Schlagwortarchiv: Verschwinden der Jahreszeiten

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Manchmal gibt’s doch noch Jahreszeit

Das fühlt sich dann doch genau wie der typische November an. Jetzt gehen auch die Chilipflanzen allmählich ein, in der Form, dass die Blätter schlaff werden, obwohl genug Wasser vorhanden ist. Schuld sind die schon empfindlichen Nachttemperaturen, die die Wärme liebende Pflanzenart nicht gut verträgt. So werde ich in den nächsten 10 Tagen sicher die letzten Chilischoten ernten, viele davon noch grün. Aber nach den jüngsten Erfahrungen sollten auch die zumindest noch gelb ausreifen, wenn sie einige Tage auf der warmen Fensterbank verbracht haben. Die Gartenbäume sind jetzt fast komplett kahl, haben alle Blätter abgeworfen. Eigentlich passend zur Jahreszeit. Gut, auch das zu beobachten, denn es zeigt, dass die Jahreszeiten doch noch nicht ganz verschwunden sind. Das gehört zu meinen größten Verlustängsten, weil uns dadurch Teile unserer den Jahreszyklus voraussetzenden Traditionen, v. a. im Bereich der vegetabilen Lebenssymbolik, verloren gehen könnten.

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Herbstlebenszeiten

Am Datum des 7. November gab es schon so manche historische Entscheidung. Nun also neben der persönlichen Bedeutung für mich auch die Entscheidung über den künftigen US-amerikanischen Präsidenten. Nicht die schlechteste Wendung, wenn alles ruhig weiterverlaufen kann, wie es Sinn macht und den Gepflogenheiten entspricht. Der Tag war für mich primär aber ein persönlicher. Und so freute ich mich über die Kommunikation in der Familie und verschiedene Rückblicke, über die Aktualisierung von Gemeinsamkeiten und Verbundenheit. Bei Moos Suchen im Wald hatte ich am Nachmittag das seltene Vergnügen etwas von der echten Blätterherbstatmosphäre in mir aufzunehmen, die ich häufiger und intensiver in Kindheitstage erlebt habe. Es ist auch darin so, als ob nicht nur das Erleben, sondern auch die Erscheinung der Jahreszeit selbst heute eine andere geworden ist. Dabei geht, wie mir scheint, vieles an Innerlichkeit und kultureller Spiegelung in unserem Naturverhältnis verloren. Tatsächlich ist es wie ein Verlust, der kaum zu erklären ist und dem ich sehr gerne entgegenwirken möchte.

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Die neue Unübersichtlichkeit der Jahreszeiten

Vielleicht ist es uns vergönnt, im November die Sonnenstunden nachträglich zu erhalten, die uns im Oktober gefehlt haben. So sieht es in diesen Tagen aus, die von ungewöhnlich viel Licht geprägt sind, wobei die Temperaturen, gerade in den Nächten, eher empfindlich kühl werden. Solches Wetter könnten wir auch noch an Weihnachten erleben, wenn wir die Vorjahre in Betracht ziehen. Das würde langfristig das gefühlte Verschwinden des Winters bedeuten, analog zum schleichenden Verschwinden der Jahreszeiten. Kaum auszudenken, was eine Nivellierung der Jahreszeiten für unsere biologische Uhr bedeuten würde. Wenn wir beobachten, wie die Bäume nach wie vor nach der Winterruhe blühen, Blätter treiben und Früchte ausbilden, während das jeweils zugeordnete Wetter nicht dem entspricht, was man traditionell erwarten sollte. Diese neue Unübersichtlichkeit bei den Jahreszeiten läuft parallel zur Desorientierung in Gesellschaft, Politik und in Teilen auch der Wirtschaft. Was zeigt, dass wir eben immer auch natürliche Wesen sind, die ihre Wurzeln nicht verleugnen können, die auch im kulturellen Leben noch von ihrer Biologie mitgeprägt sind.

