Frühlingsbremse

Solche krassen Wetterkapriolen sind ja eigentlich nicht selten gewesen in den letzten Jahren. Dennoch ist man immer wieder erschrocken, vor allem, wenn man sich gerade an die Jahreszeit gewöhnt hatte. Eigentlich waren wir ja auf Frühling eingestellt, zumal er unverwechselbar bereits da war. Beim Blick nach draußen nehme ich in diesen Tagen dagegen eher Novemberwetter wahr. Dem Efeu schadet das nicht, der zeigt im Gegenteil zum ersten Mal im neuen Jahr einen kräftigen Wachstumsschub, ist binnen weniger Tage mit frischen Blättern übersät, die sich hellgrün von den alten absetzen. Die meisten jetzt blühenden Gehölze dagegen haben sich in eine Art Wartehaltung versetzt und setzen alles daran, an der unverhofften Kälte und Nässe keinen Schaden zu nehmen. Wir werden seit langem wieder einen 1. Mai erleben, der so gar nicht zu Ausflügen einlädt und der seine Symbolik in diesem Umfeld nicht ohne Probleme wird entfalten können. Allen, die dennoch an Outdoor-Traditionen festhalten wollen, ist zu wünschen, zumindest trocken zu bleiben.

Lichtzelthimmel

Der Tag war schöner und sonnenreicher als erwartet. So konnte man beim längeren Spaziergang in der Landschaft durchaus ins Schwitzen geraten. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um die aktuelle Baumblüten- und -blätterlandschaft in Fotografien festzuhalten. Dafür war die Bedingungen sehr gut, denn bei wolkenreichem Himmel mit größeren Lücken kann die Sonne in diesen Lücken beachtliche Strahlungsintensität entwickeln, was die Belichtungsdauer reduziert, so man denn den richtigen Augenblick, sprich die Wolkenlücke gerade erwischt. Außerdem wirken die Wolkenfelder um die Lücken herum wie riesige Lichtzelte, was den Beleuchtungseffekt noch verstärkt. So waren heute zum Teil traumhaft kurze Belichtungszeiten möglich. So bei dieser schönen Blüte des wolligen Schneeballs:

Blüte des Wolligen Schneeballs

Sagenhaft strahlendes und üppiges Weiß der Traubenkirschenblüte:

Üppig blühende Traubenkirsche

Die Silberweiden sind auch schon so weit:

Silberweidenblüte

Auch der immergrüne Efeu wirkt bei diesem Licht besonders:

Efeuranke im Frühling

Die Apfelblüte ist mit ihrem Rot-Weiß immer eine Freude:

Apfelblüte

Auch die Eichenblüten sind dieses Jahr üppig ausgefallen. Dennoch wirken sie selbst in dieser Fülle irgendwie unscheinbar:

Eichenblüte

Eines meiner Lieblingsmotive überhaupt sind die Blätter der Haselsträucher im Gegenlicht:

Haselzweig im Gegenlicht

Efeu – wuchsfreudig und geheimnisvoll

Heute habe ich zum x-ten Mal für dieses Jahr den Efeu geschnitten. Das ist inzwischen fester Bestandteil meiner Erfahrung des Sommers. Denn zu dieser Zeit wächst er wie verrückt, sehr schnell zeigen sich neue Triebe, die abstehen und quasi danach rufen, in Form gebracht zu werden. Das ist schon dringend notwendig. Der Mauerbewuchs und auch das Efeukleid der Grotte wären ohne den Formschnitt nicht mal halb so schön. Der übliche Staub, der mich sonst aus dem Niesen nicht mehr herauskommen lässt, scheint sich gelegt zu haben. Noch 1-2 Schnitte, danach wird sich das üppige Sprießen wieder abschwächen, bis über den Winter die Efeuranken doch ziemlich geschockt werden, weswegen sie dann auch oft sehr gerupft und im darauffolgenden Frühjahr ausgedünnt und leicht löchrig ins neue Jahr starten. Aber er ist eben unverwüstlich und rappelt sich immer wieder auf. Vielleicht die anschaulichste Erscheinung eines immergrünen und scheinbar ewig lebenden Gehölzes. Das Geheimnisvolle, welches diese Art ausstrahlt, wird mir vollständig wohl immer ein Stück weit verborgen bleiben.