weihnachtsbaums bei der Zusammenkunft im Seemannstreff am Heiligen Abend war für alle spürbar, dass dies ein besonderes Fest mit kulturübergreifender Bedeutung ist. Der Symbolbaum war, an den Augen dieser Menschen ablesbar, der Katalysator dieser Empfindung.

Guten Chancen für Weihnachtsstimmung

Ein ruhiger 1. Advent, und wir haben das mit dem Lichterketten und dem Adventsschmuck dann doch noch rechtzeitig geschafft. Auch die Zeitschaltuhr ist schon aktiviert, so dass die Beleuchtung sich täglich in der Frühe einschaltet, um 9.00 Uhr abschaltet, um 16.00 Uhr wieder anspringt, um bis 23.00 Uhr die Zweige in weihnachtliches Licht zu tauchen. Der diesjährige Adventskranz ist vergleichsweise puritanisch ausgefallen. Neben dem reinen Fichtenkranz sind vier sehr schöne dunkelrote Kerzen darauf platziert und in die Zwischenräume haben wir lediglich kleine rote Filzsterne drapiert. In der Mitte ein wenig Kunstschnee, das war Ms Wunsch. Ich selbst hätte darauf verzichten können, weil mich diesmal die reduzierte Ausstattung eigentlich am meisten anspricht. Mein Eindruck ist, wenn ich die Gespräche rundum mitverfolge, dass die diesjährige Weihnachtszeit bewusster als solche wahrgenommen wird als in den Vorjahren, in denen man den Eindruck hatte, der Kopf stand den meisten bis kurz vor den Feiertagen ganz woanders. Vielleicht ist das eine Folge des tristen Wetters, das pünktlich zum 1. Advent nun auch die Kälte mit sich bringt, ohne die wirkliche Weihnachtsstimmung ohnehin kaum entstehen kann.

Ausdruck der Weihnacht

Bei J. und W. ist alles schon ganz weihnachtlich geschmückt. Nur der Adventskranz oder das Adventsgesteck, wie es bei J. ja eher der Fall ist, das haben sie wie wir auch noch nicht geschafft. Immerhin haben wir ja noch den 1. Adventssonntag, um das zu arrangieren, bevor die erste Kerze am Abend entzündet wird. Nun, die Kälte, die sich jetzt doch breit gemacht hat, lässt inzwischen eher weihnachtliche Gefühle aufkommen. In den Straßen, vor den Geschäften, in vielen Fenstern und an Hauseingängen finden sich unzählige Varianten von weihnachtlichem Schmuck, Weihnachtsbäume mit Lichterschmuck, Lichterketten in allen Farben, vor allem die modernen LED-Ketten, teils mit Effekten. Eine Vielzahl, die dennoch nicht überladen auf mich wirkt. Ich wünsche allen, dass sie das, was Weihnachten in seinem Kern bedeutet, auch tatsächlich während dieser Wochen in sich aufnehmen und in sich aufleben lassen können. Die Lichter, das Glitzern und der Schmuck sind nur ein Teil des äußeren Ausdrucks, der sich nicht verselbständigen, sondern m. E. eben als dieser Ausdruck erkennbar bleiben sollte.

Verlust an Innerlichkeit

Nachdem wir im letzten Jahr die Ausstellung versäumt hatten, konnten wir heute die wunderbaren weihnachtlichen Dekorationen im Blumenhaus W. wieder bewundern. Wie gewohnt waren viele staunenswerte Dinge zu sehen, das allein machte schon Freude. Aber solche Besuche bringen immer auch Anregungen, wie man selbst neue Ideen umsetzen kann, ähnlich oder in individuellerer Form. Natürlich spielen die weihnachtlichen Pflanzen, vor allem die Zweige immergrüner Bäume bei den Arrangements eine große Rolle. Meist von lebenden Bäumen stammend, teilweise kommen aber auch täuschend echt wirkende Imitationen zum Einsatz. Der Kreativität ist in diesem saisonalen Rahmen auch nach Jahren der Höchstleistung keine Grenze zu setzen. Dennoch glaube ich, in früheren Ausstellungen am gleichen Ort noch mehr vom eigentlichen Charakter der Weihnachtszeit verspürt zu haben. Leider ist trotz aller kreativer Opulenz der Zauber der Weihnacht diesmal nicht in derselben Form verarbeitet worden. Vielleicht ist auch das eine Tendenz unserer Zeit, in der viele Menschen den Traditionen einerseits, Zeugnissen themen- und zeitbezogener Innerlichkeit andererseits mit einer gewissen Skepsis begegnen.

In Novemberstimmung Abstand nehmen

Tatsächlich ertappe ich mich immer häufiger bei Gedanken an Weihnachten. Die Weihnachtsbaummotive waren wohl der Anlass. Aber ich merke aus den Social-Media-Kommentaren, dass die kommende Weihnachtszeit auch bei anderen schon gedanklich präsent ist. Und die eigentlich für den November typische Witterung und die damit verbundene Grundstimmung der Menschen tut das ihre dazu. Gut, dass es morgen und übermorgen wenigstens noch ein kurzes Aufbäumen, eine schwache Reminiszenz an den Sommer geben wird. M. und ich werden das nutzen, um Winterblumen zu kaufen und zu setzen. Aber auch das Initiieren eines bestimmten Weihnachtsgeschenks wird eines der Wochenendvorhaben sein. Gut, auf die Art einmal wieder Abstand zu nehmen.