Der zweite Feiertag ist ein Geschenk

Schön, dass wir zwei Feiertage haben. Ich bedaure z. B. die Amerikaner, bei denen schon nach dem einen Weihnachtsfeiertag der Alltag beginnt. Dank des zweiten Feiertags kann man die weihnachtliche Atmosphäre besser sich entfalten und auf sich wirken lassen, zumal eigentlich immer Besuche und Begegnungen auf dem Plan stehen, die mit zum Weihnachtsfest gehören, aber einer Kontemplation eben auch entgegen stehen. Ich freue mich deshalb immer gerade auf die Momente der wirklichen Ruhe, die es ermöglichen, das Licht der Weihnachten im eigenen Inneren aufscheinen zu lassen. Dieser Tag war für mich dazu sehr geeignet. In diesen Rahmen passte auch die neuerliche Lektüre der Vorträge Rudolf Steiners von 1910 und 1911, denn den Klassiker von 1909 über den Weihnachtsbaum als Symbolum habe ich vor einigen Tagen schon gelesen. Und die aus den Folgejahren veröffentlichten Weihnachtsvorträge, deren Einzelausgabe ich zu meiner kleinen Sammlung zähle, will ich in den nächsten Tagen folgen lassen. Das gehört mit zu den Vorhaben der Zeit zwischen den Jahren, zusammen mit einer Reihe von Versuchen, das weihnachtliche Licht möglichst authentisch in stimmungsvoller fotografischer Unschärfe wiederzugeben.

Weihnachtslicht und Weihnachtsglanz

Versetzte Weihnachtsszene. Die fotografische Impression ähnelt auf den ersten Blick der vom Heiligen Abend. Aber den ersten Weihnachtstag haben wir mit J. und W. zusammen in G. gefeiert. Und der Baum ist ein Tisch-Weihnachtsbaum, der eine ähnlich schön pyramidige Form wie unser großer aufweist. Es gibt sicher eine Reihe von Gemeinsamkeiten innerhalb der Familie. Die Freude an den Lichtern, dem Funkeln und Glänzen während der Advents- und Weihnachtszeit ist eine, die uns den Geist der Weihnacht weit über die Feiertage hinaus vergegenwärtigt und ihre symbolische Kraft ins neue Jahr hinein verlängert.

Impression am Weihnachtstag 2017 I
Impression am Weihnachtstag 2017 II

Lucia, Weihnachten und die Wiedergeburt des Lichts

Ich hätte gar nicht daran gedacht, wenn nicht ein Fernsehbericht sich um das Thema gedreht hätte. Der 13. Dezember ist der Gedenktag der Heiligen Lucia. Ich fand die Bilder der jungen Mädchen immer mystisch anmutend, die mit dem Kranz leuchtender Kerzen auf dem Kopf dem Tag des geringsten Lichts ein leuchtendes rituelles Symbol entgegensetzen. Wie ich sehe, wird diese alte schwedische Tradition in bestimmten Kontexten auch außerhalb Schwedens bis heute aufrechterhalten. Interessant ist aber der Tag, für mich zunächst unverständlich. Aber ein Blick in den zugehörigen Wikipedia-Artikel hat mich aufgeklärt: „Das Fest fällt auf den 13. Dezember, den Gedenktag der heiligen Lucia, der vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders in Schweden (im Jahr 1752) gut ein Jahrhundert lang der kürzeste Tag des Jahres war.“ Also die spezielle Ausformung einer Feier der Wintersonnenwende. In diesen Gedankenkontext kann man dann natürlich auch Weihnachten einordnen, das im Rückblick auf die Geburt Jesus‘ den Wendepunkt zum Wiedererstarken des Lichts im Aufleuchten des Geisteslichts in jedem von uns feiert. Und in den weihnachtlichen Feierriten spielen dann eben auch die Kerzen eine wichtige Rolle, für mich kulminiert im mit Kerzen bestückten, erleuchteten Weihnachtsbaum. Egal ob es dabei um Überhänge aus vorchristlicher Zeit oder Symbolformen geht, die aus christlicher Denkart selbst heraus sich entwickelt haben, diese Symbole vermitteln eine Innerlichkeit und fördern die Innenschau in einer Form, wie sie zu keiner anderen Zeit des Jahres erlebt werden kann.

