Vorsichtiges Frühlingserwachen

An diesem Tag, der uns wieder mit einer intensiven frühlingshaften Helligkeit beschenkt hat, konnte ich nicht umhin, den aktuellen Entwicklungsstand in der nahen Baumlandschaft in Augenschein zu nehmen. Es waren noch einmal vor allem die ersten Entwicklungsstadien im frühlingshaften Erwachen der Vegetation, die mich in diesem Frühjahr so sehr fasziniert. Unglaublich zart und filigran erscheinen die gerade erst im Auffalten befindlichen Blätter und die jungen, frischen Blüten, z. B. bei der Hainbuche:

Zweig mit ganz jungen Blättern und Blüten der Hainbuche

Oder beim Spitzahorn, den ich noch nie so bewusst beobachtet habe, bevor er die komplizierten Blütenstände ausbreitet. Hier sind sie noch ganz kompakt zusammengepresst und noch von der Knospenhülle ummantelt:

Zweig mit jungen Blütenständen des Spitzahorns

Und der Weißdorn hat die Reihenfolge ja immer umgekehrt. Zunächst kommen die Blätter, und dann folgen die Blüten, die längere Zeit nur als geschlossene, grüne, stecknadelgroße Kugelkonglomerate erscheinen, bevor sie die weißen Blütenblätter mit den rosa Pollen zum Vorschein bringen:

Zweig mit jungen Blättern und noch nicht geöffneten Blüten des Weißdorns

Erste Frühlingszeichen aus der vegetabilen Umwelt

Der spürbare Frühlingsauftakt, lustigerweise genau passend zum meteorologischen Frühlingsanfang, hat die Menschen doch sehr motiviert, sich ins Freie zu bewegen. Sogar die ersten Biergärten sollen schon geöffnet haben, weil die Besucher nach dem ungemütlichen, nassen Winter nach Sonnenlicht sehnen und die ersten Gelegenheiten darum allzu gerne nutzen. In der Baumlandschaft ist der Frühling dagegen noch nicht wirklich angekommen, was nicht verwundert, denn die Bäume wollen sich „ganz sicher sein“. Und einige helle Tage am Stück müssen eben noch nichts Konstantes bedeuten. Deshalb müssen wir mit der Voraussage des Frühlings noch vorsichtig sein. Beim Spaziergang heute Mittag musste ich schon ganz genau hinsehen, um erste Regungen bei den Bäumen und Sträucher zu erkennen. Von Weitem betrachtet und mit flüchtigem Blick in die Landschaft wirkt noch alles grau und spätwinterlich. Bei einigen Arten aber kann man von Nahem doch schon Frühlingszeichen erkennen. Bei den Blattknospen am weitesten waren hier bei uns die Weißdornsträucher. Da waren an einigen Exemplaren tatsächlich schon noch dicht eingeschlagene, noch nicht ganz aufgefaltete Blätter zu sehen, die ihre Knospenhüllen schon zur Seite geschoben hatten. Noch ein paar helle und mäßig warme Tage, und das Weißdorngrün sollte schon vollentfaltet sein und die ersten grünen Tupfer in der Baumlandschaft hinterlassen. Beim Schlehdorn sind es nicht die Blattknospen, sondern die winzigen, kugeligen braunen Blütenknospen, die zahlreich schon zu sehen sind, die aber noch vollständig geschlossen erscheinen. Aber der Schlehdorn gehört eben zu den am frühesten blühenden Arten. Das heißt, bei ihm kann sich das Bild über Nacht wandeln und die Sträucher plötzlich in etwas Blendendes in üppigem Weiß verwandeln. Auch schon zu sehen sind die noch geschlossenen Blütenknospen bei einzelnen Wildapfelexemplaren. Man kann durch die geschlossenen äußeren Blütenblätter schon die roten Anteile dieser später so dominanten Blüte sehen. Neben diesen drei Arten habe ich noch vereinzelte weitere Sträucher mit geschlossenen Knospen erblickt, die ich aber nicht eindeutig zuordnen konnte. Ich denke, diese spannende Phase der ersten Frühlingszeichen werde ich in den nächsten Tagen engmaschiger beobachten. Schon jetzt freue ich mich über jeden erkennbaren Fortschritt beim Frühlingserwachen der vegetabilen Umgebung.