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Vielleicht gibt’s einen goldenen Novemberanfang

Nun wird das richtige Wetter für die Baumherbst-Fotografie wohl erst Anfang November kommen. Das war nichts mit goldenem Oktober, wieder eine solche Verschiebung, die mit dem Verschwinden der Jahreszeiten zu tun hat. Allerdings hatten wir auch schon über Allerheiligen strahlenden Sonnenschein, vielleicht sehen wir in diesem Jahr eine Wiederholung dieser eher untypischen Wetterlage im November. Dass meine Chilipflanzen immer noch kräftig grüne Blätter tragen, nach wie vor blühen und immer größere Schoten wachsen lassen, ist Resultat der eher milden Temperaturn. Aber die Sonnenstunden fehlen, um die Schoten auch richtig reifen zu lassen. So pflücke ich alle, die einen Hauch von Gelb- oder Rotfärbung zeigen, schon frühzeitig aber und lasse sie drinnen, auf der Fensterbank, nachreifen, was meist auch funktioniert, wenn es auch etwas dauert. Eine neue Methode, die ein gute Chiliernte doch noch sicherstellen soll, die auf Grund der opulent ausgewachsenen Pflanzen schon vor zwei Monaten zu erwarten war.

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Das Typische festhalten

Ich hoffe auf wieder sonnenreichere Tage, damit ich den Baumherbst zumindest ein wenig fotografisch festhalten kann. Man muss sich wegen des Verschwindens der Jahreszeiten schon sehr auf die typischen Phasen konzentrieren und die wenigen Gelegenheiten nutzen, bevor es wieder im Undefinierbaren verschwindet. Herbstfarben haben schon für die meisten etwas Wärmendes, etwas, das mit der kälter und dunkler werdenden Zeit frühzeitig versöhnt, eine Form von vegetabilem Trost, der uns gerade in diesen Krisenzeiten gut tun kann. Ich gebe mir Mühe, das Bewusstsein für solche Zusammenhänge zu schärfen, auch durch die Einträge im Baumtagebuch.

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Sehnsucht nach typischer Symbolik

Das Motiv unserer neuen Tischsets ist zurzeit das am herbstlichsten Anmutende im Alltag. Die wunderbar klischeehaft bunten Darstellungen des Herbstlaubs von Spitzahorn, Rosskastanie und Eiche bringen uns die Baumfarben ins Bewusstsein, die für den Höhepunkt der Jahreszeit stehen, wenn es eine typische ist. Eben das erleben wir aber immer seltener, und so muss man sich bisweilen symbolische Verstärkung holen. Ich merke, dass nicht wegen der Krise, auch wegen dieser klimabedingten Abweichungen vom typischen Wechsel der Jahreszeiten sich die Menschen wieder zunehmend nach typischer Symbolik sehnen. Die Resonanz auf meine Wunschbaum-Projekte ist dafür ein Beleg, aber ich kann es auch aus Gesprächen heraushören, dass nur immer Technik oder nur immer Popkultur die Menschen matt und gleichgültig machen kann. An zunehmend dunkler werdenden Tagen des Jahres bemühe ich mich, die Intensität der Baumsymbolik möglichst ungebremst in Formen umzusetzen, die für manche eine Bereicherung darstellen können.

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Undefinierte Jahreszeit und Sinn

M. hat heute meinen Eindruck geteilt, dass sich diese Tage Ende September absolut wie Winter anfühlen. Auch die Motivationen und Reaktionen der Menschen um mich herum scheinen wie eingefroren, passend zu diesem Eindruck. Die Bäume sind jetzt schon unsichtbar, dabei tragen sie überwiegend noch ihr grünes Blattkleid. Noch kaum etwas ist von Blätterherbst zu sehen. Sollte der augenscheinliche Herbst in diesem Jahr ausfallen? Wundern würde es mich nicht, hatte ich in diesem Tagebuch doch schon oft die Rede vom Verschwinden der Jahreszeiten. Das wäre ein weiteres Indiz für die kühne These. Und doch zeigen uns die Bäume immer noch Wechsel und Unstimmigkeiten an, nur eben immer öfter in Abweichung vom Gewohnten. Und so geschieht es immer öfter, dass wir eigenen Unwohlsein im zur Jahreszeit nicht passenden Wetter gespiegelt sehen. Sollte ein tieferer Sinn darin liegen, oder ist das Ganze nur ein gerichteter Reflex? Ich hoffe auf Ersteres, da wir Sinn für unsere Weiterentwicklung benötigen und sein Ausbleiben im Lebenslauf immer schlechter zu verarbeiten ist.

