Mut machende Erfahrungen in der Motivationswüste

Manchmal entstehen auch in Mitten einer Motivationswüste, wie wir sie seit Monaten erleben, kommunikative Inseln, auf denen die Dinge wieder in Fluss kommen. Heute war einer dieser selten gewordenen Tage, die Mut machen und zeigen, dass langfristige Anstrengungen um eine ausgeglichene Kommunikationskultur auch Wirkungen hinterlassen und sich auszahlen. Nur muss man manchmal sehr lange auf Zeichen dieser Wahrheit warten. Ich freue mich, dass ich solche auflockernden Erfahrungen zurzeit sowohl auf dem Gebiet der Arbeit mit symbolischen Formen mache als auch in der eher konzeptionell-inhaltlichen Projektarbeit. Auch wenn die Auftraggeber oder Interessenten meist entweder aus der einen oder der anderen Richtung kommen, also nichts von der jeweils anderen wissen, ist das Parallellaufen von größter Wichtigkeit, weil es Einseitigkeit in beiden Richtungen zu vermeiden hilft. Etwas, das sich immer positiv auf die Qualität der Ergebnisse auswirkt und solche Mut machenden Erfahrungen immer wahrscheinlicher macht.

Unerwartetes verarbeiten

Ein Tag, der wieder einmal gezeigt hat, wie wenig man sich auf vermeintliche Menschenkenntnis verlassen kann. Reaktionen und Kommunikationen, die ich so nicht erwartet hätte, begegnen mir immer wieder. Und ich wundere mich immer noch, wie so etwas möglich ist, gerade wenn man es gar nicht erwartet und schlicht unpassend findet. Ich bin froh, durch Themenengagement wie das rund um die Bäume, von solchen Erlebnissen schnell Abstand gewinnen zu können. Sie zumindest besser verarbeiten zu können. Denn diese Themen bedeuten auch, dass es grundsätzlich Wichtigeres gibt.

Kontakt mit den natürlichen Grundlagen suchen

Es wird so viel über die Krise und ihre Stimmung gesprochen. Und das ist berechtigt, scheint die Situation doch gerade auf ihrem vorläufigen Höhepunkt angekommen zu sein, wenn man von der verbreiteten Lethargie ausgehen will. Wir müssen das jetzt dennoch bewältigen. Und wir müssen versuchen, auf alles zurückzugreifen, was wir im positiven Sinne in den letzten Jahrzehnten hinzugelernt haben. Persönlich, aber auch als Gesellschaft. Vielleicht erfordert es eine ungeahnte Form von Kreativität, bereits Erfahrenes und Verstandenes zum Auflösen von Situationen zu nutzen, die man so nie gekannt hat. Ich wünsche mir, dass das möglichst vielen von uns gelingt und bald so etwas wie eine kritische Masse der besonders Mutigen zur Verfügung steht. Versuchen wir, den Kontakt zu unseren natürlichen Grundlagen nicht zu verlieren und gerade an diese natürlichen Quellen anzuknüpfen, wie sie sich uns z. B. in der Begegnung mit den Bäumen unserer Lebenswelt offenbaren.

Weihnachtsgedanken und Chancen aus neu erfahrenem Sinn

Vielleicht hatte es ja mit Ms rundem Geburtstag kurz vor Weihnachten zu tun, vielleicht aber auch mit der für viele vorgezogenen Weihnachtswoche, dass die per Briefpost, E-Mail oder in Form persönlichen Besuche und Begegnungen übermittelten Weihnachtsgrüße und -wünsche in diesem Jahr einen so großen Raum einfordern. Tatsächlich sind wir in den vergangenen Tagen zu fast nichts anderem mehr gekommen. Gut, dass ich einen Großteil diesjähriger Projektarbeiten schon kurz zuvor in einen sicheren Hafen bringen oder gar abschließen konnte. So konnte ich benötigte zusätzliche Zeit für diese Kommunikation aufwenden. Vieles spricht dafür, dass es genau das ist, was wir alle in diesen Wochen, auf einem der Höhepunkte der langen Krisenzeit benötigen. Dann spielt es keine Rolle, ob es dem Gewohnten entspricht, dann entfaltet die Abweichung von der Routine einen noch nicht gekannten Sinn, der unser Erfahrungs- und Verhaltensrepertoire erweitert. Vielleicht das Positivste an allem, was gegenwärtig zu erleben ist. Nun wollen wir gemeinsam die eigentlichen Weihnachtstage als solche in uns aufnehmen, mit allem, was an Sinn in ihnen zu Tage tritt und zu Tage gefördert werden kann. Und wir wollen alle Elemente des Weihnachtlichen, die traditionellen Rituale und Traditionen, die festtäglichen Kommunikationen, die vegetabile Weihnachtssymbolik mit ihrer symbolischen Akzentuierung in den Weihnachtsbäumen, den christlichen Sinn des Feiertags in uns lebendig werden lassen und das Weihnachtsfest als Geburtstest, als Feier des Neuanfangs und der Erneuerung begreifen.

