Für bewusstes Wahrnehmen sinnhafter Tradition

Schade, auch in diesem Jahr werde ich nicht mehr dazu kommen, etwas Plastisches für Ostern zu schaffen. Die letzte skulpturale oder plastische Arbeit liegt schon einige Jahre zurück: Zwei Eiformen mit gegenläufig kreuzförmigen Einschnitten, die ich aus zwei Abschnitten der duftenden Atlas-Zeder geformt hatte. Die zieren auch in dieser vorösterlichen Zeit neben den anderen früheren Oster-Kreationen unsere Wohnung. M. denkt immer daran, auch wenn diese Tradition im individuellen Dekorieren, passend zur Jahreszeit oder dem Feiertag, für uns nicht mehr dieselbe Innerlichkeit besitzt wie früher. Vielleicht eine Folge des Älterwerdens, in dem so manches seinen ursprünglichen Zauber verliert oder zumindest einiges am Zauberhaften und Atmosphärischen einbüßt. Aber man muss sich da auch an die eigene Nase fassen und das bewusste Wahrnehmen und Verfolgen der Traditionen quasi üben. Das fällt in diesen ablenkenden und von Krisen überschütteten Zeit ziemlich schwer. Ich versuche es dennoch, weil ich immer das sichere Gefühl habe, ganz Wesentliches ansonsten zu vernachlässigen. Vielleicht oder sicher sogar sind es genau diese Dinge, die wirklich für unsere Weiterentwicklung Bedeutung haben. Wir haben uns zu sehr an den Niedergang und das Verschwinden von sinnhafter Tradition gewöhnt und müssen da wieder die Kurve kriegen.

Buchsbaum, Palmen und christliche Symbolik

Sehr froh bin ich, heute mit M. zusammen zur Palmsegnung gegangen zu sein. Der gemeinsame Besuch der Palmsonntagsmesse mit der traditionellen Segnung hat für uns Tradition. Ich hätte es sehr bedauert, wenn das dieses Jahr ausgefallen wäre, glücklicherweise war M. heute aber in der Lage, mich zu begleiten. Die Palmzweige hatte ich gestern schon geschnitten, wie immer an dem kleinen Buchsbaumbusch, der eine Ecke des Gartens ziert und der auch wegen der alle paar Jahre notwendigen Rückschnitte die Form und Größe eines Buschs nie überschritten hat. Der Buchsbaumzünsler hat in den letzten fünf Jahren gleich zweimal zugeschlagen und mich gezwungen, ihn mit biologischen Mitteln und radikalem Rückschnitt zu bekämpfen. Wohl auch deshalb, vielleicht aber wegen der Witterung im Vorjahr, standen diesmal zwar ausreichend viele, aber nur sehr kurze Zweige zur Verfügung. Die drei Sträuße, die ich letztlich gebündelt habe, waren so diesmal ziemlich klein. Um alle Kreuze im Haus zu bestücken und außerdem für zwei kleine Sträußchen, die wir regelmäßig weitergeben, war es aber ausreichend. Ich habe zudem noch einige Zweige zurückgelegt, die wir anderweitig verwenden können. Der Palmsonntag behält für mich seine christliche Bedeutung, auch als Auftakt zur Karwoche. Faszinierend finde ich aber nach wie vor auch die vegetabile Symbolik, die sich mit christlichem Sinn gerade im Brauch mit den Palmzweigen verbindet. Schön, dass es uns vergönnt ist, diese Tradition lebendig zu halten: https://wunschbaum.de/palmsonntag.html

Wenn die Weihnachtsbaumrituale ihren Sinn behalten

Nun habe ich den Weihnachtsbaum doch schon abgeschmückt, was ich mir erst am Samstag vorgenommen hatte. Und mit dem Weihnachtsbaum auch verschiedene andere weihnachtliche Dekorationen im Innenbereich, die wir noch eine Woche länger gelassen hatten. Das war wie immer ein feierliches Ritual, natürlich mit dem begleitenden letzten Hören von Weihnachtsliedern für diese Saison. Auch wenn das andere belächeln mögen, mit der richtigen Einstellung und Aufmerksamkeit machen feiertägliche Rituale und Traditionen in jedem Alter Sinn, und das sehe ich besonders verwirklicht in Krisenzeiten wie diesen. Ich bin sehr froh, dass Sinnvolles dieser Art noch möglich ist, denn unsere seelische Gesundheit hängt m. E. sehr stark von Denken und Handeln ab, das gerade nicht der zweckhaften Logik des Arbeitsalltags unterworfen ist.

Für mich ein sinnhaftes Räucherritual

Die Tradition habe ich nicht vergessen. Auch in den Vorjahren hatte ich das Räucherritual immer auf den letzten Tag der Weihnachtszeit gelegt, den Festtag der Heiligen Drei Könige. Weihrauch habe ich ausreichend zur Verfügung, sogar verschiedene Sorten. Aber die Zündkohlen gehen mir nun doch aus, vor allem sind sie so alt geworden, dass ich sie nur mit Mühe und nach mehreren Anläufen zum Zünden bekomme. Letztlich hat es aber funktioniert, jedenfalls so gut, dass ein schmaler Rauchfaden regelmäßig aus der glasierten Tonschale entströmte, auf der ich die Kohle immer platziere, um mit der Schale in der Hand die verschiedenen Wohnräume zu durchschreiten. V. hält nichts davon, aber das spielt keine Rolle. Ich finde den Gedanken einer Schutzwirkung für das vor uns liegende Jahr tröstlich und das Ritual vor allem so schön in die Weihnachtszeit passend, dass ich gerne daran festhalte. Zumal wir von den Heiligen Drei Königen in Form der Sternsinger schon länger nichts mehr mitbekommen haben. Sofern das in der Pandemiezeit überhaupt noch stattgefunden hat, läuft es eher anonym ab, mit vorgefertigten Aufklebern, ohne Singen und überhaupt ohne jene von der Präsenz der in Rollen geschlüpften Kinder lebende Symbolwirkung. Eigentlich schien es auch schon in den Jahren zuvor zunehmend rein formal und sinnentleert. Aber das liegt daran, dass in die Vorbereitung der Sternsinger auf ihre Aufgabe immer weniger Mühe investiert wird und man hier wie in vielen christlichen Traditionen einen Hang zur wenig innerlichen Folklore entwickelt hat. So ist es heute schwierig geworden, die Weihnacht in ihrem weitreichenden und tief gehenden Sinn als Gemeinschaftsfestzeit zu erleben und zu gestalten.

