Zyklische Wechsel der Natur fordern unsere Aufmerksamkeit

Die Atmosphäre um uns herum wird verbreitet entspannter. Es scheint, dass die Menschen trotz – oder vielleicht gerade wegen der endlos anhaltenden Krisen sich an das halten, was immer noch bleibt: Die Jahreszeiten und all die schönen Vorzüge derselben. Man stimmt sich auf den Sommer ein, verbringt mehr Zeit an der Luft, zieht mehr oder weniger ausgedehnte Kreise ums Haus, bis hin zu weit hinausführenden Ausflügen. Es ist das, was Rudolf Steiner in Bezug auf die Differenz der Jahreszeiten mit der Orientierung in Richtung des Kosmos währen der sonnenreicheren Zeit des Jahres meinte – im Gegensatz zu der eher ausgeprägten Erdverbundenheit und Orientierung nach innen. Und es ist wohl auch das, was die Pflanzen, ganz besonders deutlich die Bäume eigentlich tun, wenn sie wachsen, Blätter ausbilden, blühen und Früchte wachsen lassen. Sie sehnen sich quasi in Richtung des Weltalls, streben danach, sich auszudehnen, um im zyklischen Wechsel im Laufe des Herbstes sich wieder langsam zurückzuziehen, in sich selbst und dann mit ihren Energievorräten unter die Erde, zu den Wurzeln. Es ist eine Bereicherung, diesen Wechsle der Außen- zur Innenorientierung und umgekehrt an der eigenen Biologie nachzuempfinden. Daraus lässt sich vieles erklären, was wir zunächst geneigt sind, mit sozialen oder kommunikativen Faktoren zu begründen. Tatsächlich sind wir vielfach sehr abhängig von unserer erd- und naturverbundenen Grundlage, was sich im Körper und in der Psyche ständig als angenehm oder eben widerständig artikuliert. Es lohnt sich, die Aufmerksamkeit für diese Zusammenhänge immer mehr zu schärfen.

Mehr Nahrung für Seele und Geist

Leider verdichten sich die eher gemischten Erfahrungen im Gesundheitsbereich, wie wir auch heute wieder feststellen mussten. Da kann einem schon vor der Zukunft in diesem Bereich grauen. Kaum zu glauben, wie stark selbst eine so grundlegende Dienstleistung unter dem Diktat ökonomischer Kalküle steht und leidet. Da richtet sich der Blick für die Jungen und Gesunden automatisch auf alles, was die Gesundheit erhält. Und dazu zählen neben der Ernährung und Bewegung eben immer auch die Dinge, die Seele und Geist Nahrung geben, auf denen aufbauend wir uns im eigentlichen Sinne aufrichten und weiterentwickeln. Es ist ein Jammer, dass eben das im öffentlichen Bewusstsein unterzugehen droht, einfach nicht beachtet oder als nachrangig hingestellt wird. Wir schaden uns durch solche Einstellungen und die damit verbundene Kurzsichtigkeit und Einseitigkeit. Ich hoffe, dass ich mit den Wunschbaum-Projekten einen kleinen kommunikativen Beitrag dazu leisten kann, dass die nicht rein funktionellen Bereiche unseres Denkens und Erlebens wieder mehr Aufmerksamkeit erlangen und damit für unsere Gesundheit heilsam wirken können.

Für bewusstes Wahrnehmen sinnhafter Tradition

Schade, auch in diesem Jahr werde ich nicht mehr dazu kommen, etwas Plastisches für Ostern zu schaffen. Die letzte skulpturale oder plastische Arbeit liegt schon einige Jahre zurück: Zwei Eiformen mit gegenläufig kreuzförmigen Einschnitten, die ich aus zwei Abschnitten der duftenden Atlas-Zeder geformt hatte. Die zieren auch in dieser vorösterlichen Zeit neben den anderen früheren Oster-Kreationen unsere Wohnung. M. denkt immer daran, auch wenn diese Tradition im individuellen Dekorieren, passend zur Jahreszeit oder dem Feiertag, für uns nicht mehr dieselbe Innerlichkeit besitzt wie früher. Vielleicht eine Folge des Älterwerdens, in dem so manches seinen ursprünglichen Zauber verliert oder zumindest einiges am Zauberhaften und Atmosphärischen einbüßt. Aber man muss sich da auch an die eigene Nase fassen und das bewusste Wahrnehmen und Verfolgen der Traditionen quasi üben. Das fällt in diesen ablenkenden und von Krisen überschütteten Zeit ziemlich schwer. Ich versuche es dennoch, weil ich immer das sichere Gefühl habe, ganz Wesentliches ansonsten zu vernachlässigen. Vielleicht oder sicher sogar sind es genau diese Dinge, die wirklich für unsere Weiterentwicklung Bedeutung haben. Wir haben uns zu sehr an den Niedergang und das Verschwinden von sinnhafter Tradition gewöhnt und müssen da wieder die Kurve kriegen.

