Ein Traditionsmarkt, mittelalterlicher Charme und die Ästhetik des Verfalls

Der schon Tradition gewordene lothringische Trödelmarkt im mittelalterlichen Örtchen R. hatten wir schon Jahre nicht mehr besucht. Zuletzt wegen des coronabedingten Ausfalls, zuvor aber aus anderen Gründen nicht mehr. Dieses Jahr konnte er wieder stattfinden und war später als gewöhnlich terminiert. Jedenfalls hat der Besuch heute gepasst, ich bin froh, dass wir uns trotz anfänglichen Zögerns dazu entschlossen haben, denn die Atmosphäre war durchaus wie in unserer Erinnerung, was wesentlich mit dem besonderen Ort und seiner Aura zu tun hat, aber auch mit der Marktatmosphäre selbst, die nach so langer Krisenauszeit wieder authentischere Züge angenommen hat und ein echtes Bedürfnis widerzuspiegeln scheint. Auf Funde war ich diesmal eigentlich nicht aus, dennoch habe ich einen Stand mit alten Postkarten gefunden und dort zwölf kolorierte aus den 1920-1940er Jahren ausgewählt. Darunter recht originelle mit Porträts, einige mit Weihnachts- und Neujahrsgrüßen, motivisch festgemacht an vegetabiler Symbolik mit Mistel- bzw. Stechpalmenzweigen. Eine gute Erweiterung meiner kleinen diesbezüglichen Sammlung in diesem Themenfeld. Schade, eine Bet- oder Fleh-Motivszene konnte ich unter den Karten nicht finden, das wäre natürlich noch besser gewesen. Dennoch fand ich die landschaftlich reizvolle Hin- und Rückfahrt und den entspannten Aufenthalt dort sehr ansprechend und passend für diesen Spätsommersonntag Anfang September. Auf der Hinfahrt habe ich ein altes Haus mit einem verwitterten Scheunentor entdeckt und fotografiert. Ich hatte extra im Hinblick auf solche Motive die Kamera mitgeführt, denn in Lothringen findet man vielerorts noch Zeugnisse einer Ästhetik des Verfalls. So sind einige neue Holzoberflächen und -struktur-Fotos entstanden, die ich vielleicht sogar meinem Microstock-Portfolio hinzufügen kann.

Detail eines alten verwitterten Scheunentor in Lothringen

Bäume, Holzarten und Symbolverständnis

Das Thema der Drei-Hölzer-Kombinationen begleitet mich weiter. Das ist interessant, denn in dieser Häufigkeit kamen diesbezügliche Anfragen in den letzten Jahren nicht. Auch wenn ich schon einige spannende Wunschbaum-Kombinationen in den vergangenen 20 Jahren realisieren durfte. Aber generell scheint es so, dass die Zahlensymbolik, wie überhaupt bei einigermaßen aufgeschlossenen Menschen, der Sinn für die symbolischen Ebenen des Lebens und der Kommunikation wieder einen größeren Raum im Denken und Wünschen einnimmt. Das bemerke ich dann an einer gestiegenen Nachfrage an meinen Symbolformen rund um die Bäume und deren Holzarten, ihre Bedeutungen, Energien und ästhetischen Qualitäten. Alles zusammen kann wiederum zurückwirken und das Verständnis und das Verstehen symbolhafter Zusammenhänge im eigenen Leben auf eine höhere Ebene transportieren.

Sonne, Baumschatten und Kühlung

Manchmal denke ich, es sind schon zu viele Gartenbäume auf zu engem Raum. Auch weil sie sich teilweise gegenseitig das Licht streitig machen. Aber auch im Herbst, weil bestimmte Arten ziemliche Massen an Laub abwerfen, wie z. B. der Walnussbaum. Aber jetzt im Hochsommer, wenn die Sonne über Stunden brennt, erweist sich eine solche Gartenbaumoase doch als sehr angenehm. Das Sonnenlicht wird gefiltert und von den Blättern quasi absorbiert, und doch dringt noch genügend durch, um den Hochsommer erlebbar werden zu lassen. Und dann werfen die Baumkronen eben auch weitflächige Schatten, die für mich neben dem kühlenden Effekt auch eine ästhetische Qualität aufweisen. Ich wollte schon einmal eine Fotoreihe nur mit Baumkronenschatten starten, bin bisher aber noch nie dazu gekommen. Gerade auch Schattenwürfe von Bäumen auf Asphalt können spannend sein. Vielleicht ein Thema für den Sommer 2023.