Technikanalyse vs. Symbolarbeit

Manchmal wundere ich mich über mich selbst, dass die Experimentierfreude und das Interesse am Ausprobieren neuer Techniken und der damit verbundenen Erfahrungsmöglichkeiten ungebrochen scheint. Andere mögen fragen und tun das auch öfters, warum ich mir das antue. Aber die Frage lässt sich nicht wirklich beantworten, es liegt wohl an einem Entdecker- und Erkundungsdrang, der sich gerade auf technischem Gebiet auszudrücken vermag. Eine Horizonterweiterung bedeutet es allemal, auch wenn das nicht endlos und für die einzelne Anwendung regelmäßig praktizierbar ist. Die Möglichkeit, dass ich es könnte, allein macht schon den Reiz aus, mit der Chance, etwas von der jeweiligen Erkenntnis und dem Mehrwert mit anderen teilen zu können. So stoßen meine Technikexkursionen und -tests dann auch jede Menge Kommunikationen an, die sonst nicht zustande kämen. Interessant ist es für mich auch, das Verhältnis dieser eher analysierenden und im Ergebnis beurteilenden Tätigkeiten mit meiner Symbolarbeit zu betrachten. Es sind zwei Pole eines Interessenspektrums, die gegensätzlich scheinen, sich aber auch gut ergänzen. Denn es ergänzen sich die langfristig gültigen und für unsere geistige Entwicklung bedeutsamen Themen mit solchen, die von befristetem Interesse sind, dafür aber einen engen Bezug zu wechselnden und für viele relevanten Alltagsaufgaben haben und schafft so ein anregendes Gleichgewicht.

Biografische Holzarbeiten

In den vergangenen zwei Jahren haben sich Fotografien zahlreicher neuer Wunschbaum- und Partner-Kombinationen angesammelt, die ich jetzt nach und nach freistelle und in ihre für die Wunschbaum-Manufaktur gültige Form bringe. Das ist mit viel Bildbearbeitung verbunden, ist aber eine gute Gelegenheit, die vielen z. T. sehr ungewöhnlichen und spannungsreichen Hölzerkombinationen noch einmal in Erinnerung zu rufen. Für die Darstellung der Variantenübersichtsseiten ist das natürlich eine kontinuierlich wachsende Bereicherung. Aber es hat auch einen autobiografischen Aspekt, weil der Zuwachs an immer neuen Variationen und Kombinationen auch ein Stück eigener Lebensgeschichte und intensiv verlebter Arbeitszeit widerspiegelt.

Kreative Perspektiven im neuen Jahr

Doch, er war recht inspirierend, dieser Einundzwanzigste. Aber auch anstrengend, weil gleich mehrere Projekte die ganze Erfahrung beansprucht haben. Aber natürlich ist das gut so und auch das beste Gegenmittel zur Corona-Monothematik und ihre Nebenwirkungen. Schön, dass sich zwischendurch der Blick auf die ferner liegenden, aber schon avisierten Projekte dieses Jahres richtet, so wie heute bei einem Telefonat mit einem langjährigen Freund, der erstaunlich ambitionierte Vorhaben für das neue Jahr formuliert hat. In dem Zusammenhang an meine frühere künstlerische Projekterfahrung anknüpfen zu können, die über meine aktuelle kunsthandwerkliche Arbeit mit Holz und Baumsymbolik hinausgeht, ist eine schöne Perspektive.