Freie Interpretation der Tradition

Ich bin noch unschlüssig, ob ich am Wochenende tatsächlich die Weihnachtsdekoration abräumen soll. Eigentlich endet morgen mit dem Dreikönigstag die Weihnachtszeit. Aber gerade jetzt ist es kälter geworden, fühlt sich erstmals für die Saison wie Winter an. Und dann wirkt die weihnachtliche Beleuchtung umso wärmender und stimmiger. So könnte ich mir vorstellen, zwar den Weihnachtsbaum, den beleuchteten Kranz und den erleuchteten Mistelzweig vorm Haus abzuräumen, aber den Weihnachtsbaum und unsere so schöne Schrankbeleuchtung noch eine Woche zu belassen. Die Aussicht erfreut mich umso mehr, als V. heute beschlossen hat, die Ofensaison zu starten. Die heimelige Holzbrandofenwärme wäre für die Weihnachtszeit genau das richtige gewesen, nur hatten wir in der Zeit eben unwinterliches Wetter. Alles verkehrt, uns so ist es vielleicht erlaubt, die zeitliche Reihenfolge in der Anwendung der Tradition etwas freier zu interpretieren.

Neues Jahr und gefühlte Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit hat im letzten Jahr für viele früher begonnen als gewöhnlich, einfach weil es ein Bedürfnis nach Krisenarmut gab, das die Weihnacht und ihre Symbole und Traditionen ausfüllen sollten. Ich denke, das hat auch so gewirkt. Merkwürdig ist demgegenüber, dass diese Zeit im neuen Jahr früher abgeschlossen werden soll, so scheint es mir zumindest. Meinem Bedürfnis entspricht das nicht, von mir aus könnten wir die Zeit im Gegenteil noch weiter verlängern, über den Dreikönigstag hinaus. So werde ich alles, was uns die Weihnacht im und ums Haus herum jeden Tag so eindrücklich vergegenwärtigt, ganz sicher noch bis zum folgenden Wochenende belassen. Und wer weiß, wenn der Winter Mitte der Woche doch noch kommen sollte, zumindest durch winterlich tiefe Temperaturen ausgedrückt, dann könnte ich mir auch eine private weihnachtliche Verlängerung inklusive des Weihnachtsbaums vorstellen – gleichgültig, was andere mit dem Jahresanfang in Verbindung bringen mögen.

Ehrliche Weihnachtsreflexion und Lebenserfahrung

Die Krisenstimmung färbt leider inzwischen auf alles ab. Sogar die Weihnachtsmesse, die ganze Wahrnehmung des Weihnachtsfestes steht wie alles unter diesem gedanklichen und atmosphärischen Einfluss. Dennoch freue ich mich, mit M. heute früh die Messe besucht zu haben, die musikalisch schön gestaltet war und mit sehr modernen und klaren Worten von Seiten des Pfarrers, die in dieser ermüdenden Zeit aufbauend wirken. Wir konnten die Ruhe dieses ersten Weihnachtstages genießen und bewusst das verinnerlichen, was das christliche Fest eigentlich ausmacht. Es mir wichtig, das ehrlich zu reflektieren und die eigene Lebenserfahrung bei dieser Reflexion nicht auszublenden. Beim Betrachten des schön geschmückten und leuchtenden Weihnachtsbaums, in unseren Weihnachtszimmern, aber auch bei jeder stillen und kommunikativen Aktivität im Laufe der Weihnachtszeit. Nur dann macht es Sinn und bedeutet eine zeitgemäße Wahrnehmung der Weihnacht. Die Lektüre von Vortragsmitschriften Rudolf Steiners gehörte für mich stimmig in dieses Feiertagserleben. In den nächsten Tagen werde ich sicherlich auch die weiteren Bände sichten, die ich mir in diesem Jahr zu Weihnachten gewünscht hatte.

Reminiszenzen und neue Impressionen vom Heiligen Abend

Weihnachtszimmerimpression an Heiligabend 2021

Eine Christmette konnten wir in diesem Jahr leider nicht besuchen, da die Gottesdienstpläne in den Gemeinden immer mehr ausdünnen. So ist die erste Möglichkeit am 1. Weihnachtsfeiertag, wir werden die Weihnachtsmesse morgen früh stattdessen besuchen. Aber der Heilige Abend konnte gerade deshalb die feierliche Stimmung entwickeln, die wir uns seit Kindertagen wünschen und in Erinnerung behalten. Seit Jahren zum ersten Mal wieder habe ich die kleinen Kerzenhalter mit Holzfigürchen hervorgeholt, von denen jeder in der Familie seinen eigenen vor dem Teller mit den Hühnerpasteten aufgestellt hat. Den Schneemann für mich habe ich ebenso gefunden wie den stehenden Engel für M. und den sitzenden für V. auch die passenden winzigen Kerzen habe ich ausgekramt und farblich passend eingesetzt. Das ist bei uns Tradition, schön, das in der Art von früher wieder erleben zu dürfen. Das traditionelle Abendessen, die Bescherung, die besondere Atmosphäre in den weihnachtlich geschmückten Räumen. Auch für erwachsene Kinder ist das etwas von wirklicher Bedeutung. Am späten Abend habe ich die ersten Weihnachtszimmermotive in abstrakter Unschärfe festgehalten, die auch wegen neuer Dekorationselemente und Dingen von Ms Geburtstag etwas Einzigartiges haben. Sicher werde ich die an diesem heiligen Abend eingefangene Weihnachtslichterstimmung noch in weiteren Fotoreihen verewigen.