Glasweihnachtsbäumchen

Rechtzeitig zum 2. Advent will ich auch die letzten Weihnachtsbäumchen aus Glas auspacken und arrangieren. Die Glasdekorationen gehören zu meinen absoluten Lieblingsstücken. Und besonders die aus Kristall, mit geschliffenen Oberflächen, die glitzern und funkeln. Das ist für mich die deutlichste Form, die Weihnachtssymbolik zum Ausdruck zu bringen. Diese Formen, die das Licht durchlassen und es partiell reflektieren, in denen sich die Farben der Umgebung wiederfinden und je nach Lichtsituation verändern. Besonders schön ist es, wenn die übrige Weihnachtsbeleuchtung von den Glasobjekten eingefangen wird. Dann leuchten sie umso stimmungsvoller.

Christbaumlicht

In Sachen Baumbeleuchtung bin ich beim heutigen Besuch des großen Centers wieder nicht weiter gekommen. Es scheint so zu sein, wie ich in den Vorjahren immer schon feststellen musste, dass die LED-Technik, auf die traditionelle Form großer Baumkerzen angewandt, nicht für ganz lange Ketten bereitgestellt wird. Es sind immer nur die Ketten mit bis zu 500 kleinen LEDs zu bekommen. Oder eben die großen Kerzen, mit konventioneller Technik oder mit LED, aber immer nur mit maximal 30 Kerzen. Um die drei alten Ketten, die ich immer kombiniere, zu ersetzen, müssten es aber mindestens 60 Kerzen sein. Ansonsten müsste ich doch zwei kombinieren und wäre nicht viel weiter. Scheint so, als ob in diesem Bereich noch eine Lücke ist. Und auch die Lichtqualität ist bei den LEDs noch nicht wirklich vergleichbar mit alten Christbaumkerzen, egal ob warm-weiß, neutral-weiß oder bernsteinfarben bis gelblich. Das Licht hat eine andere Farbe und erzeugt nicht dieselbe Atmosphäre. Da gibt’s noch Entwicklungsbedarf.

Wiederaufleben im Licht

Herbstliche Physalis-Lampions im Gegenlicht

Zwischendurch ist uns in diesen Tagen immer wieder intensives Sonnenlicht vergönnt. Dann erinnere ich mich an die besondere Atmosphäre während der Weihnachtstage, wenn das Licht von außen manchmal in gleißender Form einfällt und dies den leuchtenden Weihnachtsbaum noch mehr strahlen lässt. Der ganze Raum erhält dann eine unwirkliche Anmutung. Wie eine auf die Spitze getriebene Feier des Lichts. Eigentlich ist es auch das, was mich an der Fotografie immer schon besonders beeindruckt und herausgefordert hat. Das Besondere des Motivs dadurch herauszuarbeiten, dass es in einem für es eigenes Licht inszeniert wird oder eben im richtigen Augenblick bei natürlichem Licht aufgenommen wird. Ich habe bei der heutigen Reihe mit den teils zersetzten Physalis-Lampions, die wir wegen ihrer fragilen Formstärke und den in einem Spektrum variierenden Farben besonders die Augenblicke gesucht, in denen intensives Gegenlicht durch die Lampions fiel und sie quasi zum Leuchten brachte. Die ursprüngliche Idee eines fotografischen Konzepts, das für Auflösung und Trauer steht, konnte so in der gedachten Art gar nicht umgesetzt werden. Denn durch dieses lichte Wiederaufleben erhält das Motiv eine ganz andere, wie verwandelt wirkende Anmutung. Die symbolische Einordnung ist das nicht mehr so eindeutig, was mich noch zu weiteren Auswahl- und Detailarbeiten an dieser Reihe veranlasst, die ich sehr spannend finde.

Das geistige Licht der Feiertage

Allerheiligen ist für uns in den letzten Jahren Anlass zur Familienzusammenkunft geworden. Auch eine Form, dem christlichen Feiertag gerecht zu werden, wenn auch etwas weiter entfernt von den Ritualen und dem Gedenken an die Verstorbenen, was für mich seit Kindertagen besonders im Vordergrund stand und auch ästhetisch bleibende Eindrücke hinterlassen hat. Die Totenlichter auf den Friedhöfen bei Dunkelheit, wenn wir vom Besuch eines externen Friedhofs mit verstorbenen Angehörigen nach Hause zurückkamen. Das war unbeschreiblich und hat dieses Licht in mir entfacht, das mit dem vergleichbar ist, dem wir an Weihnachten im Angesicht des Weihnachtsbaums entgegentreten, dem wir in Form den erleuchteten Baums gegenübertreten. Und in dem wir quasi versinken, das eigene Geistige vergegenwärtigen und sich neue innere Horizonte auftuen, die freilich immer schon vorhanden sind, nur meist verdeckt oder verschleiert erscheinen. Es ist diese mehr oder weniger bewusste Verbundenheit mit der Urquelle, die auch das Gemeinsame unter allen Mitgliedern einer Lebensgemeinschaft deutlicher werden lässt und uns innehalten lässt – zum Kraft und Energie tanken während der weniger geistesgegenwärtigen Zeiten.

