Mitteleuropäisch wechselhaft

Dieses Frühjahr verlangt uns viel Geduld und Widerstandskraft ab. Schon allein wegen des untypischen Witterungsverlaufs, der ständigen Temperaturschwankungen und des Schwankens zwischen wolkenverhangenen und regennassen und sommergleichen sowie sehr warmen Tagen. Letzter haben wir schon im April erlebt und im so genannten Wonnemonat dann einen Rückschritt zu erfahren. Aber wenn ich die Vorhersage fürs Wochenende betrachte, dann dürfte – ebenso unverhältnismäßig – tatsächlich der erste echte Sommertag uns zukommen. Hoffentlich ist das der Auftakt für den echten, beständigen Frühling und eine gute Einstimmung auf den Frühsommer. Den Bäumen hat das regennasse und kühlere Intermezzo offenbar gutgetan. Ich nehme das vor allem auf den Autofahrten wahr, wenn nämlich die Bäume am Straßenrand auf einmal wie langjährig gewachsene Alleen wirken – allein wegen des ungewöhnlich üppigen Blattwerks der Kronen. Wenn es auch noch warm wäre, würde wir von tropischem Klima sprechen. Aber so ist es einfach nur mitteleuropäisch wechselhaft.

Eine Zeit kreativer Begünstigung

Morgen geht ein weiteres Baumkreis-Armband auf seinen Weg in die Schweiz. Wie schon vor einigen Wochen einmal. Es ist schön, dass das europäische Ausland zurzeit wieder auf die Wunschbaum-Manufaktur aufmerksam geworden ist. Das war vor Jahren schon einmal für längere Zeit zu beobachten, ist aber dann stark zurückgegangen. Schwer zu sagen, was der Grund für die Schwankungen ist, vielleicht technische Dinge, aber es gibt eben auch diese globalen Schwingungen, die gelegentlich Motivationen beeinflussen und die Dinge in neue Richtungen laufen lassen. Überhaupt sind diese Tage für mich recht kreativ begünstigt, wie mir scheint. Im Bereich der Sprache, der Gestaltung, im Kunsthandwerk, oder wie heute auf dem Gebiet der Fotografie gibt’s gerade überdurchschnittlich viele Möglichkeiten und damit auch mehr Erfolgschancen und Chancen, Schwerpunkte zu bilden oder zu bestätigen. Das ist gut und auch notwendig, will man an den langfristig frustrierenden Begrenzungen, die uns die zeitgenössische Entwicklung von Politik, Wirtschaft und Kultur zumutet, nicht verzweifeln.

Wechselhaftigkeit ist gut für die Bäume und schlecht für Frucht tragende Nutzpflanzen

Interessant zu beobachten, wie die ungewöhnlichen Wetterverläufe in diesem Jahr immer wieder in Dauerschleifen gehen. Wenn die Wechselhaftigkeit sich einmal eingeschliffen hat, kann man tatsächlich davon ausgehen, dass mehrere Tage hintereinander denselben Ablauf zeigen. Zurzeit ist es eine große Helligkeit mit steil ansteigender Sonneneinstrahlung im Laufe des Vormittags und eine ständiges Hin und Her bzw. Auf und Ab am Nachmittag. Erst gegen Abend geht es dann wieder in eine moderat aufgelockerte Stimmung mit warmem Abendlicht über. Insgesamt kommen dabei an Sonnenstunden ziemlich reiche Tage zusammen. Aber ohne das Wechselhafte des Nachmittags wären es eben extrem sonnige Frühsommertage, so wie wir sie in den Vorjahren über lange Phasen erleben durften. Nun, für die Pflanzen ist das Wechselhafte und v. a. das Ausbleiben der Dauerhitze natürlich von Vorteil. Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass sich die Bäume insbesondere jetzt deutlich erholen können. Nur für manche Wärme und Licht liebende Blumen- und Staudenarten ist dieses Wetter eher schädlich. Und offensichtlich auch für alle Nutzpflanzen, allen voran die Früchte tragenden Sträucher und Bäume. Und leider auch für viele Gemüsesorten. Ich hoffe, dass wenigstens die Chilis bis zum Spätsommer etwas werden, denn mit deren Anzucht bin ich schon früh im Jahr gestartet.