Individuelles Gleichgewicht als Lehre der Bäume

Die Arbeit an der Aktualisierung der Datenschutzerklärungen und Consent Tools wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Einen Teil der Projekte habe ich diesbezüglich aktualisieren können, andere stehen noch aus. Auch wenn diese Maßnahmen z. T. übertrieben scheinen, sind sie in diesen unsicheren Zeiten wohl ein Beitrag zu einem Gefühl von mehr Sicherheit. Die kreativen Anteile der Arbeit kommen dennoch nicht zu kurz, sowohl inhaltlich als auch gestalterisch. So gelingt es mir immer wieder, ein gesundes Gleichgewicht herzustellen, ein Bereich, in dem ich in den letzten Jahrzehnten tatsächlich deutlich hinzulernen konnte. Auch wenn ich das schon häufig hier erwähnt habe – es ist einfach eine sehr wichtige Tatsache – die Beschäftigung mit den Bäumen und ihrer unvergleichlichen Individualität bei gleichzeitiger Zugehörigkeit zu einer Art kann uns sehr helfen, Gleichgewichte aufrechtzuerhalten oder verloren gegangene wiederherzustellen. Die Bäume sind uns auf dem Gebiet weit voraus.

Konstanz von den Bäumen lernen

Dieser Einundzwanzigste hat so viel Bewegung nichts ins Spiel gebracht, wie er hätte erwarten lassen. Aber das ist so eine Tendenz der letzten Jahre. Vielleicht ist selbst die energetische Wirkung und innere Logik der Zahlen zurzeit nicht so wirksam wie in normalen Zeiten. Wie fast nichts mehr normal zu sein scheint. Ich halte mich in dieser Zeit an Routinearbeiten, die viel Konstanz und Fleiß, ebenso viel Geduld erfordern. Und tue es damit den Bäumen gleich, die wie kaum eine andere Spezies ihre Individualität in genügsamer Konstanz und Beharrlichkeit zum Ausdruck bringen und sich mit den jeweiligen Umgebungsbedingungen so gut es geht arrangieren, ohne sich selbst dabei aufzugeben.

Persönliche Entwicklung und was uns die Pflanzen geben können

Obwohl wir wieder einen so schönen Frühlingstag erleben durften, mit viel Licht und offensichtlich sich auf die Blüte und das Grünen konzentrierenden Pflanzen, ist die lähmende Stimmung unter den Menschen unverändert. Man könnte meinen, sie habe sich festzementiert. Als ob man verbreitet auf etwas von außen wartete, das eine Art Auflösung und Rückversetzung in die gewohnten Verhältnisse herbeiführt. Aber natürlich muss dieser Versuch einer Normalisierung im Denken, Wahrnehmen, Motivieren und Handeln von uns selbst ausgehen, als Ergebnis einer Anstrengung, die uns ziemlich allein lässt, in Ermangelung von vergleichbarer Erfahrung. Diese Lösungen müssen wir selbständig finden, eine schwierige Sache, die wiederum ratlos macht. Ich freue mich auf den Halt des Gewohnten und ziemlich Unveränderten, das uns die natürliche Umwelt, vor allem die Welt des Vegetabilen uns anbietet, an dem wir uns stützen und orientieren können, ohne dass das etwas kostet. Die Bäume und ihre Energie, ihre lebenssymbolische Kraft bleiben für mich die wichtigsten Orientierungs- und Reflexionsmarken, die es sich lohnt, immer wieder in Erinnerung zu rufen, um die eigene Entwicklung im Spiegel des Natürlichen voranzubringen – etwas, das über die reine Bewältigung ungewünschter Zustände hinausgeht.

Aufmerksamkeit für Vertrautes erweitern

Es scheint, dass die Menschen in dieser so schwierigen Zeit sich bevorzugt zurückziehen, sich auf die eigenen vier Wände beziehen, viel renovieren und sich überhaupt mit sich und dem engeren Umfeld beschäftigen. Es ist wohl der Wunsch, so viel wie möglich Erwartbares und Vertrautes zu erleben, das der Unsicherheit im Außen etwas entgegensetzt und Selbstvertrauen aufrechterhält. Und so beobachte ich schon Ansätze von gesteigerter Aufmerksamkeit in bestimmten Alltagsbereichen und in der zweckfreien Kommunikation, aber immer noch gepaart mit einer lähmenden Ermüdung, einer Fassungslosigkeit gegenüber den Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ich hoffe, dass dennoch eine geschärfte Beobachtungsgabe übrigbleiben wird, wenn wir irgendwann den Krisenmodus verlassen. Und dass die Menschen aus der Beobachtung der Jahreszeiten im Spiegel der Bäume viel Energie für alles beziehen, was sie im Leben über die Maßen beansprucht.

