Wenn ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist

Ein irgendwie nervenaufreibender Tag war dieser Samstag, und leider ist trotz unzähliger Vorzeichen immer noch kein Regen gefallen. Ich kann wegen des bedeckten Himmels, der kaum Sonne durchlässt, zwar aktuell die Menge an Gießwasser für die Sommerblumen und Gemüsepflanzen reduzieren. Aber ganz auslassen kann ich es eben nicht. Und entsprechend geht das Bangen um ein Auslaufen der Regenwasserreservoirs weiter. Das passt zur insgesamt bangen Stimmung unter den Menschen, die merkwürdige Stillstandatmosphäre, die sich in der Gesellschaft breit gemacht hat. Da wäre, um ein Wort von Bertolt Brecht aus den 1930er Jahren aufzugreifen, selbst das Reden über Bäume eine Unmöglichkeit: „„Was sind das für Zeiten, wo / Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Literarische Weihnachtsmodellierung im Hochsommer

Was ich gerade im Hochsommer ganz gerne einstreue, nämlich weihnachtliche Gedanken und Inhalte vorwegzunehmen und in einer Kulisse zu reflektieren, die gegensätzlicher nicht sein könnte, das habe ich am Nachmittag mit der letzte Woche schon begonnenen Lektüre eines Sammelbands mit weihnachtlichen Geschichten aus aller Welt wieder aufgegriffen. Darunter sind sehr unterschiedliche Geschichten von berühmten und weniger bekannten Autor/innen und auch in ihrer Thematisierung des Weihnachtsgedankens sehr verschiedenartige. Aber anrührend und spannend sind sie eigentlich alle. Wenig überraschend ist, dass gerade die, bei denen der Weihnachtsbaum eine Hauptrolle spielt, zu den eindrucksvollsten zählen. Da sind mir tatsächlich einige Male die Tränen gekommen, so rührend wurde jeweils im symbolischen Spiegel der Weihnachtsbaumwahrnehmung wesentliches Gedankengut rund um Weihnachten literarisch vermittelt. Sehr kreativ und oft überraschend, wie ich fand, und so, dass ich als Fachmann für den Weihnachtsbaum als Symbolbaum tatsächlich noch einige neue inhaltliche Motive erkunden und in sprachliche Formen gegossen vorfinden konnte. Das Thema ist eben zeitlos und wie es scheint unendlich, nie abgeschlossen und jederzeit weiterentwickelbar. Auf die restlichen, noch nicht gelesenen Geschichten freue ich mich sehr.

Reminiszenz zur Baumliteratur der 1980er und 90er Jahre

Es ist wohl das erste Mal, dass es mir in einer solchen Umgebung gelungen ist, Texte zu verfassen. Nachdem ich diese Arbeit heute fortgesetzt habe und ich auch mit dem Thementext gute Ergebnisse erzielen konnte, ja sogar zum Abschluss gekommen bin, freut es mich umso mehr, den Versuch gewagt zu haben. Denn so habe ich kaum Zeit verloren und kann nächste Woche relativ nahtlos daran anschließen. Vor allem ist es klasse, nach einjähriger Pause wieder ein wichtiges Thema aus meiner kommunikativen Berufspraxis ausgearbeitet zu haben und das meiner Reihe von Fachthementexten hinzuzufügen. Und da die Nachmittage und Abende sich hier endlos hinziehen, habe ich noch ein Baum-Buch mitgenommen, das ich schon mehr als zur Hälfte durchsehen konnte. Es ist eines der populärwissenschaftlichen Beispiele für Baumliteratur der 1980 und 90er Jahre, die das Symbolhafte der Bäume sehr breitgefächert, nach Durcharbeiten einer Unmenge von Quellen, aber leider auch extrem knapp im Bezug auf die Einzelquellen und außerdem ohne eine echte konzeptionelle Durchdringung darstellen. Und wie bei vielen ähnlichen Büchern aus dieser Zeit ist dieses so aufgebaut, dass im ersten Teil die allgemeinen, abstrakteren Fragen diskutiert werden, und im zweiten Teil dann die wichtigsten heimischen Baumarten unter den verschiedensten Kriterien, aber auch hier sehr umfangreich, beleuchtet werden. Für einen Baumfan wie mich sind natürlich auch solche Beiträge wie „Das Geheimnis der Bäume“ von 1989 spannend, v.a. weil ich es mit der etwas anders gelagerten thematischen Betrachtung jüngerer Baumliteratur im Vergleich betrachten kann. Gut, dass ich aus diesem ungewöhnlichen Anlass eines meiner lange liegengebliebenen Baumbücher wirklich einmal begutachten konnte.

