Weißdorn-Mistel

Junge Mistel an spätwinterlichem Weißdornstrauch

Das Licht war heute wieder faszinierend und hat viele Menschen hinaus in die Landschaft geführt. Zum Fotografieren ist das ideal, so dass ich die ersten Regungen des Baumfrühlings in einer Reihe von Nahaufnahmen festhalten konnte. Da war einiges sehr Interessantes dabei, was ich erst noch durchsehen und optimieren muss. Aber ein Motiv will ich an dieser Stelle schon herausgreifen, weil es ganz speziell und auch selten ist: Eine noch recht frische Mistel, die sich an einem Weißdornstrauch festgesetzt hat. Selten, dass ich das an einem niedrigen Strauch sehe, selten auch, dass es ein Weißdorn ist. Man kennt es ja v. a. von Obstbäumen, Pappeln und Eichen. Aber der Weißdorn mit einem Mistel-Schmarotzer, das ist natürlich tiefgreifende Symbolik und Baumenergie pur. Es ist ein Glücksfall, dass die Mistel sichtbar war, nicht nur, weil sie in Augenhöhe wächst, auch weil jetzt im Spätwinter die Zweige noch kahl sind und gerade beim Weißdorn erst jetzt die ersten Blätter sich auffalten.

Die etwas andere Präsenz der Bäume im Winter

Es ist wohl typisch für die Jahreszeit, dass die lebenden Bäume ziemlich aus dem Sichtfeld verschwunden sind. Man nimmt sie kaum noch wahr, vielleicht am ehesten, wenn sich Schnee auf ihren kahlen Ästen abgesetzt hat. Oder auf den dicht benadelten Kronen der immergrünen Bäume. Präsenter sind da für mich die symbolischen Repräsentanzen, wie der Weihnachtsbaum als Inbegriff eines Symbolbaums, den ich am Wochenende abschmücken und nach draußen bringen will, um damit die Weihnachtszeit auch für mich privat endgültig abzuschließen. Oder eben die hölzernen Relikte gelebter Bäume, die uns in Form ihres Holzes gerade eine wohlig warme Wohnstube bescheren. Da richtet sich meine Erinnerung recht häufig auf die zuletzt sehr hohen Fichten, deren Holz wir zurzeit überwiegend für den Holzofenbrand verbrauchen und die früher unsere Auswahl selbst geschlagener Weihnachtsbäume aus einem kleinen Privatwald bildeten. So ganz verschwinden demnach auch im tiefsten Winter die Bäume nicht aus dem Sichtfeld. Nur treten sie eben stärker vermittelt und mittelbar in Erscheinung.