Das alte Lied von Licht und Holz

Nun ist aus der letzten Aufgabe im Zusammenhang mit den kunsthandwerklichen Holzvorräten heute doch nichts geworden. Es ist das alte Thema mit dem Holz und der Sonne. Schönes Wetter kann man zwar nicht programmieren, aber es bleibt eben ein Katalysator für die Holzarbeit. So war heute nicht die richtige Stimmung, bei so viel trüber, wenn auch nur wenig mit Regen durchsetzter Atmosphäre. Das Licht hat gefehlt, und das wäre gerade für dieses helle, licht wirkende Holz des Bergahorns wichtig gewesen. Ich werde den Plan zusammen mit einer neuen Aufgabe in der nächsten Woche nachholen, wenn das Spätsommerwetter zurückgekehrt ist. Inklusive der äußeren Motivation, die kunsthandwerkliche Ergebnisse guter Qualität erwarten lässt.

Pflanzliche Sturmopfer

Die Sonnenstunden des Juli entsprachen fast exakt denen des Vorjahresmonats. Im vergangenen Jahr war eben nur der gesamte Hochsommer stark durchwachsen und erst der September brachte ungewöhnlich viel Licht. Diesmal hat erst der Juli einen Einbruch mit sich gebracht, und der August hat jetzt in der gleichen Manier begonnen. Trotz des Regens und der stürmischen Witterung ist mir die konzentrierte Holzarbeit heute leichter von der Hand gegangen. Wetterfühligkeit bedeutet eben auch, das Wetter der kommenden Tage im Voraus zu erspüren. Und da glaube ich wieder eine Bewegung in Richtung des Hochsommers festzustellen, den wir zuletzt schwitzend mal bewundert, mal bedauert haben. Alle Pflanzen mögen das. Nur der Starkregen hat dann doch den mediterranen Arten so stark zugesetzt, dass sie eigentlich erledigt sind. M. bedauert vor allem, dass der Lavendel im Nachbarsgarten, von dem sie sich immer bedienen konnte, diesen Sturm nicht überlebt hat. Das schränkt die Dekorationsmöglichkeiten in Sachen Herbstkränze gleich mal ein. Aber wir haben ja noch andere Möglichkeiten, die die Lücke schließen können. Ich denke etwa an die diesen Sommer in Unmengen wuchernden Physalis, aus denen wir in einigen Wochen erneut Kränze binden können und die sich ohnehin auch in Vasen hervorragend für die Herbstdekoration eignen.

Lichtkonkurrenz

Die Weinreben haben wir im letzten Herbst schon so umgeleitet, dass sie das Zentrum des Gartenareals nicht mehr überschatten. Das war dringend notwendig, damit der kleine Feigenbaum eine Chance hat, in die Höhe zu wachsen. Bisher stand er aus dem Grund im Halbschatten. Jetzt aber versuchen von den Rändern her erneut verschiedene Triebe, den Innenraum zu erobern. Ich habe sie deshalb wieder per Hand umgeleitet und hoffe, sie werden auch mit dieser Richtungsänderung einverstanden sein. Es ist an der Zeit, den Feigenbaumnachfolger stark, hoch und stabil zu machen. Von unserem alten Feigenbaum ist nämlich nur noch eine Ruine geblieben, die ziemlich sicher ihren letzten Sommer erleben wird. Schade, aber wir haben uns in den letzten Jahren sehr viel Mühe gegeben, ihn zu retten. Zuletzt leider erfolglos.