Wenn ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist

Wie schon fast gewohnt folgte an diesem Sonntag einem recht sonnenreichen Tag ein bewölkter und mäßig warmer. Dieses Hin und Her, was am Ende einem Sommermonat mit Durchschnittstemperatur und Durchschnitt-Sonnenstunden entspricht, ist wohl das neue sommerliche Normal. Und die vom Klimawandel bedingten Wetterextreme, die sich in meinem Bundesland vor zwei Wochen so verheerend ausgewirkt haben, wüten jetzt in zwei anderen Bundesländern. Drama und lähmende Katastrophen, wohin man sieht. Und damit müssen wir über die Grenzen des eigenen Landes noch nicht einmal hinausschauen. Was sich jenseits präsentiert, ist noch unvergleichlich tragischer und lässt wohl jeden inzwischen an der Welt und vor allem den Menschen zweifeln. In dieser Situation fällt es schon fast schwer, sich auf einen schönen Sommer zu freuen und die Aufmerksamkeit auf unser natürliches Umfeld zu lenken. Aber es scheint mir so, wie es in dem berühmten zwischen 1934 und 1938 entstandenen Gedicht-Text von Bertolt Brecht „An die Nachgeborenen“ im Zusammenhang mit seinen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus heißt:

„….

Was sind das für Zeiten, wo

Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.

Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

…“

Nun, ich will es trotzdem wagen, auch weil die heutigen Zeitumstände deutlich andere sind und ich mir daraus heilende Wirkungen in allen Lebenslagen erhoffe.

Autobiographische Zeitzeugnisse

Diese Tagebucheinträge eines mir bislang gar nicht bekannten deutschen Schriftstellers aus der Zeit der Wiedervereinigung sind doch spannender, als ich vor Monaten noch dachte. Da hat einer ganz genau die Veränderungen subjektiv beschrieben und verleiht den großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen damit eine eigentliche Bedeutsamkeit. Eine Bedeutung, die allein durch Auflistung historischer Fakten so nicht ergründbar ist. Dabei fühle ich mich daran erinnert, dass ich selbst wenige Zeit später, auch so um das Jahr 1992 schon einmal in Berlin war, nicht lange nach der Öffnung der Mauer. Und tatsächlich sind diese Pioniererfahrungen von ganz eigenem Charakter und bleiben deutlicher in Erinnerung als alles, was von außen durch Berichte an einen herangetragen wird. Bei diesem Buch hat man tatsächlich den Eindruck, der Autor habe sich zu jeder Zeit genau dort aufgehalten, wo gerade die Brennpunkte lagen. Interessant, so etwas im Abstand von 20 Jahren noch einmal zu reflektieren, was durch die Neuauflage des Buchs möglich geworden ist. Ich freue mich auf die weitere Lektüre und hoffe, mit dem Baumtagebuch eine ähnliche biographische Institution ins Leben gerufen zu haben, die ein Stück weit auch über die subjektive Ebene hinausragt, immer etwas von den Zeitumständen und Lebensbedingungen offenbarend. Eben im Spiegel meiner Baumerlebnisse und -reflexionen. Das ist nur eine andere, speziellere Art, Erlebtes und Gedachtes zu verewigen.