Noch mehr Energie für Krisenbewältigung

Diese Nachrichtenlage ist einfach erschreckend. Dabei haben wir gerade begonnen, die endlose Krisenkommunikation etwas aufzulösen und uns wieder dem aufbauenden, kreativen und produktiven Leben und Arbeiten zuzuwenden. Jetzt also diese neue Katastrophe, die nicht wenigen zu allererst unwirklich erscheint, wie ein Relikt von Verhaltensmustern, die ausgestorben zu sein schienen und nun doch in nicht allzu großer geographischer Entfernung auch zu uns Wirklichkeit geworden sind. Eine ungeheure Belastung für die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaften und insbesondere den sozialen und spirituellen Fortschritt. Ein Szenario, dass zu instinktiven Reaktionen und einem Umschalten in den Überlebensmodus zwingt und damit wirkliches Fortschreiten unmöglich macht, im Gegenteil die Menschheit große Schritte zurückfallen lässt. Und über die Bedrohung des Lebens so vieler Menschen hinaus gehen wir Zeiten entgegen, in denen man sich fast schämen muss, alles nicht auf eine Basis Bezogene, insbesondere die symbolischen und kulturellen Werte, zum Thema zu machen, wie sie u. a. in diesem Baumtagebuch Gegenstand sind. Ganz trübe Aussichten also gerade für alle geistigen Arbeiter/innen, für die die beiden letzte Jahre ohnehin schon eine endlose und extreme Herausforderung waren. Ich kann uns nur wünschen, die notwendige Energie aufbringen zu können und die Krisentolerenz und Lösungskompetenz noch weiter zu verbessern. Letztlich wird aber wie so häufig schon eine kritische Masse von Menschen hinter einer Rückkehr auf den menschlichen, zukunftsfähigen Weg stehen müssen, in Gesellschaften, in den Menschen sich zunehmend und fortschreitend in Freiheit entfalten können.

Die Kunst der richtigen Mischung

Bezüglich der Reaktionen und Bereitschaft zur Zusammenarbeit durfte ich in jüngster Zeit viel Positives erleben. Und doch sehe ich mich außerstande, die Reaktionen immer genau vorauszusagen. Da gibt’s viele Überraschungen, auch der negativen Art. Gleichzeitig hoffe ich, in der Einschätzung noch zielgenauer werden zu können, weil das das Leben einfacher macht und Enttäuschungen in Grenzen hält. Das sind Erfahrungen, die bei intensiver Projektarbeit mit viel Kommunikation und aber wenig künstlerischer oder präsentativer Arbeit zu Tage treten. Ich versuche zwischen beiden Erfahrungsebenen immer wieder die Balance zu halten. Von der kreativen Beschäftigung mit den Bäumen und dem Gespräch über Bäume und ihre Symbolik zur oft technisch gefärbten Kommunikationsarbeit, die breitere, aber meist weniger tiefgehende Themen in den Mittelpunkt rückt. Keins von beiden möchte ich missen. Die Kunst besteht darin, immer die rechte Mischung zu erzeugen.

Lebenslauf und soziale Verknüpfung

Heute war eine eher seltene Gelegenheit, zum einen an einen Zeitabschnitt meiner Kindheit anzuknüpfen, durch das Gespräch mit bzw. den Besuch einer alten Bekannten. Zum anderen bieten solche Gelegenheiten auch die Möglichkeit, prägnante Erlebnisse und Merkmale des eigenen Lebens und Unterscheidendes in den Lebensläufen zum Thema zu machen, sich über die wechselseitig unterschiedlichen Lebenserfahrungen auszutauschen. Teil davon war zwar von M. initiiert, aber von mir ausgeführt auch ein Gespräch über mein besonderes Verhältnis zu den Bäumen, quasi zu meinem ungewöhnlichen Lebensthema. Und da stellte sich wie so oft teilweise Verwunderung ein, aber sind auch gewisse Gemeinsamkeiten und gleichlaufende Interessen erkennbar geworden. Wenn man wie in diesem Fall eine positive Erinnerung an den Menschen hat, ist das eine schöne Erfahrung und eine, die mich ahnen lässt, dass es gerade bei der Begegnung, dem gemeinsamen Erleben zwischen Menschen absolut keine Zufälle gibt. Dass alles wirklich Sinn macht und eine Gemeinschaft erzeugt, die über verschiedene zeitliche Existenzen ihre Wirksamkeit behält. Meist unbewusst, aber doch vorhanden, stehen wir mit diesen Menschen in einer Beziehung, die gerade in den Zwischenphasen zwischen einer Existenz und dem folgenden In-der-Welt-Sein unverhüllt zutage tritt und dann auch Auswirkungen auf die tatsächlich aktiv gepflegten Verknüpfungen in der folgenden Existenz hat. Bei dem Gespräch heute hatte ich tatsächlich dieses Gefühl.

