Räumliche Naturstruktur

Es hatten sich enorm viele Fotoreihen angestaut, die ich zwar zum Teil schon einmal gesichtet und vorsortiert hatte, die aber nicht vollständig bearbeitet waren. Jetzt bin ich weitgehend durch und konnte das meiste davon in die passenden Ordner verteilen, vieles ausmisten und natürlich optimieren. Darunter waren sehr viele Landschaftsaufnahmen, Baumfotografien und natürliche Texturen. Da schlummern durchaus noch einige Schätze, die ich später heben will, nachdem ich die am offensichtlichsten für die Microstockportfolios oder auch eigene Printprojekt geeigneten schon registriert habe. Sehr reizvoll finde ich die Aufnahmen natürlicher Strukturen, die nicht immer von Bäumen stammen müssen. Gerade auch Kräuter und gemischte Wiesengewächse können einen sehr anrührenden Eindruck einer Landschaft vermitteln und den Betrachter so richtig in die Szene hineinziehen. Diese erst vor wenigen Tagen realisierten Nahaufnahmen eines getrockneten Schilffelds haben gerade wegen der partiellen Unschärfe eine für mich reizvolle räumliche Wirkung, die auch von der Reflexion des Lichts in Abhängigkeit mit zufälligen Überschneidungen und Überlagerungen abhängig ist.

Getrocknetes Schilffeld – Nahaufnahme I
Getrocknetes Schilffeld – Nahaufnahme II
Getrocknetes Schilffeld – Nahaufnahme III

Chaotische Holzstrukturen

Grobspan-Platte

Bei so lichtem Wetter wie in den letzten Tagen richtet sich meine Aufmerksamkeit wie von selbst auf die Oberflächenstrukturen verschiedener Hölzer, natürlicher wie industriell verarbeiteter. So hatte ich gestern schon auf der Straße, wohl für den Sperrmüll herausgestellt, einen Stapel von Pressspanplatten entdeckt, die eine wunderbar lebendige, man könnte auch sagen chaotische Struktur aufweisen. Diese Art von Platten war mir natürlich bekannt, aber ich musste tatsächlich nachlesen, wie man sie denn eigentlich nennt, denn es handelt sich ja nicht um die gewöhnliche Spanplatten aus fein gepressten Sägespänen, sondern eben um diese aus gröberen und größeren, länglich geformten Holzsplittern. Wie ich jetzt weiß, nennt man sie Grobspanplatten oder auch OSB-Platten. Letzteres ist eine Abkürzung aus dem Englischen für oriented structural board bzw. oriented strand board, wobei strand für „Späne“ steht. Die aus dem Rundstamm herausgeschälten Längsspäne werden so verwirbelt, dass sie gegeneinanderversetzte Schichten bilden, die mit Bindematerial ummantelt und dann unter hohem Druck und hoher Temperatur zusammengepresst werden. Vorher werden sie stark heruntergetrocknet, um ein späteres Reißen der Platten zu verhindern. Was mich daran v. a. fasziniert ist diese irre chaotische Struktur, die letztlich doch noch vieles von der Ursprungsqualität der verwendeten Holzelemente erkennbar lässt.

Abstrakt natürliche Struktur

Das gestrige Holzstrukturen-Motiv fand ich wirklich spannend. Könnte sein, dass das solches Interesse eher solchen Menschen vorbehalten ist, die auch Erfahrung mit der Bearbeitung verschiedener Holzarten haben. Für solche können Zeugnisse maschinell hervorgeholten Holzstrukturen, die immer auf die dahinter stehende Baumart verweisen, eine besondere Faszination bedeuten. Aber auch ohne dieses spezielle Interesse und diesen besonderen Blick ist ihr dekorativer Charakter als quasi abstrakte Struktur aus natürlich gewachsenem Material nicht von der Hand zu weisen. Ich kam deshalb nicht umhin, noch zwei Varianten anzulegen, die veränderte Ausschnitte der Lattenstapel-Schnittflächen zeigen:

Nahaufnahme der Schnittkanten eines Bauholz-Lattenstapels
Nahaufnahme der Schnittkanten eines Bauholz-Lattenstapels II

Schnittkantenmuster

Die Holzstrukturen lassen mich zurzeit nicht los. So bin ich auch bei den Schnittkantenfotos der Lattenstapel aus dem Bauholzlager zu interessanten Ergebnissen gekommen. Es ist diese eigentümliche Mischung von Bearbeitung und natürlichen Strukturen, die dem Motiv seinen Reiz verleihen:

Nahaufnahme der Schnittkanten eines Bauholz-Lattenstapels III

Hirnholztexturen

Das Licht war zwar an diesem Tag noch nicht ideal. Dennoch wollte ich die Gelegenheit nutzen, so lange der Stapel noch nicht abgetragen ist. Dabei sind ganz interessante Textur-Fotografien entstanden, die ich noch einer weiteren Durchsicht und Bearbeitung unterziehen will. Aber in diese Richtung könnte es bei einem Teil der Aufnahmen gehen, nämlich denen mit einem Stapel dicker Kiefernbohlen:

Hirnholzansicht gestapelter Kiefernbohlen I
Hirnholzansicht gestapelter Kiefernbohlen II
Hirnholzansicht gestapelter Kiefernbohlen III

Die Symbolik im Bauholzstapel

Wie so oft zieht bei meiner heutigen Entdeckung menschlicher Eingriff Natur illustrierende Projekte nach sich. Die hiesigen, gerade erst begonnenen Bauarbeiten an der Bahnunterführung haben mich wegen der Geschäftigkeit der Arbeiter dort irgendwie angezogen. Beim Schlendern über den ehemaligen Güterbahnhof habe ich dann unverhofft große Stapel gerade erst angelieferten Bauholzes gesichtet. So schön lagenweise übereinandergeschichtet, dass sich aus den Stirnseiten und vielleicht auch von den Aufsichtsperspektiven sicher ganz gute Holz-Struktur und Holz-Textur-Fotografien anfertigen lassen. Dazu benötige ich allerdings mehr Ruhe, als sie während der Arbeiten dort vorhanden ist, und natürlich das richtige Licht. Also eine Aufgabe für einen lichtreichen Wochenendtag. Auf die Ergebnisse bin ich jetzt schon sehr gespannt, vor allem weil es außerhalb solcher Konstellationen nahezu unmöglich ist, größere Reihen oder Mengen gleichartig verarbeiteter Holzabschnitte zu finden. Der Reiz ergibt sich dabei aus der Einheit der Differenz von einheitlicher Holzart, hier vor allem von Fichten- und Kiefern, und den ganz unterschiedlichen Ausschnitten und Formen der Jahresringstruktur. Da wird ein ungemein lebendiges Moment an die Oberfläche gebracht, das symbolisch für die Vitalität der Bäume steht, aus denen diese Baumholzabschnitte gewonnen wurden. Natürliche Strukturen und Besonderheiten werden durch diese zweckhaft künstliche Anordnung stärker hervorgehoben und gerade deshalb so schön sichtbar.