Naturbeobachtung, Symbolform und künstlerische Umsetzungen

Aus der Entfernung habe ich im Fernsehen den Bericht über einen Naturfotografen und Filmemacher gehört, der sich Zeit seines Lebens mit dem geduldigen Beobachten der Pflanzen und Tiere in ihrer natürlichen Lebensumgebung gewidmet hat. Ich meine, das neueste Projekt war mit „Das Flüstern der Wälder“ betitelt. Spannend, was ich da so nebenbei erfasst habe, vor allem, weil es offenbar noch andere Menschen gibt, die dieses einsame Beobachten und das genaue Hinsehen auf die natürlichen Details langfristig praktizieren und daraus etwas Wesentliches für sich selbst gewinnen, das sie dann an andere weitergeben. Ähnliches praktiziere ich mit meinen Wunschbaum-Projekten, und natürlich mit diesem Baumtagebuch. Auch sympathisch ist mir eine der Aussagen des Filmemachers aus dem genannten Bericht, dass er einen stillen Film gemacht habe, weil er der vielen menschlichen Diskurse überdrüssig sei. Sofern ich Naturbeobachtung und kreative Verarbeitung des Beobachteten und Erfahrenen praktiziere, kann ich das für mich selbst unterstreichen. Allerdings, Fotos, Filme oder andere auch von mir umgesetzte interaktive Vermittlungsformen sind eben an sich schon nicht still, sie schaffen Öffentlichkeit und wollen auch wahrgenommen werden. Und natürlich ist die Kommunikation auch mein Beruf. Insofern kann es beim Umgehen der Diskurse und dem Still-Sein nur darum gehen, andere als die alltäglichen Kommunikationsroutinen und nicht allein sprachvermittelte Darstellungen zu wählen. Wir sind dann bei dem, was man das Künstlerische nennen kann. Vielleicht ist es kein Zufall, sondern im biografischen Zusammenhang eher eine konsequente Entwicklung, wenn ich von im engeren Sinne künstlerischen Ausdrucksformen, wie v a. der Bildhauerei, letztlich zu interaktiven kreativen Symbolformen gekommen bin, die ich u. a. mit digitalen Mitteln und in digitalen Räumen zur Geltung bringe. Weniger künstlerisch als die früheren Formen ist das für mich nicht. Es ist das, was ich im eigentlichen Sinne als künstlerisch begreife, nur mit nicht ganz so traditionellen Mitteln umgesetzt.

Bäume, Gleichgewicht und sinnhafte Parallelwelt

Trotz zeitweiliger Störungen nehme ich diese Hochsommerphase doch so wahr, dass sich meine verschiedenen Aktivitäten und Perspektiven sehr gleichgewichtig entwickeln. Das ist natürlich auch von äußeren Faktoren abhängig, von Gelegenheiten, dem nachzukommen, von Anfragen, die die ausgleichende Tätigkeit erfordern und den Gleichstrom z. B. der Routine-Projektarbeit unterbrechen. Es ist dann eine Kunst, die äußeren Einflüsse so zu lenken, dass auch praktisch, im Ergebnis, ein verantwortbares und praktisch umsetzbares Gleichgewicht zustande kommt. Das aber ist immer auch eine Herausforderung, erfordert eine kleine Anstrengung, weil es nicht von selbst so kommt, weil man genau hinsehen und die richtigen Weichen stellen muss. Wenn ich von Gleichgewicht rede, dann spielen für mich fast immer die Bäume eine Rolle, die in der Beschäftigung mit ihnen Gedanken und Motivationen außerhalb quasi auflösen können. Dadurch können phasenweise sinnhafte Parallelwelten entstehen, die ihre eigenen Gesetze und ihre eigene Logik kennen. Das Ganze funktioniert deshalb, weil die Bäume diese lebenssymbolische Nähe zu uns Menschen haben und das wechselseitige Spiegeln damit sehr leicht ist. Man erkennt im Leben und der bloßen Präsenz der Bäume Gemeinsamkeiten zur eigenen Existenz und eigenen Befindlichkeiten. Im Vergleich, der sich am besten an einer konkreten symbolischen Formgebung oder kreativen Verarbeitung festmacht, kann man so etwas gewinnen, was außerhalb solcher Symbolarbeit nicht vorhanden wäre.

Sinnhafte Formen

Eigentlich ist es bei dem unsommerlichen Wetter auch gut so. Die Projektarbeit ist zurzeit sehr intensiv und eng getaktet. Viel technische Routine- und Fleißarbeit ist darunter, aber auch kreative Elemente, im Bereich der Softwarekonfiguration wie auch beim Layouten. Und doch ist es die Handarbeit mit Holz, die einen wirklichen Ausgleich schaffen kann und den inhaltlichen Horizont immer wieder ausdehnt. Ich freue mich deshalb auf alle Aufträge, wie aktuell für ein Lebensbaum- und ein Baumkreis-Armband, um diese kontemplative Arbeit mit Symbolen und sinnhaften Formen umsetzen zu können.