Sich dem wieder annähern, was man Normalität nennen kann

Gelegentlich ist es notwendig, etwas Anschubhilfe zu leisten, an die eigentlich vereinbarten Zielmarken zu erinnern, um die Projekte in vernünftigem Zeitrahmen voranzubringen. Solches ist in diesen Tagen besonders notwendig, zumal die Menschen durch vieles abgelenkt sind, u. a. durch das besonders unangenehme Wetter. Aber auch die Langzeitkrise und die politischen Krisen in aller Welt beanspruchen die Geduld und die Zuversicht, zuletzt wohl über das noch steuerbare Maß hinaus. Dennoch sehe ich auch in der Kommunikation Anzeichen von Frühling. Zaghafte Hinweise auf Aufbruch, selbst gefassten Mut und den Wunsch, endlich wieder eine Bewegung in Richtung des Gewohnten und Bewährten einzuleiten. Es scheint, dass das jetzt wieder besser funktioniert, zumindest zeitweise. Und so freue ich mich inmitten all dieser turbulenten psychischen und kommunikativen Problemzeit über jedes Gespräch, das sich auf die Bäume und ihr Holz bezieht. So auch heute aus Anlass der Überreichung eines Lebensbaum-Armbandes. Das macht nicht nur dem Beschenkten Freude, auch mir, da ich aus diesen wiederholten Herausforderungen im Bereich der Symbolformen an der Herstellung von dem, was man Normalität nennen kann, tatkräftig mitarbeiten kann.

Erholung und Trost durch die Bäume

Jetzt verfliegt die Zeit doch wieder schneller, auch wenn sich sonst stimmungsmäßig wenig verändert hat. Es naht die Fastnachtszeit, die auch diesmal von wenig Fastnachtsaktivität geprägt sein wird. Aber der Anlass ist noch im Bewusstsein und provoziert vielerorts Auszeitgedanken und Auszeitverhalten, das Projektarbeiten wiederum verlangsamt und nicht selten zum Stillstand bringt. Diese Atmosphäre wird so schnell nicht vergangen sein. Ich versuche, den mindestens symbolischen Kontakt zu den Bäumen, überhaupt zu den Pflanzen und ihrem zyklischen Werden und Vergehen nicht zu verlieren. Und ich finde gerade in diesem Kontakt, der manchmal nur gedanklich, in Form sekundenkurzer Seelenbilder oder Reflexionen aufblitzt, eine Form von Erholung und auch Trost, wenn sich drumherum so vieles immer wieder zu verändern scheint und mehr Unruhe und Ermüdung erzeugt, die uns schwächen.

Das grüne Leben der Bäume begreifbar machen

Wenn die Sonne über Stunden so schön durchbricht und bleibt wie heute, zieht es die Menschen förmlich in die Landschaft. So waren am frühen Nachmittag viele Menschen unterwegs, in spürbar gelassener Stimmung, die sie in sich wachsen lassen und auch ausstrahlen. So froh, dass wir solche Phasen im Spätwinter erleben dürfen, bevor das richtig ungemütliche Wetter, mit nasskalter Witterung und Sturm wieder zurückkommen. Eben das steht jetzt wohl in Kürze wieder bevor. Eine der für mich vorteilhaften Seiten solcher jahreszeitlichen Erscheinungen ist für mich, dass in solchen Phasen der Wunsch nach vegetabilem Leben wächst, der Wunsch, das neu aufkommende Pflanzenleben des Frühlings möglichst bald wieder wahrnehmen zu können. Und damit die Aufmerksamkeit auf die Bäume als die starken Lebenssymbole für uns Menschen. So registriere ich gerade seit den vorweihnachtlichen Wochen bis heute ein gewachsenes Interesse an den Produkten der Wunschbaum-Manufaktur, weil sie ganz physisch begreifbar das grüne Leben der Bäume, vermittelt über die Energie und Ästhetik ihres Holzes, vermitteln und die Interessenten dies auch glaubhaft finden und gerne in Anspruch nehmen. Eine Bestätigung für das erfolgreiche Weiterführen des langfristigen Projekts.

Gesunder Ausgleich

Die Zeit scheint sich weiter zu beschleunigen. Jedenfalls scheint es so, als ob die Zeit des Tages nicht ausreicht, alles so zügig abzuarbeiten, wie mir das vorschwebt. Das ist sicher den Umständen, der konkreten Aufgabensituation zuzuschreiben. Aber es ist auch eine Frage der empfundenen inneren Zeit, die gerade schneller zu vorüberzugehen scheint als die der Uhr. So halte ich mich an die Gelegenheiten, dieses Projektarbeitszeit bzw. ihre Wahrnehmung zeitweilig zu durchbrechen und im Rhythmus der Bäume, vermittelt über ihre Symbolik und zeitlos individuelle Präsenz, einen gesunden Ausgleich zu schaffen.

