Merkwürdige Umwege unserer Entwicklung

Wie es schon vor Tagen erkennbar war, wird der Mai mit einem guten, überdurchschnittlichen Sonnenstundenergebnis enden. Das ist schön für uns, weil es einen aufleben lässt, und gut für die Pflanzen, die einen richtigen Energieschub erleben durften. So hoffe ich auf eine möglichst regelmäßige Fortsetzung des Sommers und das wir aus dem Aufenthalt im Freien und der Begegnung mit den Bäumen und anderen Pflanzen unsere eigenen Batterien aufladen können. Es gibt wohl nichts, was geeigneter wäre. Aber es muss auch Gelegenheit dazu bestehen. Bei so vielen sich ganz praktisch auswirkenden Krisen ist das nicht immer naheliegend und auch nicht einfach zu handhaben. Aber man erkennt durch diese Annäherungen an unsere natürlichen Grundlagen eben auch das zeitlos Bedeutsame oder erinnert sich daran, was man eigentlich immer schon weiß. Wir müssen uns eben diese Ursprünglichkeit und was eigentlich immer in unserer Umgebung zur Verfügung steht immer wieder erarbeiten. Das sind die merkwürdigen Umwege, die unser Fortschreiten als Gesellschaft, aber auch die besondere Richtung geistiger Entwicklung mit sich bringt. Es könnte sein und ist wünschenswert, dass uns gerade das in Zukunft leichter fällt, möglicherweise wieder wie eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen und lebenspraktisch eingesetzt wird.

Mehr Nahrung für Seele und Geist

Leider verdichten sich die eher gemischten Erfahrungen im Gesundheitsbereich, wie wir auch heute wieder feststellen mussten. Da kann einem schon vor der Zukunft in diesem Bereich grauen. Kaum zu glauben, wie stark selbst eine so grundlegende Dienstleistung unter dem Diktat ökonomischer Kalküle steht und leidet. Da richtet sich der Blick für die Jungen und Gesunden automatisch auf alles, was die Gesundheit erhält. Und dazu zählen neben der Ernährung und Bewegung eben immer auch die Dinge, die Seele und Geist Nahrung geben, auf denen aufbauend wir uns im eigentlichen Sinne aufrichten und weiterentwickeln. Es ist ein Jammer, dass eben das im öffentlichen Bewusstsein unterzugehen droht, einfach nicht beachtet oder als nachrangig hingestellt wird. Wir schaden uns durch solche Einstellungen und die damit verbundene Kurzsichtigkeit und Einseitigkeit. Ich hoffe, dass ich mit den Wunschbaum-Projekten einen kleinen kommunikativen Beitrag dazu leisten kann, dass die nicht rein funktionellen Bereiche unseres Denkens und Erlebens wieder mehr Aufmerksamkeit erlangen und damit für unsere Gesundheit heilsam wirken können.

Ostern, Frieden, geistige Grundlegung für eine Normalisierung

Eine stimmigere Entsprechung von christlicher Feiertagsbedeutung und der frühlingshaften Anmutung mit Sonne und viel Licht hätte es kaum geben können. So konnten wir diesen Ostersonntag auch durch die äußeren Bedingungen wie einen hohen Feiertag erleben und uns über die Ruhe und das Festliche freuen. Natürlich ist all das Gegensätzliche in der Welt auch an solchen Symboltagen präsent, kaum jemand wird sich dem entziehen können. Aber wenn es nicht möglich ist, an einem Feiertag wie Ostern, der für Neuanfang, Liebe und Frieden steht, hoffnungsvolle Gedanken in Richtung einer Normalisierung zu entwickeln und diese auch kommunikativ auszustrahlen, dann überlassen die Menschen dem Grausamen und Bösen das Feld. Dabei sind gerade die traditionellen Symbolsysteme genau das, was in Krisenzeiten mit permanenten Ausnahmesituationen Halte- und Orientierungspunkt für eine ausgleichende, umkehrende Veränderung bietet, die Enthemmungen wie den gerade zugemuteten keine Chance mehr lässt. Es gibt zahlreiche Ebenen im Alltag, in denen man auf geistiger Ebene zu der Grundlegung für eine Normalisierung beitragen kann. Ich selbst kann das zum Teil im Rahmen meiner Kommunikationsarbeit tun, aber auch mit den Wunschbaum-Projekten, die von vorneherein auf das Grundlegende, Allgemeinmenschliche bezogen sind und ebendies auch zu stärken helfen.

Sich gegen Rückschritte stellen

Diese krisenbedingte Lähmung im Kommunikationsverhalten, der Motivation und der reduzierten Aktivität der Menschen scheint endlos. Man erwartet immer wieder eine Auflösung dieses Umstands und erlebt doch eine weitere Fortsetzung. Da wäre tatsächlich der „Ruck“ von Nöten, von dem einer früheren Bundespräsidenten einmal gesprochen hat. Aber die Krisen sind eben international, so dass man eigentlich nicht weiß, von wem alles der Ruck ausgehen sollte und wen er alles erfassen müsste, um wirkliche Veränderung zu bringen. Eine Situation, mit der jeder überfordert zu sein scheint, und so geht das Suchen nach Lösungen und Überlebensstrategien weiter. Auf der Strecke bleibt die Weiterentwicklung dessen, was wirklich von Bedeutung ist. Die Arbeit an der Artikulierung und Durchdringung des Lebensprinzips, das immer bessere Verständnis dieses Prinzips in Richtung eines wirklich besseren, mit Fortschritten verbundenen Lebens in allen Bereichen. Wir dürfen diese Arbeit nicht völlig vernachlässigen, da uns das Jahrzehnte zurückwerfen könnte. Und so sehe ich als legitim und geradezu notwendig, gerade in Krisenzeiten wie diesen die Symbolik des Lebens und ihre kreative Verarbeitung, wie in den Wunschbaum-Projekten umgesetzt, immer wieder und immer noch zum Thema zu machen. Damit wir im Ergebnis keine massiven Rückschritte erleben.