Historische Ereignisse

Ein historischer Gedenktag, der in den Medien schon seit Wochen berichtend avisiert wurde und natürlich jetzt besonders gefeiert wird. Es ist ein Ereignis mit durchschlagender Bedeutung für uns alle, hat aber auch seine autobiografischen Bedeutungen. Eine sehr anregende, herausfordernde und lernintensive Zeit war das für mich in der Anfangsphase meiner Studienzeit. Und eine, die ich damals anders, freudig überrascht, aber vielleicht nicht mit demselben historischen Blick wie heute wahrgenommen habe. Vieles ist eben erst mit zeitlichem Abstand und nach einer gewissen Lebenserfahrung einzuordnen – und verändert sich und seine Bedeutung im gleichen Zug. Der erdende Stellenwert der Natur, der Bäume, Wälder und Kulturlandschaft war zur Zeit der Maueröffnung für mich noch nicht so präsent und prägend wie 10 Jahr später. So gesehen war eigentlich diese Zeit für mich der Anfang einer Art Distanzierung vom Politischen und nicht etwa der Beginn einer Annäherung. Ich kann mir vorstellen, dass das für ehemalige DDR-Bürger ganz andere Impulse waren. Die gelebte Vorerfahrung ist eben für die Einschätzung auch historischer Ereignisse ganz wesentlich.

Der Heilige Bernhard und die Wälder

Der Namenstag hat für mich zwar nicht mehr die Bedeutung wie für manchen älteren, aber es hat mich doch gefreut, dass M. wie immer daran gedacht hat. Tatsächlich ist ein Blick in die Lebensgeschichte einzelner Heiliger interessant, so auch in die des Hl. Bernhard von Clairvaux. Das ist nicht weit von uns, ein Grund, vielleicht einmal einen Ausflug dorthin zu unternehmen. Ob der Geist der Lebensverhältnisse und der Denkart des 12. Jahrhunderts n. Chr. dort noch spürbar ist? M. hat mir verschiedene Zitate herausgeschrieben, die dem Hl. Bernhard zugeschrieben werden. Und eines davon, das mir zuvor schon bekannt war, bezieht sich auf die einzige Erholungsmöglichkeit des unermüdlichen und extrem arbeitsamen Zisterziensermönchs, nämlich sich für eine Weile in die Einsamkeit des Waldes zurückzuziehen. Aus diesem Zusammenhang stammt auch seine Äußerung, die so oder ähnlich wiedergegeben wird: „Glaube mir, ich habe es erfahren, du wirst ein Mehreres in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was kein Lehrmeister dir zu hören gibt.“ So hat mir mein Namenspatron vielleicht auch auf dem Gebiet etwas mit auf den Weg gegeben. Im Abstand von etwa 900 Jahren.

Selbstfindung in Waldeinsamkeit

Allein in den Wäldern. Das Buch eines US-amerikanischen Autors ist genau die richtige Lektüre für diese verschlafenen Osterfeiertage. Eine Selbstfindung in abgelegener Wildnis, mit nur wenigen Kontakten zur kommunikativen Außenwelt, ist der Gegenstand des autobiographischen Romans. Besonders reizvoll, dass der gerade einmal 25-jährige Einsiedler zuvor nur rudimentäre Kenntnisse seiner gewählten Umgebung erworben hatte. Zum Beispiel war er kaum in der Lage, verschiedene verbreitete Baumarten zu unterscheiden, ihre Blätter oder ihr Holz an der Rinde zu erkennen. Aber wie so häufig entstehen gerade aus unverbildetem Blickwinkel ungeahnte Perspektiven und wird auch für den Leser im Nachvollziehen dieses Erlebnisses die besondere Herausforderung des sich Arrangierens mit ungewohnten Wohn- und Lebensbedingungen nachvollziehbar. Sogleich sieht man sich in die Situation versetzt und fragt sich, wie das eigene Verhalten ausgesehen hätte, wie man sich selbst in bestimmten Lagen angestellt hätte. Es ist aber auch ein weiteres Beispiel für unsere im Grunde genommen sehr weite Entfernung von allem wirklich Natürlichen. Auch hier wohnt der Protagonist nicht wirklich in der Wildnis, sondern in einem Haus mit Strom und fließend Wasser, auch fährt er einmal die Woche zum nächst gelegenen Supermarkt, um sich mit Zivilisationsproviant einzudecken. Wildnis für Einsteiger sozusagen und doch weit von dem entfernt, was sich sonstige Aussteiger antuen würden. Auch wenn ich noch nicht so weit bin, kann ich aus dem Umschlagtext doch entnehmen, dass er den Rückweg in sein altes Leben letztlich wieder antritt, mit der Erkenntnis ausgestattet, dass man sich nicht vollständig der Kommunikation entziehen kann und das Naturerlebnis nur bis zu einem gewissen Punkt die Erlebnis- und Wahrnehmungsfähigkeit schärfen und verändern kann. Nur dass das anschließende soziale Leben eine andere Färbung erhalten kann, mit der Erinnerung langjährig erlebter Waldeinsamkeit.