Das war schon Hochsommer

Das war wohl der bisher heißeste Tag dieses Jahres. Und die Sonnenstunden könnten auch kaum ausgedehnter sein. Allerdings hat sich der um die Mittagszeit vermutete Rekord doch nicht eingestellt, zum Nachmittag hin hat sich die Strahlungsintensität der Sonne dann doch stark abgeschwächt. Auch sind zu hohe Lufttemperaturen nicht ganz so ideal für die Energiegewinnung aus der Kraft der Sonne. Wenn das aber noch einige Tage so bleibt, dann können wir uns für den Mai über das durchschnittliche Lichtangebot sicher nicht beschweren. Es freut mich sehr, dass trotz der Hitze jetzt auch der Ginkgo neue Blätter angesetzt hat und nach dem Erfrieren der ersten beim zweiten Anlauf erfolgreich war. In Sachen Höhewachstum wird er dieses Jahr sicher vom benachbarten Walnussbaum Konkurrenz bekommen. Bisher war er diesem immer noch knapp überlegen. Nun bin ich gespannt zu beobachten, ob sich der Höhenvorsprung umkehren wird.

Frühlingshell

In diesem Monat hatte der 21 die belebende Wirkung, die ich mir generell vom ihm verspreche. Das war in 2017 bisher noch nicht so. Dennoch denke ich, dass der Frühling nach Kriterien des Lichts einen guten Weg nimmt. Nur die extrem frostigen Nächte passen nicht ins Bild. Die haben bei den Pflanzen schon krasse Schäden verursacht, die erstes Frühlingserwachen bei manchen Arten brutal abgebremst hat. Der Großteil unserer Bananenstauden haben es nicht überlebt, die jungen Blätter des Ginkgo sehen verdächtig schlapp aus, und so manche gerade erst in die Erde gesetzte einjährige Pflanze wirkt zumindest gefährdet angesichts der starken Temperaturschwankungen zwischen Nacht und Tag. Belebend aber ist die Sonne, die uns wenigsten am späteren Nachmittag milde Wärme beschert und durch das Helle den Frühling auch schon morgens greifbar macht. Vollständig mit unseren Arbeiten nach draußen ziehen zu können, ist uns aber noch verwehrt.

Die richtige Verfassung abwarten

Früher war dieser Erkältungszustand bei typisch über die Fastnachtstage. Dass ich das jetzt ausgerechnet am Frühlingsanfang erlebe, ist kaum zu glauben. Dabei hatte ich mich zuletzt viel draußen bewegt, so dass ein Grund für diese heftige Erkältung nicht zu finden ist. So wird mein Fotoprojekt, das mich in einigen Tagen sicherlich zu dem Nadelholzstapel in B. führen wird, den ich gestern auf dem Weg gesichtet habe, noch etwas auf sich warten lassen. Schließlich ist Lebenssymbolik in der Zeichensprache des Holzes immer vom richtigen Licht und der richtigen Stimmung während der Aufnahme abhängig. Ich bin davon überzeugt, dass sich das auf die Qualität der Ergebnisse auswirkt.

Natürliche Wärmemittel

Die Frühlingsluft, die uns in den letzten Wochen schon häufiger umweht hat, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Winter immer noch hartnäckig seine Störfeuer verbreitet. So ist bei ganztägig nasskalter Witterung heute der Chai Tee doch wieder zum Einsatz gekommen. Die ätherischen Aromen von Anissamen, Kardamom, Nelken, Fenchel und Ingwer tun dann ähnlich gut wie an bitterkalten Hochwintertagen. Und die Milch und der Honig sorgen dafür, dass alles schnell ins Blut geht und von innen heraus wärmt. Der Blick auf meine gestern aufgenommenen und heute schon von der ersten Agentur akzeptierten Hirnholzfotos der Kiefer hat eine ähnliche Wirkung. Auch die Kiefer steht für Licht und Wärme, bringt den Holzofen zu anhaltend wohliger Hochform und strahlt in seiner differenzierten, harzigen Struktur jede Menge aufbauende Vitalität aus.

Lichter Querschnitt

Verwitterter Stammquerschnitt einer Eiche

Das Licht hat an diesem Sonntag mehr Menschen zu Spaziergängen bewegt, als ich es von sonstigen Sonntagen kenne. Man merkt, dass viele die Gelegenheit nutzen wollen, bevor die trüben Tage wieder kommen. Um den Kopf freizumachen, um der Arbeitswoche einen naturnahen Erlebnisakzent entgegen zu setzen. Das geht mir nicht anders. Vom Licht und der Ahnung einer Frühlingsluft abgesehen, sind mir heute wieder mehr die verwitterten, von den Spuren der Kettensäge geprägten, vor längerer Zeit gefällter Stämme aufgefallen. Von dem einer Eiche, den ich bei jedem meiner Gängen dort passiere, habe ich eine Reihe von Nahaufnahmen gemacht, deren Gelingen von dem zeitweise hellen Licht begünstigt war.