Bäume und Ausgleich

Ein ruhiger Sonntag mit viel Routinearbeit. Ich freue mich auf die Auflösung technischer Probleme und sehe mit Erleichterung auf handwerkliche Holzarbeiten, die mich auch in der neuen Woche begleiten und die den Techniküberhang ausgleichen. Wie die Bäume überhaupt etwas Ausgleichendes für mich und meine Seele haben.

Kontakt mit den natürlichen Grundlagen suchen

Es wird so viel über die Krise und ihre Stimmung gesprochen. Und das ist berechtigt, scheint die Situation doch gerade auf ihrem vorläufigen Höhepunkt angekommen zu sein, wenn man von der verbreiteten Lethargie ausgehen will. Wir müssen das jetzt dennoch bewältigen. Und wir müssen versuchen, auf alles zurückzugreifen, was wir im positiven Sinne in den letzten Jahrzehnten hinzugelernt haben. Persönlich, aber auch als Gesellschaft. Vielleicht erfordert es eine ungeahnte Form von Kreativität, bereits Erfahrenes und Verstandenes zum Auflösen von Situationen zu nutzen, die man so nie gekannt hat. Ich wünsche mir, dass das möglichst vielen von uns gelingt und bald so etwas wie eine kritische Masse der besonders Mutigen zur Verfügung steht. Versuchen wir, den Kontakt zu unseren natürlichen Grundlagen nicht zu verlieren und gerade an diese natürlichen Quellen anzuknüpfen, wie sie sich uns z. B. in der Begegnung mit den Bäumen unserer Lebenswelt offenbaren.

Ein selbstverständliches Gespräch über Bäume

Es ist schön, wenn ich, wie heute wieder eine konkrete Rückmeldung zu einem Armband aus meiner Wunschbaum-Manufaktur erhalte. In dem Fall war es eine Bekannte von M., die es als Geschenk zum runden Geburtstag erhalten hatte. Solche persönlichen Rückmeldungen sind eher selten und deshalb besonders wertvoll, weil ich ein thematisches Gespräch anschließen und den inhaltlichen Bogen dabei etwas weiter spannen kann. Ich hoffe, noch viele Gelegenheit dazu zu erhalten und dass nach Ende dieser schon so lange anhaltenden Krise ein Gespräch über Bäume wie selbstverständlich als etwas Sinnvolles und Bereicherndes wahrgenommen wird. Derzeit ist das nicht mehr so offensichtlich und viel zu vielen vermeintlich vorrangigen Ablenkungen unterworfen.

Naturbeobachtung und der Blick ins Innere

Wenn ich den persönlichsten aller Tage im Jahr auch in Zukunft mit so viel Ruhe feiern kann, bin ich zufrieden. Denn das ist es glaube ich, was bei so viel Krisenstimmung und Krisenkommunikation einfach lebensnotwendig geworden ist. Neben der Familie habe ich mir einige kontemplative Stunden gegönnt und u. a. meine Lektüre der Schriften Rudolf Steiners weitergeführt. Diesmal die Zweitlektüre von Vortragsmitschriften, die sich auf das bewusste Erleben und geistige Durchdringen der Jahreszeiten beziehen, eines der für mich spannendsten und mich am meisten ansprechenden Themen der Anthroposophie überhaupt. Und das vor allem, weil mein Favoritenthema Bäume dabei auf sehr grundlegende und weiter gefasst Weise im Sinne der Naturerkenntnis und der Integration in die eigene Entwicklung betrachtet wird. Letztlich geht es auch bei dem enger gefassten Baumthema immer um das Allgemeine. So wie die Bäume in ihrer symbolischen Kraft schon für etwas sehr Menschennahes, für Prinzipien des Lebens stehen, so kann unsere gesamte Existenz als Geistwesen im Lichte unseres Naturbezugs betrachtet werden. Wenn wir bei allem Naturbeobachten immer auch gleichzeitig das Innere im Blick behalten und die gegenseitige Spiegelung bewusst beobachten, kann sich der Erkenntnishorizont ganzjährig enorm erweitern.

Jahreszeitliche Übergangswahrnehmungen

Das ist wieder so eine typische Übergangszeit, in der alles wie in der Schwebe befindlich scheint. Diesmal der Übergang vom Herbst in die Vorwinterzeit, die keine wirklich erkennbaren Merkmale beider Zeiten erkennen lässt. Die Bäume verlieren jetzt fast überall ihre Blätter, je nach Art sehr unterschiedlich schnell und manchmal auch über Nacht, durch an den Gefrierpunkt reichende Temperaturen. Aber sie zeigen eben noch Reste ihres Sommerlebens. Und doch ist es noch nicht ganz November, der schon deutlicher den Umbruch anzeigt und dann endgültig auf den Rückzug, die Innenorientierung hindeutet und diese Tendenz im Außen auch widerspiegelt. Ich hoffe nur, die Wirkung auf unsere Motivationen wird nicht zu sehr spürbar werden.

