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Verschmolzene Wahrnehmung

Die Ruhe dieses Sonntags passte zum Sonntag ebenso wie zu dieser Krisenzeit, in der fast jeder Tag insofern wie Sonntag wirkt. Am Nachmittag habe ich M. zum Friedhof begleitet, nach längerer Zeit einmal wieder, auf dem ebenfalls sehr wenige Besucher zu sichten waren. Aber für den Besuch an den Gräbern von lieben Bekannten und Verwandten ist das eher angenehm. Und so konnten wir uns in Ruhe an die gemeinsame Lebenszeit mit diesen Menschen erinnern, im kühlenden Schatten der Kiefern, Hainbuchen und Roteichen, die zwischen den Gräberfeldern wachsen. Tatsächlich weisen diese schon teilweise alten Bäume mir oft den Weg, wenn es darum geht, eine Grabstätte zu finden. Wie Erinnerungsmarken, die stets an derselben Stelle die Verstorbenen täglich an ihrer Ruhestätte begleiten und mit ihnen in der Wahrnehmung verschmolzen sind.

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Kontemplativer Schatten

Es war doch eine schöne, frühlingshafte Atmosphäre bei Ms Beerdigung. Besonders bei der Beisetzung schickte die Sonne wärmende Strahlen durch die ungewohnt dichten Baumkronen. P. M. hatte es sich deshalb auch länger überlegt, ob er das Familiengrab wählen sollte. Anders als die meisten Gräber dort liegt es ziemlich am Rand, unter einer ganzen Gruppe schon älterer Kiefern, die den Platz meistens sehr schattig gestalten. Dennoch eine sehr ruhige Stelle dort, nahe am Waldrand. So können die Bäume ihren Teil zur Kontemplation beitragen und zudem in hitzigen Sommertagen die Bepflanzung schützen.

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Allerheiligenaura

Nun stelle ich erst jetzt am Abend fest, dass ich das November-Kalenderblatt noch nicht gewendet hatte. Allerheiligen hat eben seine ganz besondere Aura. Da vergisst man schon mal die Alltagsroutinen und widmet sich leichter Grundsätzlichem. Anders als fast immer in den Vorjahren hat es mich heute aber nicht zum Friedhof gezogen. Seit dem vergangenen Jahr ist das anders geworden, seitdem nämlich Gs Grab nicht mehr dort zu finden ist. Wir legen zwar an der einstigen Grabstelle, die jetzt ein Stück ebener Rasenfläche und quasi unsichtbar geworden ist, noch ein Gebinde grüner Zypressenzweige und Blumen ab und stellen ein Grablicht dazu. Aber die Präsenz der Grabstätte hat das natürlich nicht. Ich denke aber, dass ich am morgigen Allerseelen, vielleicht am Vormittag, den Friedhof noch besuchen werde. Um G. und andere verstorbene Bekannte und Verwandte zu besuchen. Ein Sonntag, der nach Vorhersage das Gedenken in mehr Wärme und Sonnenlicht als heute tauchen wird.

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