Weihnachtsgedanken und Chancen aus neu erfahrenem Sinn

Vielleicht hatte es ja mit Ms rundem Geburtstag kurz vor Weihnachten zu tun, vielleicht aber auch mit der für viele vorgezogenen Weihnachtswoche, dass die per Briefpost, E-Mail oder in Form persönlichen Besuche und Begegnungen übermittelten Weihnachtsgrüße und -wünsche in diesem Jahr einen so großen Raum einfordern. Tatsächlich sind wir in den vergangenen Tagen zu fast nichts anderem mehr gekommen. Gut, dass ich einen Großteil diesjähriger Projektarbeiten schon kurz zuvor in einen sicheren Hafen bringen oder gar abschließen konnte. So konnte ich benötigte zusätzliche Zeit für diese Kommunikation aufwenden. Vieles spricht dafür, dass es genau das ist, was wir alle in diesen Wochen, auf einem der Höhepunkte der langen Krisenzeit benötigen. Dann spielt es keine Rolle, ob es dem Gewohnten entspricht, dann entfaltet die Abweichung von der Routine einen noch nicht gekannten Sinn, der unser Erfahrungs- und Verhaltensrepertoire erweitert. Vielleicht das Positivste an allem, was gegenwärtig zu erleben ist. Nun wollen wir gemeinsam die eigentlichen Weihnachtstage als solche in uns aufnehmen, mit allem, was an Sinn in ihnen zu Tage tritt und zu Tage gefördert werden kann. Und wir wollen alle Elemente des Weihnachtlichen, die traditionellen Rituale und Traditionen, die festtäglichen Kommunikationen, die vegetabile Weihnachtssymbolik mit ihrer symbolischen Akzentuierung in den Weihnachtsbäumen, den christlichen Sinn des Feiertags in uns lebendig werden lassen und das Weihnachtsfest als Geburtstest, als Feier des Neuanfangs und der Erneuerung begreifen.

Ein großer Ehrentag in vorweihnachtlicher Atmosphäre

Für M und ihren großen Ehrentag freue ich mich, dass sich so viele Besucher sukzessive eingefunden haben. Wir hatten das in dem Umfang und so intensiv nicht erwartet. Entsprechend herausfordernd war der Tag dann auch für uns alle, die Anstrengung aber wurde deutlich durch die zahlreichen Begegnungen und empathischen Gespräche ausgeglichen. Dennoch scheint mir im Nachhinein dieser Tag mit den vielen Begegnungen doch allzu schnell vorüber gegangen zu sein, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen lassen und insofern wirklich etwas bedeuten. Das Weihnachtszimmer mit der Hauptattraktion des geschmückten Weihnachtsbaums hatten wir wie immer einige Tage zuvor fertiggeschmückt, so konnten wir uns und die Gäste in einem sehr stimmungsvollen vorweihnachtlichen Rahmen bewegen, der allen guttat. Und dass ich M. mit den fotografischen Erinnerungsstücken an Eltern und frühe Kindheit etwas Bleibendes überreichen konnte, das auch später noch an diesen besonderen Tag erinnern lässt, freut mich besonders.

Der beste aller passenden Weihnachtsbäume

Die Witterung war heute so gar nicht weihnachtlich, ziemlich lau und Nieselregen. Nicht das, was man sich als Rahmen fürs Aussuchen des Weihnachtsbaums wünscht. Auf dem Areal, auf dem der Händler die neuen Bäume aufgestellt hatte, war es entsprechend matschig. Aber ich war wie immer vor der eigentlichen Öffnungszeit vor Ort und konnte in Ruhe die Favoriten sichten. Diesmal war es besonders schwierig, den Wunsch-Weihnachtsbaum zu finden, mich für eines der Exemplare zu entscheiden. Meine Wahl fiel schließlich auf einen ausreichend hohen Baum mit gleichmäßigem Astaufbau, v. a. auch schönen verteilten Ästen in der Krone. Der hat wie so oft zwar an einer Seite eine kleine Lücke, aber die kann man ja in die Ecke drehen, so dass das kaum auffallen dürfte. Die Nadeln sind bei diesem Baum recht hellgrün, das hätte ich mir mehr ins Dunkelgrün verwandelt gewünscht. Aber der Händler meint, das sei typisch für Biobäume, die nicht mit zusätzlichem Stickstoff gedüngt werden. Jedenfalls wird dieser Baum geschmückt sicher ein schöner Weihnachtsbaum werden. Und er war insgesamt auch der schönste in der Größe, den ich aussuchen konnte. Jetzt soll er noch zwei Tage im Regen stehen, bis ich ihn unter Dach hole, denn am Wochenende ist das Schmücken angesagt, rechtzeitig vor Ms rundem Geburtstag. Die Menschen scheinen in dieser Saison besonders viel Wert auf weihnachtliche Atmosphäre zu legen. So viel auch frühzeitig installierten Schmuck habe ich selten zuvor gesehen. Und die meisten zeigen dabei auch erstaunlichen Geschmack und viel Sorgfalt. Das finde ich toll und es zeigt v. a., wie wichtig die Traditionen in Krisenzeiten geworden sind, wenn sie Innerlichkeit und zeitlos Wichtiges ansprechen und die Menschen sich an ihnen wieder aufrichten können.