April, Frühling und Naturbewusstsein

Wie war das: Der April macht, was er will. So scheint es tatsächlich aktuell zu sein, denn gerade schneit es dicke nasse Schneeflocken. Wie ein unpassender Nachklang des Winters und nur dadurch zu ertragen, dass für die Karwoche Frühlingswetter angesagt ist. Also der letzte Ausläufer der Übergangszeit. Die Gartensäuberungsaktion werden wir aber wiederum nicht vor Ostern realisieren können. Dazu wird es in der Karwoche noch zu unstabil sein. Ich hoffe aber auf einen wirklichen Aufbruch der (Baum-)Frühlings in der Woche danach. Und darauf, dass der Neuanfang im Zyklus der Natur auch die Menschen wieder zuversichtlicher macht. Den Einfluss ökologischer Faktoren habe ich in den letzten Jahren als immer präsenter und entscheidender wahrgenommen. Es wäre gut, wenn ein Bewusstsein dieser Zusammenhänge weiterverbreitet wird, denn so lassen sich Wirkungen antizipieren und ein individueller Ausgleich beschleunigen.

Aufmerksamkeit für Vertrautes erweitern

Es scheint, dass die Menschen in dieser so schwierigen Zeit sich bevorzugt zurückziehen, sich auf die eigenen vier Wände beziehen, viel renovieren und sich überhaupt mit sich und dem engeren Umfeld beschäftigen. Es ist wohl der Wunsch, so viel wie möglich Erwartbares und Vertrautes zu erleben, das der Unsicherheit im Außen etwas entgegensetzt und Selbstvertrauen aufrechterhält. Und so beobachte ich schon Ansätze von gesteigerter Aufmerksamkeit in bestimmten Alltagsbereichen und in der zweckfreien Kommunikation, aber immer noch gepaart mit einer lähmenden Ermüdung, einer Fassungslosigkeit gegenüber den Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ich hoffe, dass dennoch eine geschärfte Beobachtungsgabe übrigbleiben wird, wenn wir irgendwann den Krisenmodus verlassen. Und dass die Menschen aus der Beobachtung der Jahreszeiten im Spiegel der Bäume viel Energie für alles beziehen, was sie im Leben über die Maßen beansprucht.

Das Bedürfnis nach symbolischer Reflexion und Akzentuierung

Das schon zweite Baumkreis-Armband für dieses Jahr hat heute das Haus verlassen und wird hoffentlich die Trägerin segensreich im Jahresverlauf begleiten. Überhaupt wächst in mir der Eindruck, dass immerhin sporadisch wieder der Sinn und das Bedürfnis nach symbolischer Reflexion und Akzentuierung an Bedeutung gewinnt, die Menschen zeitweilig erinnern, dass alles einer gemeinsamen Quelle entstammt und es im Alltag vielfältige Möglichkeiten gibt, diese Quelle quasi anzuzapfen, sich ihrer Energie zu vergewissern und sie für die Ausgestaltung des eigenen Lebens einzusetzen. Allein ein wenig Aufmerksamkeit in dieser Richtung kann vieles verändern, kann die Dinge in Bewegung bringen, die zuletzt erstarrt zu sein schienen. Für durchgreifende Wirkungen ist aber immer die berüchtigte kritische Masse notwendig. Eine Art Übermacht an Menschen, die dieses verinnerlichen und praktisch umsetzen. Erwartungen in diesem Sinne sind durchaus berechtigt.