Dem Wahnsinn eine geistige Fortschrittsperspektive entgegensetzen

Die Katastrophenberichterstattung begleitet mit viel Empathie und tatkräftiger Hilfe den Alltag der Menschen auch bei uns. Denn die Betroffenheit ist bei diesem Konflikt und seinen tragischen Auswirkungen hierzulande noch größer als in den Vorjahren im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle aus Syrien und Afghanistan. Vielleicht weil das Land geographisch näher liegt. Wahrscheinlich aber auch wegen einer so empfundenen größeren kulturellen Nähe. Es ist in jedem Fall eine kleine Beruhigung und ein menschlicher Lichtblick, das hohe Maß an Hilfsaktivitäten zu sehen, das dem Wahnsinn ganz sicher etwas entgegensetzt und vielleicht die weitere Eskalation verhindert. Wir müssen versuchen, alle zusammen, die Gedanken in Richtung des Friedens und des allen Menschen Gemeinsamen zu lenken, um Zerstörung und Leid gar nicht erst in dieser grausamen Weise wachsen zu lassen. Damit wir uns sehr bald wieder unserer eigentlichen fortschreitenden Entwicklung auf geistigem Gebiet, mit den Symbolen in Natur und Kultur und ihrer Anwendung, widmen können. Sicher sind wir nicht hier, um uns gegenseitig zu verletzten und zu beherrschen.

Sich über das Verhältnis von Menschen und Bäumen äußern

Am Ende bin ich mit dem zweitletzten Bestseller von Peter Wohlleben doch versöhnt. Während der Lektüre des Buchs über das Band zwischen Mensch und Natur war ich zwischenzeitlich doch im Zweifel, ob die Art der Beschäftigung mit dem Thema nicht zu wissenschaftsgläubig und zu wenig über diesen Horizont hinausblickend ist. Ich denke aber, dass in der Gesamtbetrachtung der Beiträge bzw. Kapitel auch viele das Thema diversifizierende Teilthemen aufgegriffen wurden, die zum Teil über naturwissenschaftliche Beobachtung und Erkenntnis oder Erfahrungsberichte hinausgehen. Das halte ich nämlich für dringend notwendig, da sonst der Eindruck entsteht, man könne etwas immer Gültiges über das Mensch-Baum-Verhältnis mitteilen, das zudem nur dann aussprechbar ist und Bedeutung hat, wenn naturwissenschaftliche Experimente es quasi nachgewiesen haben. Als jemand, der die Symbolik und Ästhetik in Kommunikationsprozessen zu seinem Arbeitsschwerpunkt zählt, ist so eine Sichtweise natürlich nicht akzeptabel. Und so sehe ich mich, die vorläufigen Erkenntnisse und auch die erfolgreichen formale Darstellung dieser bei Peter Wohllebens durchaus anerkennend, selbst bestätigt, meine Wunschbaum-Projekte weiterzuentwickeln und damit der vor allem geistigen Dimension des Themenfelds eine Stimme zu geben, die immer wieder neue Facetten unterscheidet und versucht, jeweils zeitgemäße Inhalte und Formen daraus zu gewinnen.

Außermenschliche Natur und ausgleichende Gedankeninhalte

Fast jeder, den ich treffe, ist von den weltpolitischen Ereignissen dieser Tage schwer getroffen. Man kann es eigentlich nicht glauben, wie der Ukrainische Präsident es heute selbst ausgedrückt hat: Mitten in Europa, im Jahr 2022. Wie kann so etwas überhaupt sein. Antworten sind nach menschlichen Maßstäben nicht gegeben und wird die Energie und Zuversicht ganzer Völker stark in Anspruch nehmen. Aber ich denke, dass diese Gedanken und alle Energieströme, die davon ausgehen, ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Die Gedanken werden sich bündeln und dieser irren Aggression das Möglichste entgegensetzen. Damit die Aggressoren aus ihrer Wut erwachen und bald schon ein Ansatzpunkt für Gespräche überhaupt wieder gegeben ist. Ich wünsche mir einen Stopp, bevor unzählige Menschen leiden und sterben müssen. Damit unsere Gesellschaften und die Welt als Ganze sich weiterentwickeln kann und nicht in tiefste und grausamste Zustände zurückgeworfen wird. Alles, was wir aus der nicht menschlichen Natur an Grundlegendem, Erdverbundenem und Ausgleichenden dafür nutzen können, muss jetzt in die Waagschale geworfen werden. Ich versuche mit meinen absolut friedvollen Baumsymbolprojekten einen winzigen Beitrag zu leisten, der u. a die aktuell erlebten Grausamkeiten als indiskutabel und zerstörerisch, eben das Gegenteil von aufbauend entlarvt.

Große Gefährdung für Freiheit und geistige Entwicklung

Turbulente weltpolitische Ereignisse zwingen uns wiederum Themen auf, die wir vor einigen Tage so noch nicht für möglich gehalten hätten und die das nun zwei Jahre andauernde Corona-Thema ergänzen und überlagern. Bei allen Notwendigkeiten, die sich daraus ergeben, wenn wir das gewohnte Leben weiterleben wollen, kann durch die Ereignisse bedingt nur noch sehr wenig Raum für echte Weiterentwicklung bleiben. Das ist aus meiner Sicht das größte Unglück. Denn das wirft uns Jahre zurück und lähmt die Menschen auf allen Ebenen, gesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich und vor allem auf geistiger Ebene. Welche Chancen werden in nächster Zeit geistige Themen und geistiges Fortschrittsstreben noch haben, wird z. B. ein Gespräch über Bäume und Menschen, über kulturgeschichtliche oder spirituelle Themenfelder überhaupt noch möglich sein, ohne dass man sich dem Verdacht aussetzt, weltfremd zu sein. Das Schlimme an solchen Verdächten wäre es, dass die Ereignisse selbst das Weltfremde darstellen, dass sie an Punkten ansetzen, die die Weltgemeinschaft bereits hinter sich gelassen glaubte und die deshalb nur destruktiv, mindestens behindernd wirken können. Es ist ganz wichtig, dass genau dies jetzt schon einer kritischen Masse von Menschen auf der ganzen Welt klar bewusst ist und eine Ausbreitung dessen, was wir nicht fassen können, schon im Keim erstickt wird.