Weihnachtsfeierliche Gemütshaltung

Ms aktuelles Problem konnten wir doch mit weniger Aufwand und Aufregung auflösen, als wir zuletzt angenommen haben. So hoffe ich, dass die Dinge wieder einigermaßen gewohnte Form annehmen und die letzten Vorweihnachtswochen nicht nur mit Unübersichtlichem angefüllt sind. Überhaupt laufen gewisse Fäden jetzt zusammen und neue haben sich aufgewickelt. Ganz gute Voraussetzungen für einen hoffnungsvollen Start ins neue Lebens- und Projektjahr. Dass so kurz vor Weihnachten meine kunsthandwerkliche Holzarbeit verstärkt herausgefordert ist, freut mich besonders. Denn diese sehr innerliche Arbeitsweise, wie sie etwa in dem fiktiven historischen Roman „Die Glasbläserin“ zum Vorschein kommt, oder in anderen so beliebten literarischen Rekonstruktionen traditioneller Berufe, passt wie nichts Anderes zur eigentlichen Bedeutung der Weihnachtszeit, weil sie von einem Feuer lebt, das die Produzenten in sich entzünden, ebenso wie von der weihnachtsfeierlichen Gemütshaltung derjenigen, die die kunsthandwerklich gefertigten Symbolformen in der Zeit um Weihnachten für sich nutzen.

Weihnachtliche Tradition zwischen Nikolaus und Weihnachtsbaum

Natürlich hat man in Kindertagen ein ganz anderes Verhältnis zum Nikolaus. Aber auch bei Erwachsenen hinterlässt der Nikolaustag oft noch ein Stück Melancholie oder Wehmut. Heute war es wie als notwendige Kompensation für die Auslassung des Themas bis dahin eine schöne Begegnung mit dem Nikolaus im Aufzug des Ärztehauses. In dem war ich auf dem Weg zu einer Arztpraxis, aber im selben Gebäude ist auch ein Seniorenstift untergebracht. Offensichtlich waren der Nikolaus in opulenter Verkleidung und die ältere Dame in seiner Begleitung auf dem Weg zu den alten Leuten, um ihnen zum Nikolaustag mit Schokoladen-Nikoläusen in Silberpapier und natürlich ihrer anrührenden Präsenz eine Freude zu machen. Den Besuch bei den Senioren habe ich nicht beobachten können, aber die eigene kurze Fahrt über einige Etagen mit der Symbolfigur war doch eine schöne, sicher nicht zufällige Begegnung. Das hat mehr von der weihnachtlichen Folklore in kindlicher Wahrnehmung, die man auch als Erwachsener nicht ablegen will. Die Anmutung ist aber eine ganz andere als die des Weihnachtsbaums mit seiner quasi reinen symbolischen Erhabenheit und tiefen Innerlichkeit, die dadurch wirkt, dass der geistige Quell in unserem eigenen Inneren angestoßen und zum Leuchten gebracht wird.

Reminiszenz an frühere Blütenwunder

Und wieder ist Barbaratag, eine Reminiszenz an frühere Jahre und Traditionen, die wir aber in den vergangenen Jahren nicht mehr praktiziert haben. Zu häufig ist das Blütenwunder nicht eingetreten – trotz optimaler „Heizungssteuerung“. Aber an die diesbezüglichen Erfolge aus meiner Zeit in D., als wir das unter Kollegen am Arbeitsplatz praktiziert hatten, konnte ich später nicht mehr anknüpfen. Nur einmal, als wir schon früh mit der Holzofensaison begonnen hatten und die Zweige direkt oberhalb der Ofenwärme platziert waren, konnten wir an Heiligabend wenigstens einige annähernd blühenden Knospen der Kirschbaumzweige entdecken. Aber ein richtiges Blütenwunder am Tag mit der längsten Nacht des Jahres haben wir nicht mehr erlebt. Dann ist es doch besser, die Erinnerung zu pflegen und den Tag ansonsten einfach anhand seiner traditionellen Sinnhaftigkeit zu erinnern, als eine der so innerlich wirkenden vegetabilen Weihnachtstraditionen und -rituale.

Mistelzweige und ihre vegetabile Weihnachtssymbolik

Es ist eine Tradition bei uns, die wir in der Vorweihnachtszeit gerne pflegen. Dennoch musste ich V. heute animieren, mit mir nach den Mistelzweigen Ausschau zu halten. Auf der Streuobstwiese, auf der wir im Vorjahr fündig geworden sind, waren heute allerdings nur wenige kleine Zweige zu sichten, die den Qualitätskriterien entsprechen. Nur wenn die Stängel und Blätter der Misteln wirklich grün sind, finde ich die Zweige als weihnachtliche Symbole akzeptabel, weil nur dann der vegetabile Kontrast zu den weißen Beeren wirksam werden kann. Und eben diese grünen Zweige sind sehr selten geworden. Fast alle Misteln sind schon Jahre gewachsen und werden dann immer gelblicher, sehr schade. So mussten wir an verschiedenen teils entlegenen Stellen suchen, bis eine Auswahl meist kleiner und leichter, aber schöner Zweige mit weiß leuchtenden Beeren und satt grünen Zweigen zusammengekommen waren. Mit der Handsäge an der ausziehbaren Stange konnte ich auch recht hoch hängende Zweige erreichen. Die schönst aber hängen meist so hoch, dass sie unmöglich abzusägen sind. Insgesamt sind wir zufrieden und froh, dieses traditionelle Weihnachtssymbol nun für unseren adventlichen Schmuck zur Verfügung zu haben. Als erstes werde ich kleine Zweige in den Leuchtkranz an der Haustür applizieren.

