Ein emotional zwiespältiger Start in den Frühling

Der einundzwanzigste März. Da fallen starke Zahlensymbolik und Frühlingsanfang zusammen. Eigentlich gute Voraussetzungen. Aber der Tag war im Ergebnis dann doch nicht im positiven Sinne besonders. Eher problembelastet und das Nervengerüst belastend. Ich freue mich dennoch, vielleicht gerade wegen der Wirrungen in diesen Tagen, auf den Frühling und alles, was er uns an Öffnung nach außen, an Umkehr der Orientierungsrichtung von Innen nach Außen anbietet. Nur die Gelegenheit, diesen Rahmen zu nutzen, müssen wir schon noch finden. Wenn es gelingt, sind wieder mehr Erkundungen der Baumlandschaft, mehr Beobachten und Fotografieren der jahreszeitlichen Veränderungen im Zuge des Grünens, Blühens und Fruchttragens v. a . der Bäume für mich möglich. Allein das ist eine gute Basis, auf der man alle die komplizierten sozialen und kommunikativen Aufgaben besser ausfüllen und auflösen kann.

Sich und der Welt mit Fraglosigkeit begegnen

Heute hatte ich den Eindruck, dass die Dinge wieder mehr in den Fluss gekommen sind. Das, was man im Sport oder sonstigen Hochleistungsgebieten als Flow bezeichnet, kann eben auch im Alltag und während Routinearbeiten aufkommen und dann die Arbeit und das Leben überhaupt wie selbstverständlich, in sich schlüssig und in dem Moment als ausgeprägt und vollständig sinnvoll erscheinen lassen. Solche Flow-Erlebnisse benötigen wir mehr. Besser noch: Im Idealfall könnte der Flow das reguläre Lebensgefühl und eine Art Grundausrichtung sein, wenn wir uns wirklich weiterentwickeln und nicht nur im Krisenbewältigungsmodus uns bewegen wollen. Solches sich in der eigenen Haut wohl und wie selbstverständlich fühlen können wir von den Bäumen wie in einem lebenssymbolischen Spiegel lernen. Denn die Bäume schaffen es, als zu den ganz starken Archetypen gehörend, selbstbewusst Individualität mit der Zugehörigkeit zu einer Art so überzeugend zu verbinden, dass wir auf dem Gebiet nur dazu lernen und uns gewissermaßen etwas abschauen können. Heute mehr als zu Zeiten, in denen man sich und der Welt mit Fraglosigkeit begegnen konnte.

Auf Bewährtes als Basis für einen Neuanfang zurückgreifen

Wie schon so häufig beobachtet schlägt das Schneewetter auf das Gemüt der Menschen durch. So eine grundlegende Wetterfühligkeit ist wohl den meisten zu eigen, auch wenn sie es nicht bewusst wahrnehmen. Aber die ohnehin gefühlt gedrückte Stimmung, die auf die Umstände und Entwicklungen in der Welt zurückgeht, wirkt an solchen kalten Wintertagen noch gedrückter und fast schon wie eingefroren. Nicht gut, wenn man den Jahresanfang zu einem Neuaufbruch nutzen will. Wie es scheint, ist diese Chance erst einmal verflogen. Im letzten Jahr übrigens auch schon, aber damals kam der Motivationsaufschwung einen Monat später, so unverhofft, wie man es sich nur vorstellen kann. Natürlich hätte ich nichts gegen eine Wiederholung, die Menschen scheinen aber gezeichnet von den anhaltenden Frusterfahrungen und von dem Beobachten von Entwicklungen, die man niemals für möglich gehalten hätte. Ich meine, in solchen Situationen ist man am besten beraten, die Basis zu bemühen, alles Grundlegende und Bewährte als Ausgangspunkt und sicheren Halt zu verwenden, auf dem sich aufbauen lässt. Und wenn das ein Anknüpfen an einmal Erreichtes bedeutet, ist es auch gut. Wir bewegen uns seit einiger Zeit um Rückwärtsgang. Zumindest ein Aufholen, um den früheren Stand zu erreichen, sollten wir uns von diesem Jahresanfang erhoffen. Und möglichst alle etwas dazu beitragen.

