Grenzenlos nicht nur in Krisenzeiten

Die Tagebuchneugestaltung ist spannend, auch wenn sich die Ergebnisse nicht wesentlich von der bisherigen Umsetzung unterscheiden. Aber es kommt bei solchen Formaten eben sehr auf die Feinheiten an, die ich versuche, weiter auszuarbeiten. Und am Ende wird der Blog wieder zeitgemäß und frisch wirken. Darauf freue ich mich schon. Stoff wird es auch in Zukunft genug geben, ist das Themenfeld rund um die Erfahrung der Bäume doch grenzenlos, nicht nur in Krisenzeiten.

Baum-Themen im Alltag

Ein kreativer Tag mit viel Designarbeit, Kodierung und am Nachmittag auch kunsthandwerklicher Arbeit. Es sind davon abgesehen immer wieder Baum-Themen, die eigentlich täglich im Alltag auftauchen und die ich mit gelassener Neugierde aufnehme, z. B. die Nachricht vom jüdischen Neujahrsfest der Bäume, das in unserem Bundesland an zwei Orten mit einem Ritual gewürdigt und gefeiert wurde. Oder gestern der Bericht über die Betreuung von Kindern im Waldkindergarten, den wir in unserem Ort auch haben, über den man aber kaum etwas weiß. Wald und Bäume spielen eben eine wichtige Rolle im Alltag, ohne dass das immer ins Bewusstsein tritt. Schön zu sehen, dass es neben mir auch andere gibt, die sich täglich damit auseinandersetzen.

Austausch und Themenvielfalt

Den gestrigen Eindruck will ich gleich einmal korrigieren: Die Rückmeldungen zu meinen Erzeugnissen aus der Wunschbaum-Manufaktur, die wie heute durchaus möglich bleiben, machen wirklich Freude. Gerade in diesen Krisenzeiten, in denen die Themenvielfalt auf ein Minimum reduziert scheint, ist es für mich geradezu lebenswichtig, meine Themen auch weiterentwickeln zu können. Ohne Kommunikation ist das aber kaum möglich. So freue ich mich, dass thematischer Austausch über die Symbolik, Energie und Ästhetik der Bäume doch noch möglich bleibt und die diesbezügliche Aufmerksamkeit sich mindestens punktuell Bahn bricht. Möge das Jahr viele Gelegenheiten für solche Akzente mit sich bringen.

Aufmerksamkeit wachhalten

Jetzt scheint das Baumthema tatsächlich wieder in den Hintergrund getreten zu sein. Um die Jahreswende konnte ich zuletzt mehr Aufmerksamkeit feststellen, vermutlich eine Auswirkung der feiertäglichen Auszeiten und der guten Vorsätze. Wenn der Alltag dann erneut eingekehrt ist, können sich Themen schnell verschieben und das Grundlegende aus dem Blick geraten. Ich bin nur froh, dass diese Schwankungen eigentlich normal sind, weil allzu oft Biologie, Kultur und psychische Dispositionen ineinander spielen, sich wechselseitig spiegeln und beeinflussen. Da kann Krisendenken und anhaltende Zukunftsangst vieles ablähmen, was eigentlich motivierend und den Blick weitend wirken könnte. Nur für die Aufmerksamkeit darauf muss genügend Energie vorhanden sein. Es ist eine der Projektziele dieses Jahres, diese Aufmerksamkeit immer wieder wachzuhalten oder neu herzustellen.

Baum-Themen und Erdung

Ein Tag mit wieder einmal viel technischer Herausforderung, aber auch kreativen Elementen und einem Anflug von Erkältung. Sieht so aus, dass die nächsten Wochen arbeitsreich werden, auch wenn die Atmosphäre und Motivationslage immer noch Corona bedingt zu Wünschen übriglässt. Ich freue mich einfach, dass ich neben den vielen aktuell und dringlich erscheinenden Aufgaben immer meine Baum-Themen zur Verfügung habe, auf die ich mich beziehen, die ich weiterentwickeln und damit immer wieder ein Stück Erdung und Stabilität erhalten kann.

Die Wiedervereinigung im Lebensweg

Auch wenn mir dieser gesetzliche Feiertag nicht so viel bedeutet, der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ist schon etwas Besonderes und auch Anlass, die eigene Biografie vor dem Hintergrund dieses historischen Vorgangs zu rekapitulieren. Anfang der Neunziger ist in meiner Erinnerung weitaus weniger historisch, als die Bilder der gedenkenden Berichterstattung vermuten ließen. Diese Bilder wirken heute auf mich wie aus einer anderen Zeit, damals wirkte die Zeit aber sehr frisch und modern auf mich, vielleicht war sie auch frisch und sogar frischer als heute. Mit Blick auf die heutigen Verhältnisse würde ich das fast behaupten wollen. Das Historische war mir damals nicht in der Form bewusst, wie es im Rückblick erscheint, auch wenn die Fahrt nach Berlin, kurz nach Öffnung der Mauern, ein interessantes Erlebnis für mich war, bei dem die Aura der DDR noch sehr präsent und allerorts spürbar war. Und auch die Erkundung zweier anderer neuer Bundesländer etwa 8 Jahre später haben mir einen plastischen Eindruck so mancher Umwälzungen im Leben der dort Ansässigen vermittelt, aus dem vieles, was an Problemen später zum Thema wurde, für mich ganz gut verständlich war. Bei all dem, was politisch und gesellschaftlich in diesen 30 Jahren an Veränderung und Anpassung zu beobachten war, im Zuge dessen wir uns alle mitverändert und in gewissen Grenzen angepasst haben, ist es das Baum-Thema geblieben, das mich durchgehend begleitet hat. Diese Basis-Thema war immer schon zeitlos und ganz unabhängig von Erfahrungen und Erlebnissen in anderen Lebensbereichen. Und es war immer schon eine Quelle für Ruhe, Reflexion und Ausgleich, wie wechselhaft und turbulent die Dinge drumherum sich auch entwickelt haben mochten. Das Baumtagebuch ist mir eine dauerhafte Praxis, die hilft das Gleichbleibende und Archetypische zu bewahren, in einer aufbauenden, die Entwicklung und die Wertschätzung des Lebens fördernden Form.