Hochsommer, Pflanzenwachstum und die Kraft des natürlichen Außen

Das war letztlich einer der sonnenreichsten Juni-Monate der letzten Jahre, auch wenn es schon etwas sonnigere gab. Interessant ist, dass der Vormonat Mai mehr Sonnenstunden mit sich brachte als der Juni. Aber das Phänomen hatte ich schon früher beobachtet. Die besten Sonnentage sind tatsächlich im Mai zu erwarten, anders als man so denkt und dem Frühlingsmonat eigentlich verbindet. Die Entwicklung der Pflanzen, insbesondere der Licht- und Wärmebedürftigen wie Feigenbaum, Weinstock und Chilipflanzen, deutet aber auf in diesem Sommer günstige Verhältnisse hin. Diesmal können wir wohl mit mehr Feigenfrüchten rechnen und auch davon ausgehen, dass die Chilis rechtzeitig zur Blüte und Fruchtreife kommen, was im Vorjahr nicht mehr funktioniert hat. Wenn nun auch die Motivationslage und Stimmung der Menschen dem hochsommerlichen Außen entsprechen, diese aufgreifen würde, könnten wir uns nicht beschweren. Aber chaotische Orientierungslosigkeit und Unberechenbarkeit bzw. das Gefühl der Verunsicherung in Bezug auf politische und wirtschaftliche Erwartungen nimmt weiter zu, scheint sich zumindest verfestigt zu haben. Da wirkt das natürliche Außen nicht nur aufbauend, sondern geradezu lebenswichtig, um die Vereinseitigung und Erstarrung, die sich breit macht, ein Stück weit aufzulösen.

Warum der Sommer im Juni am schönsten scheint

Nun endet der Juni mit einem doch überdurchschnittlichen Sonnenstundenergebnis. Zwar ist es kein Spitzenwert, da gab es schon Jahre mit noch mehr Sonne im Juni, aber die bisherige Bilanz im Vergleich zum Vorjahr deutet doch eine Steigerung an, wenn das zweite Jahr nicht geringer ausfällt. Ein bisschen wehmütig bin ich schon, weil der Juni für mich eigentlich die schönste Phase des Sommers markiert. Wenn die Vegetation sich im erkennbaren Aufbau befindet und merklich an Volumen und Masse zulegt. Wenn so vieles, je nach Art unterschiedlich, gleichzeitig passiert: Grünen, Blühen, Frucht tragen und manchmal auch schon vergehen, was bei manchen Arten den Herbst vorwegnimmt. Aber die dominanten Vegetationsmarken sind eben die Bäume. Und die präsentieren sich um diese Zeit fast ausschließlich in dichtem hellem Grün, das aber im weiteren Verlauf des Hochsommers in ein sattes Dunkelgrün übergeht. Und das ist eben schon der Höhepunkt des Hochsommers, der den nahenden Herbst erahnen lässt. Deshalb ist mir der Juni eben am liebsten, weil man im Rausch des Aufbruchs noch nicht an den Abschied denken muss und die Perspektive der Sommersonnenwende eben noch überwiegend vor sich hat.

Passend zum Juni

Jetzt kommt der Sommer doch wieder zurück, schon bald werden wir die besondere frühsommerliche Atmosphäre des Juni in uns aufnehmen. Die Holzarbeit musste heute einmal pausieren, da zu viele Routinearbeiten abgearbeitet werden mussten. Aber ein Ausflug über Land am Nachmittag hat mich auf den morgigen Einsatz am Gartenarbeitsplatz eingestimmt. Und dann wird noch ein kreativer Sonntag mit fotografischen Projekten im Wald folgen. Ganz gute Aussichten, die zur Jahreszeit passen und die Reize der Jahreszeit zu nutzen wissen.

Untypische Junitage

In normalen Junitagen halten wir uns sehr viel mehr im Garten auf. Bei solchem jahreszeituntypischen Wetter aber zieht es einen weniger nach draußen, zumal auch die Temperatur nicht sehr einladend ist. Wie ich beim Blick durchs Fenster schon sehen kann, entwickeln sich die Pflanzen unterdessen sehr gut. Die Weinreben setzen bereits Fruchtstände an. Man kann die Weintrauben jetzt schon als winzige grüne Kügelchen erkennen. Unser neuer Feigenbaum hat seine Krone ebenfalls schön weiterentwickelt. Noch ein, zwei Jahre, dann wird er sich über die Ebene der hoch geleiteten Weinreben erheben und genügend Sonne tanken können, um ein richtiger Baum zu werden. Ginkgo und Walnussbaum wetteifern wie in den Vorjahren um den Höhenrekord. Interessant ist, dass der Ginkgo bisher immer noch einen Tick höher herausgewachsen war. Es macht aber nicht viel aus. Längerfristig betrachtet, denke ich, hat der Walnussbaum im Vergleich aber keine Chance gegen die für Ginkgos typische Wachstumsform, bevorzugt in der Vertikalen, mit relativ wenigen und nicht sehr raumgreifenden Ästen, die in stumpfen Winkel zur Seite ragen.