Für eine hoffnungsvolle Weltsicht

In diesem Jahr scheinen sich viele die Feiertagsauszeit geradezu herbeizusehnen. Nur so kann ich mir eine Art Sprachlosigkeit erklären, die u. a. dazu führt, dass eigentlich vor Jahresfrist abzuschließende Projekte in unbestimmte Zukunft verschoben werden. So als ob man dem Morgen nicht mehr trauen würde und unser gegenwärtiges Erleben wie unwahrscheinlich wahrgenommen würde. Das macht es nicht gerade einfacher, kontinuierlich an den Dingen weiterzuarbeiten, denn auf einmal scheint alles in Frage gestellt. Selbst die scheinbar fraglosen und zeitlosen Themen, die Gegenstand dieses Baumtagebuchs sind, greifen derzeit nicht so, wie man das traditionell erwarten könnte. Da ist viel innere Klärungs- und Aufräumarbeiten bei jedem Einzelnen zu leisten, bevor sich der klarere Blick auch auf wieder flüssiges und zukunftsgerichtetes Kommunizieren auswirken kann. Die Weihnachtszeit ist da natürlich ideal. Ich möchte dieses aktuelle Rückzugstendenz einmal wohlwollend und verständnisvoll so auslegen, dass viele diese Gelegenheit willkommen heißen und tatsächlich eine Chance in der ruhigen, die Innenschau befördernden Zeit des Jahres sehen, um wieder zu sich selbst und zu einer hoffnungsvollen Weltsicht zu kommen.

Natürliche Grundlagen von den Bäumen lernen

Fast ein ganzer Tag, der im Dienst der Gesundheit stand und dem sicher noch einige ähnliche folgen werden. Das ist bei uns gegenwärtig ein Schwerpunkt, neben den anderen Dingen, die alle beschäftigen. Aber von Zeit zu Zeit ist es eben wichtig, sich diesen Grundlagen zu widmen, um in gemäßigteren Lebensphasen mehr Ruhe zu haben und so etwas wie Kreativität entfalten zu können. Auch dafür gibts Mindestvoraussetzungen. Dass die aktuell nicht mehr selbstverständlich sind und zudem immer seltener erkannt werden können, ist eine herausragendes und überdeutliches Merkmal unserer Zeit. Ein krasser Gegensatz zu den Jahren z. B. der eigenen Kindheit, in der ein ganz anderer Geist vorherrschte, im Vergleich zu dem unserer derzeitigen Erlebnisse unvorstellbar erscheinen. Wir haben uns damals tatsächlich in anderen Sphären aufgehalten. Naturnäher, näher am Ursprünglichen war das zwar nicht. Aber sehr nah an dem, was man ohne zu viel kulturelle Überformung sehen, verstehen und begreifen kann. Menschliche Verrücktheiten und moralische Verdrehungen wie die, die uns heute kaum noch verwundern können, wären uns damals undenkbar gewesen, wie sie den Wesen des Pflanzenreichs heute und generell bedeutungslosen sein müssen. Es ist das, was ich meine, wenn ich hier im Baumtagebuch öfter von den natürlichen Grundlagen und den Basisthemen rede. Wir können in Bezug auf die immer wichtiger werdende Erdung, die uns Richtung und Neuorientierung vermitteln kann, von den Bäumen sehr viel lernen.

