Plädoyer für naturbezogene Basisthemen

Sie tut gut, diese anhaltende Sonne, heute so gleichmäßig und durchgängig wie bisher noch nicht in diesem Jahr. Dann kann man unangenehme Termine, wie den von M. in S., gleich viel besser verarbeiten und relativ schnell zur Tagesordnung übergehen. Aber machen wir uns nichts vor. Die biologischen und klimatischen Highlights, die uns von außen mit der Annäherung an die warme Jahreszeit öfter entgegenkommen, können die tief liegende Verunsicherung der Menschen, ihren Glaubensverlust – nicht nur im religiösen Sinne – kaum überdecken. Was wir seit einigen Jahren erleben und was jetzt gerade vielleicht auf einem lähmenden Höhepunkt angekommen ist, bedeutet nicht nur Rückschritt gegenüber den früheren besseren Jahren. Es ist von so vielen Brüchen und Zerstörungen verbunden, dass man sich verbreitet einer ganz anderen Welt gegenübersieht, in der die Menschen nicht mehr sie selber sein können, sich in oft nicht vorteilhafter Weise verändern. Es kostet viel Energie, das zum einen zu verarbeiten und zum anderen, darüber hinaus wieder in einen Fortschritt zurückzufinden. Ich meine, mit einer Verkomplizierung des Denkens ist das kaum zu erreichen. Da sind wir wohl schon übers Ziel hinausgeschossen. Wir müssen im Gegenteil immer wieder den Nullpunkt, die Basis, einen festen Startpunkt suchen und von dort, alle Erfahrungen berücksichtigend, die Dinge neu aufrollen, möglichst rasch, damit wir die Rückschritte wieder kompensieren. Die Selbstspiegelung in der natürlichen Umwelt, z. B. der Rückgriff auf die Lebenssymbolik der vermittelten Mensch-Baum-Beziehung, kann so einen Neuanfang und Neuaufbau ins Leben zu rufen helfen. Dieses Baumtagebuch ist ein ganz kleiner, bescheidener Beitrag, um dieses Plädoyer für die Anknüpfung an naturbezogene Basisthemen plausibel zu machen.

Sich und der Welt mit Fraglosigkeit begegnen

Heute hatte ich den Eindruck, dass die Dinge wieder mehr in den Fluss gekommen sind. Das, was man im Sport oder sonstigen Hochleistungsgebieten als Flow bezeichnet, kann eben auch im Alltag und während Routinearbeiten aufkommen und dann die Arbeit und das Leben überhaupt wie selbstverständlich, in sich schlüssig und in dem Moment als ausgeprägt und vollständig sinnvoll erscheinen lassen. Solche Flow-Erlebnisse benötigen wir mehr. Besser noch: Im Idealfall könnte der Flow das reguläre Lebensgefühl und eine Art Grundausrichtung sein, wenn wir uns wirklich weiterentwickeln und nicht nur im Krisenbewältigungsmodus uns bewegen wollen. Solches sich in der eigenen Haut wohl und wie selbstverständlich fühlen können wir von den Bäumen wie in einem lebenssymbolischen Spiegel lernen. Denn die Bäume schaffen es, als zu den ganz starken Archetypen gehörend, selbstbewusst Individualität mit der Zugehörigkeit zu einer Art so überzeugend zu verbinden, dass wir auf dem Gebiet nur dazu lernen und uns gewissermaßen etwas abschauen können. Heute mehr als zu Zeiten, in denen man sich und der Welt mit Fraglosigkeit begegnen konnte.