Noch mehr Energie für Krisenbewältigung

Diese Nachrichtenlage ist einfach erschreckend. Dabei haben wir gerade begonnen, die endlose Krisenkommunikation etwas aufzulösen und uns wieder dem aufbauenden, kreativen und produktiven Leben und Arbeiten zuzuwenden. Jetzt also diese neue Katastrophe, die nicht wenigen zu allererst unwirklich erscheint, wie ein Relikt von Verhaltensmustern, die ausgestorben zu sein schienen und nun doch in nicht allzu großer geographischer Entfernung auch zu uns Wirklichkeit geworden sind. Eine ungeheure Belastung für die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaften und insbesondere den sozialen und spirituellen Fortschritt. Ein Szenario, dass zu instinktiven Reaktionen und einem Umschalten in den Überlebensmodus zwingt und damit wirkliches Fortschreiten unmöglich macht, im Gegenteil die Menschheit große Schritte zurückfallen lässt. Und über die Bedrohung des Lebens so vieler Menschen hinaus gehen wir Zeiten entgegen, in denen man sich fast schämen muss, alles nicht auf eine Basis Bezogene, insbesondere die symbolischen und kulturellen Werte, zum Thema zu machen, wie sie u. a. in diesem Baumtagebuch Gegenstand sind. Ganz trübe Aussichten also gerade für alle geistigen Arbeiter/innen, für die die beiden letzte Jahre ohnehin schon eine endlose und extreme Herausforderung waren. Ich kann uns nur wünschen, die notwendige Energie aufbringen zu können und die Krisentolerenz und Lösungskompetenz noch weiter zu verbessern. Letztlich wird aber wie so häufig schon eine kritische Masse von Menschen hinter einer Rückkehr auf den menschlichen, zukunftsfähigen Weg stehen müssen, in Gesellschaften, in den Menschen sich zunehmend und fortschreitend in Freiheit entfalten können.

Kritische Masse für Menschlichkeit und gegen Aggression

Die Sonne hat diesem Rosenmontag ein wenig von seinem traditionellen Charakter zurückgegeben. Aber von dem super lichten Wetter abgesehen, konnte in diesen Tagen natürlich keine Fastnachtsatmosphäre entstehen. So ist es gut und richtig, wenn Rosenmontagsumzüge kurzerhand in Friedensdemonstrationen umgemünzt wurden. Ein starkes Solidaritätszeichen, das über die energetischen und geistigen Bahnen seine Wirkung sicher nicht verfehlen wird. Das wirkt auf die gestern beschworene kritische Masse von Menschen, die mehr bewirken kann als politische Diplomatie und erst recht mehr als die kriegerische und menschenverachtende Aktion selbst. So hoffe ich mit so vielen Menschen weltweit auf einen schnellen Sieg der Menschlichkeit und eine Besinnung der Aggressoren auf das Allgemeinmenschliche und Gemeinsame, eine korrigierende geistige Lenkung von oben, die weitere Grausamkeit verhindert.

Baum-Thema und seelische Balance

Gefühlte Katastrophen scheinen in diese Zeit zu passen. Jedenfalls häufen sich die Ereignisse und Erfahrungen, auf die wir lieber verzichten würden, weil sie alles noch komplizierter machen. Dabei ist die Zeit schon kompliziert genug, zu kompliziert, um das seelische Gleichgewicht konstant zu halten. Da kommt dann vieles ins Wanken, umso wichtiger, sich zwischendurch Zeit zu nehmen, bewusst Zeit zu schaffen, um eben diesen Ausgleich wieder herzustellen. Ich wünsche allen ein Thema wie mein Baum-Thema, und natürlich die zeitliche Möglichkeit und die Bereitschaft, sich diesem Thema zu widmen, um allzu Divergierendes und Belastenden zusammenzuführen, nicht im Sinne von Ablenkung, eher im Sinne einer Besinnung auf grundlegend Wichtiges, mit dem wir eine innere Beziehung zu uns selbst und unseren geistigen Quellen herstellen können.