Krisen – Grundlagen – Neustart

Es gibt solche Routine-Besuche, die für mich seit über 30 Jahren notwendig sind und die in jüngster Zeit glücklicherweise immer positive Ergebnisse erbracht haben. Das ist beruhigend, zumal alles Sonstige so unsicher und unberechenbar geworden ist. Neu scheint mir aber, dass die so krisenbesetzte Verfassung unserer Welt immer häufiger zum Gegenstand der Gespräche wird, eigentlich schon regelmäßig den kommunikativen Austausch nicht nur sporadisch begleitet, eher den eigentlichen Themenschwerpunkt darstellt. Einfach, weil sich dem keiner entziehen kann und man in jedem Bereich des Lebens Ansatzpunkte erkennt. Dinge, die eigentlich anders verlaufen und sich entwickeln sollten, wenn wir von einer Vorstellung beständiger positiver Weiterentwicklung ausgehen. Gegenwärtig und schon länger bewegen wir uns dagegen im Rückschritt. Niemand kann das mehr leugnen. Nur frustriert das zunehmend flächendeckend und umfassend und verhindert damit zusätzlich eine rasche Kehrtwende. Also muss sich in den Köpfen, am besten in denen einer „kritischen Masse“, wie schon so häufig in früheren Jahren, etwas bewegen, um wirkliche Veränderung in zukunftsfähiger, hoffnungsfroher Form zu erreichen. Ich meine ja immer noch, dass die Basisthemen, die wir in der gedanklichen und praktischen Auseinandersetzung mit unserer natürlichen Umwelt, u. a. mit den Bäumen, einen Ansatz finden können, um über die Grundlagen zu einem positiven Neustart zu gelangen. Wir müssen uns alle sehr viel Mühe dabei geben.

Viel nachzuholen

Nun haZurzeit halten sich die dynamischen Ereignisse mit den deprimierenden ungefähr die Waage. Gerade so, dass sich die Dinge im Schritttempo weiterentwickeln. Aber das Vertrauen in die Rückkehr zu dem, was man mal als normal bezeichnen konnte, ist eben nicht in Sicht. Zu groß ist die Verunsicherung und zu groß ist die Angst vor der Ungewissheit. Da nützen die erfahrenen Rezepte nicht mehr viel. Da müssen ständig neue Lösungen aus dem Boden gestampft werden, deren Tauglichkeit ebenso unklar ist. So stelle ich bei vielen eine Ermüdung fest, die kein Ende zu nehmen scheint. Und die Aussicht auf Rückkehr zu geistigem Fortschritt ist in weitere Ferne gerückt als je zuvor. So ist es umso wichtiger, den Kontakt zu Basisthemen, zu den natürlichen Lebensgrundlage oder zumindest ihrer symbolischen Repräsentanz zu halten. Ich versuche das beständig, in Form der Wunschbaum-Projekte, die in Teilen ganz nah an die Lebenswirklichkeit der Interessierten heranreichen können. Aber die Aufmerksamkeit dafür muss zumindest für kurze Momente schon vorhanden sein. Auf dem Gebiet gibt’s aktuell wieder einmal viel nachzuholen.

Über Basisthemen zum wirklichen persönlichen Fortschritt

Atmosphärisch ähnelt dieser Hochsommer dem der Vorjahre. Dabei ist die Pandemie doch nicht mehr ganz so ausgeprägt. Aber die Auszeit gönnen sich die Menschen trotzdem oder vielleicht gerade deshalb. Denn man findet vermutlich in der Abkehr vom (Arbeits-)Alltag am ehesten eine Art Entspannung, die bei so viel Krisenbelastung schon notwendig geworden ist. Schlimm ist eben nur diese Tendenz zum endlosen Hinauszögern und Verzögern von Entscheidungen, das Verschieben von geplanten Aktivitäten in eine unbestimmte Zukunft, die oft vollständig abhanden gekommene Entschlusskraft. Für mich immer noch sehr irritierend. In solchen Zeiten und bei solchen Eindrücken sind die Basisthemen für mich umso wichtiger, weil man darin sich gedanklich oder praktisch kreativ aufhaltend einfach die ganzen Wirrungen im Kontext der Krisen außen vorlassen kann. Beim Kommunizieren und Arbeiten rund um das Baumthema kann man sich dem Grundlegenden, Facetten des Lebensbegriffs widmen. Und das ist immer gut und motivierend, in und außerhalb von Krisen, weil es den eigenen Standort und die eigene Verfasstheit und Motivationslage hilft zu bestimmen, als Grundlage für wirklichen persönlichen Fortschritt.