Über Archetypen, Bäume und andere Lebenssymbole

Ich freue mich immer ungemein über die Gelegenheit, wenigstens an den Sonntagsnachmittagen mich der Lektüre wirklicher spannender Texte zu widmen. Diesmal wieder und immer noch die der Beiträge C.G. Jungs zu den Archetypen und dem kollektiven Unbewussten. Unglaublich, mit welcher Dichte und Intensität dieser Forscher sich dem Themenfeld gewidmet hat, von Anfang des vorigen Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre hinein. Gerade weil es um so universell gültige Inhalte geht, hat das natürlich nicht weniger Relevanz für uns heute wie für seine damaligen Zeitgenossen. Aus heutiger Sicht erscheint es nur immer irgendwie unwahrscheinlich, dass sich Wissenschaft überhaupt mit solchen Inhalten befassen konnte. Da erscheinen mir heutige wissenschaftliche Ansätze und die systemische Verfasstheit der Wissenschaft als Ganze wie ein riesiger Rückschritt und ungefähr das, was Rudolf Steiner vor über hundert Jahren für die Wissenschaft vorausgesagt hat, dass sie sich nämlich immer mehr in Richtung einer technischen Hilfestellung für praktische Zwecke bewegt und sich zunehmend entfernt von dem Bestreben, die Dinge aus primärem Erkenntnisinteresse zu durchdringen. Das Thema der Archetypen ist für mich vor allem deshalb eines, weil ich es durch meine Beschäftigung mit den Bäumen und ihrer Symbolik schon lange im Fokus meiner Aufmerksamkeit steht. Aber die Bäume sind nur ein Beispiel für immer schon vorhandene, quasi angeborene Lebenssymbole, die so tiefgreifende Bedeutung in unserem Leben entfalten.

Bäume, Nachhaltigkeit und Wissenschaft

Heute habe ich mich auch in der aktuellen Projektarbeit dem Nachhaltigkeitsthema gewidmet. Sonst kommen die Bäume, die Landschaft und die natürlichen Grundlagen für mich ja meist in symbolischer Form zum Vorschein und werden von mir auf dieser Ebene bearbeitet und kreativ umgeformt. Aber die Nachhaltigkeit und zeitgenössische Grundidee für zukunftsfähige Einstellungen und Handlungen ist eben auch längst bei den Produkten, in dem Fall den Medien für junge Leute angekommen. Es so konkret zu behandeln und Möglichkeiten zu finden, die nach dem Nachhaltigkeitsprinzip entwickelten Medien der angesprochenen Zielgruppe schmackhaft zu machen, ist eine anregende Herausforderung, der ich mich seit vielen Jahren widme. Gerade wegen des Langzeitcharakters dieser Arbeit ist es wichtig, den Umsetzungen immer wieder eine aktuelle Wendung, einen immer neuen Akzent zu geben, die aktuell diskutierte Teilthemen und Themenfacetten in den Blick nehmen. Vielleicht ist dies einer der wenigen Bereiche, in denen wissenschaftlich fundiertes Denken noch so verwertbar ist, dass es auch kommunikative Anschlussfähigkeit und Wirkung erwarten lässt.

Eine Erweiterung des fotografischen Spektrums

An diesem Projektarbeitstag hatte mich die Porträtfotografie vollständig in Anspruch genommen. Die Nachbearbeitung, die spezielle Optimierung mit Porträtsoftware und das Freistellen sind immer wieder eine Herausforderung, die mich sehr reizt. Letztlich will jede der porträtierten Personen ihren speziellen Typ optimal dargestellt wissen. Nicht ganz einfach bei Menschen, die man eigentlich nicht kennt. Aber die Aufnahmesituation beim Shooting ist schon auch ein Anhaltspunkt. Ich freue mich sehr, in den letzten Jahren neben meinem Steckenpferd, der Fotografie rund um Bäume, Holz und natürliche Strukturen auch die Menschen und ihre Individualität als Motiv entdeckt zu haben. Ohne die Kommunikationsprojekte wäre es wohl nicht zu dieser Ausweitung gekommen. So zeigt sich auch in diesem Bereich, dass berufliche Aufgaben auch für private Kreativität förderlich und bereichernd sein können. Ich hoffe, die Porträtierten sehen sich ebenso in meiner Machart des Porträts wieder.