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Vorverlegte Honigsaison

Der Anfang des Sommers wird seinem Namen gerecht. Aber eigentlich hat er schon viel früher begonnen, wie überhaupt die Jahreszeiten deutlich vorverlegt zu sein scheinen. Eine Tendenz der letzten Jahre, die wohl auch auf die klimatischen Langzeitveränderungen zurückzuführen sind. Wir sehen das ganz deutlich an der Honigtracht, denn die typischen Blütenzeiten der honigträchtigen Pflanzen in unserer Region, die sich in der Reihenfolge Ahorn, Apfel, Weißdorn, Robinie, Brombeere und Esskastanie abwechseln oder auch teilweise überschneiden, sind allesamt mindestens einen Monat früher als etwa zur Zeit meiner Kindheit. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Honigsaison damals bis mindestens Ende August, manchmal auch bis Anfang September dauerte. Heute ist sie spätestens Anfang bis Mitte Juli bereits beendet. Das macht sogar schon mehr als einen Monat aus. In diesem Jahr ist günstig, von dem ohnehin guten Ertrag abgesehen, dass sich die verschiedenen Blütezeiten kaum überschneiden. Das bringt dann mehr Ertrag von einer Baumart und hat den Nebeneffekt, dass überwiegend sortenreine Honigsorten gewonnen werden können. Wenn alles so stimmig zusammengeht wie in diesem Jahr und auch das große Sterben der Vorjahre nicht in dieser Form festgestellt werden musste, dann ist die Vorverlegung ganz gut zu verschmerzen. Aber große Verluste und ausgefallene Blüte wichtiger Arten sind natürliche eine Katastrophe, die sich in den Vorjahren gehäuft hatte. Wenigstens ist uns das in dieser menschlichen Krisenzeit als positive Entwicklung gegönnt.

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Klimawandel im Spiegel verschwindender Jahreszeiten

Wieder so ein nass-kalter Tag, der die schon überstandene Erkältung leicht reaktivieren kann, wenn man nicht aufpasst. Und dann innerhalb von zwei Tagen fast frühlingshafte Temperaturen. Kein Wunder, wenn der Organismus da irritiert ist. Ich kann mir vorstellen, den Pflanzen da draußen geht es nicht anders. Schließlich sind wir nicht allein von diesen Klimakapriolen betroffen und leiden in gleicher Weise an den Veränderungen, wie wir auch im Gleichklang die Vorzüge der Jahreszeiten erleben und uns gegenseitig zurückspiegeln. Das das gefährdet sein könnte, insbesondere das wie selbstverständlich erwartete jahreszeitliche Erscheinung und Veränderung der Bäume, kann uns als größeres Problem erscheinen. Und auch wenn dieses Konkrete, Fassbare nicht so oft in die Diskussion Einzug findet, ist es doch für die Menschen wichtiger und die gesamte Motivation und Aktivität stärker beeinflussend als das abstrakte Gespräch und die global geäußerten Befürchtungen zum Klimawandel als Ganzem. Das Verschwinden der Jahreszeiten werde ich deshalb auch künftig öfter ansprechen und im Gespräch zum Thema machen.

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Für ein Ende dieses Winters

Da geht ein seltsamer Januar zu Ende. Sowohl die untypische Witterung betreffend, die das Verschwinden und Verwässern der Jahreszeiten exemplarisch zu bestätigen schien. Aber auch als Start ins Jahr habe ich schon motivierendere und hoffnungsfrohere Jahresanfänge erlebt. So richtig scheint sich seit Weihnachten in den Gemütern noch nichts bewegt zu haben, und die Verunsicherung ist allgegenwärtig. Bei so viel Abweichung vom Erwartbaren, wäre mir der Winter jetzt schon genug, und das Frühjahr könnte vorgezogen werden. Auch wenn es keine Holzofensaison für uns geben sollte. Dann sehe ich lieber den ersten hellen Tagen, dem ersten Baumgrün, den ersten auf der Fensterbank vorgezogenen Gartenpflanzen entgegen.

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Ein Argument gegen das Verschwinden der Jahreszeiten

Eigentlich hatte V. vorgehabt, heute den Holzofenofen endlich und zum ersten Mal für diesen Winter anzufeuern. Aber dazu ist es dann doch nicht gekommen, wohl weil die Temperatur über Nacht wieder angestiegen war. Sehr regnerisch, aber nicht sehr kalt, ist es jetzt. Und eigentlich könnten wir die Holzofenwärme trotzdem gut vertragen. So hoffe ich auf eine erneute Abkühlung und wieder sonnigeres Winterwetter. Denn das ist eine gute Konstellation für den Ofen, dann zieht er auch am besten. So scheint der Winter doch noch einige Spuren seines eigentlichen Charakters auch in dieser Saison zu entfalten. Und wir werden eine Argument mehr erhalten, das Verschwinden der Jahreszeiten nicht für ein Naturgesetz zu halten. Lieber noch als das Heizen mit dem Holz ehemaliger Fichten und Obstbäume ist mir aber ein möglichst frühzeitiger Frühling, der die Bäume wieder lebendig werden lässt, uns Grün und Licht bringt.