Sich über das Verhältnis von Menschen und Bäumen äußern

Am Ende bin ich mit dem zweitletzten Bestseller von Peter Wohlleben doch versöhnt. Während der Lektüre des Buchs über das Band zwischen Mensch und Natur war ich zwischenzeitlich doch im Zweifel, ob die Art der Beschäftigung mit dem Thema nicht zu wissenschaftsgläubig und zu wenig über diesen Horizont hinausblickend ist. Ich denke aber, dass in der Gesamtbetrachtung der Beiträge bzw. Kapitel auch viele das Thema diversifizierende Teilthemen aufgegriffen wurden, die zum Teil über naturwissenschaftliche Beobachtung und Erkenntnis oder Erfahrungsberichte hinausgehen. Das halte ich nämlich für dringend notwendig, da sonst der Eindruck entsteht, man könne etwas immer Gültiges über das Mensch-Baum-Verhältnis mitteilen, das zudem nur dann aussprechbar ist und Bedeutung hat, wenn naturwissenschaftliche Experimente es quasi nachgewiesen haben. Als jemand, der die Symbolik und Ästhetik in Kommunikationsprozessen zu seinem Arbeitsschwerpunkt zählt, ist so eine Sichtweise natürlich nicht akzeptabel. Und so sehe ich mich, die vorläufigen Erkenntnisse und auch die erfolgreichen formale Darstellung dieser bei Peter Wohllebens durchaus anerkennend, selbst bestätigt, meine Wunschbaum-Projekte weiterzuentwickeln und damit der vor allem geistigen Dimension des Themenfelds eine Stimme zu geben, die immer wieder neue Facetten unterscheidet und versucht, jeweils zeitgemäße Inhalte und Formen daraus zu gewinnen.

Jahreszeitliche Imaginationen und Baumsymbolik

Nach dem mobilen Tag gestern konnten wir heute zum Wochenausklang die Ruhe des Sonntags genießen. Zumindest V. und M. waren auf den Ruhetag auch dringend angewiesen, da galt es einiges an Anstrengung auszugleichen. Und selbst konnte ich einige der geplanten Projekte in Ruhe weiterverfolgen, u. a. die Vorbereitung des geplanten Geburtstagsgeschenks für M., das ein wichtiges Stück Biografie zum Thema macht und für den gedachten Anlass deshalb sicher passend sein wird. Die wiederholte Lektüre von Rudolf Steiners Vortragsausführungen zu den jahreszeitlichen Imaginationen haben den eher kontemplativen Tag für mich abgerundet. In diesem Themenbereich, dem bewussten Miterleben der Jahreszeiten und mit ihnen verknüpften kulturellen und spirituellen Traditionen, hat Steiner aus meiner Sicht mit die interessantesten und aufschlussreichsten Beiträge geleistet. Deshalb auch die wiederholte Lektüre, die immer wieder neue Aspekte der Gedankengänge und Erkenntnisse ins Bewusstsein rückt. Ein wichtiger Baustein auch meiner fortschreitenden Beschäftigung mit der Rolle, die die Baumsymbolik für unsere Kultur und Ästhetik seit jeher spielt.

Kunst, Wissenschaft und Religion als ursprüngliche Einheit

Gerade die Vortragsmitschriften, aber auch die veröffentlichten Schriften Rudolf Steiners aus seinen späten Jahren wirken auf mich besonders beeindruckend. Es merkt schon deutlich, dass sich eine enorme geisteswissenschaftliche Erfahrung und Durchdringung bei komplexen Themen erhellend auswirkt, weil vieles über Jahrzehnte Entwickelte darin einen Höhepunkt der Auflösung und Plausibilität erreicht. Obwohl es so dicht formuliert ist, wie diese Vorträge über Kunst bzw. die ursprüngliche und wieder zu erreichende Einheit von Wissenschaft, Kunst und Religion, scheint doch große Klarheit daraus hervor, so dass man sich gut vorstellen kann, die Gründungsmitglieder der anthroposophischen Gesellschaft in Norwegen, gegenüber denen er 1923 dieses Vorträge hielt, konnte schon etwas Wesentliches mitnehmen. Diese teils an bestimmten Kunstformen enggeführten und recht plastisch erläuterten Gedanken schöpfen aus der ganzen geisteswissenschaftlichen Erfahrung und Hellsicht und können uns wegen ihrer Zeitlosigkeit genauso noch heute wertvolle Orientierung in unserem Verständnis der Rolle von Kunst in der Gesellschaft liefern. Damit wird mir auch mein eigenes geradezu symbiotisches Verhältnis meiner wissenschaftlichen Erkenntnisinteressen mit der immer vorhandenen und auch praktizierten künstlerischen Aktivität verständlich. Denn es geht darin um dasselbe, was Rudolf Steiner eigentlich als eine Rückkehr mit Umwegen zu einer ursprünglichen Durchdringung dieser Bereiche ausführt. Dieses Gefühl des Ungenügens bei einer alleinigen Konzentration auf wissenschaftliches Denken, wird aus dieser Perspektive sehr klar begründet und für mich verstehbar. Und weitergedacht wird auch meine spezielle Aufmerksamkeit auf die künstlerische Arbeit mit Baumsymbolen in einen weiten und anregenden Denkkontext gestellt, der mich noch lange beschäftigen wird.