Außermenschliche Natur und ausgleichende Gedankeninhalte

Fast jeder, den ich treffe, ist von den weltpolitischen Ereignissen dieser Tage schwer getroffen. Man kann es eigentlich nicht glauben, wie der Ukrainische Präsident es heute selbst ausgedrückt hat: Mitten in Europa, im Jahr 2022. Wie kann so etwas überhaupt sein. Antworten sind nach menschlichen Maßstäben nicht gegeben und wird die Energie und Zuversicht ganzer Völker stark in Anspruch nehmen. Aber ich denke, dass diese Gedanken und alle Energieströme, die davon ausgehen, ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Die Gedanken werden sich bündeln und dieser irren Aggression das Möglichste entgegensetzen. Damit die Aggressoren aus ihrer Wut erwachen und bald schon ein Ansatzpunkt für Gespräche überhaupt wieder gegeben ist. Ich wünsche mir einen Stopp, bevor unzählige Menschen leiden und sterben müssen. Damit unsere Gesellschaften und die Welt als Ganze sich weiterentwickeln kann und nicht in tiefste und grausamste Zustände zurückgeworfen wird. Alles, was wir aus der nicht menschlichen Natur an Grundlegendem, Erdverbundenem und Ausgleichenden dafür nutzen können, muss jetzt in die Waagschale geworfen werden. Ich versuche mit meinen absolut friedvollen Baumsymbolprojekten einen winzigen Beitrag zu leisten, der u. a die aktuell erlebten Grausamkeiten als indiskutabel und zerstörerisch, eben das Gegenteil von aufbauend entlarvt.

Noch mehr Energie für Krisenbewältigung

Diese Nachrichtenlage ist einfach erschreckend. Dabei haben wir gerade begonnen, die endlose Krisenkommunikation etwas aufzulösen und uns wieder dem aufbauenden, kreativen und produktiven Leben und Arbeiten zuzuwenden. Jetzt also diese neue Katastrophe, die nicht wenigen zu allererst unwirklich erscheint, wie ein Relikt von Verhaltensmustern, die ausgestorben zu sein schienen und nun doch in nicht allzu großer geographischer Entfernung auch zu uns Wirklichkeit geworden sind. Eine ungeheure Belastung für die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaften und insbesondere den sozialen und spirituellen Fortschritt. Ein Szenario, dass zu instinktiven Reaktionen und einem Umschalten in den Überlebensmodus zwingt und damit wirkliches Fortschreiten unmöglich macht, im Gegenteil die Menschheit große Schritte zurückfallen lässt. Und über die Bedrohung des Lebens so vieler Menschen hinaus gehen wir Zeiten entgegen, in denen man sich fast schämen muss, alles nicht auf eine Basis Bezogene, insbesondere die symbolischen und kulturellen Werte, zum Thema zu machen, wie sie u. a. in diesem Baumtagebuch Gegenstand sind. Ganz trübe Aussichten also gerade für alle geistigen Arbeiter/innen, für die die beiden letzte Jahre ohnehin schon eine endlose und extreme Herausforderung waren. Ich kann uns nur wünschen, die notwendige Energie aufbringen zu können und die Krisentolerenz und Lösungskompetenz noch weiter zu verbessern. Letztlich wird aber wie so häufig schon eine kritische Masse von Menschen hinter einer Rückkehr auf den menschlichen, zukunftsfähigen Weg stehen müssen, in Gesellschaften, in den Menschen sich zunehmend und fortschreitend in Freiheit entfalten können.

