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Manchmal gibt’s doch noch Jahreszeit

Das fühlt sich dann doch genau wie der typische November an. Jetzt gehen auch die Chilipflanzen allmählich ein, in der Form, dass die Blätter schlaff werden, obwohl genug Wasser vorhanden ist. Schuld sind die schon empfindlichen Nachttemperaturen, die die Wärme liebende Pflanzenart nicht gut verträgt. So werde ich in den nächsten 10 Tagen sicher die letzten Chilischoten ernten, viele davon noch grün. Aber nach den jüngsten Erfahrungen sollten auch die zumindest noch gelb ausreifen, wenn sie einige Tage auf der warmen Fensterbank verbracht haben. Die Gartenbäume sind jetzt fast komplett kahl, haben alle Blätter abgeworfen. Eigentlich passend zur Jahreszeit. Gut, auch das zu beobachten, denn es zeigt, dass die Jahreszeiten doch noch nicht ganz verschwunden sind. Das gehört zu meinen größten Verlustängsten, weil uns dadurch Teile unserer den Jahreszyklus voraussetzenden Traditionen, v. a. im Bereich der vegetabilen Lebenssymbolik, verloren gehen könnten.

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Vielleicht gibt’s einen goldenen Novemberanfang

Nun wird das richtige Wetter für die Baumherbst-Fotografie wohl erst Anfang November kommen. Das war nichts mit goldenem Oktober, wieder eine solche Verschiebung, die mit dem Verschwinden der Jahreszeiten zu tun hat. Allerdings hatten wir auch schon über Allerheiligen strahlenden Sonnenschein, vielleicht sehen wir in diesem Jahr eine Wiederholung dieser eher untypischen Wetterlage im November. Dass meine Chilipflanzen immer noch kräftig grüne Blätter tragen, nach wie vor blühen und immer größere Schoten wachsen lassen, ist Resultat der eher milden Temperaturn. Aber die Sonnenstunden fehlen, um die Schoten auch richtig reifen zu lassen. So pflücke ich alle, die einen Hauch von Gelb- oder Rotfärbung zeigen, schon frühzeitig aber und lasse sie drinnen, auf der Fensterbank, nachreifen, was meist auch funktioniert, wenn es auch etwas dauert. Eine neue Methode, die ein gute Chiliernte doch noch sicherstellen soll, die auf Grund der opulent ausgewachsenen Pflanzen schon vor zwei Monaten zu erwarten war.

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Das Typische festhalten

Ich hoffe auf wieder sonnenreichere Tage, damit ich den Baumherbst zumindest ein wenig fotografisch festhalten kann. Man muss sich wegen des Verschwindens der Jahreszeiten schon sehr auf die typischen Phasen konzentrieren und die wenigen Gelegenheiten nutzen, bevor es wieder im Undefinierbaren verschwindet. Herbstfarben haben schon für die meisten etwas Wärmendes, etwas, das mit der kälter und dunkler werdenden Zeit frühzeitig versöhnt, eine Form von vegetabilem Trost, der uns gerade in diesen Krisenzeiten gut tun kann. Ich gebe mir Mühe, das Bewusstsein für solche Zusammenhänge zu schärfen, auch durch die Einträge im Baumtagebuch.

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Sehnsucht nach typischer Symbolik

Das Motiv unserer neuen Tischsets ist zurzeit das am herbstlichsten Anmutende im Alltag. Die wunderbar klischeehaft bunten Darstellungen des Herbstlaubs von Spitzahorn, Rosskastanie und Eiche bringen uns die Baumfarben ins Bewusstsein, die für den Höhepunkt der Jahreszeit stehen, wenn es eine typische ist. Eben das erleben wir aber immer seltener, und so muss man sich bisweilen symbolische Verstärkung holen. Ich merke, dass nicht wegen der Krise, auch wegen dieser klimabedingten Abweichungen vom typischen Wechsel der Jahreszeiten sich die Menschen wieder zunehmend nach typischer Symbolik sehnen. Die Resonanz auf meine Wunschbaum-Projekte ist dafür ein Beleg, aber ich kann es auch aus Gesprächen heraushören, dass nur immer Technik oder nur immer Popkultur die Menschen matt und gleichgültig machen kann. An zunehmend dunkler werdenden Tagen des Jahres bemühe ich mich, die Intensität der Baumsymbolik möglichst ungebremst in Formen umzusetzen, die für manche eine Bereicherung darstellen können.

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Nah am Typischen der Art

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Ausstrahlung einer Holzart je nach Abschnitt sein kann. Der Eschenabschnitt, den ich ab heute verwende, unterscheidet sich stark von den Kernstücken, die nun einige Jahre meine bevorzugte Auswahl darstellten. Dieser ist sehr schön geriegelt und flammend gewachsen, geht aber farblich und in Bezug auf seine Mikrostruktur eher in Richtung dessen, was man als Typisch von der Esche kennt. Vielleicht ist das auch die bessere Lösung, besonders nah an das Typische der Art heranzukommen. Ich versuche das meist so einzurichten. Manche Arten haben sich in der Vergangenheit aber als sehr widerspenstig in der Bearbeitung erwiesen, was mich dann spezielle Abschnitte wählen ließ, bei denen das jeweilige Problem nicht so deutlich auftrat. Meine Fähigkeit, auch besonders schwierige Hölzer in die gewünschte Endform zu bringen, hat sich zwischenzeitlich aber noch ein Stück verbessert, so dass ich in manchen Fällen wieder back tot he roots gehen kann. Bin gespannt, welche Impulse sich daraus für die Weiterentwicklung des Projekts ergeben.

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