Innere Kraftquellen erschließen

Es kommt jetzt eine merkwürdig an die Vorweihnachtszeit 2020 erinnernde Situation, wie ein Déjà-vu, die alles, was uns an dieser besonderen Zeit des Jahres fasziniert, einschränkt oder atmosphärisch verunmöglichen wird. Der Verzicht auf die Weihnachtsmärkte ist da noch das geringere Problem. Die verbreitete und alle Lebensbereiche betreffende Verunsicherung, aber auch die Ermüdung, die das ständige Auf- und Abfluten der Wellen mit sich bringt, bringen nicht nur das Gesundheitssystems und weite Teile der Wirtschaft in große Bedrängnis. Auch die Menschen werden bis in ihre privaten Initiativen hinein so stark ermüdet, dass Zukunftsperspektiven verschwimmen, Motivationsfähigkeit auf extreme Proben gestellt wird und die Menschen zunehmend ratlos sind, angesichts einer Situation, für die sie keinen Vergleich anstellen können. Das ganz private Erleben der Weihnachtszeit mit ihren vielen nicht ohne Grund erfolgreichen Traditionen und Ritualen kann in der Lage noch wichtiger werden als sonst. Die vegetabile Symbolik des weihnachtlichen Schmucks, die beleuchteten Weihnachtsbäume draußen und drinnen, die vielen künstlichen Lichterketten inmitten der lichtärmsten Jahreszeit, mögen in uns eine Wärme und eine Helligkeit erzeugen, die wir dringend benötigen, um mutig zu bleiben und die inneren Kraftquellen zu erschließen. Auf die Energie von außen jedenfalls können wir uns vorerst nicht mehr verlassen.

Vom Schatten der Einundzwanzig

Ich weiß nicht, woran es liegt, dass die Einundzwanzig in den letzten Monaten nur noch ihre offenbar dunklen Seiten offenbart. Nicht nur, dass das ganze Jahr mit der Jahreszahl 21 nicht die Erwartungen erfüllen konnte. Auch die Einundzwanzigsten der Monate zeichnen sich jüngst regelmäßig durch wenig erfreuliche Erlebnisse und Beobachtungen aus. Wie kann es sein, dass die eigentlich so segensreiche und symbolträchtige Zahl, das Produkt von 3 und 7, in diesen Krisenzeiten Gegenteiliges zu bezeichnen scheint? Immerhin werde ich in den nächsten Tagen erneut Gelegenheit haben, ein Baumkreis-Armband mit den 21 (+1) Holzarten der Bäume im keltischen Baumkreis zu realisieren. In dem Kontext zumindest steht die Zahl immer noch und zeitlos für ein geschlossenes und schlüssiges Ganzes, für eine runde Sache. So kann ich mir nur wünschen, dass künftig auch im Alltag die positive Symbolkraft der Einundzwanzig wieder in den Vordergrund tritt und Zahlensymbolik zu dem Recht zurückkehrt, das ihr in normalen Zeiten traditionell zusteht.

Jahreszeitliche Imaginationen und Baumsymbolik

Nach dem mobilen Tag gestern konnten wir heute zum Wochenausklang die Ruhe des Sonntags genießen. Zumindest V. und M. waren auf den Ruhetag auch dringend angewiesen, da galt es einiges an Anstrengung auszugleichen. Und selbst konnte ich einige der geplanten Projekte in Ruhe weiterverfolgen, u. a. die Vorbereitung des geplanten Geburtstagsgeschenks für M., das ein wichtiges Stück Biografie zum Thema macht und für den gedachten Anlass deshalb sicher passend sein wird. Die wiederholte Lektüre von Rudolf Steiners Vortragsausführungen zu den jahreszeitlichen Imaginationen haben den eher kontemplativen Tag für mich abgerundet. In diesem Themenbereich, dem bewussten Miterleben der Jahreszeiten und mit ihnen verknüpften kulturellen und spirituellen Traditionen, hat Steiner aus meiner Sicht mit die interessantesten und aufschlussreichsten Beiträge geleistet. Deshalb auch die wiederholte Lektüre, die immer wieder neue Aspekte der Gedankengänge und Erkenntnisse ins Bewusstsein rückt. Ein wichtiger Baustein auch meiner fortschreitenden Beschäftigung mit der Rolle, die die Baumsymbolik für unsere Kultur und Ästhetik seit jeher spielt.

Unser traditionelles Brennholzprojekt ist abgeschlossen

Es war doch noch einmal ziemlicher Aufwand, aber jetzt ist der Wintervorrat an ofengerecht aufbereitetem Brennholz endlich unter Dach und Fach. Um das Thema müssen wir uns jetzt nicht mehr kümmern. Gespannt bin ich, wann die Saison in diesem Jahr beginnen wird, vermutlich aber früher als sonst bei uns üblich. Und irgendwie freue ich mich auch schon auf die wohlige Ofenwärme, die bei einer ungefähr gleichgewichtigen Mischung von gut abgelagertem Fichtenholz und Obstbaumabschnitten, die länger anhalten, absolut zu erwarten ist. Neben den bloßen Nutzen war es für mich v. a. von traditioneller Bedeutung, einige dieser Holzarbeiten mit V. zusammen durchführen zu können. Das war zuletzt nicht mehr so häufig der Fall und deshalb nicht mehr selbstverständlich.

Anstrengender Brennholztag mit Tradition

Es ist erstaunlich, dass V. nach dem Zustand der letzten Monate heute tatsächlich den ganzen Tag über bei unserem Brennholzmachen zumindest anwesend war. So wie früher war eine Beteiligung zwar nicht möglich und ich habe seine traditionellen Aufgaben größtenteils selbst übernommen. Aber insgesamt ist es doch ein Erfolg und einfach schön, dass die traditionelle Gemeinschaftsarbeit auch in diesem Jahr wieder möglich war. Leider bleib trotz des Ganztageseinsatzes und einer erheblichen Kraftanstrengung bei uns allen, doch noch ein Rest Arbeit übrig. Die zweite Fuhre mit überwiegend Fichtenholzscheiten konnten wir am Ende des Tages doch nicht mehr in ofengerechte Abschnitte sägen und mussten sie wiederum aufstapeln, um das in einigen Tagen nachzuholen. Schade, mit ein paar Stunden mehr Zeit und Tageshelligkeit hätten wir den ganzen Wintervorrat an einem Tag unter Dach und Fach bringen können. Aber das sollte dann doch nicht sein. Also noch eine weitere Aktion mit der großen Kreissäge, und anschließend können wir beruhigt der Holzofensaison entgegensehen.