Symbolische Standbasis

Der Tag hat von verschiedenen Richtungen keine guten Nachrichten gebracht. Es scheint so, als ob der globalen Krise noch eine Reihe persönlicher Tragödien hinzugefügt werden sollen. Jedenfalls stellt das Einzelne vor besonders große Herausforderungen, die Durchhaltevermögen, Mut und das Versuchen von Zuversicht fordern. Routine hilft da, um die Dinge nicht aus der Kontrolle zu lassen, aber auch Themen, die sich auf die Grundverfassung unseres Lebens beziehen. Insofern ist das Reden über Bäume gerade in solchen Zeiten kein Luxus, sondern eine Art Überlebensnotwendigkeit. Natürlich meine ich die Bäume nur exemplarisch. Sie stehen eben wie immer im Rahmen meiner Wunschbaum-Projekte, für ein starkes Symbol des Lebens und der Individualität. Ich wünsche vielen, dass sie ein für sie passenden Symbolsystem finden und die Chance erhalten, sich mit dessen Hilfe immer wieder eine Standbasis zu verschaffen.

Basisthemen und Basisaufgaben

Ein Tag mit unverhoffter Auszeit und einigen Auflösungen, die wohltun. Aber wir spüren auch das nahende Jahresende, mit dem viele nicht abgeschlossene Aufgaben auf eben diesen Abschluss warten. Verbunden ist das mit einer nicht ganz vermeidbaren gedrängten Anstrengung: Das eine abschließen, das Neue vorbereiten und damit starten. Ich bin froh um meine Basisthemen und Basisaufgaben, um diese Spannungen gut ausgleichen zu können. Unabhängig von der Jahreszeit und dem, was sonst so abläuft oder vermeintlich gefordert wird.

Basisthemen und ihr entschleunigender Ausgleich

Ein sehr arbeitsintensiver Tag mit viel kreativer, aber auch technischer Herausforderung. Da macht sich schon die Logik des letzten Quartals bemerkbar. Denn ich kann schon seit Jahren beobachten, dass die Geschwindigkeit und Dichte der Aufgaben zum Jahresende hin zunimmt. Es ist gut, dass ich gerade in solchen Zeitphasen meine Basisthemen rund um die Symbolik und Ästhetik u. a. der Bäume habe, die ich mitlaufend durchdenken und bearbeiten kann. Das hilft immer, Einseitigkeiten zu vermeiden und die wesentlichen Fragen der aufbauenden Weiterentwicklung nicht aus dem Blick zu verlieren.

Unsere Anstrengung gegen Verwirrung

Kein schönes Wetter für all die Vereine und Faschingstreibenden, die sich auf den Rosenmontag gefreut haben. Und dann schon wieder ein solches Attentat. Ist die Welt nur noch verwirrt, haben diese Verirrungen gar kein Ende mehr. Es ist mir ja immer ein Anliegen, gerade die grundlegenden Themen auch in diesem Baumtagebuch aufzugreifen, weil es mir so wichtig erscheint, ganz unvoreingenommen an die Dinge heranzugehen, einmal die Konventionen zu vergessen und genau hinzuschauen, was es mit den Dingen auf sich hat. Die Beschäftigung mit de Bäumen kann z. B. dabei helfen, das Übersteuerte und permanent Aufgeregte zurückzuschrauben, sich zu erden. Anders als durch solche Anstrengungen, ein bewusstes sich aus dem Strom Herausziehen, wird es kaum möglich zu sein, wirkliche Fortschritte zu erreichen, in Wirtschaft, Politik, in eigentlich allen Teilsystemen der Gesellschaft und Kommunikation. Lasst uns das nicht vergessen, damit sich die Irrwege nicht festfahren.