Weltsilvester und Neujahrsgedanken

Unter den Bänden aus der Rudolf Steiner Gesamtausgabe, die seit Weihnachten meine kleine Sammlung ergänzen, ist auch einer mit Mitschriften von fünf Vorträgen aus der Weihnachtszeit 1919/1920, die Steiner zwischen dem 21. Dezember 1919 und dem 1. Januar 1920 vor Mitgliedern der anthroposophischen Gesellschaft in Stuttgart gehalten hatte und die ich bewusst ausgewählt habe, weil sie weitere auf Jahreszeiten und Festtage bezogene Betrachtungen enthalten. Die Vorträge zum Thema Weihnachten waren vor Jahren auch mein Einstieg in die Gedankenwelt der Steinerschen Anthroposophie, insofern gehören diese Themen für mich immer noch zu den anschaulichsten und aufschlussreichsten. Wie so häufig ist der Titel des Bandes schon in Bezug auf gewisse Begriffe gewählt, die in diesem Fall im vierten Vortrag der Reihe enthalten sind, der an Silvester 1919 gehalten wurde. Aber es geht natürlich vor allem um umfassende und weit über diese Jahresereignisse hinausgehende Überlegungen zum damals aktuellen Stand der geistigen Entwicklung und der Verfassung der Geisteswissenschaft. Oft ist darin von Weihnachten die Rede und dem, was uns das Weihnachtsfest und seine Symbole eigentlich bedeuten sollten, auch wie weit zum damaligen Zeitpunkt, vor ziemlich genau 100 Jahren, das verbreitete geistige Klima eben dieser eigentlichen Rezeption des christlichen Feiertags zuwiderläuft. Wenn ich das lese, sehe ich frappierende Parallelen zur aktuellen Situation, nur dass es vor hundert Jahren offenbar schon einmal so war. Wirklicher Fortschritt auf dem Gebiet sieht sicher anders aus, und obwohl ich das schon lange so wahrnehme, erschreckt es mich im Vergleich dann doch einigermaßen. Überhaupt äußerst sich Steiner in diesen Vorträgen ungewohnt pessimistisch, sieht die geisteswissenschaftliche Bewegung vor allem von konservativen Vertretern der zwei großen Amtskirchen in Gefahr, die damals schon seine Anthroposophie als ketzerisch gebrandmarkt haben und von der Lektüre seiner Schriften abrieten. Die weiten Gedankenbögen, die Steiner dabei schlägt und wie er es in unendlichen Variationen und in unglaublicher Vielfalt und Tiefe schafft, an konkreten zeitlichen Ereignissen und alltäglichen kulturellen Formen festgemacht das Allgemeine, die Entwicklungslinien von Geist und Kosmos aufzudecken und erhellend zur Auslegung u. a. der Evangelien nutzbar zu machen, sind eine wahre Freude. Diese Lektüre war insofern genau das Richtige, um dieses Jahr im Geiste abzuschließen und das neue als gestaltbare Zukunft zu begreifen.

Offener Geist

Es war in den vergangenen Jahren nicht selten, dass persönliche, meist körperbezogene Katastrophen ausgerechnet kurz vor Weihnachten auftauchten und die Adventszeit zur Krisenzeit machten. Dabei haben wir eigentlich Krise genug. Heute also wieder ein solches Ereignis, auf das wir lieber verzichtet hätten. Da treten dann die Symbolthemen oberflächlich in den Hintergrund, auch wenn ich eigentlich auch an solchen Tagen mit ihnen beschäftigt bin. So heute wieder mit der Produktion eines Lebensbaum-Armbandes, mit allem, was an Reflexion zur Energie und Ästhetik des Baums und seines Holzes dazu gehört. Diesmal ging es um den Feigenbaum. Dieses kontinuierliche Mitlaufen der Arbeit mit Symbolformen ist auch insofern wertvoll und ausgleichend, weil es ganz außerhalb des Körperlichen, jedenfalls der Menschen liegt und den Geist offenhält.

Weihnachtslichter und geistiger Quell

Die weihnachtlich beleuchteten Dekorationen an Weihnachtsbäumen, Adventskränzen und -gestecken sind ein wirkliches Highlight in diesen Anfangstagen der Adventszeit. Tatsächlich gibt’s nicht vieles, was dem an Sinnhaftigkeit gleichkäme, sind die Menschen doch fast komplett abwesend, scheinbar krisenirritiert und verzetteln sich im Unbestimmten. Symbolformen, ganz besonders so starke wie solche, die den Sinn der Weihnacht transportieren und im Alltag sicht- und verstehbar machen, sind in der Situation geradezu lebenswichtig. Denn neben den realen körperlichen Bedrohungen sind nach fast zwei Jahren Krise auch die Kommunikationskultur und die innere Verarbeitungskapazität des Erlebten in Gefahr und verlangen uns viel Energie ab, die wir nur aus unserem Innersten heraus holen können, aus dem geistigen Quell, in dem wir alle einen gemeinsamen Ursprung erkennen.

Naturbeobachtung und der Blick ins Innere

Wenn ich den persönlichsten aller Tage im Jahr auch in Zukunft mit so viel Ruhe feiern kann, bin ich zufrieden. Denn das ist es glaube ich, was bei so viel Krisenstimmung und Krisenkommunikation einfach lebensnotwendig geworden ist. Neben der Familie habe ich mir einige kontemplative Stunden gegönnt und u. a. meine Lektüre der Schriften Rudolf Steiners weitergeführt. Diesmal die Zweitlektüre von Vortragsmitschriften, die sich auf das bewusste Erleben und geistige Durchdringen der Jahreszeiten beziehen, eines der für mich spannendsten und mich am meisten ansprechenden Themen der Anthroposophie überhaupt. Und das vor allem, weil mein Favoritenthema Bäume dabei auf sehr grundlegende und weiter gefasst Weise im Sinne der Naturerkenntnis und der Integration in die eigene Entwicklung betrachtet wird. Letztlich geht es auch bei dem enger gefassten Baumthema immer um das Allgemeine. So wie die Bäume in ihrer symbolischen Kraft schon für etwas sehr Menschennahes, für Prinzipien des Lebens stehen, so kann unsere gesamte Existenz als Geistwesen im Lichte unseres Naturbezugs betrachtet werden. Wenn wir bei allem Naturbeobachten immer auch gleichzeitig das Innere im Blick behalten und die gegenseitige Spiegelung bewusst beobachten, kann sich der Erkenntnishorizont ganzjährig enorm erweitern.