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Klimawandel und veränderte Wahrnehmungen

V. hat heute zum ersten Mal ernsthaft vom Holzofen gesprochen. Weil es in den letzten Tagen über Nacht unter die Nullgrad-Marke ging. Da denkt man schon eher an Winter. Mir wäre es ganz recht. Irgendwie fehlt ohne den Ofen etwas und die Jahreszeit ist noch schlechter als solche identifizierbar. Wenn da die Erkältungen nicht wären, würde man möglicherweise gar nicht mehr an die Jahreszeit denken. Symptomatisch ist auch die Arbeitspause der Wunschbaum-Manufaktur. In richtig langanhaltenden, grimmigen und ungemütlichen Wintern sah das ganz anders aus. In diesen Situationen ist das Bedürfnis nach Grün und der symbolischen Lebenskraft der Bäume besonders ausgeprägt gewesen. Aber Klimawandel und wie er sich bei uns mittlerweile regelmäßig auswirkt macht solche Erfahrungen zunehmend unwahrscheinlich. Damit verschieben sich auch gewisse Bedürfnislagen. Es wird eine der Herausforderungen in der Weiterentwicklung der Wunschbaum-Projekte sein, diese Veränderung zu berücksichtigen und den eigenen Kommentar inhaltlich erkennbar zu machen. Da bin ich selbst gespannt.

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Die Schnittstelle zwischen Kultur und Natur

Es war nur ein Gespräch übers Wetter. Aber daran konnte ich wieder sehen, dass das eigentlich für jeden ein Thema ist. Die Abwesenheit von Licht, das Verschwinden der Jahreszeiten, wie ich es gerne nenne, das nimmt jeder wahr und ist in seiner seelischen und körperlichen Verfassung davon beeinflusst. Solche Dinge sind viel einflussreicher, als man es sich bewusst macht. Persönlich wie in Gesellschaft und Wirtschaft hängt wahrscheinlich von den Jahreszeiten und dem wechselhaften Wetter mehr ab als von so manchen viel diskutierten Gesetzen und über Kompromisse mühsam herbeigeführten Beschlüssen und Rahmendaten. So holt uns die Eigenschaft als Teil des Naturganzen täglich immer wieder ein, überlagert das Kulturelle und gibt ihm eine Färbung. Für mich bleibt es deshalb wichtig, diese Schnittstelle zwischen Natur und Kultur am Beispiel der Bäume im Blick zu behalten und genau zu beobachten, wie sie sich im Zeitverlauf verändert und was wir in diesem Zwischenbereich lernen und verstehen können.

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Wenn sich das Verschwinden der Jahreszeiten überholt hat

Auch diesen Winter werden wir noch überstehen. Auch wenn es zurzeit nicht so aussieht, wie gelähmt die Menschen derzeit von der Lichtarmut, Nässe und Kälte wirken. Ganz saft- und kraftlos. Die Sehnsucht nach Licht und Frühling, nach dem ersten Grün der Bäume ist jetzt schon präsent und unverkennbar. Aber die Jahreszeiten gehören eben zu unserem kulturellen Setting, und ohne sie wären wir nicht dieselben. So müssen wir uns eben auch mit dieser Art von Winter arrangieren, hoffend, dass das Verschwinden der Jahreszeiten, das man derzeit vermuten könnte, sich durch weitere Verschiebung wieder aufhebt, so dass die Grenzen und Übergänge, die Abgrenzung zwischen Frühling, Sommer, Herbst und Winter wieder so wahrnehmbar sind, wie das in Kindheitstagen noch war oder zumindest schien.

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Symbolische Korrektur

Der erste Tag, an dem man ohne Winterjacke auskommen konnte. Absolut frühlingshafte Temperatur, fast schon frühsommerlich fühlte es sich beim Mittagsspaziergang an. Und das Licht ist, wenn die Sonne einmal längere Zeit durchkommt, einfach wohltuend. So bin ich zuversichtlich, dasss wir bald auch mit den Pflanz- und Säarbeiten im Garte beginnen können. Den nächsten sonnigen Nachmittag werde ich für das neue kunsthandwerkliche Projekt verwenden. Mit der zurzeit ganz stimmigen Mischung von kreativer Projektarbeit und dazwischen platzierten handwerklichen Phasen schaffe ich mir die besten Voraussetzungen, um die verwischten Grenzen zwischen den Jahreszeiten auszugleichen und jeder Zeit des Jahres ein Stück ihres gewohnten Profils zurückzugeben. Eine Art symbolischer Korrektur tatsächlich auftretender Veränderungen, die in engeren Grenzen funktioniert.

