Schlagwortarchiv: Baumindividuum

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Ferne Baumwelt

Das Monatsblatt meines Baumkalenders zeigt für den Juli ein sagenhaftes Motiv. Rhododendren und Mammutbäume im Redwood Nationalpark Kalifornien. Der Rhododendronstrauch ist im Vordergrund zu sehen, mit riesigen rosa Blüten und grünen lanzettförmigen Blättern. Im Hintergrund die unteren Stammabschnitte und tiefhängenden Äste der Mammutbäume im für diesen Küstenstreifen typischen nebligen, vom Licht durchfluteten Dunst. Eine tolle Szenerie, die uns hierzulande leider nicht vergönnt ist, und damit auch solche fotografischen Motive nicht. Schön, auf diese Weise wenigstens einen vermittelten Blick in die ferne Baumwelt werfen zu dürfen. Dabei gelingen mir auch in heimischen Gefilden oft überraschende Aufnahmen, oft von ungewöhnlichen Details, die unsere hiesigen Bäume als prägende Bestandteile der Landschaft ebenfalls in ein bisweilen exotisch wirkendes Licht rücken. Es sind gerade diese Zufallseindrücke, oft bei längeren Spaziergängen vorkommend, die das konzentrierte Beobachte zu allen Jahreszeiten spannend halten.

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Eindrucksvolle Baumindividuen und ihre weltweite Bedeutung

Die aktuell häufig ausgestrahlten Beiträge auf ARTE zu besonderen Baumindividuen in verschiedenen Ländern der Welt sind beeindruckend. Natürlich sind mir die angesprochenen Themen nur allzu bekannt. Es geht um die Symbolik, Riten und die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Bäume oder ihrer Art, ihren Standort an bestimmten bedeutungsvollen Orten. Auch um ihre Botanik und praktische Verwendungen. Anklänge an die Bedeutung, die hierzulande z. B. zentral gepflanzte Linden oder Eichen haben können. In Indien sind es eben gewaltige Banyan-Feigen. Und im Beispiel Äthiopien handelte es sich um eine gewaltige Maulbeerfeige mit eindrucksvoller spiritueller bzw. liturgischer Bedeutung. Es ist schön, eine so ausführliche Behandlung der Thematik entlang der Themenfacetten zu betrachten, die mich schon seit vielen Jahren u. a. im Baumtagebuch beschäftigen. Besonders ist dabei noch der internationale Bezug und die anderswo wachsenden Bäume und um sie gesponnenen Geschichten.

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Zuversichtliche Honigprognosen

Es ist ein Jammer, dass zurzeit bei uns fast nichts blüht. Jedenfalls nichts, das für seinen Nektarreichtum bekannt wäre. Wir haben gewisse Hoffnungen, dass die Bienen zwischenzeitlich einiges von der Robinienblüte heimgebracht haben. Es ist aber noch zu früh, das abzuschätzen. Eigentlich wäre das Wetter ausnahmsweise mal günstig gewesen. Nicht zu viel Regen, nicht zu heiß, keine Extrembedingungen, die den empfindlichen Robinienblüten gewöhnlich zusetzen. So könnte es dieses Jahr tatsächlich wieder Robinienhonig geben. Ansonsten setzen wir als nächstes auf die Brombeeren und die Esskastanie. Das wird aber noch etwas brauchen. Bei der erfreulichen Vitalität der Bienenvölker und dem Zuwachs durch diverse kürzlich eingefangene Schwärme können wir zuversichtlich auf den weiteren Verlauf der Saison blicken.

Wuchsfreudiger Ginkgo

Unser Ginkgo hat in diesem Frühjahr schon enorm zugelegt. Nicht nur die Wuchshöhe ist für den Baum jetzt schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir ihn bis vor drei Jahren noch mit einer Stange stützen mussten. Auch die Kronenäste sind schon sehr ausladend. Da hat es sich bewährt, den weit abstehenden unteren Seitenast entfernt zu haben. So ist seine Architektur gleichgewichtiger, mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Abschattung für die Blumen, Stauden und Kräuter unter seinem Dach geringer ausfällt. Seiner Art entsprechend ist es dennoch ein sehr licht wirkendes Baumindividuum, das eindeutig und wohl auch in Zukunft über alle anderen hinausragen wird.

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Einzeln, frei und brüderlich

In Ms poetischem Tageskalender fand sich vor einigen Tagen ein Text von Nâzım Hikmet, einem 1963 verstorbenen türkischen Dichter. Dieser Text ist für mich beeindruckend, weil er das Wesentliche der Bäume so schön zum Ausdruck bringt. Wie ich vorhin nachgelesen habe, handelt es sich aber nicht um ein vollständiges Gedicht, sondern um den letzten Vers des Gedichts Davet (Einladung), das in der deutschen Übertragung wohl v. a. durch Hannes Wader bekannt geworden ist. Tatsächlich hatte ich zuvor selbst noch nie davon gehört. Ich will es einmal für sich stehen lassen und dabei anmerken, dass mich der Grundgedanke sehr an diesen einen Baumtext Hermann Hesses erinnert, der ja ebenfalls diesen symbolischen Aspekt betont, dass die Bäume als Lebensform es nämlich schaffen, das Zeitlose in der je besonderen Existenz ihrer Individuen auszudrücken. Für mich ist genau das die Grundlage ihrer symbolischen Stärke. Das Zitat in deutschsprachiger Übersetzung:

 

„Leben einzeln und frei

wie ein Baum und dabei

brüderlich wie ein Wald,

diese Sehnsucht ist unser.“

 

aus dem Gedicht „Davet“ von Nâzım Hikmet

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Die eine überzeugende Vorstellung von Vitalität vermitteln

Die täglichen Besuche bei V. dauern nun schon länger als eine Woche und wirken schon fast wie Routine. Schöner wäre es eine klare Perspektive zu erkennen, auch Mut und Zuversicht von außen verstärken zu können. Diese Zuversicht speist sich aus verschiedenen Quellen und unterliegt doch einem schwankenden Gleichgewicht. Wir wünschen uns insofern mehr Klarheit und Stabilität. Symbolisch sehe ich das in der parkähnlichen Umgebung der Einrichtung gespiegelt. All die starken, gesunden und alten Baumindividuen, die so viel Kraft und Wachstumsfreude ausstrahlen. Sie allein können denen, die ihnen beim Spaziergang begegnen oder die sie durchs Fenster betrachten, eine Konstanz und eine Vorstellung von Vitalität vermitteln, die vielleicht durch Menschliches allein nicht immer transportierbar ist. In solchen Situationen entfalten gerade die Bäume ihre Nähe zum Menschen, indem sie ihre unverrückbare Einzigartigkeit und Zähigkeit durch ihr bloßes Da-Sein und Da-Stehen zu jeder Minute überzeugend vorführen und entsprechende Spiegelungs- und Reflexionsmöglichkeiten anbieten.

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