Ein entschlossenes Sowohl-als-auch

Ein Parteienforscher hat es im Zusammenhang mit der Analyse des Wahlergebnisses wieder festgestellt, was wir alle ohnehin wissen: In Deutschland hat sich eine Art coronabedingte Lethargie breitgemacht, die eine Entscheidung noch schwerer macht. Weiter so wie bisher oder ein moderater Richtungswechsel. Oder wie es ein anderer Kommentator aus Österreich formuliert hat, ein entschiedenes Sowohl-als-auch ist eine für Deutsche typische Grundhaltung. Ich schätze, die Unentschlossenheit und Unklarheit bezüglich der Orientierung werden noch eine ganze Weile andauern, auch das kann man nicht überraschend aus dem Wahlergebnis ableiten. Es ist die psychische Verfassung und dahinter stehend die geistige Entwicklung der Menschen, die für mich die eigentliche Baustelle sein und bleiben muss. Und ich bleibe dabei, wenn aus den tagesaktuellen Themen und Herausforderung die Anstöße ausbleiben, sind es gerade die Grundlagenthemen, die stärker und vor allem kontinuierlich Aufmerksamkeit verdienen. An der Arbeit mit diesen Themen, den natürlichen Grundlagen unseres Lebens, den geistigen Quellen des Individuellen, können wir wachsen und uns wirklich weiterentwickeln. Mindestens aber sollten wir an erreichte höhere Entwicklungsstände anknüpfen und die Rückschritte und endlosen Umwege und Schleifen der letzten Jahre hinter uns lassen.

Geistige Trostlosigkeit

Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Aura seiner Lebenszeit beschäftigt mich auch nach Abschluss der Autobiografie-Lektüre sehr. Wenn ich mir das vor Augen führe, welches Niveau der Auflösung und des Weitblicks damals schon im Raum stand und sich in vielen Lebensbereichen hätte weiterentwickeln können, erscheinen mir die rund 100 Jahre seit seinem Tod wie ein enttäuschender Rückschritt. Denn heute sind welt- und geistfremd wirkende blinde Wissenschaftsgläubigkeit und reines Oberflächendenken derart dominant, dass man kaum glauben kann, die Erkenntnisfähigkeit war schon einmal sehr viel tiefer- und weitergehend. Eben so, dass so etwas wie geistiger Fortschritt, der bewusst reflektiert sich entwickelt, nach weiteren hundert Jahren eigentlich schon wieder ein Stück weiter fortgeschritten sein könnte. Nur davon kann ich kaum etwas erkennen. Es wirkt alles wie ein krampfhaftes Insistieren auf Denkarten und Wahrnehmungsformen, die längst überholt sind, auch im Bewusstsein der Menschen. Wenn in solchen Krisenzeiten wie dieser selbst künstlerische Beiträge, die eine Brücke bilden könnten, quasi auf Eis gelegt sind, tritt diese geistige Trostlosigkeit erst recht hervor. Einen Ausweg und ein mögliches Anknüpfen an frühere Entwicklungsstände sehe ich dann vom Ende der Krise abhängig. Aber auch jetzt schon kann die bei vielen bewusstere Naturbeobachtung dazu beitragen, und mit ihr auch die Beiträge, die ich im Zusammenhang mit diversen Wunschbaum-Projekten veröffentliche und als interaktive oder praktisch verwendbare Angebote in den Raum stelle.

Symbolische Präsenz und geistiger Lebensquell

M. hat die künstlichen Pfingstrosen noch einmal neu arrangiert, nachdem sie gestern zu gedrängt in der Vase zusammenstanden und ihre symbolische Präsenz gelitten hatte. Heute erschienen sie weiter ausladend und gleichmäßig zueinander angeordnet, fast wie natürlich wirkend. Am wichtigsten ist aber ihre vegetative Symbolik und natürlich ihre Wahrnehmung während der Pfingstfeiertage selbst. Ich finde es tröstlich, dass uns solche Akzentuierungen und das bewusste Pflegen von Traditionen möglich sind und wir dies auch bewusst in uns aufnehmen können. Das gehört zu den Dingen, die der Familie einen besonderen Zusammenhalt geben, ähnlich den Pflanzen im Garten und allem, was damit an Arbeiten und Freuden zusammenhängt. Themen, die uns schon viele Jahre gemeinsam beschäftigen und die wir nicht nur als Thema und Beschäftigung im Rentenalter oder der Freizeit betrachten. Es liegt eine große Chance für unser aller Entwicklung darin, aus vegetativer Lebenssymbolik zum einen das Gemeinsame, zum anderen, was eigentlich dasselbe ist, die geistigen Quellen des Lebens im und für den Alltag zu erschließen.

Mit der inneren Quelle in Kontakt treten

Nach den immer wieder arbeitsreichen Samstagen ist mir der Sonntagnachmittag heilig, wenn es darum geht, meine Lektüre fortzusetzen oder wieder aufzugreifen. Gerade in dieser Jahreszeit, wenn die Tage spürbar kürzer sind und die seltener gewordenen Lichtphasen von früher Dämmerung abgelöst werden, insbesondere nach Allerheiligen und vor Beginn der Adventszeit, ist mir die Lektüre von Rudolf Steiners Schriften oder Vortragsmitschriften ein Bedürfnis. Es scheint auch so, dass sie in dieser Zeit besonders verständlich sind, im geisteswissenschaftlichen Sinne, dass sie das eigene Leben in ganz praktischer Form mitprägen, weil die Erkenntnisse und Einsichten im Geiste lebendig werden und gewissermaßen weiterwachsen. Und solche geistigen Fortschritte und inneren Wachstumsvorgänge benötigen wir in dieser Krisenzeit zunehmend. Mit ihnen können wir am ehesten die Verknüpfung zur innersten Quelle wiederaufnehmen oder verstärken, aus der wir Kraft schöpfen und Hoffnung entwickeln können, die von außen derzeit wie abgeschnitten scheint. Vielmehr gibt es viel, was uns Energie entzieht, die ohne Weiteres nicht aus der Kommunikation nachgetankt werden kann. Ich wünsche allen, dass es ihnen gelingt, die eigene innere Quelle zu kontaktieren und auf welchen konkreten Wegen auch immer, z. B. auch in der Beschäftigung mit der Energie und Lebenssymbolik der Bäume, diese Kräfte zehrende Zeit unbeschadet und wenn möglich gestärkt zu überstehen.