Über die Weisheit der Bäume

Anlässlich meines Namenstags, an den mich M. erinnert hat, ist mir eine der vielen Weisheiten in den Sinn gekommen, die dem Namenspatron Bernhard v. Clairvaux zugeschrieben werden können:

„Glaube mir, ich habe es erfahren, du wirst ein Mehreres in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was kein Lehrmeister dir zu hören gibt.“

— Bernhard von Clairvaux, aus einem Brief (ep. 106) an Heinrich Murdach

Bevorzugte Themenfelder und Baumlektüre

Die Lektüre geht mir in den nächsten Wochen so schnell nicht aus. Zu einigen Sammlungen aus Rudolf Steiners Schriften und Vortragsmitschriften kommt Unterhaltungslektüre, ein erster Band aus C. G. Jungs Gesamtwerk, das sich den Archetypen widmet und jetzt auch der vorletzte Bestseller von Peter Wohlleben, der sich der besonderen Verbindung zwischen Mensch und Natur widmet. Letzteres ist natürlich genau mein Hauptthema im Rahmen der Wunschbaum-Projekte. So bin ich sehr gespannt, wie der Erfolgsautor in Sachen Bäume und Natur das Thema angeht. Sicher ganz anders als ich es gewöhnt bin und bevorzuge. Aber letztlich werden darin auch Parallelen erkennbar sein. In jedem Fall ist so etwas thematisch Gleichlaufendes immer ein wichtiger Reflexionsgegenstand, der sich nur Positiv auf die eigene, ganz individuelle Themenbehandlung auswirken kann.

Vertraute Bäume

Ziemlich frühzeitig habe ich mir in diesem Jahr schon einen Baum-Monatskalender für 2022 besorgt. Der ist mir zur lieben Gewohnheit geworden und ein fester Alltagsbestandteil, weil ich ihn täglich für viele Stunden vor Augen habe, mehr oder weniger fixiert, meistens nur als Element des Blickfeldhintergrundes, aber sehr vertraut und wohltuend. So versprechen auch die geheimnisvollen Wälder, die auf der Rückseite des Kalenders in Verkleinerung zu sehen sind, sehr eindrucksvolle, fast magisch anmutende Waldszenen, die mich im nächsten Jahr über alle Jahreszeiten begleiten werden. Etwas anderes, das mir seit vielen Jahren vertraut ist, trat mir heute über eine Anfrage wieder ins Bewusstsein: Das Holz des Efeus, von dem die meisten wohl niemals vermutet hätten, dass es überhaupt existiert. Sehen die meisten doch den Efeu als schlanke Rankpflanze, die sich mit ihren Haftwurzeln überall emporranken kann. Aber es gibt eben auch die alten, starken Efeupflanzen, die beachtliches Kernholzvolumen ausbilden können. Solche Abschnitte konnte ich mir vor einige Jahren besorgen. Schön, dass eine Person mit ähnlicher Begeisterung für die Art über das Baumtagebuch auf das Efeuholzthema aufmerksam geworden ist. Den geäußerten Wunsch kann ich zwar leider nicht erfüllen, aber da gibt es ja das einschlägige Wunschbaum-Armband aus Efeuholz, das die Energie und Ausstrahlung des Efeus in sehr persönlicher, körpernaher Form transportieren kann.

Wie kleine lichte Bäume

Über den Sommer erweist sich die Beschäftigung mit den Pflanzen, ihre Auswahl, Pflege und Aufzucht am Ende doch immer als schlüssig und konsequent. So war es offenbar kein Zufall, dass aufgrund geschickter Aussaat im richtigen Pflanzpanel in diesem Jahr so viel kräftige Wunderbäumchen herangewachsen sind. Zu viele, um sie alle in den Garten an sonniger Stelle einzupflanzen. So sind die meisten in ihrem zu kleinen Topf geblieben und haben ihren Wachstumszyklus beschleunigt durchlaufen, in der Annahme, schon erwachsen zu sein. Diese frühreifen Exemplare sind jetzt ein guter Ersatz für einige Sommerblumen, die wir vorm Haus in Töpfe gepflanzt hatten und die nach anfänglich prächtiger Entwicklung plötzlich eingegangen waren – wegen Engerlingen, die sich in der Erde festgesetzt und die Wurzeln abgeknabbert hatten. An ihre Stelle sind jetzt die Bonsai-Rizinusstauden getreten und bilden lustige Ensembles, wenn sie zu dritt in einem Topf nebeneinandersitzen, wie drei kleine Bäume mit filigraner, lichter Krone. Hinterm Haus haben wir weitere Exemplare in Ampeln, Blumenkästen oder einfach zwischendurch ins Blumenbeet gesetzt. Eine ebenso ungewohnte wie schöne Abwechslung in unserem Sommergarten.