Das Grundlegende der Weihnacht

Die noch ganz letzten, aber doch die wichtigsten Vorbereitungen vor den Weihnachtsfeiertagen konnten wir heute abschließen. Und nach langer Zeit wieder mit Ms und Vs Freunden zusammen essen. In der dörflichen Lokalität, mit der ich seit einigen Jahre eine sympathische Verbindung pflege. Und das war vielleicht ehrlicher und echter als jemals zuvor, vielleicht Ausdruck einer wachsenden Lebensweisheit, die heute auch den vermeintlich jüngeren zugestanden werden kann. An einem bestimmten Punkt hat man vielleicht einen vergleichbaren oder stark einander angenäherten Erfahrungsstand erreicht. Das finde ich schön und macht mich melancholisch zugleich, weil das eben auch in der Selbstbeobachtung und mitlaufenden Autobiographie emotionale Kapriolen schlagen kann. Der Anblick des wunderschönen majestätischen Weihnachtsbaums hilft mir in dieser Weihnachtszeit noch stärker als zuvor, das Schwankende und Wechselhafte auszublenden und zu nivellieren. Dann ist nur noch das wirklich Grundlegende von Bedeutung. Eine Reduktion, die für mich in diesen Tagen besonders notwendig ist und zum Jahreswechsel Verworrenes und Enttäuschendes auflösen mag.

Basisthema Bäume und Holz

Der November läuft zur Hochform auf. Novembriger kann man es sich jedenfalls nicht mehr vorstellen. Und die Kälte und Nässe scheint in die Menschen hineinzukriechen und sie zunehmend diffuser zu machen. So kann ich wenigstens konzentriert an den Projekten arbeiten, ohne allzuviel Ablenkung. Und meine Parallelzeiten für die Holzarbeit einplanen, die auch diese Woche wieder einige Zeit in Anspruch nimmt. So bleibe ich auch in dieser unwirtlichen Jahreszeit noch eng mit den Bäumen verbunden, vermittelt über ihr Holz, ihre Energie und die symbolische Stärke unterschiedlicher Arten. Ich freue mich immer wieder darüber, dieses Basisthema im Alltag bearbeiten und entwickeln zu dürfen.

Die natürliche Basis an jedem Tag im Blick behalten

Der Weg nach S. ist uns inzwischen schon vertraut. Und für den Rest der Woche werden wir ihn auch wiederholen. Anschließend geht’s dann vielleicht nicht täglich, aber doch öfter, in Richtung O. Das ist dann schon angenehmer, weil die Strecke ländlicher ist. Von den Streckenimpressionen einmal abgesehen, ist es aber einfach primär, dass M. wieder auf die Beine kommt und die bestmögliche Behandlung erfährt. Damit sie bald wieder den eben erst sommerfertig gemachten Garten genießen und das Sprießen und Wachsen in der Natur zum Auftanken eigener Reserven nutzen kann. Gerade in solchen Zeiten, in denen künstliche Korrekturen im Mittelpunkt stehen, sehnt man aus gutem Grund ganz besonders nach der natürlichen Basis. Ein Grund für mich, Facetten dieser Basis an jedem Tag, zumindest im Rahmen des Baumtagebuchs, zu beschreiben, zu reflektieren und manchmal auch in kreativer Form weiterzuverarbeiten und durch eigene Erfahrung gefiltert zu vermitteln.

Auszeiten und emotionale Reloads

Die Zeit der konzentrierten Arbeit, bei der man noch stärker in sich gekehrt sein kann, setzt sich für mich fort. Das ist ein Zeichen, dass der Winter atmosphärisch und emotional noch präsent ist, obwohl wir den Frühling vorausahnen. Es ist diese Spannung zwischen Ahnung und noch nicht Vorhandensein, die die Wochen vor Fastnacht so unvergleichlich machen. Ich erkenne darin immer etwas Zeitloses, wie aus der normalen Zeit Gefallenes. Das hat es mit der Vorweihnachtszeit gemeinsam, vielleicht auch mit den Osterfeiertagen. Und ich bin unendlich froh, dass wir diese Feiertage und jahreszeitlich definierten „Auszeiten“ haben, ohne die es schwer wäre, alles einmal auf Null herunterzufahren, einen emotionalen und seelischen Reload zu erreichen, nach dem die Dinge wieder neu oder wenigstens anders neu aufgebaut und arrangiert werden können. Die Bäume gehören sich nicht nur für mich zu den starken Lebenssymbolen, die uns sehr gut dabei helfen können, in diesen Zeitphasen diesen Reload tatsächlich auch zu realisieren.