Hochsommerliche Desorientierung

Man könnte glauben, der Herbst sei schon angekommen und würde nicht mehr weichen. Aber für Samstag können wir doch noch mit einem Hochsommertag rechnen. Die etwas melancholische Stimmung, die sich automatisch mit der Laubfärbung einstellt, ist aber jetzt schon nicht mehr zu leugnen. Auch dass der Höhepunkt des Hochsommers schon vorbei ist. Ein Hochsommer, der den Namen nicht wirklich verdient, zu unregelmäßig und extrem ist er im Hinblick auf Wetter und emotionaler Verfasstheit des Großteils der Menschen verlaufen. Da war auch wegen der Beschränkungen nicht sehr viel von der Außenorientierung, der von Rudolf Steiner oft so beschriebenen Orientierung in Richtung des Kosmos, zu spüren. Allzu häufig hat der Rückzug nach Innen dominiert, eigentlich die passende Einstellung für Herbst und Winter. So bringen die Turbulenzen im Außen auch vieles in der emotionalen Verfassung der Menschen durcheinander und mit diesem ein Stück erwartbarer geographisch geprägter Kultur.

Krisenernüchterung und eine eher dürftige Baumobstqualität

Nun ist auch für mich das Impfthema vorläufig abgeschlossen. Jedenfalls bis es, wie aktuell zu erwarten ist, doch noch eine dritte Impfung hinzukommt. Im Gespräch mit den Fachleuten vor Ort beschleicht einen schon das ungute Gefühl, dass insgesamt zwei Jahre Pandemie und Krisenstimmung wohl am Ende nicht unrealistisch sind und vermutlich noch in weitere Verlängerung gehen werden. Schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen diese Umstände und Entwicklungen auf die seelische Gesundheit und die geistige Fortentwicklung der Menschen haben werden. Ein Rückschlag für uns alle bedeutet es allemal. Mit den Mirabellenkuchen ist M. heute in die Fortsetzung gegangen, so dass schließlich acht Bleche, d. h. mit gestern zusammen, acht Bleche zusammenkamen. Einen kleinen Kuchen haben wir gleich verbraucht und die anderen 7 eingefroren. Allerdings sind wir doch durch die Kostprobe etwas ernüchtert aus der Aktion hervorgegangen. Denn die Qualität der Mirabellen war dann doch nicht so toll. Mein spontaner Eindruck, dass die Früchte doch recht grün waren, hat sich bestätigt. Dieser verregnete Sommer hat auch auf dem Gebiet seine wenig rühmlichen Auswirkungen gezeigt, dem Baumobst fehlte es wohl doch an den nötigen Sonnenstunden. Zu wenig Süße, zu viel Säure. Das ist dann auch am Kuchen deutlich erkennbar. Immerhin konnten wir die Tradition fortführen, und das allein gibt ein gutes Gefühl.

Hochsommerliche Arbeit an den Kräutersträußen

Gestern nach der Suche haben wir die gesammelten Kräuter schon nach Arten sortiert und in der Länge beschnitten, und heute am Nachmittag konnten wir die Sträuße in der traditionellen Weise binden, mit je einer Königskerze im Zentrum. Diesmal sind es gleich fünf Sträuße geworden, zwei mehr als sonst, aber darüber werden sich sicherlich die Beschenkten freuen. Wie immer hat sich am Ende herausgestellt, dass wir keineswegs zu viel gesammelt hatten. Von dem einen oder anderen Kraut hätte es sogar noch mehr sein können. Aber ich denke, die Ergebnisse sind sehr ansehnlich und ausgewogen. Eine schöne traditionelle Gemeinschaftsarbeit von M. und mir. Zwei der Sträuße haben wir schon weitergegeben, die drei anderen werden bis zur Weihe am Sonntag noch im Wasser stehen, damit die Kräuter bis dahin nicht zu schnell trocknen. Vom Rainfarn hatten wir einen Überschuss, weil ich alle geeigneten Exemplare von unserer Geheimtipp-Wiese geschnitten hatte. Die haben einen Platz in der Grotte gefunden, schließlich geht’s ja auch um einen Feiertag, der der Mutter Gottes gewidmet ist.

Kräuter von der Kräutersuche 2021 I
Kräuter von der Kräutersuche 2021 II
Kräuter von der Kräutersuche 2021 III
Kräuter von der Kräutersuche 2021 IV
Kräuter von der Kräutersuche 2021 V
Kräuter von der Kräutersuche 2021 VI

Kräutersuche an einem sonnigen Hochsommernachmittag

Es war der genau richtige Tag für die Kräutersuche. Am Nachmittag konnte ich M. überreden, dass wir zusammen die bekannten Orte erkunden, auf der Suche nach einer Auswahl für die Jahreszeit typischer Wiesenkräuter. Auch wenn wir die meisten Arten nicht mit Namen kennen. Die Arten wiederholen sich, aber auch an den eigentlich bekannten Orten, am Straßenrand, am Waldrand und am Flussuferweg, so ist es doch in jedem Jahr wieder anders, dominieren bestimmte Arten und andere fallen komplett aus. Die Zusammenstellung ist am Ende deshalb immer anders. An der dritten Station konnten wir zum Beispiel endlich genügend Rainfarn zusammentragen, der an den ersten beiden Orten gar nicht vorhanden war. Das war zwar mühsam, da nur bestimmte, noch nicht so weit ausgereifte fürs Trocknen in Frage kommen, aber das Vorkommen war dort reichhaltig, so dass ich am Ende doch zwei kräftige Sträuße zusammen hatte, von denen wir einen Teil auch anderweitig verwenden können. Neu sind diesmal lila und dunkellila blühende Kräuter, die ich nicht bezeichnen kann, die ich aber so noch nicht wahrgenommen hatte. So werden die Sträuße auch eine interessante Farbigkeit erhalten. Eine große Freude war es mir, an einer einzigen Stelle tatsächlich mehrere Blütenspitzen der Königkerze entdeckt zu haben. Die warn sonst nirgendwo zu sehen. Diesmal werden wir das Zentrum aller drei Sträuße mit einer Königskerze krönen können, nachdem im Vorjahr zur Zeit der Suche alle zeitig blühenden Exemplare schon verblüht waren und wir auf Ersatz ausweichen mussten. Die Sträuße selbst werden wir morgen binden, aber ich bin sicher, es werden wieder sehr schöne sein, die wir am Sonntag zur Kräuterweihe mitnehmen werden.