Bäume und die Idee des Archetypus

Der Band mit Beiträgen C.G. Jungs zu den Begriffen Archetypus und kollektives Unbewusstes ist heute angekommen. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie er das Thema ausbreitet. Die Grundgedanken sind mir zwar schon seit langem bekannt, auch habe ich sie verschiedentlich in meinen eigenen Texten zur Symbolik der Bäume eingearbeitet. Aber die Originaltexte kenne ich noch nicht, auch habe ich noch nichts von C. G. Jung selbst gelesen. Spannend ist es vor allem deshalb, weil die Bäume als Lebenssymbole eben einen solchen Archetypus darstellen und mich ja gerade das das Leben Symbolisierende interessiert, weil es das Baum-Mensch-Verhältnis und damit die Selbstspiegelung des Menschen mit Hilfe dieses Lebenssymbols anspricht. Vielleicht findet sich in diesen Texten ja auch etwas Spezielles zu den Bäumen. In jedem Fall aber wird es mein Verständnis und mein Differenzierungsvermögen auf diesem Themenfeld erweitern.

Wechselseitige Spiegelung

Die technisch-digitalen Aufgaben nehmen mich wieder einmal vollständig in Beschlag. Ein Thema, das mich in diesem Jahr noch sehr lange und intensiv beschäftigen wird. Umso mehr kann ich die Zwischenzeiten genießen, wenn das Wetter und die Zeit es denn zulassen, in denen ich einfach raus in die Landschaft gehe, beobachte, fotografiere und Eindrücke an und um die Bäume herum sammle. Diese Eindrücke sind immer wieder anders und eigentlich unerschöpflich, so wie die Bäume selbst diese universelle Symbolkraft und eindrückliche Individualität verkörpern, die sich im Zeitverlauf und abhängig von Umweltveränderungen ebenfalls mit verändert. Es ist spannend die Veränderungen und Entwicklungen im natürlichen Außen mit der eigenen Entwicklung parallel zu betrachten und aus dieser wechselseitigen Spiegelung Erkenntnisse zu gewinnen.

Stressfreier für die Bäume

Ein ungewöhnlicher Mai ist das, und ganz anders als im Vorjahr, als der Monat fast hochsommerlich ausfiel und uns extrem viel Sonne brachte. Dieses Jahr, das konnte man schon an den Vormonaten ablesen, wird wohl ein stark durchwachsenes werden, mit einer Sonnenstundenbilanz, die eher durchschnittlich werden dürfte. Für uns ernüchternd, für alles, was von Licht, Wasser und Mineralien lebt, aber eher wohltuend. Eine Chance u. a. für die Bäume, sich stressfreier als in Dauerhitze-Jahren zu entwickeln. Und auch eine Witterung, die den übrigen einjährigen Pflanzen eher entgegenkommen wird, natürlich auch uns, die wir weniger gießen müssen. Aber bedauerlich ist es schon, gerade in dieser ohnehin deprimierenden Krisenstimmung könnte viel Licht einen Ausgleich schaffen, weil wir uns damit freier und lebendiger fühlen können.

Die Rolle vegetabiler Traditionen ernst nehmen

Wenn ich, wie heute Nachmittag im Fernsehen, von vegetabilen Traditionen anderer Länder höre, die sich eng an die volkstümliche Bedeutung und praktische Wirkung von Bäumen anlehnen, bemerke ich eine Art Wehmut. Wohl weil gerade solche Überlegungen hierzulande fast am aussterben sind und gerade in Krisenzeiten noch weniger Aufmerksamkeit erhalten. Wenn überhaupt, werden solche Inhalte in populärwissenschaftlicher Baumliteratur oder Zeitschriftenbeiträgen ohne viel Tiefgang behandelt, und immer so, als ob man von eigentlich nicht mehr in unsere Zeit passenden Dingen redete. Dabei kann das, was z. B. in diesem Fernsehbeitrag über den Wacholder gesagt wurde, wofür seine Bestandteile, von den Nadeln bis zum Holz, Verwendung finden und inwieweit sich daraus gewisse Genüsse oder medizinische Wirkungen ergeben, durchaus für jeden von Interesse und Relevanz sein, der sich angesprochen fühlt und der natürlichen, von Bäumen oder anderen Pflanzen stammenden Stoffen die Wirksamkeit und Rolle zuerkennt, die sie in Jahrhunderten immer wieder tatsächlich hatten. Warum sollte das bedeutungslos geworden sein, nur weil wir außerdem digitale Fortschritte und viele technologische Errungenschaften feiern. Es ist Zeit, sich nicht mehr nur in Abstraktionen zu ergehen, die bevorzugt im Begriff der Nachhaltigkeit zusammengefasst werden, sondern das, was außerhalb der menschlichen Natur existiert, sich ebenfalls entwickelt und in Beziehung zu unserer Natur steht, auch ernst zu nehmen.

