Holz des Blauglockenbaums doch nicht für Perlen geeignet

Das Wunschbaum-Armband „Blauglockenbaum“ habe ich heute ganz fertigstellen können und M. zum Probetragen übergeben. Die Perlen sahen nach dem Ölbad ja überraschend strukturiert aus, nachdem das roh geschliffene Holz eher unscheinbar schien. Von den Schwierigkeiten, dieses Holz mit extrem geringer Dichte zu bearbeiten, habe ich ebenfalls berichtet. Eben diese Eigenschaften rächt sich jetzt schon, nach kurzem Probetragen. Denn die so schön rund und glatt geschliffenen Kanten der Perlen sind jetzt schon stark aufgeraut und entsprechend setzten sich Staub und Flusen daran fest, wie das bei rauen Oberflächen eben passiert. Für Holzperlen, die direkt auf der Haut getragen werden, ist das allerdings ein No-Go. Ganz Ähnliches hatte ich vor einigen Jahren mit einem Test-Armband aus Weinreben-Holz feststellen müssen. Auch das war schwer zu bearbeiten, weil es stark porös und zu dem extrem spröde ist, so dass man sich die Werkzeuge daran stumpf macht. Und auch das war trotz wässern und sorgfältigem Glätten hoffnungslos stark aufgeraut. So leid es mir tut, wie beim Weinstock-Holz ist auch das Holz des Blauglockenbaums, jedenfalls in der mir vorliegenden Qualität, nicht geeignet für meine Manufaktur. Ich kann es leider nicht in mein Sortiment aufnehmen, weil das Ergebnis bei noch so sorgfältiger Verarbeitung unberechenbar wäre. Etwas, das ich meinen Armband-Kunden, die bequem tragbare Armbänder aus heimischen Holzarten, die dafür geeignet sind, seit Jahren gewöhnt sind. Und der Tragekomfort und die wahrgenommene Stimmigkeit sind eben sehr wichtig für die Produkte der Wunschbaum-Manufaktur.

Meine Entdeckung des Paulownia-Holzes fürs Kunsthandwerk

Den Versuch mit dem Holz des Blauglockenbaums (Paulownia) habe ich heute gleich umgesetzt und bis zum Nachmittag die Perlen für ein komplettes Wunschbaum-Armband fertiggestellt. Die waren sogar schon im Ölbad und liegen jetzt für einige Tage zum Trocknen aus. Danach kann ich sie einfädeln und das neue Armband im Bild festhalten. Ich werde es dann auch hier zeigen. Das Ölen ist generell der letzte Behandlungsschritt bei allen Perlen aus der Wunschbaum-Manufaktur, aber beim Paulownia-Holz ist entspricht das sogar der Empfehlung, die ich in Artikeln des holzverarbeitenden Handwerks nachträglich gelesen habe. Dort wird nämlich empfohlen, die Oberfläche mit Öl, Wachs oder Lasur zu veredeln, weil die Holzart extrem weich ist. Das kann ich nur bestätigen. Die sehr geringe Dichte und Weichheit waren schon beim Drechseln der Kantel offensichtlich und ausgeprägter, als ich das jemals bei einer Holzart mit geringem Gewicht beobachtet habe. Selbst Pappel, Linde oder Fichte setzen dem Drehstahl mehr Widerstand entgegen. Und beim Abtragen mit Schleifpapier muss man ebenso extrem vorsichtig vorgehen, um die Zieldicke nicht zu unterschreiten, was schneller als bei anderen Holzarten passiert ist. Eine Herausforderung war die Bearbeitung also schon, auch beim letzten Arbeitsschritt, dem manuellen Abrunden der Perlenkanten. Dabei musste ich lernen, viel weniger Druck und weniger Wiederholungen als sonst anzuwenden, weil ansonsten die Kanten zu stark abgerundet worden wären. An diese Eigenschaften muss man sich erst langsam herantasten und dann das richtige Maß für den Krafteinsatz herausfinden. Das Ölen hat neben der imprägnierenden und die Oberfläche stabilisierenden Funktion bei dieser Holzart zudem den positiven Effekt, dass es seine Zeichnung viel markanter hervortreten lässt. Dadurch erhält es auch bei den kleinen Perlen eine durchaus ansehnliche Zeichnung, die das Armband später attraktiver erscheinen lassen wird, als es der Fall ohne das Ölbad gewesen wäre. Ich bin gespannt, ob M. das Armband gerne tragen wird.

Der Blauglockenbaum ist einen Versuch wert

Nachdem ich eine Reihe von Kanteln aus dem Holz des Blauglockenbaums zum Testen erhalten habe, will ich ein Wunschbaum-Armband zu diesem Baum anlegen. Das wird meine Auswahl erweitern, unter der ja auch noch einige andere exotische, nicht heimische Baumarten vertreten sind. Die werden zwar traditionell nicht allzu viel nachgefragt, aber gelegentlich finden sich doch Interessenten, die auf ganz individuelle Weise mit der exotischen Baumart verbunden sind. Mit dem Blauglockenbaum bin ich selbst kaum verbunden, aber ich kennen ihn vom Stadtpark, der auf seinem Rundweg viele weniger bekannte Baumarten versammelt. Und ich fand die Art gerade wegen ihrer auffallend blauen, glockenartigen Blüten auch immer herausragend und spannend. Insofern ist es schon einen Versuch wert, diese neue Baumart mit der Wunschbaum-Manufaktur zu erkunden. Vielleicht kann ich schon morgen mit der Arbeit an einem Musterarmband aus Blauglockenbaum-Holz beginnen. Von außen, wenn ich von der Anmutung der Kanteln ausgehe und mitberücksichtige, dass die Art gerne als Bastelholz verwendet wird, sollten seine Eigenschaften denen der Pappel, vielleicht auch der Linde ähnlich sein. Das werde ich erst beim Bearbeiten, dem Drechseln, Sägen, Bohren, Schleifen und Polieren, später herausfinden. Da ich aber Erfahrung mit der Bearbeitung aller möglichen Holzarten habe, darunter auch viele, die gewöhnlich gar nicht im Handel auftauchen, bin ich zuversichtlich, auch diese neue Art zu Perlen verarbeiten zu können. Und vielleicht wird das Ergebnis trotz des Leichtgewichts und der wenig markanten Zeichnung des Holzes, am Ende ein eindrucksvolles und besonderes sein. So wie z. B. die Perlen aus Pappelholz einen wunderbar seidigen Oberflächenglanz und eine besonders lichte Ausstrahlung mit sich bringen. Ich bin sehr gespannt und werde hier irgendwann sicher auch das Ergebnis im Bild zeigen.