Baumartenaffinitäten

Es ist gut möglich, dass ich über den Hochsommer ein wenig an der Erweiterung meines Manufaktur-Angebots arbeiten werde. Es geht dabei weniger um neue Angebote als darum, eigentlich schon vorhandene, aber zurzeit aus unterschiedlichen Gründen noch nicht gezeigte, wieder sichtbar zu machen. Einfach weil es den einen oder anderen Interessenten geben könnte, der genau nach dieser Baum- bzw. Holzart sucht. Die Reinigungsaktion auf dem Speicher, auf dem meine Vorräte gelagert sind, hat mir diese Idee nahegelegt. So kann das ohnehin schon umfangreiche Angebot noch kompletter werden und die Vielfalt noch ein bisschen augenscheinlicher machen. Tatsächlich habe ich jüngst wieder erfahren, wie ausgefallen die Vorstellungen der Menschen und deren Affinität zu bestimmten Baumarten sein kann. Es liegt nahe, das aufzugreifen und in die mir eigene Form zu bringen.

Meditative Holzarbeit

Meditativ wirkt diese Holzarbeit gerade in der Winterzeit, wenn das warme künstliche Licht den Rücken wärmt und ich mich ganz diesen kleinen Perlen aus ganz unterschiedlichen Holzarten widmen kann. Dann bin ich ganz nah an der Persönlichkeit und der Energie der Bäume, von deren Holz die Perlen gemacht sind. Diesmal Atlas-Zeder und Ulme, zwei in ihrer jeweiligen Art eher exotische Arten, die auch im Holz spezielle Eigenschaften und Herausforderungen für die Bearbeitung mitbringen. Und es ist schön, bei der umfangreichen Erfahrung und Routine ziemlich genau vorhersagen zu können, wie lange der aktuelle Arbeitsschritt noch braucht, und wann das Armband fertiggestellt werden kann. Diese Berechenbarkeit ist wichtiges Element der meditativen Holzarbeit des Winters.

Individualität vs. Artverbundenheit

Kommunikatives, die intensive Arbeit mit sprachlichen und ästhetischen Ausdrucksformen und eher administrative Routinearbeiten halten sich zurzeit die Waage. Eigentlich eine ideale Kombination, wenn da nicht diese krisenhafte und irgendwie lähmende Grundstimmung wäre, die nicht nur mir so einiges verleidet. Ich freue mich dennoch über gute Resonanzen gerade im Bereich meiner kunsthandwerklichen Projekte und bin zuversichtlicher gestimmt als zuletzt, dass sich eine kritische Masse der Menschen doch absehbar aus diesem Tief herausarbeiten kann. Nach so langer Zeit scheint das schwieriger denn je, und doch sieht man keine Alternative zum Durchhalten und immer wieder neu anfangen. Ich kann da auch heute noch viel von unseren Bäumen als symbolträchtige Mitlebewesen lernen, die es wie keine andere Art schaffen, Individualität in höchster Ausformung mit der Pflege ihrer Artzugehörigkeit zu verbinden.

Ungeteilte Aufmerksamkeit für Charaktertypen

Einer der Vorzüge meiner Manufakturarbeit mit so unterschiedlichen Holzarten ist es, das ganze Jahr über alle Arten in abwechslungsreicher Form vor mir zu haben und intensiv zu bearbeiten. Die Gedanken sind bei diesen über Stunden gehenden Arbeitsschritten sowohl bei dem jeweiligen Baum als auch bei den Personen, die sich in den Lebensbaum- und Wunschbaum-Armbändern persönlich spiegeln. Es ist das Allgemeingültige bestimmter Charaktertypen, das sich in diesen Formen Ausdruck verleihen kann. Ich freue mich ungemein, durch die kunsthandwerkliche Arbeit dieses möglich machen zu können, gerade auch in der Vorweihnachtszeit. So war es heute der Haselstrauch, der durch die Holzarbeit für mich lebendig wurde, mitten im Winter. Fast scheint es so, als ob das Charakteristische der Art gerade in der Zeit längster Dunkelheit aktualisiert und vergegenwärtigt werden kann, vielleicht weil es jetzt so Weniges gibt, das von der Aufmerksamkeit ablenken könnte.

