Spärliche Ansätze von goldenem Oktober

Herbst ist derzeit ein großes Thema, auch in den Medien. Das zeigt, wie wichtig für uns alle die Jahreszeiten sind, und dass man sie äußerlich gespiegelt sind. Am deutlichsten natürlich in den Bäumen, ganz besonders eindrücklich am Beispiel des Laubfalls und der herbstlich bunt gefärbten Baumblätter. Eigentlich erleben wir jetzt erst den Blätterherbst, viel später als sonst, wie es schon bei allen Vegetationsäußerungen über den gesamten Sommer beobachtet werden konnte. Ich freue mich über zumindest spärliche Ansätze von goldenem Oktober, jetzt kurz vor Ende des Monats.

Hochsommerliche Desorientierung

Man könnte glauben, der Herbst sei schon angekommen und würde nicht mehr weichen. Aber für Samstag können wir doch noch mit einem Hochsommertag rechnen. Die etwas melancholische Stimmung, die sich automatisch mit der Laubfärbung einstellt, ist aber jetzt schon nicht mehr zu leugnen. Auch dass der Höhepunkt des Hochsommers schon vorbei ist. Ein Hochsommer, der den Namen nicht wirklich verdient, zu unregelmäßig und extrem ist er im Hinblick auf Wetter und emotionaler Verfasstheit des Großteils der Menschen verlaufen. Da war auch wegen der Beschränkungen nicht sehr viel von der Außenorientierung, der von Rudolf Steiner oft so beschriebenen Orientierung in Richtung des Kosmos, zu spüren. Allzu häufig hat der Rückzug nach Innen dominiert, eigentlich die passende Einstellung für Herbst und Winter. So bringen die Turbulenzen im Außen auch vieles in der emotionalen Verfassung der Menschen durcheinander und mit diesem ein Stück erwartbarer geographisch geprägter Kultur.

Sagenhafter Blätterfall

Der Übergang war heute schon deutlicher spürbar. Noch sonnig, zumindest bei uns, aber doch schon ziemlich kühl. Das ist nun endgültig der Herbst, den wir bisher nicht wirklich kennengelernt haben. Und die Blätter fallen weiter. Bei unseren Weinreben sind schon fast alle abgefallen, beim Feigenbaum die Hälfte, beim Nashi erst wenige und der Ginkgo zeigt sich beständig. Immerhin sind seine Blätter inzwischen vollständig geb gefärbt, die an der Spitze schon verschwunden. Beim Ginkgo erfolgt der Blätterfall dann nach meiner Beobachtung immer ganz plötzlich und in kurzer Zeit. Einige heftige Windböen und schon bildet sich ein ganzer Teppich leuchtend gelber Ginkgoherbstblätter rund um den Wurzelstock. Wenn man das Glück hat, genau in dem Moment den Blick Richtung Garten zu lenken, ist das eines der sagenhaftesten, symbolträchtigsten und gleichzeitig unschuldigsten Naturspektakel, das ich kenne.