Verzögerte Baumblüte und Honigprognosen

Für die Baumblüten, gerade für den ersten Honig dieser Saison, ist es vielleicht ganz gut, dass die Temperatur gerade wieder zurückgegangen ist und viel Feuchtigkeit in der Luft liegt. Wärmer werden muss es aber dennoch, sonst kommen die Bienen nicht zum Fliegen und dann nützt auch eine länger anhaltende Blütephase z. B. bei den Spitzahornen oder den Apfelbäumen, beim Schlehdorn oder den Traubenkirschen nicht viel. Moderate Wärme und etwas Luftfeuchtigkeit bei überwiegend lichtreicher Witterung sind Bedingungen, die für die Honigernste generell günstig sind. Und da V. nach dem Winter erstmals seit Jahren nur geringfügige Verluste registrieren musste, sind die Voraussetzungen auch von der Stärke der Völker her gut. Jetzt wünschen wir uns eine günstige Wetterlage während der wichtigsten Blütephasen, die uns einen sinnenfreudigen Baumfrühling schenkt und den Bienen reichlich sammelbaren Blütennektar.

Vorverlegte Honigsaison

Der Anfang des Sommers wird seinem Namen gerecht. Aber eigentlich hat er schon viel früher begonnen, wie überhaupt die Jahreszeiten deutlich vorverlegt zu sein scheinen. Eine Tendenz der letzten Jahre, die wohl auch auf die klimatischen Langzeitveränderungen zurückzuführen sind. Wir sehen das ganz deutlich an der Honigtracht, denn die typischen Blütenzeiten der honigträchtigen Pflanzen in unserer Region, die sich in der Reihenfolge Ahorn, Apfel, Weißdorn, Robinie, Brombeere und Esskastanie abwechseln oder auch teilweise überschneiden, sind allesamt mindestens einen Monat früher als etwa zur Zeit meiner Kindheit. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Honigsaison damals bis mindestens Ende August, manchmal auch bis Anfang September dauerte. Heute ist sie spätestens Anfang bis Mitte Juli bereits beendet. Das macht sogar schon mehr als einen Monat aus. In diesem Jahr ist günstig, von dem ohnehin guten Ertrag abgesehen, dass sich die verschiedenen Blütezeiten kaum überschneiden. Das bringt dann mehr Ertrag von einer Baumart und hat den Nebeneffekt, dass überwiegend sortenreine Honigsorten gewonnen werden können. Wenn alles so stimmig zusammengeht wie in diesem Jahr und auch das große Sterben der Vorjahre nicht in dieser Form festgestellt werden musste, dann ist die Vorverlegung ganz gut zu verschmerzen. Aber große Verluste und ausgefallene Blüte wichtiger Arten sind natürliche eine Katastrophe, die sich in den Vorjahren gehäuft hatte. Wenigstens ist uns das in dieser menschlichen Krisenzeit als positive Entwicklung gegönnt.