Karge Farbakzente in der Baumlandschaft

Einer Erle bin ich auf dem heutigen Weg nicht begegnet. Aber die Haselsträucher stehen eindeutig in Blüte. Wenn die männlichen Blütenkätzchen länger werden und sich öffnen, sind gleichzeitig auch die winzigen roten weiblichen Blütenbüschel zu beobachten. Die übersieht man leicht, da sie so unscheinbar sind. Aber die vielen hängen Kätzchen leuchten an so strahlenden Tagen wie diesen in Beige-Gelb und bestimmen damit das ansonsten karge Aussehen der grauen Baumlandschaft. Daneben nimmt man als farbliche Akzente nur noch die alten verschrumpelten Hagebutten des Vorjahres wahr und, die aber besonders deutlich, die Schwefelflechten auf den Zweigen der Heckenrosen und des Weißdorns. Diese Flechten kombinieren ein leuchtendes Gelb mit einem Grund aus silbrig grauen Tönen. Besonders schön finde ich es, wenn sie an den Zweigansätzen solchen Zweige sitzen, die an den Enden mit zarter rötlicher Rinde neu austreiben. Dann haben wir sogar einen farblichen Dreiklang, der beim Vorbeigehen ins Auge sticht.

Atmosphärische Signale

Immer wenn die Sonne durchkommt, zieht es mich nach draußen. Nach all den trüben und kalten Tagen war heute erstmals wieder Frühlingsstimmung, frühlingshaftes Licht und auch eine Ahnung wärmender Frühlingssonne zu spüren. Das tut dann einfach gut, der Gang durch die Landschaft wirkt wieder belebend und nicht lähmend wie bei Hochnebel. Auch wenn die Baumlandschaft noch keine erkennbaren Regungen erkennen lässt. Es sind die Signale, die von solchen kleinen, aber deutlichen Veränderungen ausgehen, vor allem vom Licht, die uns auch innerlich auf eine Veränderung einstimmen. Der morgendliche Gesang der Amseln muss etwas bedeuten. Ich hoffe, sie unterliegen keiner Verirrung und ihr siebter Sinn, der weiter reicht als unserer zeigt tatsächlich den Wechsel der Jahreszeit an. Dann beginnen auch die Bäum wieder als Lebewesen in Erscheinung und einen lang anhaltenden Dialog mit uns zu treten.

Ferne Baumlandschaft

Das Februarbild meines schönen hochformatigen Baummonatskalenders hatte ich ganz vergessen umzuschlagen. Es offenbart jetzt ein Baummotiv, das einen wunderbaren Kontrast zu den aktuellen Regenwintertagen in unseren Breiten darstellt. Eine Gruppe von Köcherbäumen, die vor einem blau-rötlichen Himmel in Namibia beheimatet sind. Eine wunderbar markante Silhouette bilden diese Bäume mit der schuppigen Borke und den zur Kronenspitze sich immer weiter verzweigenden Ästen, die jeweils mit einem Blattbüschel enden, das an die Form von Agaven erinnert. Und in einer Landschaft, die von Sonne und Hitze geprägt scheint. Da würde man sich stundenweise in diese ferne Landschaft versetzt wünschen. Oder alternativ einen Sprung in die Zeit des hiesigen Frühlings, in dessen Licht und aufkommender Wärme sich die ersten Baumblüten ausbreiten.

Baumdetails im Winterlicht

Es gibt Tage, da weiß man beim Blick aus dem Fenster, dass sich ein Spaziergang lohnt. Dass viele diesen Eindruck hatten, konnte ich am Nachmittag auf meinem Lieblingsweg am Fluss entlang sehen, der ungewöhnlich stark frequentiert war. Die Menschen haben Nachholbedarf nach vielen dunklen und trüben Wetterphasen. Seit einigen Tagen nun dieses gleißende Winterlicht bei klirrender Kälte, das einen auch im Winter aufatmen lässt. Da drängt es einen einfach, die landschaftlichen Eindrücke zu erkunden, die diese Hochphase des Winters zu bieten hat. Was von den Bäumen noch in der Verfassung ist, das Licht einzufangen, präsentiert sich im klaren Winterlicht ganz anders als noch im Herbst. Die roten Früchte, wie hier die Hagebutten, ganz dehydriert, nur noch ihre schrumpelige Hülle und eine Restahnung ihrer einstigen Intensivfärbung zeigend. Die ehemals grünen Fruchtstände und Blätter, wie diese Ahornflügel und das Eichenlaub, zeigen jetzt ihre ädrige Struktur klarer denn je und wirken, obgleich tot, wie rostbraune und lebendig leuchtende Nachbildungen ihrer selbst.