Im Schatten des Maulbeerbaums

Der lange nicht mehr realisierte Ausflug mit Tradition hat uns heute einmal den Kopf etwas freier gemacht. Man könnte sich von solchen Aktivitäten durchaus entwöhnen, aber gerade, wenn alles so heruntergefahren ist wie seit 1 ½ Jahren kann es auch aktivierend und motivierend wirken, eben weil es an Vorkrisenstimmung anknüpft. So hat das heute auch auf uns gewirkt, nach einer recht angenehmen Hin- und Rückfahrt, die uns die Heimatliche Landschaft von den Straßen aus in abwechslungsreicher Form vor Augen führt. Sonst war dieser Tag eher von Rekreation und nicht übermäßig viel Produktivem ausgefüllt. Unter anderem habe ich V. bei der Vorbereitung der diesjährigen Winterfütterung der Bienen unterstützt und bei der Gelegenheit den Entwicklungszustand des Maulbeerbaums in Augenschein genommen. Dadurch, dass ich ihn im Frühjahr nicht zurückschneiden konnte, ist die Krone übermäßig dicht zusammengewachsen. Und natürlich ragen die Äste auch weit über die Grenzen des Grundstücks hinaus, was wir eigentlich vermeiden wollen. In dem Bereich, den der Baum beschattet, ist aktuell tatsächlich alles abgedunkelt, so dunkel, dass man beim Abpflücken der letzten Maulbeeren schon fast nicht sehen kann. Im kommenden Frühjahr ist also ein ziemlich kompromissloser Rückschnitt unvermeidlich. Vs Theorie, dass das Fruchttragen u. U. üppiger ausfallen könnte ohne Rückschnitt hat sich jedenfalls nicht bestätigt. Es gab zwar Früchte, aber die Gesamternte ist doch sehr dürftig gewesen. Da wird es sich kaum lohnen, neuen Marmelade zu kochen. Es bleibt rätselhaft, welche konkrete Kombination von Bedingungen der Art guttut und wovon genau der Beerenertrag abhängt. Nennenswert und damals aber auch sehr üppig fiel es in der Lebensgeschichte des Baums bisher nur vor drei Jahren aus.

Sommer- und Urlaubsklischee

Die Holzarbeit am Nachmittag mit der Fertigstellung eines Lebensbaum-Amrbandes war angenehm, da zu der Zeit die stärker wärmende Sonne doch noch durchkam. Ansonsten leiden wir unter der starken Wechselhaftigkeit des Wetters, die so manchem von uns Kreislaufprobleme und wetterfühlige Schmerzen verursacht. Dazu diese traditionelle Kommunikationslosigkeit zur Hochzeit des Hochsommers, die wohl damit zu tun hat, dass unter normalen Umständen und wie man das so gewohnt war, in dieser Zeit die meisten Urlaub machen. Auch wenn das vielerorts dieses wie auch schon letztes Jahr nicht so ist, bleibt die Einstellung in den Köpfen und Gemütern dennoch vorhanden. Das ergibt dann so eine skurrile Unwahrscheinlichkeit, die für mich auch etwa Amüsantes hat.

Feiertäglich anmutende Feiertage

Es ist schön und beruhigend, wenn ein Feiertag diese besondere feiertägliche Atmosphäre ausstrahlt, die ich persönlich mit Feiertagen verbinde. Das ist für mich fast immer der Fall, so auch an diesem, auch wenn ich zu Fronleichnam nicht dieselbe Verbindung habe wie zu den meisten anderen christlichen Feiertagen. Die extreme Sonne der letzten Tage war heute deutlich zurückgefahren, und auch das trug zu der ruhigen Ausstrahlung des Tages in der Wochenmitte bei. Draußen stärken sich die Pflanzen an den kühleren Nächten und leicht feuchten und wolkenbedeckten Tagen, um deutliche Wachstumsschübe gerade bei den Blättern zu entwickeln. Einen solche Schub hat der Efeubewuchs bei uns gemacht, so dass sehr bald ein Rückschnitt angesagt ist. Der wird aber erst in der kommenden Woche stattfinden können, da der Samstag erst noch von anderen Vorhaben auch mit Bezug zum Garten ausgefüllt sein wird.

Symbolische Präsenz und geistiger Lebensquell

M. hat die künstlichen Pfingstrosen noch einmal neu arrangiert, nachdem sie gestern zu gedrängt in der Vase zusammenstanden und ihre symbolische Präsenz gelitten hatte. Heute erschienen sie weiter ausladend und gleichmäßig zueinander angeordnet, fast wie natürlich wirkend. Am wichtigsten ist aber ihre vegetative Symbolik und natürlich ihre Wahrnehmung während der Pfingstfeiertage selbst. Ich finde es tröstlich, dass uns solche Akzentuierungen und das bewusste Pflegen von Traditionen möglich sind und wir dies auch bewusst in uns aufnehmen können. Das gehört zu den Dingen, die der Familie einen besonderen Zusammenhalt geben, ähnlich den Pflanzen im Garten und allem, was damit an Arbeiten und Freuden zusammenhängt. Themen, die uns schon viele Jahre gemeinsam beschäftigen und die wir nicht nur als Thema und Beschäftigung im Rentenalter oder der Freizeit betrachten. Es liegt eine große Chance für unser aller Entwicklung darin, aus vegetativer Lebenssymbolik zum einen das Gemeinsame, zum anderen, was eigentlich dasselbe ist, die geistigen Quellen des Lebens im und für den Alltag zu erschließen.

