Winterpflanzung mit jahreszeitlichem Sinn und Familientradition

Dieses Jahr haben wir die Vorbereitung oder besser Umstellung des Gartens auf die Winterzeit sehr gut terminiert. Denn in den Vorjahren konnten wir diese Arbeiten meist erst ganz kurzfristig vor Allerheiligen realisieren. Und auch nur deshalb, weil M. das von Kindertagen an gewohnt ist, die Sommerblumen vor Allerheiligen zu entfernen und stattdessen winterharte Blumen und Gehölze zu pflanzen. Das sind bei uns traditionell verschiedene Heide- bzw. Erika-Varianten und verschiedenfarbige Stiefmütterchen, die trotz ihrer zarten kleinen Blütenblättchen die eindrucksvolle Eigenschaft mitbringen, selbst starkem Frost standhalten zu können. Das ist über Winter immer eine große Freude für uns anzusehen, vor allem weil sich die kleinen Blumen dann bis spät ins Frühjahr hinein halten und unverwüstlich scheinen. Diesmal habe ich alle Pflanzen allein besorgt, weil das M. zu anstrengend war. Und den Tausch, das Auffrischen der Pflanzerde und das Pflanzen selbst habe ich natürlich auch selbst erledigt. Aber ich habe mich sehr gefreut, dass M. später dazu kam und die Pflanzgefäß vorbereitet und nach dem Pflanzen für eine sauberes Bild gesorgt hat. Ich finde, im Ergebnis ist uns das wieder sehr gut gelungen. Auch die Auswahl der Farben selbst, und die Kombination zwischen Heide und Stiefmütterchen, konnten wir sehr abwechslungsreich und stimmig arrangieren. Das ist ein gutes Gefühl, weil solche Dinge eine Möglichkeit sind, vielleicht die beste, jahreszeitliche Umbrüche kulturell zu reflektieren, dabei bewusst wahrzunehmen und sie formal begreifbar zu machen. Ein großer Gewinn und eine große Bereicherung ist das, wie ich finde. Und es hat eben sehr viel auch mit Familientradition und mit einem geteilten Bewusstsein für den besonderen Wert dieser vegetabilen jahreszeitlichen Traditionen zu tun.

Kreativität fördernde Übergangszeit

Ende August, das bedeutet schon, dass der Sommer hinter uns liegt. Etwas, das ich während des Hochsommers immer im Blick habe, und doch ist es dann irgendwann so weit, verbunden mit einem melancholisch angehauchten Gefühl von Herbst. Alles in der Natur, der Baumlandschaft, der Erscheinung des Gartens deutet darauf hin, zeigt dieses an: Der Sommer hat seinen Höhepunkt schon deutlich hinter sich, aber der Herbst ist noch nicht angekommen. Beginn einer dieser Übergangszeitphasen, die nach meinem Empfinden besonders reizvoll und kreativitätsfördernd sein können. Nicht unbedingt entspannend und erholsam, aber doch anregend, motivierend, auf Veränderung ausgerichtet und Veränderung begünstigend. Das ist es, was mir an diesem ruhigen Sonntag vor allem vor die Seele getreten ist.

Nicht zuverlässig gefühlte Frühlingstendenzen

Nun geht der Januar schon zu Ende, und der Winter hat uns wettermäßig immer noch im Griff. Aber trotz der Kälte und dem nur sporadisch durchkommenden Licht wirkt es gefühlt schon nicht mehr ganz so winterlich. Sollten wir doch einmal einen früh einsetzen Frühling erleben? An den Pflanzen kann man es noch nicht ablesen. Die sind gewöhnlich die zuverlässigsten Anzeiger und Vorhersager sicherer jahreszeitlicher Umbrüche. Da sich die Bäume und grünen Pflanzen aber noch zurückhaltend zeigen, wird es schnell wohl nicht zum frühlingshaften Umbruch kommen. Aber wir können uns schonmal erfreuen an jedem Mehr an Licht und wärmenden Sonnenstrahlen, was allein schon wegen der allmählich länger werdenden Tage immer wahrscheinlicher wird.

Die Umkehrung in der Herbstzeit

Endlich einmal wieder ein ruhiger Sonntag, mit dem Besuch des örtlichen Traditionsfestes, ein wenig Ausruhen und spannender Lektüre. Das sind Erholungsphasen, die wichtig sind, um die vielen Vorhaben der arbeitsreichen Wochen vernünftig und mit konstanter Qualität umsetzen zu können. Obwohl der Herbst schon deutlich spürbar ist und man vielleicht nicht mehr so viel Zeit draußen verbringt, nimmt doch jetzt schon nach meinem Empfinden der Jahresendspurt seinen Lauf. Eigentlich denkt man jetzt schon an das Jahresende und alles, was bis dahin noch abzuschließen ist. Gut ist das, weil man es mit der Herbstzeit in der Natur in Verbindung bringt und quasi im eigenen Kultur- und Sozialleben eine Entsprechung sieht. Aber es bedeutet eben auch Wehmut und das Gefühl, die nach außen, wie Rudolf Steiner es sagen würde, in den Kosmos hinein gerichtete Ausdehnung der Gedanken und Energien umzukehren und die Erde sowie das eigene Innere bis zur Wintersonnenwende immer stärker in den Fokus zu rücken. Das ist für einige Wochen zumindest auch eine schmerzhafte Umstellung.