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Wenn Jahreszeiten und Bäume unsichtbar werden

Das mit dem Verschwinden der Jahreszeiten ist offenbar für immer mehr Menschen eine Art Gewissheit. Oft wird es anders ausgedrückt, aber im Kern vermissen viele die deutliche Abgrenzung und Erkennbarkeit der Jahreszeiten, bedauern die Unvorhersehbarkeit, die extremen, oft unpassenden Schwankungen. Und auf der anderen Seit steht das erworbene und eingelebte Bedürfnis nach einem Leben im Einklang mit dem, was wir einmal als Jahreszeiten kennengelernt haben. Eine Bekannte Ms hat das heute auch so zum Ausdruck gebracht, dass sie es sich nicht vorstellen könne, in einem Land zu leben, in dem die Temperaturen und das Wetter immer gleichmäßig sind. Der Gedanke ist mir schon sehr häufig gekommen. Und jedes Mal sehe ich mich in einer Art privilegierter Position, umgeben von einem Klima, das von üppigen Wäldern reguliert wird, die nicht nur Sauerstoff produzieren und CO2 verarbeiten, an denen man vor allem den Gang und das Wechseln der Jahreszeiten beobachten und quasi ablesen kann. Im Idealfall und so wie man es eigentlich kennt. Mit dem Verschwinden dieser Verhältnisse werden auch die Bäume unsichtbarer. Ein wechselseitiger Prozess, dessen Auswirkungen auf unser auch kulturelles Empfinden und Wirken noch gar nicht abzusehen ist und die ich mir nicht wirklich vorstellen will.

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Bäume sind die besseren Vorhersager

M. sagt, heute Nachmittag sei im Garten tatsächlich schon eine Amsel an ihrem Gesang zu hören gewesen. Das ist Ende Januar geradezu unglaublich und bestätigt nur das immer wieder konstatierte Verschwinden der Jahreszeiten, das manchmal eben auch eine gegenseitige Überlagerung früher einmal aufeinanderfolgender Jahreszeiten bedeutet. Man ist versucht, so etwas als Vorzeichen zu interpretieren, da mit gutem Grund die Sensibilität der Tiere für längerfristige Veränderungen des Wetters höher eingeschätzt werden kann als die von uns Menschen. Aber wir haben schon allzu häufig auch in Vorjahren beobachtet, dass die Vögel punktuell sangen und dann Wochen später der Winter doch wieder zurückgekehrt ist. Ich meine, die Bäume sind im Bezug darauf noch vorsichtiger und insofern auch zuverlässiger. Wenn die ersten Blätter treiben, oder bei manchen Arten vorher auch die Blüten, wie z. B. beim Spitzahorn, dann kann man schon sicherer von einem Aufkeimen des Frühlings sprechen. Das konnte ich bisher bei den Bäumen und Sträuchern so deutlich noch nicht erkennen und stelle mich vorerst noch auf eine längere Phase des Schmuddelwetters ein, das irgendwo zwischen winterlicher Kälte, novembergleicher Dämmerung und undefinierbarer Ganzjahresnässe liegt.

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Verhinderte Spaziergänge

Die Bäume sind so weit weg in diesen Tagen, dass mir die Kulisse, so unwahrscheinlich sie ohnehin schon scheint, noch unwirklicher vorkommt. Tatsächlich kann ich mich an kaum eine Jahreswende erinnern, in denen es tatsächlich nicht möglich war, einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen. Das ist diesmal vollkommen ausgefallen, inklusive all der Eindrücke, die auch im Winter in der Baumlandschaft entstehen können, wenn denn die Gelegenheit dazu vorhanden ist. Auf diese Weise wird dies ein namen- und konturloser Winter, in dem die traditionelle Reihe meiner Baum-Winter-Fotografien keine Fortsetzung finden wird. Bei der Fahrt gestern bin ich wieder an dem hohen Stapel aufgeschichteter Stämme vorbeigefahren, um festzustellen, dass er fast komplett abtransportiert wurde und nur noch Reste zu sehen sind. Auch diese Gelegenheit, die Stammquerschnittprofile in einigen Nahaufnahmen festzuhalten, was bei dieser Formation sehr günstig gewesen wäre, habe ich auf Grund der widrigen Witterung also verpasst. Nun setze ich Hoffnung auf das Frühjahr und hoffe vor allem, es wird uns in diesem Jahr ein vorgezogener Frühling vergönnt sein, der den verschwundenen Winter vergessen lässt. Auch wenn damit das Verschwinden der Jahreszeiten eine Fortsetzung findet.