Die Rolle vegetabiler Traditionen ernst nehmen

Wenn ich, wie heute Nachmittag im Fernsehen, von vegetabilen Traditionen anderer Länder höre, die sich eng an die volkstümliche Bedeutung und praktische Wirkung von Bäumen anlehnen, bemerke ich eine Art Wehmut. Wohl weil gerade solche Überlegungen hierzulande fast am aussterben sind und gerade in Krisenzeiten noch weniger Aufmerksamkeit erhalten. Wenn überhaupt, werden solche Inhalte in populärwissenschaftlicher Baumliteratur oder Zeitschriftenbeiträgen ohne viel Tiefgang behandelt, und immer so, als ob man von eigentlich nicht mehr in unsere Zeit passenden Dingen redete. Dabei kann das, was z. B. in diesem Fernsehbeitrag über den Wacholder gesagt wurde, wofür seine Bestandteile, von den Nadeln bis zum Holz, Verwendung finden und inwieweit sich daraus gewisse Genüsse oder medizinische Wirkungen ergeben, durchaus für jeden von Interesse und Relevanz sein, der sich angesprochen fühlt und der natürlichen, von Bäumen oder anderen Pflanzen stammenden Stoffen die Wirksamkeit und Rolle zuerkennt, die sie in Jahrhunderten immer wieder tatsächlich hatten. Warum sollte das bedeutungslos geworden sein, nur weil wir außerdem digitale Fortschritte und viele technologische Errungenschaften feiern. Es ist Zeit, sich nicht mehr nur in Abstraktionen zu ergehen, die bevorzugt im Begriff der Nachhaltigkeit zusammengefasst werden, sondern das, was außerhalb der menschlichen Natur existiert, sich ebenfalls entwickelt und in Beziehung zu unserer Natur steht, auch ernst zu nehmen.

Familientradition und Identität

Diese bei uns traditionell im Frühjahr stattfindende Rund-ums-Haus-Reinigung ist schon so etwas wie eine Familienspezialität. Auch wenn M. und V. sich zunehmend davor fürchten, weil es sie vermeintlich zu überlasten droht, ist die Durchführung letztlich doch etwas, das Identität stiftet und festigt. Es würde etwas fehlen, wenn wir darauf verzichten würden. Immerhin gab es diesmal keinen Doppeltermin, da die alle paar Jahre notwendige Reinigung der Überdachung im letzten Jahr schon auf dem Programm stand. Aber bis zum Nachmittag hat es dann doch wieder gedauert, eigentlich wie gewohnt. Und danach konnten wir auch die Sitzgarnituren herunterholen und mit Polstern belegen, den Garten harken, der vom Aufrichten des Regentanks gestern zertrampelt war, und verschiedene weitere Arbeiten durchführen, die unsere neue Gartensaison vorbereiten. Jetzt ist alles wieder so, dass wir die über den Sommer blühenden Zier- und Nutzpflanzen zu ihrer jeweiligen Zeit aussäen oder einpflanzen können und sich das Grünen und Blühen von Tag zu Tag weiter verdichtet. Die Bäume des Gartens scheinen bisher einen guten Start erwischt zu haben. Noch keine Blätter, aber die jungen Triebe scheinen frisch und von den zuletzt frostigen Nächten nicht geschädigt. So rechne ich mit einem guten Gartenbäume-Jahr, hoffentlich auch für die nicht mehr ganz so neuen Feigenbäume, die sich bisher nicht so richtig ausbreiten wollten. Mittlerweile sollten sie sich doch an ihren Standort gewöhnt und kräftiges Wurzelwerk ausgebildet haben. Wäre schön, wenn zumindest einer der beiden an den sehr wuchsfreudigen und stark Frucht tragenden Vorgänger herankäme.

Begegnung mit einer mediterranen Art

Der Routineausflug mit praktischem Zweck war heute wieder möglich, nachdem er in den letzten Monaten ausfallen musste. Auch wenn die Zeit letztlich für Kreatives fehlt, sind solche Aktivitätsrituale doch Teil unserer gemeinsamen Biografie und für mich insofern bedeutsam. Wie immer um diese Jahreszeit habe ich im Eingangsbereichs des Zentrums eine Reihe Olivenbäume in großen Kunststoffpflanzkübeln vorgefunden. Die haben immer schon so auf mich gewirkt, dass sie mich einerseits faszinieren, auch weil sie in ihrem sehr beengten Pflanzgefäß vital wirken und keine wirkliche Schwäche offenbaren. Aber andererseits wäre es uns nicht möglich, eine solche Art mit nach Hause zu nehmen. Wegen der Frostempfindlichkeit würde der mediterrane Baum hier nicht überleben, und ein Gewächshaus steht uns eben nicht zur Verfügung. So bleibt es vorerst bei unseren unermüdlichen Versuchen mit den Feigenbäumen, die aktuell nicht mehr so wuchsfreudig sind wie ihre Vorgänger. Die Standortwechsel waren wohl nicht ganz so erfolgreich, irgendetwas scheint die beiden kleinen Nachzügler zu irritieren, das sie schon einige Jahre vor sich hindümpeln, ohne wirklich Ambitionen zu richtigen Bäumen zu haben. Vielleicht haben sie sich für ein Dasein als Busch oder Strauch entschieden. Das würde ihre Pflege in den kommenden Jahren zumindest überschaubar gestalten. Die Winter, wenn sie denn weiterhin so mild ausfallen, sollten sie mit jetzt höherer Wahrscheinlichkeit überleben.