Hagebuttenfrucht im Hochwinter
Hagebuttenfrucht im Hochwinter
Fruchtstand des Ahorns im Hochwinter
Eichenlaub im Hochwinter

Weihnachtslicht im Januar

Die Kugeln unseres letzten, im Freien noch im Einsatz befindlichen Weihnachtsbaums habe ich vorsorglich abgenommen. Ich hoffe, der künstliche Baum mit bernsteinfarbener LED-Beleuchtung wird vom Schmuck befreit den erwarteten Sturm überstehen. Auch wenn die Weihnachtszeit vorbei ist, finde ich, dass das warme Licht vor der Morgen- und nach der Abenddämmerung immer noch passend ist. Als Zeitmarke für die Demontage dieses Baums habe ich deshalb Lichtmess ins Auge gefasst, das für die, die Weihnachten besonders ausgedehnt erleben möchten, ja ohnehin eine der Endmarken dieser Zeit darstellt. Auf die Weise habe ich an den verschieden gehandhabten Traditionen gleichermaßen Anteil. Das gefällt mir sehr gut.

Grün und Licht gegen Ende der Weihnachtszeit

In diesen Tagen ist der Weihnachtsbaum das erste, was ich am Morgen betrachte, und auch das letzte vor dem Schlafengehen. Es ist so, als ob das eigentümliche Licht des beleuchteten Symbolbaums im Laufe der Weihnachtszeit eher noch an Wärme und Intensität gewinnt. Das ist gut so, denn die Aufnahmen in Sachen Weihnachtskartenmotiv gehören zu den Vorhaben, die ich in dieser Woche noch umsetzen will. Der Baum ist dafür unverzichtbar. Niemals ließe sich die Atmosphäre der weihnachtlich geschmückten Wohnstube ohne den Baum authentisch vermitteln. Mit Wehmut beobachte ich, wie einzelne Elemente dieser Dekoration, sofern sie auf gesammeltem Grün basieren, ihre Frische verlieren. Zum Beispiel das Moosbett des Adventskranzes, dessen als erste entzündete Kerze jetzt fast abgebrannt ist. Und auch die Efeuranken, die wir zwischen den Kranz aus Spiegeln und Pailletten geflochten haben. Der Weihnachtsbaum selbst ist noch frisch, hat nur wenige Nadeln verloren und schluckt kaum noch Wasser. Gute Voraussetzungen für seine Rolle als fotografischer Statist und atmosphärischer Lichtbringer.

Das Licht in uns entzünden

Die Zeit zwischen den Jahren, die dieses Jahr ziemlich genau mit einer kompletten Kalenderwoche zusammenfällt, ist für mich ebenso bedeutsam und wichtig wie die vorangehende Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage. Weihnachtszeit bedeutet für uns ganz traditionell die Zeit bis zum Dreikönigsfest. Die Raunächte und die dazwischen liegenden Tage helfen uns, das Jahr zu einem innerlichen Abschluss zu führen und mit dem Mehr an Tageslicht einen neuen Jahreszyklus innerlich vorzubereiten. Ich denke, das ist gerade vor dem Hintergrund permanenter Fixierung und Orientierung an Terminen und Fristen, Aufgaben und Erwartungen eine ganz wichtige Zwischenphase, eine der Phasen, wie ich es selbst empfinde, in der die Zeit zum Stillstand kommen kann. Deshalb versuche ich, bewusst Ruhezonen zu schaffen, tatsächlich die Alltagsdenkart und die Automatismen der Zeitorganisation zumindest stundenweise auszusetzen. Das erfüllt ungefähr die Funktion einer Meditation, stellt vielleicht eine besondere Form von jahreszeitlicher Meditation dar, mit der wir den Moment anhalten und einmal ohne Zukunftsplan betrachten können. Die Dokumentation und gewissermaßen kreative Verarbeitung des Weihnachtsbaums gehören auch dazu. Wichtiger aber noch ist für mich jetzt der Versuch, dem Nachzuspüren, für das der Weihnachtsbaum in seiner lichten Pracht eigentlich steht: das hoffnungsvolle Licht der Winterweihenacht in uns selbst aufleuchten zu lassen. Oder – wie es Rudolf Steiner in einem seiner Vorträge zum Weihnachtsfest dargestellt hat – den Christus in unserem Inneren zu erkennen, die Geburt der Christus-Erkenntnis in uns.