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Verschobene Erwartungen

Eigentlich schade, ich sehe die Chance auf eine Holzofensaison zunehmend schwinden. Wahrscheinlich wird es tatsächlich ein Winter ohne Holzbrand und die besondere Wärme des Ofens. Das liegt an den ungewöhnlich milden Temperaturen draußen, aber auch an Ms Antipathie und den Befürchtungen, die vor allem an der Staubentwicklung durch den Ofen hängen. Meine eigene Wahrnehmung ist da eher atmosphärisch und der Ausfall entsprechend ein Verlust. So hat das Verschwinden der Jahreszeiten noch ganz ungeahnte Folgewirkungen, die bis in die häuslichen Gewohnheiten und Erwartungen hineinreichen. Ich hoffe, das Gefühl für die Unterschiede von Frühling, Sommer, Herbst und Winter geht uns längerfristig nicht vollkommen verloren.

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Fehlende Kälte beeinflusst die Wahrnehmung

Allmählich komme ich mit dem Zurückblicken, Abschließen, Ordnen und Bereinigen doch zu einem Ergebnis. Eben mit allem, was beim Jahresanfang im Spannungsfeld zwischen Rückschau und Vorausplanung alles anfällt. Es ist dann wie eine Erleichterung, wenn man das Gefühl hat, bestimmte Dinge zu einem Ergebnis gebracht zu haben. Nicht immer aber funktioniert das pünktlich zum Ende des Kalenderjahres. So kommt mein Jahreswechsel eigentlich erst einige Wochen später, die Weihnachtszeit klammere ich auch gerne ganz aus dieser Betrachtung aus, denn die ist für mich eine Zeit, die quasi außer Konkurrenz läuft und gleichzeitig für das Gefüge und die Motivation des ganzen Jahres von großer Bedeutung ist. Die Bäume und ihre Symbolik spielen am Anfang dieses neuen Jahres offenbar keine große Rolle, ganz anders als in den beiden Vorjahren, als ich nach Weihnachten jeweils einen genauso großen Ansturm in Sachen Manufaktur erlebt habe wie in den sechs Wochen vor Weihnachten. Diesmal fiel die Spiegelung nach den Feiertagen aus, die Menschen sind noch wie eingeschläfert. Nicht bereit und noch nicht in der Lage, über das Alltägliche hinaus den Blick auf die symbolischen Formen zu werfen oder aus ihnen Anregungen zu beziehen. Ich glaube, das hängt wesentlich mit dem ungewöhnlichen, so gar nicht winterlichen Wetter zusammen. Wirkliche Kälte, Schnee und Eis verstärkt die Sehnsucht nach Grün und nach Wärme, wie sie mit dem Holz der Bäume und aus ihnen hergestellten Objekten assoziiert wird. Wenn viele Blumen aber im Januar blühen, wegen der nicht passenden Temperatur, ist die Aufmerksamkeit aber irritiert und die sonst naheliegenden und heilsamen Kompensationshandlungen bleiben aus. Also ein Jahr, das in dieser Hinsicht einen verzögerten Anlauf nehmen wird.

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Fortschrittszweifel

Jetzt macht der November seinem Klischee alle Ehre. So nass, kalt und trüb zugleich schleicht sich das Außen allmählich in die Glieder und verursacht so manches Unwohlsein. Es ist diese Übergangszeit, die den menschlichen Organismus besonders herausfordert und einen zweifeln lässt, ob man sich den Winter herbeiwünschen soll. Dann, denkt man, doch lieber gleich richtig kalt, mit Schnee und Eis. Aber die richtigen Jahreszeiten sind uns nur noch selten vergönnt. Und selbst die Bäume müssen sich anstrengen, angesichts der Undeutlichkeiten und Überschneidungen die Jahreszeit noch einigermaßen zuverlässig durch Laubbildung und Laubfärbung zu signalisieren. Schwerstarbeit, wie so vieles in diesen Zeiten, in denen man sich fragen kann, worin eigentlich der Fortschritt besteht.

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