Geisteswissenschaftliche Grundlagen einer Ästhetik

Ein Sonntag, der nach dem vormittäglichen Gedenken an B. eine Ruhe bescherte, die nach so vielen arbeitsintensiven lange Werktagen einfach willkommen und notwendig war. Ich freue mich, mit der Lektüre der Aufsatz- und Vortragssammlung Rudolf Steiners begonnen zu haben, die sich auf dessen Ausführungen zur Grundlegung einer Ästhetik konzentrieren. Ein Gebiet seines Schaffens, das für ihn zeitlebens eine große Bedeutung hatte, das aber letztlich nicht in ein geschlossenes Werk zu diesem Wissenschaftsgebiet eingeflossen ist. Die über einen größeren Zeitraum verstreuten Beiträge sind aber für mich wertvolle Ansätze, die mein wissenschaftliches Abschlussthema, die Grundlegung ästhetischer Kommunikation, um einige Facetten bereichert. Wenn ich diese Arbeit noch einmal zu bearbeiten hätte, würden Steiners Text möglicherweise einfließen, durchaus auch mit kommunikationswissenschaftlichen Ansätzen in Übereinstimmung zu bringen. Denn in den ersten Abschnitten, die ich bisher gelesen habe, wird schon deutlich, dass es um dieselben ästhetischen Grundfrage des Zusammenhangs zwischen dem formellen physischen Werk und einem geistigen Inhalt mit Allgemeinheitswert und Notwendigkeitsanspruch geht, der alle Fragen des künstlerischen Prozesses dominiert. Ein anderer Band aus Steiners Gesamtwerk, das sich auf den Lauf der Jahreszeiten bezieht, auch eines meiner Lieblingsthemen, habe ich zunächst hintenangestellt. Ich denke, diese Themen werden im Frühjahr, generell mit dem neuen Grünen und Blühen der Bäume wieder interessanter und auch gut nachvollziehbar.

Rudolf Steiners erstaunlich moderne Kommunikationsarbeit

Die Zusammenstellung der Vortragsmitschriften Rudolf Steiners, wie sie in den Bänden der Gesamtausgabe zusammengefasst wurden, geben schon einen sehr viel tieferen Einblick in die Art und die Bedingungen, wie Steiner damals seine Vorträge an verschiedenen Orten und vor unterschiedlichem Publikum gehalten hat. Einfach, weil es meist in zeitlichem Zusammenhang gehaltene Vorträge sind, die während weniger Wochen, oft mehrere Vortragsteile an mehreren Tagen hintereinander am selben Ort, eine Facette der umfangreichen anthroposophische Gedankenwelt zum Ausdruck brachten. Und in diesen zusammenhängenden Vortragsreihe vor dem jeweils gleichen Publikum werden auch einige der Fragen beantwortet, durch Steiner selbst, die man sich als Leser ständig stellt: Wie war es möglich, dass ein großer Geistesforscher in diesen Zeiten, während der Wirren des ersten Weltkriegs, solche ungeheuren Gedanken entwickeln und öffentlich machen konnte, die an Dichte, Intensität, Tiefgang und Vielfalt nicht mehr zu übertreffen sind. Das ist erstaunlich und bewundernswert zugleich, wenn man sich die Zeitumstände vorstellt. Und doch wirken die ganzen Umstände fast modern, doch könnte man sich Ähnliches auch in unseren Zeiten, vielleicht nur in einem anderen Medium, vorstellen. Deutlich wird daraus immer wieder auch, wie sehr die Bewegung damals Anfeindungen und Unverständnis entgegengebracht wurde. Und wie schwierig es für die Anhänger und v. a. Steiner selbst gewesen sein muss, dass so konstant und konsequent weiterzuentwickeln. Eine für mich immer wieder interessante Lektüre, vor allem wegen der Inhalte, aber auch wegen der Erkenntnisse über die Kommunikation von Wissensinhalten und Anschauungen, aus denen man auch heute noch Wesentliches lernen kann. Ein Punkt ist sicherlich, die Bescheidenheit und Demut aufrechtzuerhalten, die allzu leicht gefährdet ist, wenn man sich der Reflexion und praktischen Arbeit mit Geistigem widmet. Ich hoffe, das für meine aktuelle Arbeit, auch im Bereich der Wunschbaum-Projekte, jederzeit im Bewusstsein zu behalten und ebenso umsetzen zu können.

Der Weihnachtsbaum und die Geisteserkenntnis

Es war genau an diesem Tag, dem 28. Dezember, allerdings vor 104 Jahren, als Rudolf Steiner vor Mitgliedern der anthroposophischen Gesellschaft in Basel einen Vortrag hielt, der die Symbolik des Weihnachtsbaums in den Zusammenhang mit dem biblischen Baum der Erkenntnis stellte und die emotionale Anteilnahme beim Anblick des Weihnachtsbaums auf eine schon Kindern mögliche Annäherung an das Christus-Bewusstsein zurückführt. Nach den verschiedenen Vorträgen, die ich von Steiner bezüglich dieses Themenfeldes bereits kenne und fast jährlich wiederum lese, erscheint mir dieser als eine Betrachtung, die dem Empfinden der meisten Menschen am nahesten kommt. Diese Erklärung der unmittelbaren Faszination des leuchtenden Baums ist sehr schlüssig, der in der dunkelsten Zeit des Jahres, in den Tagen der größten Kälte und Lichtarmut, von einer geistigen Urquelle zeugt, die gerade in dieser Zeit zum Ausdruck kommt und uns die außen fehlende Wärme als geistige Wärme zurückgibt und bewusst macht. Es ist einer der Zeitpunkte oder -phasen, in denen uns dieses Geistbewusstsein ohne größere Anstrengung zuteilwerden kann, in denen die gewonnenen Erkenntnisse, man könnte auch sagen Erinnerungen, mit Impulsen ausstatten, die das ganze folgende Jahr aufbauende und heilende Wirkung haben können. So will ich mit allen um mich herum die Zeit zwischen den Jahren in diesem Sinne als große Chance verstehen.