Den zwecklosen Landschaftsaufenthalt dauerhaft pflegen

Das mit der Normalisierung geht schleichend, kaum merklich voran. Aber es scheint Anzeichen dafür zu geben, und Aussichten, dass wir im Sommer vielleicht wieder eine Art Normalität erleben dürfen. Wenn man davon überhaupt noch reden kann. Denn die Krise hat einiges verändert, vielleicht sogar die grundsätzliche Einstellung zu sozialen Kontakten, Veranstaltungen, Kulturprozessen. Ich fürchte, das wird nicht nur eine positive Umstimmung bedeuten, vieles ist schlicht auf der Strecke geblieben. Wenn eine eigentlich aus der Not geborene wieder stärkere Hinwendung zur eigenen natürlichen Umgebung, der Landschaft in fußläufiger Reichweite, zu den bleibenden Veränderungen gehörte, würde mich das freuen. Zuvor hatte ich den Eindruck, dieses sich Bewegen in der Landschaft sei quasi automatisch an einen Zweck gebunden, das Ausführen der Hunde, das Joggen oder Radfahren, das Gespräch auf der Rastbank u. v. a. Aber eben nicht um des Aufenthalts und der stillen Kontemplation wegen. Letzteres dürften einige jetzt für sich entdeckt haben und möglicherweise bewahren, häufiger bewusst praktizieren. Die bewusste Begegnung, das detaillierte Beobachten der Bäume und ihres jahreszeitlichen Vegetationszyklus wird für diese Menschen eine der wichtigsten Orientierungsmarken und Leitmotive in dem Zusammenhang sein.

Baum-Themen im Alltag

Ein kreativer Tag mit viel Designarbeit, Kodierung und am Nachmittag auch kunsthandwerklicher Arbeit. Es sind davon abgesehen immer wieder Baum-Themen, die eigentlich täglich im Alltag auftauchen und die ich mit gelassener Neugierde aufnehme, z. B. die Nachricht vom jüdischen Neujahrsfest der Bäume, das in unserem Bundesland an zwei Orten mit einem Ritual gewürdigt und gefeiert wurde. Oder gestern der Bericht über die Betreuung von Kindern im Waldkindergarten, den wir in unserem Ort auch haben, über den man aber kaum etwas weiß. Wald und Bäume spielen eben eine wichtige Rolle im Alltag, ohne dass das immer ins Bewusstsein tritt. Schön zu sehen, dass es neben mir auch andere gibt, die sich täglich damit auseinandersetzen.

Dem Symbolischen mehr Raum und Zeit einräumen

Die verschiedenen Vorbereitungen auf Weihnachten haben mich an diesem zweiten Adventssonntag doch sehr beschäftigt. Ich schätze, das wird sich in den kommenden beiden Wochen ähnlich fortsetzen. Denn noch stehen viele Aufgaben auf meinem Vorhabenplan, zusätzlich zu der umfangreichen Projektarbeit, die zum Jahresende nicht weniger wird. Ich freue mich, dass wir alle die Adventszeit in diesem Jahr sehr intensiv wahrnehmen und all das Atmosphärische, das wir uns selbst geschaffen haben, auch bewusst in uns aufnehmen können. Die Galerie meiner besten Weihnachtsbilder der letzten Jahre, die ich im elektronischen Bilderrahmen installiert habe, ist ein neues Mittel, das uns vieles, was in den Vorjahren besonders war, noch einmal vor Augen führt. Da bleibt dann mehr zurück als nur wenige Sekunden Aufmerksamkeit, die für das einzelne Symbol sonst vielleicht übrigbleiben. Ich versuche zunehmend, das Symbolische und seine Bedeutung wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen und ihm mehr Raum und Zeit einzuräumen. Auch bevor wir den Weihnachtsbaum wenige Tage vor Heilig Abend aufstellen und schmücken, gibt’s das viele Gelegenheit, rund um Advent und Weihnachtstage, aber auch im Kontext der anderen christlichen und jahreszeitbezogenen Festtage.