Mehrfacher Schattensprung

Eines kann ich wohl jetzt schon feststellen: Das damals unerwartete Zwischenhoch, das wir Ende Januar / Anfang Februar letzten Jahres bei der Motivation und der Zukunftsorientierung der Menschen erlebt haben, wird sich wohl im gleichen Zeitraum 2026 nicht wiederholen. Tatsächlich stelle ich eher eine wie zementiert wirkende Fortsetzung der Unentschlossenheit, des Aufschiebens, des Vermeidens und Aus-dem-Weg-Gehens fest, das nur noch auf eine zeitliche Verschiebung des Zwischenhochs hoffen lässt. Besser wäre natürlich ein anhaltendes Hoch, ein echter auch emotionaler Aufschwung, ein neuer, frischer Wind, der den Dunst und die Verfestigung der letzten Jahre zerstreut und zumindest direkt an vormalige Hochs anschließt. Wenn meine durchgängig gepflegten Basis-Themen, z. B. der Themenkomplex rund um die Bäume, nicht wäre – ich könnte diese jahrelange Lethargie sehr viel schlechter vertragen. Eigentlich ist es ja auch notwendig, dem aktiv etwas entgegenzusetzen. Wie sonst kann der frische Wind jemals aufkommen. Nur muss man aktuell dafür eben über gleich mehrere Schatten, die eigenen und die in der näheren Umgebung springen. Ich hoffe, es wird einer kritischen Masse von Menschen eben dieses mehrfache Schattenspringen gelingen – damit wir wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Zur Reaktivierung des bisher Fraglosen

Es ist schön, an diesem Wochenende wieder Gelegenheit zur kunsthandwerklichen Arbeit zu haben. Die ist zuletzt seltener geworden, ein Umstand, der wohl mit der anhaltenden Krisenstimmung zu tun hat. Kaum zu glauben, aber wahr, dass sich das nun sogar auf die Aufmerksamkeit dämpfend ausgewirkt hat, die die Menschen den archetypischen Symbolen entgegenbringen. Das war bisher etwas, das ich als zeilos eingestuft, das ich so behandelt habe und das auch verlässlich zeitlose Wirkungen und Reaktionen mit sich brachte. Diese neue Krisenlage ist aber schädlich und abtötend für alles, was immer als konstant und grundlegend gültig wahrgenommen wurde. Wir müssen mit diesen Zeitumständen vernünftig umgehen, sie zum einen ertragen und zum anderen unbedingt eine Gegenreaktion zeigen, die dem bisher Fraglosen seinen lebenswichtigen Stellenwert zurückgibt. Nicht, dass dieser Stellenwert verloren wäre, er muss aber wieder wie selbstverständlich erkannt und als Basis fürs Denken und Handeln reaktiviert werden.

Ein spezielles Aufmerksamkeitsdefizit als Merkmal dieser Zeit

Seltsam, auch in dieser ungewöhnlich langen spätwinterlichen Sonnenphase, es dürften ja tatsächlich schon zehn Tage mit fast an Frühsommer erinnernden Sonnenstunden sein, ist ein Interesse an der Symbolik und Ästhetik der Bäume nicht zu erkennen. Es scheint, dass die Aufmerksamkeit auf das Themenfeld völlig von der Bildfläche verschwunden ist. So groß und prägend ist das Krisenbewusstsein unter den Menschen, dass Themen wie diese wie ein nicht zu rechtfertigender Luxus angesehen werden. Eine mögliche Interpretation. Es kann aber auch sein, dass dieses spezielle Aufmerksamkeitsdefizit in vielen weiteren Themenfeldern und -bereichen festzustellen ist, nicht nur in dem, was hier im Baumtagebuch Hauptgegenstand ist. Dann wäre es auf die tiefgreifende Verunsicherung zurückzuführen, die die Menschen an allem Vertrauten und traditionell Erwarteten zweifeln lassen. Dass nahezu alles in Frage gestellt wird und man sich scheinbar keiner Erfahrung und keiner bisherigen Gewissheit mehr sicher sein kann, das hat es wohl noch nie gegeben. Jedenfalls nicht in den Generationen, die nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurden. Und dieser Umstand ist ein globaler, schon von seinen Ursachen her, aber auch in seiner Ausdehnung. Eben dieses Bewusstsein der globalen Ausdehnung einer Dauerkrise macht es nicht einfacher, sich zu mehr Selbstbewusstsein zurückzubewegen.