Aufmerksamkeit durch Außergewöhnliches

In den Medien, vor allem auf den Social-Media-Kanälen begegnen mir derzeit die Bäume in ausgewählter Pracht. Es werden zahlreiche Fotografien geteilt, von besonders alten, großen, skurril geformten oder auch verletzten Bäumen. Es ist offenbar das Besondere, das auch bei den Bäumen die Menschen anspricht. Der Baum als Symbol, dessen Lebenssymbolik vor allem durch deutliche Charaktermerkmale hervortritt und ins Bewusstsein tritt. Dabei trage alle Bäume eine starke Lebenssymbolik in sich, die im Individuellen jedes Exemplars dennoch das Allgemeingültige, das zu ihrer Art gehörende zum Ausdruck bringt. Ich denke, dieses Allgemeine ist es, das die Seelen tatsächlich anrührt. Nur benötigen wir häufig einen auffälligen Reiz, z. B. in Gestalt des Außergewöhnlichen, um das Grundsätzliche wieder zu sehen oder ihm beobachtend und forschend immer näher zu kommen. Obwohl ich mich lieber auf der Seite des Grundlegenden bewege, gerade bei den Bäumen, bin ich für solche medialen Anregungen doch sehr froh. Besonders an wechselhaften Tagen wie diesen, die lebende Bäume im Lebensumfeld distanzierter werden lässt.

Keine Zeit für Grundsatzthemen

Immer noch sehr kalt, und die Holzvorräte sind aufgefüllt. So werden wir das letzte Aufbrausen des Winters gut überstehen können. Dieses Klima lähmt die Menschen, da konnte auch die zurückliegende Fastnachtszeit nichts ändern. Meine Diagnose eines schleppenden Starts in dieses Jahr bestätigt sich. Und zudem so viele politische und wirtschaftliche Probleme in aller Welt. Da kann uns der Rückzug zum Natürlichen trösten, aber keine Lösungen bereitstellen. Es sind diese zivilisatorischen Folgewirkungen, die uns gegenwärtig wie gewaltige Rückschritte erscheinen und uns vor schier überwältigende Herausforderungen stellen. Nicht der beste Rahmen, um Grundsatzthemen höher aufzulösen.

Arbeit an der Basis

Ein Ausflugstag, der uns weit mehr hat erledigen lassen, als wir erwartet hatten. Und eine willkommene Abwechslung, vor allem wegen der vielen verschiedenen Menschen, darunter zahlreiche Touristen, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt und die einem vor Augen führen, wie viele Leben ihre je unterschiedliche Entwicklung suchen. Ich finde solches Beobachten sehr bereichernd, aber nur, da es für mich nicht allzu häufig geschieht. Sonst würde es mich eher lähmen, zu viel Konsum, zu viel Ablenkung von der Basis. Die Basis, zu der u. a. durch die Nähe zu den Bäumen immer wieder eine Annäherung versuche, die ich versuche, in den Alltag als Orientierung zu integrieren. Eben Basis und nicht das Umgekehrte. Von den kulturellen Ausformungen zur Basis zurückzufinden, ist weitaus anstrengender und wahrscheinlich auch nicht so nachhaltig. Bleibt die Herausforderung, diese andere Reihenfolge alltagsfähig zu gestalten. Ich arbeite immer wieder daran.