Zwischen den Hochzeiten des Sommers und des Baumherbstes

Noch so ein Wachstums-Spätsommerwetter-Tag, der ganz geeignet war, komplizierte Projektarbeiten konzentriert voranzubringen. Denn an solchen Tagen ist es stiller als gewöhnlich und man kann sich besser auf die eigene Sache konzentrieren, ohne abgelenkt zu werden. Da ist es zusätzlich von Vorteil, wenn ich beim Blicke durchs Fenster oder einem kurzen Gang durch den Garten zwischendurch in üppiges Baum-Grün und auf opulente Baumfrüchte blicken kann, die die Szene farblich akzentuieren und so wunderbar lebendig und reif wirken, wie es nur im Spätsommer möglich ist, wenn die Vegetation ihrem absoluten Lebenshöhepunkt entgegenstrebt – und ihn zum Teil sogar schon überholt hat. Ein bisschen melancholisch kann man da auch werden. Aber da behalte ich mir lieber für die Hochzeit des Baumherbstes vor.

Stumpfe Baumlandschaft nach längerer Regenzeit

Heute habe ich nach längerer Pause wieder die Baumlandschaft erkundet. Bei wunderbarem Sommerwetter und warmer Luft. Die Baumlandschaft zeigt sich, wohl wegen der merkwürdig verregneten und kühlen Verhältnisse in den letzten Wochen und der unverhofften Wärme jetzt wieder merkwürdig stumpf. Es ist, als ob das Grün durch fast nichts akzentuiert wird, auch nicht durch die roten Früchte der Heckenrosen, des Weißdorns, der Ebereschen. Oder durch die roten und gelben Akzente der Wildäpfel und Mirabellen. Auch die Pfaffenhütchen wirken abgeblasst und werden sich vermutlich in diesem Sommer nicht mehr in der oft so farbintensiven, frischen Form präsentieren. Die Absenz der Sonne hat diesen Baumfrüchten nicht gut getan. Nur alles, was man an Baumobst nutzen kann, erfreut sich auch in der freien Landschaft, in diesem Jahr als vital und ertragreich. Schlehen könnte ich in diesem Jahr wieder sammeln. Das würde sich der Menge wegen lohnen. Jedenfalls sind die Schlehen jetzt noch zahlreich und prall an den stacheligen Zweigen des Schwarzdorns zu sehen. Kann sein, dass sie sich bis zum Herbst, wenn man sie frühestens ernten sollte, schon stark reduziert habe, z. B. weil die Vögel sie sich in reifem Zustand geschnappt haben. Mal sehen, es gibt ja unter den kultivierten Baumobstsorten ohnehin ein Überangebot. Da wird es schwierig sein, alles wahrzunehmen und zu ernten.

Plädoyer für einen beständigen Baumsommer

Erstmals seit zwei trüben Wochen ist heute wieder so etwas wie sommerliches Licht und sommerliche Wärme zu erahnen gewesen. Ich hoffe, die Vorhersage bestätigt sich und wir erleben ein Revival des Hochsommers, bevor er endgültig Herbst geworden ist. Er wäre ansonsten allzu schnell und allzu unverhofft zu Ende gegangen, kaum dass wir ihn richtig wahrnehmen konnten. Ich möchte jedenfalls trotz der schönen Seiten dieses Thema, nicht nur noch von der Baumobsternte berichten. Lieber noch eine Weile von den sommertypischen Erscheinungsformen und Lebensäußerungen der Bäume. Das gehört eben auch zum Sommer und unserer Wahrnehmung von Sommer dazu: Der ungebremste Außendrang der Bäume, der sich in der Ausbreitung ihrer Kronen, im üppiger und dunkler Werden ihres Laubs und im Filtern des Sonnenlichts in den Baumkronen äußert. Wäre schön, wenn das auch einmal eine ganze Jahreszeit hindurch sichtbar sein könnte.

Die Wahrnehmung des Hochsommers im Spiegel der Bäume

Es bleibt zwar anstrengend, aber auch an die Hitze könnte ich mich gewöhnen – solange ich mich nicht zu lange mit körperlicher Arbeit in der Sonne aufhalten muss. Die Pflückaktion am Samstag war da die genau richtige Beschäftigung zum Einstimmen auf den Hochsommer in seiner – noch – angenehmen Ausprägung. Und übermorgen wird es dann ja auch eine nasse Abkühlung geben – gut für die Bäume und alle Grünpflanzen, die neben dem Sonnenlicht immer auch eine Auffrischung ihrer Flüssigkeitsreservoirs benötigen. Ich hoffe, wir werden die richtigen Hochsommerwochen von ihrer schönsten Seite kennenlernen.