Im Spiegel des natürlichen Aufbruchs

Nochmal ein schöner, wenn auch schon etwas kühlerer Maitag. Wäre erfreulich, wenn sich dieses Wetter fortsetzte, aber es sind zunächst ungemütliche Tage vorausgesagt. Da scheint es fraglich, ob der Super-Sonnenmonat des Vorjahres wieder erreicht werden kann, nachdem auch der April nicht ganz so sonnenreich war wie in 2020. Aber es kann ja nicht immer nur Steigerungen geben. Ich freue mich auf diesen Frühling, der verbreiteter Krisengestimmtheit hoffentlich etwas Belebendes entgegensetzt. Und auf alles, was sich im Spiegel der Bäume an Aufbruch und Neuanfang ablesen lässt. Das strahlt automatisch ab, wenn man genügend Aufmerksamkeit mitbringt. Die Voraussetzungen für aufmerksameres Wahrnehmen der einfachen Dinge in der natürlichen Umwelt scheinen besser denn je.

Ein kleiner Wald aus Wunderbäumchen

Eigentlich sind es einjährige Stauden, zumindest in unseren Breiten, wo sie nicht so nicht baumartig groß und verholzt werden. Aber ausgewachsen wirken sie eben doch wie kleine Bäume. Deswegen ist der volkstümliche Name Wunderbaum für die Rizinusstaude nicht unpassend. Die Art fasziniert mich immer wieder, vor allem in ausgewachsener Gestalt, mit den riesigen Blättern, den filigranen, kompliziert aufgebauten Blüten- und Fruchtständen. Und auch die Samen haben mit der marmorierten Oberfläche etwas Eindrucksvolles. So setze ich jedes Frühjahr wieder neu eine Reihe von Samen des Vorjahres, um für den Hinterhausgarten einige neue Pflanzen heranzuziehen. Zunächst auf der Fensterbank. Dieses Jahr habe ich die Überraschung erlebt, dass fast alle gesetzten Samenkerne tatsächlich gekeimt haben. Möglicherweise liegt es an dem Pflanzraster mit den engen, aber tiefen Parzellen. Kann sein, dass die Feuchtigkeit darin die Kerne am schnellsten aufquellen lässt. Einfach toll finde ich, den Prozess zu beobachten, in dem die junge Pflanze ihren jungen Stängel inklusive Kronblättern aus dem Samenkern heraus auffaltet, immer so, dass sie einen Knick bildet – mit dem Stängel nach oben, dann wieder zurückgebogen, unter die Erde, um die Kronblätter dann in einem Kraftakt nach oben zu biegen, den Knick aufzuheben und sich fortan in der Vertikalen nach oben zu arbeiten. Spätestens dann sehen sie schon wie kleine Bäumchen aus.

Rizinuskeimlinge in Pflanzschale I
Rizinuskeimlinge in Pflanzschale II

Ein Gespräch über Bäume kann helfen

Zwischendurch erkenne ich doch auch Auflockerungen, eine Form von gleichgerichteter Einschätzung der Krisenlage, die Gelassenheit ausstrahlt, die sich um Humor und um möglichst wenig Resignation bemüht. Das sind Lichtblicke, die aus dem Bestreben resultieren, das Beste aus der Situation zu machen. Außerdem weicht es die Monothematik auf, die für mich das Unangenehmste und Ermüdendste bedeutet. Wie sollen da die eigentlich wichtigen Themen noch eine Chance haben. Anders als in dem berühmten Ausspruch Hermann Hesses, meine ich, wäre gerade jetzt ein Gespräch über Bäume wohltuend. Es ist kein Grund zu erkennen, warum ein solches unangemessen sein könnte. Vielmehr kann die Beschäftigung mit unseren natürlichen Grundlagen und ihren vielschichtigen Bedeutungen eine Art Coping-Strategie darstellen, in Krisenzeiten möglicherweise noch mehr als in vermeintlich unaufgeregten Lebensphasen.

Bäumische Themen und das Zeitlose

Die Aussicht auf Frühling lässt erste Anzeichen von Aufmunterung erkennen. Natürlich wird die gleich durch eine inzwischen lähmende Aufforderung zum Durchhalten in der Krise durchkreuzt. Die Menschen haben aber immerhin dies gelernt, aus kleinen Positivanreizen etwas zu machen und sich darauf aufbauend nicht vollständig deprimieren zu lassen. Meine bäumischen Themen helfen mir sehr in dieser Zeit, und sie offenbar immer wieder das Zeitlose, das in solchen unwirklichen Stillstandzeiten Gold wert ist. Es lohnt sich, das Beständige immer wieder neu in den Blick zu nehmen, um die Qualität der veränderlichen Dinge besser zu verstehen und einschätzen zu können.