Die belebemden Facetten der Sommerzeit wahrnehmen

Dieser Feiertag am Samstag bringt die Arbeitswoche irgendwie durcheinander. So hat sich der heutige Tag nicht wie Freitag angefühlt, eben wegen dieser Ausnahme, die allerdings nur für einige wenige Bundesländer überhaupt gilt. Für uns hat dieser Feiertag Mariä Himmelfahrt noch eine wirkliche Bedeutung. Wegen der eigentlichen christlichen Bedeutungsinhalte, aber auch wegen der vegetabilen Tradition der Kräutersträuße, die während der Feiertagsmesse geweiht werden und anschließend für bis zum nächsten Feiertag in der Wohnstube aufgehängt werden. Heilkräuter und Blumen sind darin zusammengebunden, und natürlich hat das etwas mit der Gottesmutter zu tun, hat sich in der Wahrnehmung und in der traditionellen Handhabung der Gläubigen doch verselbständigt – zum Ausdruck eines modernen spirituellen Naturverständnisses. Morgen wird es wieder ein sehr sommerlicher, sonnenreicher Feiertag werden, wie eigentlich meistens zu Mariä Himmelfahrt. Das entschädigt ein wenig für die Erschöpfung, die uns die Dauerhitze in den letzten Monaten beschwert hat. Denn es kehrt die belebenden und ermutigenden Facetten der Sommerzeit hervor.

Das moderne Bild des Natürlichen

Bei den heutigen Gesprächen ging es um Landwirtschaft und den Verkauf landwirtschaftlicher Saisonprodukte. Wie die Menschen heute zur Natur stehen und sie wahrnehmen. Welche Verfälschungen in diesem Zusammenhang kursieren und wie groß die Sehnsucht der Menschen nach Idealen und Idyllen ist, gerade in Bezug auf das, was man in der Natur als traditionell und wünschenswert ansieht. Ein interessantes Thema, das ich in Bezug auf die Bäume und unser Verhältnis zum Wald schon häufig durchgespielt habe. Tatsächlich ist verbreitet zu beobachten, dass das Gespräch über diese Themen sehr weit von einer Erfahrung des Natürlichen entfernt ist. Eigentlich geht es immer nur um Symbole, Erwartungen, Vermutungen. Und das kann auch nicht anders sein, weil wir Natur pur nie kennenlernen konnten, immer schon dagegen die domestizierte Natur, die gestaltete Landschaft, den bewirtschafteten Wald. So ist es nicht verwunderlich, dass die eindrucksvollsten Baumfotografien in Parks entstehen, möglicherweise in einem schmalen Grünstreifen mitten in der Stadt. Weil der Einzelbaum dort besser sichtbar ist, isolierter festgehalten werden kann und als Individuum so besser verstehbar. Wir brauchen die eigentlich künstliche Umgebung, um Natur überhaupt in den Blick nehmen zu können. Das prägt unser Bild des Natürlichen unweigerlich. Es ist unsere moderne Art, uns als Bestandteil dieses Naturganzen zu begreifen. Vielleicht die beste Art, die wir aktuell finden können, denn so bleibt die Verbindung erhalten und gleitet nicht ins rein Virtuelle ab.