Unser individueller Weihnachtsabschluss

Von meiner Seite aus könnte die Weihnachtszeit ja viel ausgedehnter sein. Wir haben uns aber darauf eingestellt, die weihnachtliche Dekoration als äußeres Zeichen dieser Zeit eine Woche nach dem Fest der Heiligen Drei Könige zu entfernen. So habe ich es heute auch wieder gemacht, auch wenn mir der Abschied insbesondere vom Weihnachtsbaum sehr schwerfiel. Auch die so wunderbar warm leuchtenden Lichterketten um die Schränke und vor dem breiten Fenster werde ich erst einmal vermissen. Sie haben diesem grauen, dunklen und zudem oft viel zu nassen Winter stimmungsaufhellend und symbolisch wärmend seinen Schrecken genommen. Nur ist es natürlich auch notwendig, die weihnachtliche Zeit abzuschließen, um die kommende Adventszeit umso freudiger wieder entgegensehen zu können. Natürlich leben Sinn und Symbolik der Feste von ihrer zeitlichen Begrenzung. Dass aber die Menschen diese Weihnachten so früh herbeigesehnt und dieses Bedürfnis auch so früh schon zum Ausdruck gebracht haben, zeigt einiges über die krisenhafte und quasi emotional bedürftige Zeit, in der wir leben. Weihnachten und alles, was es uns bedeuten kann, war insofern wichtiger als in früheren Jahren. Und wird vermutlich noch länger wichtig bleiben. Wie alles, was unseren Glauben und unsere Wertvorstellungen berührt, zu den Konstanten zählt, die rundherum so rar geworden sind. Woran sonst könnte man sich aktuell noch orientieren? Die Menschen lernen den Wert der Konstanten und des Vertrauten zunehmend (wieder) schätzen. Das immerhin ist eine tröstliche Beobachtung.

Kosmisches Reset zum Jahreswechsel 2024-2025

Kosmisches Reset zum Jahreswechsel 2024-2025

Mit einer weiteren Reihe von kosmischen Neujahrskonzepten, die diesmal noch stärker in Richtung abstrakterer Bedeutung gehen, kann ich dieses Kreativjahr beschließen. Schön, dass das mit Motiven möglich ist, die der Jahreszeit und dieser besonderen Stimmung angemessen sind und diese Stimmung illustrieren. Manchmal gestaltet das diese Bildentwicklung zwar etwas gedrängt und stressig. Aber diese Dinge im zeitlich passenden Rahmen zu realisieren, ist für die Ergebnisse wichtig. Ich versuche das deshalb nicht zu verzögern oder aufzuschieben, weil es einige Tage später schon wieder unpassend sein kann. Zeitgemäß und sinnvoll gerade in diesem jetzt zu Ende gehenden und von Krisen und Krisenstimmung so stark dominierten Kalenderjahr scheinen mir solche visuellen Formen auf jeden Fall zu sein. Denn sie vermeiden jede folkloristische Denkweise, stellen sich vielmehr der so kleinteilig und kleinräumig gewordenen Problemlage und Seelenstimmung in einer den Horizont weiter machenden Form. Dass das gleich kosmische oder gar galaktische Dimensionen angenommen hat, ist vor dem Hintergrund und bei der Lebenserfahrung von fast allen kein Zufall. Es entspricht geradezu einem Bedürfnis, die Dinge einmal auf möglichst Null zurückzudrehen, um mit einem frischen Reset unabhängig von mitgeschlepptem Ballast neue (Denk-)Wege zu gehen. Der Jahreswechsel sollte dazu einen äußeren, eher formalen Anlass bieten. Ein Grund mehr, den Schalter in der angedachten Form einmal umzulegen.