Kontinuierlich in der Betrachtung symbolischer und ästhetischer Themen

Der Sonntag war atmosphärisch schon nicht für Exkursionen gemacht. So war es wenig bedauerlich, dass das Wechselwetter mit punktuell heftigen Regenschauern solche auch unmöglich gemacht haben. Gute Chancen für die Kontemplation, die sich für mich heute rezipierend musikalisch und in der Lektüre weiterer Text aus C. G. Jungs Betrachtungen zu den psychologischen Archetypen gestaltet hat. Das neu erworbene Buch über ein zeitgenössisches Baum- und Ökologie-Thema muss dagegen noch eine Weile warten, wie auch verschiedene Vortragsmitschriften Rudulf Steiners zu Fragen der Ästhetik. So viele spannende Themen, die meine Beschäftigung mit der Symbolik und Ästhetik weit über die Betrachtung der Bäume hinaus ausdehnt und die das Reservieren ausreichender Zeitphasen verdienen. Es ist mir ein Bedürfnis, gerade diese Themenfelder kontinuierlich zu verfolgen, gerade in diesen geistarmen und nervtötenden Krisenzeiten, in denen alles Sinnvolle unter die Räder, sprich unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle zu geraten droht.

Totholz wird im Frühjahrslicht lebendig

Das war schon ein richtiger Sommertag, der uns in einer Phase des Frühlings vergönnt war, die von starken Wechseln geprägt ist. So wird das nicht anhalten, sondern erst nach Abkühlungen und Sturm wieder in einen angenehmen Frühling und Frühsommer übergehen. Aber heute war das Licht schon fast hochsommerlich, was viele Menschen nach draußen gezogen hat. Die Baumlandschaft befindet sich derzeit im Übergang. Die Weißdornhecken wappnen sich für ihren großen Auftritt und halten ihre zahlreichen Blüten noch geschlossen, gewissermaßen startbereit, vielleicht die noch kommende Kühle vorausahnend und deshalb vorsichtig. Andere wie die Pfaffenhütchen haben sich nicht abhalten lassen und blühen dieses Jahr wieder sehr heftig, was entsprechend viele bunte Früchte im Spätsommer erwarten lässt. Aber wie immer an so himmeloffenen und lichtreichen Tagen sind es die Holzoberflächen und Holztexturen, die besonders eindrucksvoll wirken. Da konnte ich eine Reihe von Fotografien machen, u. a. von den Relikten des abgestorbenen und inzwischen schon auseinandergebrochenen alten Eichenstamms unten am tümpelartigen Nebengewässer des Flusses. Vor Jahren war er schon Totholz, aber noch als geschlossene Stammform erkennbar – Motiv meiner ersten Ausstellung mit Holzskulpturen. Jetzt liegen viele abgebrochene Einzelteile von einem Teil des Stamms rundum verstreut und werden immer mehr von den viele Organismen, die dort im und um das Totholz leben, zersetzt. Eine morbide Ästhetik besonderer Art, die im Sonnenlicht schon wieder Lebendigkeit ausstrahlt.