Magische Lichter im Adventskranz

Wir freuen uns, dass der Adventskranz jetzt, wie ursprünglich geplant, von den durch LED-Lichter von innen erhellten kleinen Zierkugeln auch dann beleuchtet erscheint, wenn wir die Adventskerzen nicht entzündet haben. Es war bisher an den falschen Batterien gescheitert. Die Kerzen behalten wir uns lieber für die Adventssonntage vor, damit alle vier auch bis zu den Weihnachtsfeiertagen halten. Ich finde es jedenfalls nicht schön, sie schon vorher auswechseln zu müssen. So wird die kleine Waldszene mit Silbertanne und Silberhirsch auf ihrem Moosboden in ein magisches Licht getaucht, das punktuell aus den von Mustern durchbrochenen silbernen und goldenen Metallkugeln diffus zerstreut wird. Da haben wir doch gleich mehr von dieser schönen weihnachtlichen Dekoration.

Lichtreicher November

Das war der lichtreichste November seit 7 Jahren. Wer hätte das gedacht. Gefühlt schien er eher trübe. Aber die wenigen hellen und kalten Tage gegen Ende des Monats haben zusammen mit lichten Phasen einige Wochen vorher wohl dieses statistische Ergebnis zur Folge. Schön, dass der Beginn des Dezembers ähnlich ausfallen soll. Ich hätte nichts einzuwenden gegen einen dieser kalten und sonnenreichen Winter, die wir vor Jahrzehnten nicht so selten waren, die wir jüngst aber nicht mehr erleben durften. Dann hätten wir auch einen Anlass, den Holzbrandofen schon vor Neujahr anzufeuern. In Durchschnittswintern war die Jahreswende immer die Startmarke. V. spricht ohnehin davon, den Brennholzvorrat mit Fichten und dazwischen gestreuten Obstbaumscheiten weiter aufzufüllen. Eine lange Ofensaison würde das notwendig machen. Wir müssen wohl noch abwarten. Prognosen sind jüngst schwieriger geworden.

Baum-Holz-Licht

Bei der Kälte musste ich dem eisigen Wind der rotierenden Maschine doch einige Male ausweichen. So habe ich bei der Mammutarbeit, die das Anlegen der vielen Holzstäbe bedeutet, zwischendurch kurze Pausen drinnen eingelegt, um mich wieder etwas aufzuwärmen. Bei der Arbeit am Holz selbst ist die Aufmerksamkeit aber so nah an der Aufgabe, dass die Kälte nicht durchgehend präsent ist. Die unheimlich lichtreichen Tagesstunden sind da schon auch beflügelnd. Wie ich ja schon so oft angemerkt habe, gibt es für mich diese enge Verbindung von Bäumen, Holz und Licht. Die Arbeit mit Hölzern ist bei viel Licht deshalb in ihrem Element und fließt quasi dahin. Mit wenig Licht kann die Anmutung von Anstrengung dominanter sein.

Intensive Winterarbeit

Das sind jetzt die ersten richtigen Wintertage, mit klirrender Kälte schon tagsüber und gleichzeitig Sonne. Da geht die Arbeit im Freien gleich viel besser von der Hand. Gut, dass sich diese Wetterlage noch bis morgen fortsetzen soll. Denn es stehen noch einige Arbeiten in der Außenwerkstatt an, bei denen die Finger schon ziemlich unterkühlt werden. Das Licht und die Sonne bringen da eine Entschädigung. Neben dem Chai-Tee, den ich heute zum zweiten Mal mit etwas veränderter Rezeptur zubereitet habe und der das Potenzial hat, zu meinen Lieblingsgetränken in dieser Jahreszeit zu avancieren. Ich freue mich auf die Arbeit an den verschiedenen vertrauten Hölzern – Pappel, Walnussbaum, Esche, Fichte und Atlas-Zeder – auch wenn das größtenteils innen stattfindet. Das dann fehlende Tageslicht wird durch die Energie der verschiedenen Holzarten ausgeglichen. Eine gute und intensive Winterarbeit.