Ehrlicher Jahresabschluss mit Spektrumserweiterung

In diesem Jahr war der schon Tradition gewordene Abschluss des Geschäftsjahrs wieder möglich. Bei zwar wenig weihnachtlichem Wetter, aber immerhin in ehrlicher, von geteilter Erfahrung gesättigter Atmosphäre. Weihnachtliches wie u. a. der Familienweihnachtsbaum war dabei natürlich auch ein Thema, aber eben auch vieles, was im fast abgelaufenen Jahr so passiert ist und uns widerfahren ist. Das Gute an dauerhaften Krisenimpressionen ist eine realistischere, offenere Sichtweise und vielleicht auch eine Spektrumserweiterung bezüglich der passenden Bewältigungsstrategien. Auf dem Gebiet haben fast alle Menschen in diesem Jahr enorm dazugelernt, was nicht schaden kann. Auch wenn eine Richtung zu erkennen bislang noch so gut wie niemandem möglich ist.

Wieder ein schönes Weihnachtserlebnis beim Weihnachtsbaumaussuchen

Der gestrige Plan ist aufgegangen. Den diesjährigen Weihnachtsbaum habe ich am Vormittag aussuchen können. Das war diesmal nicht schwierig, da ich bei dem Händler am Vormittag keinen sonstigen Interessenten angetroffen habe und mich entsprechend in großer ruhe umsehen konnte. Es sind mir dann gleich zwei Favoriten ins Auge gefallen, und einen dritten hatte ich als Alternative ausersehen. Wie in den Vorjahren habe ich den Händler dann gebeten, mir die Bäume freistehend zu präsentieren, denn man kann sie eigentlich nur aus der Entfernung als Ganze richtig einschätzen. Auch ist es vorteilhaft drumherum zu gehen, um die Größe der unvermeidlichen Lücke zu erkennen. Am Ende fiel die Entscheidung dann nicht schwer, denn mein Favoritenbaum hatte einfach einen sehr schönen Astaufbau, sowieso die richtige Höhe für unser Wohnzimmer und auch eine schöne dunkelgrüne Nadelfarbe. Schön ist auch, dass er trotz der Opulenz eine vergleichsweise schmale Stammbasis hat. Da hatte ich in den Vorjahren schon einige sehr schwere Exemplare erwischt. Aber etwas leichter ist eigentlich auch schön und wahrscheinlich auch leichter aufzustellen. Den Händler mag ich ja ohnehin, und auch die Gespräche gehören zu diesem Weihnachtsbaumaussuchen einfach dazu. Aber heute ist das Gespräch besonders ausgedehnt und lang gewesen. Dabei ging es am wenigsten um die Bäume oder Weihnachten, eher um die allgemeine politische Lage und alle die Krisenerscheinungen unserer Zeit. Das war wieder ein sehr schönes Weihnachtserlebnis – trotz der alles andere als weihnachtlich anmutenden Witterung. Vielleicht stelle ich den Baum ja morgen schon auf. Die Lichterkette und die Dekorationen aber werden wohl später hinzukommen.

Ein erwachsenes Pendant zum kindlichen Weihnachtszauber

So richtig gefällt mir die aktuelle Witterung als Setting für dieses Traditionsvorhaben nicht. Aber schon aus planerischen Gründen muss ich diese Woche noch den Weihnachtsbaum aussuchen, damit ich ihn am Wochenende aufstellen und schmücken kann. So habe ich mir den morgigen Vormittag dafür auserwählt, in der Hoffnung, dass es wenigstens nicht regnet. Aber richtiger Frost und kalter Winternebel wäre eigentlich passender. Jedenfalls kann ich mich an einige Weihnachtsbaumauswahltage erinnern, an denen genau solches Wetter herrschte. Da merkte man allen Besuchern die irgendwie authentische weihnachtliche Vorfreude immer an. In der Gegenwart ist alles anders, gerade was die Rezeption und emotionale Wahrnehmung der Weihnachtszeit und ihrer Symbole betrifft. Es scheint zunehmend schwierig, jenen kindlichen Zauber wirklich noch in sich zu entfalten, der einmal in unser aller Kindheitsleben mit eindrucksvoller Weihnachtszeit verbunden war. Ein erwachsenes Pendant dazu in dieser als krisenhaft und überfordernd empfundenen Zeit zu finden und umzusetzen, gehört wohl zu meinen ganz persönlichen Herausforderungen und mehr oder weniger gelungenen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte.