Frühjahr-, Sommer-, Herbst- und Winter-Jahre

Tatsächlich kann mich der Winter in diesem Jahr nicht wirklich faszinieren. Die schönen Bilder aus Finnland und anderen Regionen, in denen prächtige Winterlandschaften und Baumsilhouetten zu sehen sind, wirken für sich gesehen eindrucksvoll, aber mit dem von mir wahrgenommenen Winter hat das nichts zu tun. Vielleicht kann man sagen, es gibt Frühjahr-, Sommer-, Herbst- und Winter-Jahre. So würde ich es ausdrücken. Oft hinterlässt eine der Jahreszeiten einen bleibenden und prägenden Eindruck bei mir. Und das wechselt von Jahr zu Jahr. Jedenfalls habe ich mich selten so auf den Frühling gefreut, von dem ich hoffe, er wird nicht so lange auf sich warten lassen wie in 2013. Ein zeitiges Frühjahr gibt den exotischen Bäumen eine Chance, bis zum Frühherbst reife Früchte hervorzubringen. Eine Wiederholung fände ich klasse.

Natürliches Kulturgut

Die Fernsehdokumentation über das historische Erleben des Winters in ländlichen Regionen der Eifel und am Bodensee in der Nachkriegszeit fand ich sehr interessant. Ähnliche Geschichten können auch meine Eltern noch von früher erzählen. Gemeinsam ist diesen Schilderungen, dass der Winter heute offenbar nicht mehr dasselbe ist. Weniger Schnee, weniger wirklich große Kälte. Deutliche Zeugnisse einer tatsächlich stattgefundenen und stetig stattfindenden Erderwärmung. Das hat nicht unerhebliche Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung der Jahreszeiten. Für die empfindlicheren Bäume in unseren Gärten, v. a. den Feigenbaum und manche anderen Obstsorten, freut es mich zwar, dass die ganz großen Fröste meist ausbleiben. Aber die Nivellierung der Unterschiede zwischen Herbst, Winter und Frühling bedeutet auch eine Art Verlust regionaler Identität. Denn häufig sind es ja gerade die Extreme, die uns etwas bewusst machen und als Kulturgut sozusagen im Gedächtnis haften bleiben.

Land der Bäume

Wir haben in diesen Tagen viel Freude mit unseren Gartenbäumen. Sie beim Wachsen zu beobachten, den Zuwachs an Laub, die Zunahme des Stammumfangs und bei den Obstbäumen das langsame Reifen der Früchte zu verfolgen, bringt uns nahe an die jeweilige Jahreszeit heran. Dann wird deutlich, wie sehr unser Denken und Wahrnehmen von den klimatischen Verhältnissen und Zyklen der mittleren Breiten geprägt ist. Kaum vorstellbar wäre es ohne diesen zyklischen Wechsel und alle Veränderungen, die sie mit sich bringen. Die Formbildungsprozesse der Natur werden dadurch besonders anschaulich und begreifbar. Schön, dass ich in einem Land der Bäume leben darf.