Herbstliche Rückzugstendenz

Ein Novembertag im Oktober. Und einer mit viel Innenraumarbeit. Da kann man den Kontakt zu den Veränderungen in der Landschaft, den Spiegel des jahreszeitlichen Umbruchs in den Bäumen fast vergessen. Das Thema ist mir zwar hintergründig immer präsent, aber ich merke, dass sich die Blickrichtung schon stärker nach innen wendet. Ein Rückzug im Seelischen und Kommunikativen, der dem in der Natur entspricht. Ein Zeichen mehr dafür, dass wir eigentlich Naturwesen sind, nur vergessen wir das immer wieder. Ich hoffe, dass der Oktober doch noch lichtreich ausklingt. Damit wir nicht eines dieser Herbstjahre erleben, in denen die Blätter alle über Nacht abfallen und wenig später schon verrottet sind. Das ist es nicht, was wir uns idealtypisch unter Herbst vorstellen.

Der Sonne entgegen

Sonnenblume neben Feigenbaum, Ginkgo und Walnussbaum

Nun habe ich sie inmitten ihrer bäumischen Nachbarn doch noch fotografiert, bevor die Vögel anfangen, die Kerne der größten Blüte herauszupicken. Man sieht hier sehr deutlich, wie sehr die Riesensonnenblume mit ihren zahlreichen Köpfen nach Licht strebt und so viel Sonne wie möglich einfängt. Es ist eine Freude, den Höhepunkt des Sommers im Spiegel der Hochzeit grüner Pflanzen zu erleben.

Gartenidyll mit Blumen und Bäumen

Unsere Riesensonnenblume mit inzwischen mindestens sechs Blütenköpfen macht den Bäumen des Gartens zunehmend Konkurrenz. Baumhoch ist sie ohnehin schon, mit einer Tendenz nach oben. Aber die dominanten sonnengelben Blüten sind natürlich auch ein Eyecatcher, der die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf sich zieht. Da verblasst so manche Blüten- und Früchtepracht rundherum. Denn in ihrem Schatten gedeihen die Feigenfrüchte zurzeit sehr gut, wenn sie auch noch grün und erst auf halbe Größe angewachsen sind. Und die Strohblumen, Wicken, Rosenstöcke und kleiner gewachsenen Blumen genießen die Sonne ebenfalls und zeigen ihre ganze Pracht, die nur als einzelne, ob der geringeren Größe, den Gesamteindruck nicht ganz so stark beeinflussen, in der Gesamtheit aber das Bild eines üppig blühenden und grünenden, lichtdurchflutet sommerlichen Gartenidylls vermitteln.

Sommersonntag in Ruhe

Ein Sonntag der Ruhe, und der war einmal wieder notwendig. Interessanterweise scheint dieses Bedürfnis allgemein verbreitet zu sein. Auch die Nachbarschaft und, nach der zurückhaltenden Geräuschkulisse aus der Ferne zu schließen, die weitere Region scheint auf Relaxen eingestellt zu sein. Der letzte Tag des Juli, da ist man schon gedanklich beim August, und bei dem Gefühl, dass der Sommer seinen Höhepunkt schon fast überschritten hat. Das dämpft die Aktivität und den Willen, jetzt schon neue Projekte anzugehen. Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich mich dem konkreten Landschaftseindruck zurzeit weitgehend entziehe und mich auf das Beobachten der Veränderungen beschränke, die der Garten, die vielen blühenden Blumen und die sich prächtig entwickelnden Bäume dort in ihren Farben, Blütenformen und dem Blattgrün zeigen, vor allem aber im Licht, das mal reflektiert wird, mal durch transparente organische Strukturen hindurchgeleitet wird. Zusammen ergibt das diesen oasenhaften Eindruck, den wir inmitten grüner Pflanzen im Hochsommer haben können, wenn wir denn die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit aufbringen, die auch dafür unerlässlich ist.

Gartenlichtungen

Der Garten erinnert immer mehr an einen Urwald. Heute haben wir deshalb die Lampionblumen mit gespannten Drähten hochgebunden, damit sie nicht in den Gehweg ragen. Demnächst müssen andere Stauden abgeschnitten werden, um einigermaßen den Wildwuchs in Grenzen zu halten und wieder mehr von der Betrachtung der Bäume zu haben. Letztlich wird es bei zu viel Pflanzengewirr auch zu dunkel. Lichtungen, wie man sie im Wald nennt, verleihen aber auch dem Garten einen besonderen Reiz. Wenn Licht und Schatten sich ergänzen und abwechseln, kommt der jeweilige Entwicklungsstand der Pflanzen noch eindrücklicher zu Bewusstsein.