Weihnachten und die geistige Entwicklung der Menschheit

Es ist ein Gewinn, dass wir in Deutschland einen zweiten Weihnachtsfeiertag haben. Ich empfinde das als Bereicherung und freue mich, das Feierliche der Weihnacht nicht auf zwei Tage konzentrieren zu müssen. Und auch die Raunächte und die Tage dazwischen gehören für mich dazu, wie schon die Adventszeit zuvor. Der zweite Tag war wie ein Duplikat des ersten Feiertags, ebenso ruhig und unaufgeregt verlaufen und wie gemacht, Feiertagsessen, Ausruhen und die Lektüre meiner neuen Bände mit Vortragsmitschriften und Textentwürfen von Rudolf Steiner zu verbinden. In den ersten Texten, mit denen ich in die Lektüre eingestiegen bin, geht es um die Entwicklung des Christusimpulses und die Rolle der Weihnachtsgeschichte, überhaupt der Idee einer Christgeburt, für die geistige Entwicklung der Menschheit. Große Themen, denen sich Steiner in einem Vortagszyklus in Berlin und verschiedenen Schweizer Städten in der Weihnachtszeit 1915 / 1916 gewidmet hat, dem zweiten Winter während des ersten Weltkriegs. Unglaublich, wie jemand in diesen bewegten Zeiten so tiefgehende Gedanken entwickeln, ausformulieren und vortragen konnte. Wieder ein Beweis, dass es ungewöhnliche, herausragende Persönlichkeiten gibt, die der Welt wirklich etwas Bleibendes mitzugeben hatten bzw. haben. Der nächste Text, den ich mir morgen ansehe, wird wiederum eine Weihnachtsthema aufgreifen und diesmal auch den Weihnachtsbaum erneut in den Mittelpunkt des Interesses stellen, wie dies ja auch in verschiedenen Weihnachtsvorträgen Steiners in anderen Jahren und vor anderem Publikum geschehen ist.

Menschen und Pflanzen – eine Entwicklungspartnerschaft

Sehr froh bin ich, während dieser Feiertage genügend Zeit und Ruhe für die Lektüre der Beiträge Rudolf Steiners zu den Jahreskreisfesten gefunden zu haben. Da u. a. auch Ostern thematisiert wird, war das zudem zeitlich sehr passend und besonders eindrücklich, am deutlichsten dabei der Vortrag zum Thema Ostern, der ebenfalls am Ostersonntag, 1. April, nur eben 95 Jahre zuvor in Dornach, Schweiz, von Steiner vor Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft gehalten wurde. Die zuletzt gelesenen Texte von 1923 gehören in den Bereich des Spätwerks, wenn man so will, bzw. der ausgereiften und sehr ausgefeilten und von Erfahrung gesättigten Lehren Steiners. Darin deutlich spürbar ist ein gewisser pädagogischer Ton, der Anspruch, Spuren zu hinterlassen, alltagstaugliche Anleitungen zur praktischen Weiterentwicklung der anthroposophischen Weltanschauung und Lebensweise zu geben. Ich finde das besonders anrührend, weil ein echtes Interesse, an wirkliches Überzeugtsein von der eigenen Lehre darin zum Vorschein kommt. Mit Themen, die auch zu seiner Zeit nicht sehr populär gewesen sein dürften. Und derart detailreich und thematisch weitgreifend, riesige Bögen spannend, ungeahnte Zusammenhänge aufdeckend, dass es einen mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen muss. Er muss zwei Jahre vor seinem Tod bereits geahnt haben, dass es mit der Weiterführung seiner Lehre zumindest schwierig werden würde. Dass möglicherweise nicht so viel von seinen Erkenntnissen in die Lebenspraxis seiner Zuhörer und Gefolgsleute bis dahin eingeflossen war. Umso dringlicher die Appelle, Anthroposophie praktisch zu verstehen und eine tatsächliche geistige Entwicklung, einen Fortschritt durch disziplinierte Anstrengung auf anthroposophischem Gebiet anzustreben. Vieles davon erscheint mir 100 Jahre später nicht weniger wichtig und aktuell wie damals. Selbst die Sprache Steiners in diesen letzten Lebensjahren war merkwürdig modern und von heutiger kaum noch zu unterscheiden. Wenn dann gerade in diesen zuletzt gelesenen Vortragsmitschriften u. a. von einer Art Lebens- und Entwicklungspartnerschaft zwischen Menschen und Pflanzen ihrer Lebenswelt zu Rede ist, sehe ich mich einmal mehr in der Beschäftigung mit diesem historischen Gedankengut bestätigt. Dass die eigenen geistigen Entwicklungsbemühungen auch Auswirkungen auf die Pflanzen hat, denen menschliche Aufmerksamkeit und Beobachtung zuteil werden, das ist mir intuitiv aus meinen Wunschbaum-Projekten seit vielen Jahren vertraut. Eine geisteswissenschaftliche Hintermauerung zu studieren kann helfen, die eigenen Betrachtungsweisen, Erkenntniswege und Entwicklungen zu bestärken und ein Stück weit zu kontrollieren.