Eindrucksvolle Trompetenbäume

Gerade in den Einkaufsstraßen der größeren Städte hatten die Bäume diesen Sommer einiges auszuhalten. Alles wirkte beim Besuch in S. heute, bei wiederum strahlendem Hochsommerwetter, ziemlich staubig und ausgelaugt. Dennoch sind es die imposanten Stadtbäume, die nicht nur Schatten spenden und wohltuende Ruhepunkte innerhalb des versiegelten Innenstadtgewirrs bieten. Sie sind auch richtige Hingucker und somit Gesprächsthema. So auch heute die beiden sich in einer Grünparzelle inmitten der Stadt gegenüber stehenden Trompetenbäume. Die Blüten sind um diese Zeit schon vergangen und den zigarrenartigen Früchten gewichen, die ebenso attraktiv, wenn auch auf andere Art wirken. M. konnte sich nach einer Eselsbrücke von mir dann auch an den Namen erinnern. Diese Art wirkt in städtisch bebautem Umfeld ebenso eindrucksvoll wie in einem alten, gewachsenen Park und bleibt selbst nach einem bloßen Vorbeischlendern in Erinnerung.

Die Aura einer Art in Detailaufnahmen festhalten

Die Baumfotografie ist in den letzten Monaten wahrlich zu kurz gekommen. Das hängt mit anderweitigen Verpflichtungen zusammen, aber auch mit den turbulenten Wetterumschwüngen, die mich weniger in Kontakt mit der Baumlandschaft bringen als gewöhnlich. Dabei kann ich mir vorstellen, in diesem Jahr gerade bei den Blüten und später den Baumfrüchten bei einigen Arten gute Motive vorzufinden. Ich denke etwa an die Pfaffenhütchen, die im Vorjahr quasi ausgefallen waren und sich bisher wieder opulent und wachstumsfreudig zeigen. Aber auch die Obstbäume machen einen guten und vitalen Eindruck. Da sollte es wieder mehr Gelegenheiten geben, neue Impressionen festzuhalten, die das bestehende Portfolio ergänzen, ohne dass ich mich wiederhole. Die Erfahrung zeigt, dass sich gerade bei den Detailaufnahmen bei Bäumen Geduld und mikroskopisch genaues Hinschauen lohnen und immer wieder eindrucksvolle Aufnahmen möglich sind, die wirklich etwas über das Wesen und die Aura einer Art sagen oder als Symbole des Natürlichen schlechthin taugen.

Baumarten als Spiegel menschlicher Persönlichkeit

Das wird eine intensive Zeit für die Holzarbeit während der nächsten Wochen. Ich freue mich auf eine ganze Reihe von Armbandprojekten, die das ganze Spektrum meines Angebots anreißen. Besonders schön finde dabei, dass die Armbänder ja offensichtlich eine Rolle als Weihnachtsgeschenk spielen werden. Geschenke, die Interessenten sich in der dunkelsten Zeit des Jahres sich selbst machen oder die sie für andere vorgesehen haben. Beim Weiterschenken wird auch die Idee hinter den Armbändern weitergetragen, eine Idee, die etwas mit dem Mensch-Baum-Verhältnis zu tun hat und immer wieder die Frage aufwirft, inwieweit das Besondere bestimmter Baumarten sich in menschlicher Persönlichkeit spiegelt und man gewissermaßen charakterliche Ähnlichkeiten feststellen kann. Es ist ein schöner Gedanke, dass solche Symbole Menschen auf die Spur einer Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung führen mögen, die ohne sie möglicherweise nicht in der Form stattfinden würde.