Jahreswechsel, Pflanzenbewusstsein und Weltenneujahr

Im dem Jahreswechsel konnte ich noch nie etwas wirklich Bedeutungsvolles erkennen. Ganz anders als in den christlichen Feiertagen, die mit so viel Sinn angereichert sind, die geradezu von diesem Sinn leben, dass einige Anstrengungen notwendig sind, um diesen Sinn immer wieder zu aktualisieren, für das eigene Leben und das der Gemeinschaft mit Leben zu füllen. Der bloße kalendarische Jahreswechsel, was könnte der uns bedeuten? In einer der Neujahresbetrachtungen Rudolf Steiners von Anfang Januar 1916 gibt er darauf eine wie so oft bei ihm verblüffende Antwort. Er vergleicht darin nämlich den im 12-Monats-Zyklus stattfindenden Wechsel der Jahre und das, was gerade im tiefsten Winter passiert, in dem die Pflanzen sich scheinbar ganz von der Erdoberfläche zurückgezogen und sich in sich hinein verzogen haben mit einem viel längeren Zyklus, den die Menschenseele alle 12000 Jahre vollzieht, wenn sie durch das astralische Bewusstsein des Leibes zog. In dieser Phase, zu jedem Jahreswechsel nach 12 Monaten wie auch alle 12000 Jahre vollzieht sich danach eine Vereinigung, eine Durchdringung verschiedener Zyklen, die in dieser Durchdringung voneinander lernen, sich gegenseitig anreichern, um dann wieder je eigene Wege zu gehen. Beim 12 Monatszyklus geht es um die Durchdringung der Pflanzenseele mit dem mineralischen Bewusstsein der Erde, die gerade zum Jahreswechsel bei größter Dunkelheit zum Tragen kommt. Es ist nach Steiner das die Zeit, in der die Pflanze Verbindung mit den Sternen, den weiten des Kosmos aufnehmen kann, ihr Bewusstsein quasi ausweitet. In anderen Zusammenhängen redet er von der Sommerszeit als der Zeit, in der die Pflanzen ihr Bewusstsein in Richtung des Kosmos ausdehnen. Ein wirkliche Zufluss aber kommt gerade am gegenseitigen jahreszeitlichen Pol statt. Und analog hat lauf Rudolf Steiner die Menschenseele, ihrem damaligen Entwickelungsstand entsprechend eine Durchdringung der Seelen mit dem astralischen Bewusstsein der Erde, die eine enorme Ausweitung der Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten bedeutete, zuletzt ca. 6000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Das bedeutet dann auch, dass die nächste Berührung, das nächste „Weltenneujahr“ in etwa 4000 Jahren zu erwarten ist. Im weiteren Verlauf des Vortrags nimmt Steiner auch Bezug zur anthroposophischen Bewegung und den Möglichkeiten, die bis dahin geisteswissenschaftlich erreichten Erkenntnisgewinne zu nutzen, auch zum Wohle anderer. Aber natürlich stimmt es auch ernüchternd, wenn eine wirklich flächendeckende, nicht nur hellsichtig Begabten mögliche, Bewusstseinserweiterung erst in 4000 Jahren wieder erreicht sein wird. Wie weit, denke ich mir da, sind wir von wirklichem geistigen Fortschritt dann noch entfernt, wie wenig können wir eigentlich heute schon verstehen? Vielleicht ist das intuitive Wissen um die gegenwärtige Situation der Grund für meine Zurückhaltung, den Jahreswechsel als bedeutsames Ereignis zu betrachten. Vielleicht fühle ich mich nicht wirklich bewusst daran erinnert, eine wie kleiner Fortschritt zu meinen Lebzeiten auf diesem Gebiet überhaupt nur möglich ist. Ich will mich bemühen, trotzdem zuversichtlich und angesichts so kleiner, kaum messbaren Fortschritte weiterhin mutig zu bleiben.

Adventsbewusstsein gegen Atemlosigkeit

Wieder ein sehr arbeitsreicher Tag. Vor allem, weil aus dem spontan ausgedachten Ausflug heute nichts geworden ist. Aber im Nachhinein war das auch ganz gut so. Sicher haben wir vor Weihnachten noch Gelegenheit, an die Tradition anzuknüpfen. Zunächst ist neben der umfangreichen Projektarbeit wieder viel kunsthandwerkliche Arbeit mit einer Reihe von Hölzern auf dem Plan, der die nächsten 10 Tage ergänzend und bis zum Rand anfüllen wird. So mache ich mir keine Illusionen, dass wir in diesem Jahr einmal eine beschauliche Adventszeit erleben. Die wird tendenziell atemlos ausfallen, was ich aber immer durch Achtsamkeit und bewusste Wahrnehmung auszugleichen versuche. Denn diese Zeit ist für mich immer noch etwas sehr Besonderes, weil sie die Innerlichkeit fördert und an diesem schönen Zieldatum endet. Diese Zeit des schrittweisen Rückzugs, die Annäherung an den geistigen Ursprung, der uns allen gemeinsam ist, ist für mich symbolischer Abschluss des Jahres und Erneuerung zugleich. Das in purer Atemlosigkeit zu ertränken, würde ich als Verlust empfinden.