Ostern, Jahreskreis und geistige Verortung

Bis auf das Wetter, das so gar nicht passte, durften wir einen schönen Osterfeiertag verbringen. Schön für mich, weil er die Ruhe und Feierlichkeit mit sich brachte, die ich traditionell mit christlichen Feiertagen verbinde. Die fühlen sich für mich grundsätzlich anders an als normale Tage und auch wie nicht feiertägliche Sonntage. Wenn ich Rudolf Steiners zahlreiche Vorträge zu eben diesem Zusammenhang nachlese, nämlich zur Bedeutung von Fest- und Feiertagen im Jahresverlauf, der uns das bewusste Erleben und Miterleben der Veränderungen in der Natur und unserer Rolle im dem Ganzen ermöglicht, dann sehe ich mich mit diesem Langzeitthema bestätigt, das ich so häufig und auch gerne im Baumtagebuch, in Gesprächen und auch in meiner Projektarbeit aufgreife, ausarbeite und für die je aktuelle Situation fruchtbar zu machen suche. So ist es kein Zufall, dass ich vor vielen Jahren die Bäume als Lebenssymbol für mich entdeckt habe und daraus ein eigenes Lebensthema gemacht habe. Sie stehen als prominente Repräsentanten und Spiegel dieser Prozesse und Zusammenhänge, aus denen wir bei bewusster Wahrnehmung sehr viel über uns selbst und unsere geistige Verortung und Entwicklung hinzulernen – oder besser: wieder neu verstehen lernen – können.

Das geistige Licht der Feiertage

Allerheiligen ist für uns in den letzten Jahren Anlass zur Familienzusammenkunft geworden. Auch eine Form, dem christlichen Feiertag gerecht zu werden, wenn auch etwas weiter entfernt von den Ritualen und dem Gedenken an die Verstorbenen, was für mich seit Kindertagen besonders im Vordergrund stand und auch ästhetisch bleibende Eindrücke hinterlassen hat. Die Totenlichter auf den Friedhöfen bei Dunkelheit, wenn wir vom Besuch eines externen Friedhofs mit verstorbenen Angehörigen nach Hause zurückkamen. Das war unbeschreiblich und hat dieses Licht in mir entfacht, das mit dem vergleichbar ist, dem wir an Weihnachten im Angesicht des Weihnachtsbaums entgegentreten, dem wir in Form den erleuchteten Baums gegenübertreten. Und in dem wir quasi versinken, das eigene Geistige vergegenwärtigen und sich neue innere Horizonte auftuen, die freilich immer schon vorhanden sind, nur meist verdeckt oder verschleiert erscheinen. Es ist diese mehr oder weniger bewusste Verbundenheit mit der Urquelle, die auch das Gemeinsame unter allen Mitgliedern einer Lebensgemeinschaft deutlicher werden lässt und uns innehalten lässt – zum Kraft und Energie tanken während der weniger geistesgegenwärtigen Zeiten.

Den gemeinsamen Ursprung erinnern

Zum Ende des Jahres höre ich von verschiedenen Menschen, die ich teils seit Jahren nicht gesehen oder gesprochen habe. Schön zu sehen, wie das Weihnachtsfest seine verbindenden Energien vorausschickt und ein übergreifendes Gefühl von Heimat und Zusammengehörigkeit vermittelt. Tatsächlich ist die Adventszeit, vor allem die Tage unmittelbar vor den Festtagen, für viele die einzige Zeitphase im Jahr überhaupt, die sozusagen ungestraftes Loslassen und zur Ruhe kommen erlaubt. Oder zu der sie sich diese Ruhe glauben erlauben zu dürfen. Die vielen weihnachtlichen Symbole, die von der Lebens- und Wachstumssymbolik der immergrünen Zweige und anderer für die Weihnacht stehenden Pflanzen sowie durch künstliche Lichter, Kerzen und verschiedene christliche Zeichen rund um die Geburt Christi geprägt ausgefüllt sind, bringen die Menschen zusammen. Sie erinnern sie an den gemeinsamen Ursprung als Geistwesen, eng geführt und versinnbildlicht durch das Erinnern der Geburt des Jesus Christus, der als Gott und Mensch zugleich in die Welt gekommen ist, um uns an diesen schon fast vergessenen Ursprung zu erinnern.

Winterzeit und unbewusste Sphären

Die Tage vor Allerheiligen haben für uns immer schon etwas Aufwühlendes. Ich kann das auch in diesem Jahr feststellen. Es äußert sich im Körperlichen, trifft aufs Gemüt, wirkt sich nicht selten auch auf die Kommunikation aus. Gereiztheit ist da nicht selten. Und erfahrungsgemäß löst sich das erst während der beiden Feiertage wieder auf, manchmal auch erst später. Es hat bestimmt mit der größeren Aufmerksamkeit im Hinblick auf die verstorbenen Seelen zu tun, dass solche Stimmungen und Eindrücke regelmäßig entstehen. Aber wie bei so häufig bei Feiertagen gehen die Bedingungen im Außen, sprich das Novemberwetter, der Beginn des Winters, das immer weniger werdende und am Nachmittag schon früh vergehende Licht, eine enge Verbindung ein mit unserer inneren Befindlichkeit. Beides spiegelt sich ineinander, ohne dass wir uns dem ganz entziehen können. Mit dem Fallen der letzten Baumblätter ist das auch in der Seele angekommen, was wir während des leuchtenden Blätterherbstes ahnen, worauf uns diese Zeit quasi schonend vorbereitet. Dass nämlich das Leben sich mehr nach innen wendet, dass wir, wie Rudolf Steiner das ausgedrückt hätte, uns zurückziehen in Richtung der Erde, die sommerliche, ins Weltall gerichtete Ausdehnung umkehren und Hinabsteigen in die Tiefen auch unserer Seele. Bis wir zur Zeit der Wintersonnenwende, kulminiert im Symbollicht des Weihnachtsbaums, dem am nächsten kommen, was uns allen gemeinsam ist. Dem inspirierenden Funken, der göttlichen Quelle, der geistigen Heimat, an die wir uns dann am ehesten erinnern können, oder zumindest eine abgedämpfte Ahnung davon erhalten. So trägt uns das Beobachten der jahreszeitlichen Veränderungen in Sphären hinüber, die uns eigentlich immer präsent sind, aber allzu oft der bewussten Wahrnehmung verborgen bleiben.