Mein wohl letzter persönlicher Maulbeereinsatz für dieses Jahr

Sommerlicher Maulbeerbaum 1
Sommerlicher Maulbeerbaum 2
Sommerlicher Maulbeerbaum 3
Sommerlicher Maulbeerbaum 4
Sommerlicher Maulbeerbaum 5

Heute war ich wieder sehr fleißig beim Maulbeerenpflücken – und habe zuvor eine Serie von Nahaufnahmen vom Maulbeerbaum gemacht. Das hatte ich mir unbedingt vorgenommen, um die Gelegenheit nicht zu verpassen, ein sehr seltenes Motivfeld festzuhalten, das so, in dieser Üppigkeit, nicht in jedem Jahr vorkommt. Und beim Pflücken am Vormittag, und später noch in einem kürzeren Einsatz am frühen Nachmittag, konnte ich alles ernten, was irgendwie noch mit der Leiter zu erreichen war. Was nicht heißt, dass die Maulbeerflut beendet wäre. Es gibt viele weit herabhängende Zweige, die auch in den nächsten Tagen noch problemlos abgepflückt werden können. Für mich war es wohl der letzte Pflückeinsatz heute. Aber V. wird sicherlich noch einige Male vor Ort sein und unseren Gesamtertrag noch etwas nach oben korrigieren. Heute allein habe ich über 3,5 Kilos Beeren gepflückt. Das ist angesichts der geringen Größe dieser leckeren Früchte schon erstaunlich. Aber es hat bei dem tollen Sommerwetter und der Wärme natürlich auch Spaß gemacht.

Sparsame Fotosaison

Vielleicht bieten sich im Herbst Gelegenheiten, das Blattwerk und die Laubfärbung der Bäume fotografisch festzuhalten, nach für mich der Sommer kaum Chancen bot, mein Portfolio zu erweitern. Das lag an der Zeit, aber auch an der Witterung, die meist so heiß und drückend war, dass man die Landschaft kaum schadlos durchstreifen konnte. Schließlich brauch gerade das Fotografieren in der Natur viel Zeit und die nötige Ruhe, um die richtigen Augenblicke zu nutzen und fotografisch zu konservieren. Zudem war die Witterung auch belastend für die Bäume und übrigen Pflanzen, die durch Wassermangel ständig dürr und ausgelaugt wirkten. Auch das schwächte den sonst so strotzenden hochsommerlichen Eindruck des Baumsommers. Der Herbst dagegen lebt von der Ästhetik des Rückzugs, vom Reiz des Vergehenden. Und klimatisch ist das fürs Fotografieren auch angenehmer. Insofern sehe ich noch Möglichkeiten, das fotografische Jahr 2019 nicht ganz so sparsam enden zu lassen.

Verschobener Baumsommer

V. klagt darüber, dass auch die Weinreben bisher nicht den zum Beginn des Hochsommers gewohnten Stand erreicht haben. Sie sind eigentlich nur eines von vielen Beispielen, bei denen die Pflanzen ihren üblichen Entwicklungsstand bis jetzt verpasst haben. Es ist wie eine Verzögerung, die sich kaum erklären lässt. Denn wir haben ja genug von allem, einen häufigen Wechsel von Trockenheit und Regen sowie insgesamt doch schon viel Sonne, Licht und Wärme. Eigentlich sollte man unter solchen Bedingungen üppiges Wachstum erwarten können. Das zeigt sich aber nur bei manchen Arten. Gerade die Bäume und anderen Gehölze tun sich dagegen vielfach schwer. So überrascht ich vor allem der Ginkgo, der sich sonst viel vitaler präsentiert hat und der sich diesmal extrem zurückhält, was man an den noch viel zu kleinen Blättern erkennt, die eigentlich schon voll ausgebildet sein müssten. So ist eine Prognose für diesen Baumsommer schwer zu treffen. Vielleicht ist alles einfach um einige Wochen nach hinten verschoben.