Technik und symbolische Form

Nach so vielen in den letzten beiden Jahren realisierten Armbändern gehen meine üppigen Vorräte an Schleifmitteln doch allmählich zu Neige. Deshalb habe ich heute Nachschub geordert, damit für die nächste Arbeit von allen Körnungen genügend vorhanden ist. Den größten Verbrauch habe ich bei der Körnung P320, wohl weil das sowohl beim Drechseln als auch beim späteren händischen Feinschliff am häufigsten gebraucht wird. Danach kommen P600 und P 240, am wenigstens benötige ich P 120, auch wenn das für ein kritisches Stadium in der exakten Annäherung an die genau 7,0mm Stabdurchmesser eine wichtige Rolle spielt, nur eben nicht in der gleichen Menge wie die feineren Körnungen. Solche Vorräte sind wichtig, auch wenn solche technischen Voraussetzungen den Interessenten und späteren Armbandträger sicher gar nicht bewusst sind. Aber gerade der Feinschliff, das sorgfältige Glätten der Oberflächen ist für die langfristige Stabilität der Ergebnisse und die pflegeleichte und angenehme Tragbarkeit ganz entscheidend. Deshalb verwende ich darauf auch größte Sorgfalt, einfach weil ich die Bänder als Symbolformen betrachte, die ein Mensch-Baum-Äquivalent darstellen und als langfristige Alltagsbegleiter formstabil und möglichst wie im Zustand direkt nach der Herstellung erhalten bleiben sollen. Damit möglichst wenig der ursprünglichen Intention entgegensteht. So ist recht viel Materialhaftes und Technisches schon eine Voraussetzung dafür, dass symbolische Formen ihre archetypische Kraft in überzeugender Weise entfalten können.

Emotion und Symbolform

Vielleicht waren es die letzten Holzprojekte, die ich für dieses Jahr heute abschließen konnte. Auf jeden Fall die letzten vor Weihnachten, denn neue Anfragen könnte ich vorher nicht mehr rechtzeitig umsetzen. Häufig gibt’s aber noch Nachzügler, die dann zwischen den Jahren noch eine Chance erhalten. Qualitativ konnte ich in diesem Jahr mit den Anfragen sehr zufrieden sein. Und wenn der Umfang nicht ganz dem Durchschnitt entsprach, besagt dass nicht viel. Es ist eher eine Bestätigung der langjährigen Beobachtung, dass es gerade in der Resonanz auf Symbolformen starke Schwankungen gibt, die ein Kalenderjahr sehr unterschiedlich erscheinen lassen können. Das zeigt auch, wie viel diese Dinge mit den Emotionen und der mentalen Verfasstheit der Menschen im veränderlichen Lauf der Zeit zu tun haben.

Silberglanzbäumchen als Symbolformen fürs neue Jahr

Einen der ersten ruhigeren Tage dieses Jahres durften wir heute erleben. Dabei war doch noch einiges an Umstellungen von Weihnachtszeit auf Normalzeit zu tun, was wir nach dem sehr langen Ab- und Umdekorationstag gestern aber auf kleiner Flamme gefahren haben. Das muss auch einmal sein, bevor das neue Arbeitsjahr allmählich in seinen eigenen Rhythmus findet. Einen Vorgriff auf Weihnachten 2019 habe ich auch schon getan, indem ich bereits die ersten Weihnachtsgrußkarten ausgedruckt habe. Das ist mehr ein Test, um am gedruckten Beispiel die besten Motive zu identifizieren. Aber eine erste Vorauswahl ist schon getroffen und gewisse Favoriten haben sich herauskristallisiert. Nun ist auch im meinem Arbeitsumfeld alles Weihnachtliche verschwunden, einschließlich meiner verschiedenen aus Glas gemachten kleinen Weihnachtsbäumchen. Immerhin aber wurden die durch ein anderes Symbol des Jahreswechsels abgelöst, nämlich die vor vielen Jahren an Sylvester entstandenen Zinngussobjekte, die in diesem Fall wirklich plastisch ausgefallen sind. Einige davon erinnern mich wiederum stark an Bäumchen oder Baumstümpfe, nur eben silbern glänzend und irgendwie surreal wirkend.

Symbolformen verinnerlichen – und was uns die Weihnacht sein kann

Die Weihnachtsausstellung in S. war wieder schön, mit einer wunderbaren auf die Adventszeit einstimmenden Atmosphäre, vielen ästhetischen Anreizen und neuen Dekorationsideen und Interpretationen weihnachtlicher Symbolik. Dieses Feld ist so weit und tiefgründig, dass es ganz sicher nie zu einem Ende kommt, immer wieder weitergedacht, weiterentwickelt, zeitgemäß in Formen umgesetzt werden kann. Und dennoch trauere ich den früheren Jahren auch dieser speziellen Ausstellung nach, die m. E. deutlich stimmungsvoller und eindrücklicher waren. Auch kreativer und noch mehr auf die vegetative Symbolik der Weihnachtszeit ausgerichtet, damals mit vielen Weihnachtsbaumformen und mit immergrünen Zweigen arrangierten weihnachtlichen Dekorationen, die mir noch heute wegen ihrer Originalität in Erinnerung sind. Heute ist das deutlich abgeschliffener, mundgerecht gemachter, auf durchschnittliche Vermarktungsfähigkeit hin ausgerichtet. Heute ist es auch noch mehr mit künstlichen Materialien umgesetzt, noch weniger mit echtem Baum- und anderem Pflanzenmaterial. Ich frage mich dann immer, ob das andere Besucher, die diese Ausstellungen seit Jahren verfolgen, überhaupt ebenfalls bemerken. Aus der Beobachtung kann ich das eher nicht erkennen. Und dann wünsche ich mir auch im Umgang mit Symbolformen wieder mehr Innerlichkeit, wieder genaueres Hinsehen und kritische Distanz, wo Innerlichkeit nicht direkt und fraglos angesprochen, sondern über Hintertüren konstruiert werden muss. Letzteres ist dem Anspruch und dem eigentlich nicht angemessen, was uns die Weihnachtszeit sein kann und wie sie uns in Bezug auf unsere Entwicklung als geistige Wesen Fortschritte ermöglichen kann.