Katalysatoren des Selbstbewusstseins

Endlich wieder ein angenehm temperierter und trotzdem sonniger Sommertag. Das ist ein gutes Zeichen zur Sommersonnenwende. Ich freue mich besonders auf diese Zeit, wenn der Höhepunkt des vegetabilen Jahreslaufs quasi noch bevor steht und der Gedanke an Herbst noch nicht vorhanden. Es ist wohl die vitalste, von Wachstum und Entwicklungsdrang nur so gesättigte Jahreszeit, die wir im Spiegel der Pflanzen wahrnehmen. Jetzt ist am deutlichsten spürbar, was Rudolf Steiner mit dem Ein- und Ausatmen der Erde meint. Die Ausatmung in Richtung des Kosmos, diese Öffnung und Ausdehnung in Richtung des Weltalls ist jetzt am tiefsten und intensivsten. An diesem Wendepunkt des längsten Tags beginnt das Ausatmen auch sogleich wieder weniger zu werden, bis zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche im Herbst die Wende zum Einatmen erfolgt. Ich finde, gerade dieses Ein- und Ausatmen, die Dynamik des biologischen Seins zwischen Ausdehnung und Rückzug, können wir am Jahreszyklus der Bäume am anschaulichsten überhaupt beobachten und dadurch uns erst richtig bewusst machen. Vielleicht wäre dieses Miterleben der Natur, dieses Leben in der Natur, dieses Bewusstmachen, dass wir eben Teil dieses natürlichen Ganzen sind, ohne den Spiegel der Bäume nicht so präsent. Die Bäume sind insofern auch bereichernde Katalysatoren und eigenen Wahrnehmung und des Selbstbewusstseins.

Reload des Bewusstseins

Ein seltsamer Stillstand liegt über dem Land. Manche nennen in dem Zusammenhang die in wenigen Tag anstehenden Bundestagswahlen. Als ob sämtliches individuelle Wollen und Planen von Wahlergebnissen abhängen würde. Es erscheint mir wie die Alibifunktion von Feiertagen und verlängerten Wochenenden. Man hat dann einfach einen Grund, sich auf dem bisher Vorliegenden und Erreichten auszuruhen und erst einmal die Veränderung im Außen abzuwarten. Wohlwissend, dass aus diesen äußeren Veränderungen keine Motivation, Argumentation oder Begründung für eigene Entscheidungen und Vorhaben resultieren kann. Ein wenig beunruhigend wirkt dieser Stillstand insofern, als Rolle und Leistungsfähigkeit des Staates dabei einfach überschätzt werden. Mir selbst fällt in solchen Situationen vor allem die Rückbesinnung auf Grundsätzliches ein. Auch ein Grund, warum ich darüber im Baumtagebuch schreibe. Den unübersichtlichen, oft einseitigen und mediale überbetonte politischen Diskurs einfach mal ausklammern und sich auf das besinnen, was uns Menschen im Naturganzen ausmacht. Das hilft, uns als Gesellschaftswesen wieder klarer einzuordnen und, was uns politisch begegnet, wie nach einem Reload des Bewusstseins wieder unvoreingenommen und klar einzuordnen.

Frühlingsbewusstsein in der Verstärkung von außen

Dem Frühling trauen die Menschen lange noch nicht. Vielmehr scheint in den Köpfen und dem Gemüt der Winter zwischenzeitlich wieder eingezogen zu sein. Jedenfalls will die sich die Aufbruchstimmung, der Tatendrang noch nicht Bahn brechen, der für den Frühling steht und der sich im Angesicht des Frühlings der Bäume gewöhnlich auf die Menschen überträgt. So sind wir zurzeit doch noch sehr der Erde verbunden, sind bodenverhaftet, gedanklich und oft auch kommunikativ tendenziell nach innen gekehrt. So lange, bis der Punkt überschritten ist, an dem sich die Zeichen von außen häufen, die uns anzeigen, dass die Veränderung in den natürlichen Prozessen nicht mehr umkehren lässt. Es scheint so, dass wir diese deutliche Verstärkung von außen benötigen, um selbst Mut zu fassen.

Konstanten im Alltagsleben

Das Brennholzthema begleitet uns eigentlich das ganze Jahr über. Eines der Themen, für die sich V. immer noch begeistern kann. Gut, dass es diese Konstanten gibt, die im bei so viel Geschwindigkeit und Veränderlichkeit des Lebens einen Gegenpol bieten, auf den man sich beziehen und zu dem man sich bei Gelegenheit zurückziehen kann. Vordergründig scheint dies eine Randnotiz zu sein. Tatsächlich aber steckt sehr viel Kraft, sehr viel Wesentliches in diesen Dingen, die es immer wieder gilt, ins Bewusstsein gestellt zu werden. Das Baumtagebuch ist für mich ein wichtiges Mittel dazu. Vor allem für mich selbst. Aber ich weiß, dass der eine oder die andere sich gedanklich immer wieder beteiligt und so am Fortleben der Konstanten mitarbeitet.