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Ökologisch eingefasst

Zuletzt hatte ich ja noch Hoffnung auf einen goldenen Oktober, aber eigentlich sieht es nicht danach aus, und jetzt wird’s auch noch jeden Tag etwas kälter. Wie wenn der Herbst übersprungen würde und der Winter gleich beginnt. Es ist einer der großen Verluste im Zuge der Klimaveränderung, dass die Jahreszeiten immer öfter ihr Typisches verlieren, miteinander verwischt erscheinen und damit jahreszeitliches Erleben, das so wichtig ist für unsere Breiten, zunehmend seine Intensität einbüßt. Ich glaube, das beeinflusst unser Erleben, unsere Motivation und Energie viel stärker als so manche politische, kulturelle oder religiöse Rahmenbedingung. Im Spiegel des Zyklus der Bäume sind wir viel besser in der Lage, uns selbst im Gleichgewicht zu halten. Viel wichtiger als Nachrichten zu verfolgen wäre es deshalb, stärker auf unsere ökologisches Eingefasstsein zu achten und in diesem Eingefasstsein notfalls auch gegenzusteuern.

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Wachsendes Wald- und Ökowissen

Der Beitrag auf Arte über die Landes, einem Monokultur-Seekiefernwaldgebiet in Frankreich, war ganz interessant. Auch um bestimmte ökologische Erkenntnisse zu rekapitulieren. Bei der für Arte typischen ausführlichen Darstellung war es mir am Ende aber auch suspekt, wie lange die Franzosen, zumindest bei diesem Projekt, gebraucht haben, die Monokultur als ein größeres Problem zu erkennen. Eine Erkenntnis, die in Deutschland wohl schon lange zur Binsenweisheit geworden ist. Man sieht auch an dem ungeheuren Erfolg populärwissenschaftlicher Literatur zu diesem Thema, dass das dahinter stehende und über Jahrzehnte aus Erfahrung erworbene Wissen mittlerweile bei uns in groben Zügen einem größeren Teil der Bevölkerung vertraut geworden ist. Schön, dass auch andere Europäer langsam diese Zeichen der Zeit erkannt haben und zunehmend auf diversifizierte, stärker im Gleichgewicht bleibende Waldbewirtschaftung setzen. Uns allen ist zu wünschen, dass das langfristig tatsächlich geeignet ist, die immer wieder hinzukommenden Bedrohungen, z. b. durch eingeschleppte Schädlinge, nachhaltig kontrollieren zu können.

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Ein neuer Blick auf das Verborgene im Lebewesen Baum

Beim Abschluss der Lektüre von Peter Wohllebens Bestseller über die Bäume hat sich mir wiederum etwas bestätigt, das vielleicht eine unzweifelhaftes Erfolgsmerkmal für Sachthemen-Publikationen unserer Zeit ist. Die Autoren müssen authentisch wirken, müssen ihre Leidenschaft, ihr ehrliches Interesse und natürlich auch ihre Expertise in einem Themengebiet zum Ausdruck bringen. Der Bestsellerstatus dieses Buchs ist sicher damit zu erklären, dass der Autor das alles überzeugend umsetzen konnte. Natürlich spielt auch das Thema selbst eine Rolle. Die Bäume als exemplarische und emotional besetzte Lebewesen bewegen die meisten Menschen, weil sie in Zeiten der Diskussion um Folgen des Klimawandels und vielfältiger Beeinträchtigungen natürlicher Ressourcen für die vegetabile Natur und die Grundlagen des Lebens auf der Erde überhaupt stehen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Details dieser Lebensform selbst das Interesse wecken. Tatsächlich kann das Buch sehr vieles anschaulich erläutern und überhaupt erst ansprechen, was vielen bis dahin unbekannt gewesen sein dürfte. Die Art, wie Bäume über das Wurzelgeflecht untereinander verbunden sind, sich gegenseitig unterstützen, Informationen austauschen, ihre Lebenszyklen koordinieren, ist sicherlich eine dieser Informationen, die Wohlleben in alle möglichen Facetten zerlegt und stets sehr lebensnah und wirklich unterhaltsam beschreibt. Ein Förster mit einer lockeren Schreibe, die aber immer sachbezogen bleibt und auf einen großen Wissensschatz verweist. Es ist vor allem die gebündelte Darstellung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse über Lebensfunktionen der Bäume, über ungeahnte und von außen unsichtbare Eigenarten der Lebensform Baum, die den Leser so fasziniert. Da stellen sich reihenweise „Aha“-Erlebnisse ein, zumal der Autor immer auch aus der Perspektive seiner persönlichen Erfahrung des jeweiligen Phänomens schreibt. Man weiß dann: Diese teils unglaublichen Ähnlichkeiten und Parallelitäten der Bäume mit der Organisation und den Funktionen anderer Lebensformen bis hin zum Menschen, die der Buchuntertitel schon in den Bereichen des Fühlens und Kommunizierens verortet, sind nicht bloß wissenschaftliche Konstrukte, mit sensiblen Messinstrumenten erkundet und in Messzahlen oder Diagrammen festgehalten. Vieles davon ist beim genauen Hinschauen auf die Bäume und den Wald, beim aufmerksamen Leben mit den Jahreszeiten, beim unverstellten Blick auf die sichtbaren und spürbaren Erscheinungen rund um die Bäume auch unmittelbar erfahrbar oder von dieser Erfahrung ableitbar. Wenn dann noch die wissenschaftliche Erklärung hinzukommt, gestaltet sich der Erkenntniszuwachs umso eindrucksvoller. Man kann wohl sagen, dass man nach der Lektüre dieses Sachbuchs den Bäumen anders begegnen muss, weil man tatsächlich auf verborgenen Ebenen jenseits von Stamm, Wurzeln, Ästen, Blättern, Blüten und Früchten eine umfangreiche Vitalität, viele dem Auge verborgene Lebensäußerungen voraussetzen kann, die das Lebewesen Baum noch spannender machen und seine Stärke als Lebenssymbol noch weiter verstärken mögen.

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