Totholzabschnitt von einem Eichenstamm I
Totholzabschnitt von einem Eichenstamm II

16 Jahre Baumtagebuch

Da war doch was? Genau, das Baumtagebuch feiert am 20. November Geburtstag und vollendet jetzt schon sein 16. Lebensjahr. Immer wieder unglaublich, mir zu vergegenwärtigen, dass ich tatsächlich so lange einen Beitrag täglich veröffentlichen konnte. Das ist schon fast zu viel, um es in konventioneller Dokumentenform zusammenzustellen. Ich denke, ich werde bei der Blogversion bleiben und mittelfristig auf dieser Basis eine Neugestaltung vornehmen. Die ist bald überfällig und wird, wie aktuell bei der Neuentwicklung des Auftritts der Wunschbaum-Manufaktur, vielleicht auch inhaltlich neue Akzente setzen können, die über die eigentlichen Tagebucheinträge hinausgehen. Zusammen mit einem möglichen Redesign von wunschbaum.de sind damit gleich mehrere Projekte angedacht, die Ergebnisse meiner intensiven Beschäftigung mit der Symbolik und Ästhetik der Bäume im Internet auf eine aktualisierte und neu durchdachte Basis stellen könnten.

Zeitlose Ästhetik

Diese Textüberlieferungen von Rudolf Steiner über seine ästhetischen Anschauungen und die Rolle der Kunst zu seiner Zeit und im Allgemeinen sind schon sehr interessant. Wie bei allen Themen, die er aufgreift und auf unnachahmlicher Manier rekonstruiert, geht es darin um ganz Grundsätzliches, das weit über die rein wissenschaftliche Betrachtung hinausgeht. Vor allem beeindruckt, mich, dass er dabei zu Schlüssen und Grundanschauungen gelangt, die sehr in Richtung dessen gehen, was ich im Rahmen meiner Magisterarbeit zur ästhetischen Kommunikation selbst herausarbeiten konnte. Es wäre damals passend und bereichernd gewesen, hätte dem noch eine weitere Facette hinzugestellt, wenn ich auf Steiners Texte zu dieser Zeit aufmerksam geworden wäre. Ohne nämlich explizit kommunikationswissenschaftlich zu denken, sind die wesentlichen Überlegungen doch mit kommunikationswissenschaftlichen Ansätzen kompatibel, u. a. mit Susanne Langers „Philosophy in a new key“, die ich nach wie vor für eine halte, die das Thema sehr zeitlos und der eigenen Erfahrung mit Kunst entsprechend zu erklären vermag. Steiner hat in dieser Weise ähnliches für die Ästhetik geleistet, auch wenn sich seine Überlegungen über einen längeren Zeitraum und auf verschiedenen Publikationsschienen punktuell verteilt haben und er nie dazu gekommen war, es in einem zusammenhängenden umfangreicheren Werk zu konzentrieren. Wie so oft war ich seinerzeit über ein Baumthema auf Rudolf Steiners Denken aufmerksam geworden, nämlich über die überlieferte Mitschrift einer der vielen Vorträge, die Rudolf Steiner über das Weihnachtsfest und seine faszinierenden Facetten, hier am Beispiel der Rezeption des Weihnachtsbaums, gehalten hatte.

Rudolf Steiners ästhetischer Ansatz

Ich bin sehr froh, mir zu Weihnachten die drei neuen Bände aus der Rudolf Steiner Gesamtausgabe gewünscht zu haben. Mit dem zweiten dieser Bände, einer Zusammenstellung der Aufsätze, Vorträge und Notizen Rudolf Steiners zu Fragen der Ästhetik, konnte ich mich letzte Woche und heute wieder beschäftigen. Und schon die ersten dieser Texte offenbaren ein sehr spannendes Thema, das Grundfragen und auch konkretere Anwendungen einer Philosophie des Schönen umfasst. Auch auf dem Gebiet war Rudolf Steiner seiner Zeit voraus und hat mit der bis dahin gültigen Ästhetik in Deutschland abgerechnet, ihr seine abweichende Sichtweise entgegengesetzt, der ich absolut zustimmen würde. Das sind Gedanken und Grundideen, die ich sehr gut in meine Magisterarbeit über ästhetische Kommunikation hätte einarbeiten können, die eine Bereicherung dieses Theorienvergleichs gewesen wären. Aber damals war mir das Werk Rudolf Steiner noch nicht vertraut, und es ist natürlich auch fraglich, ob seine Ansätze zur damaligen Zeit in meinem Fach als wissenschaftlich akzeptiert worden wären. Die bisher gelesenen Texte stammen allerdings aus dem Frühwerk Steiners, das noch stärker als später von seinen philosophischen Anschauungen geprägt waren. Ich denke schon, dass es gepasst hätte. Die grundlegende Idee, die er vertritt, würde ich auch im zeitlichen Abstand und nach allem, was ich selbst wissenschaftlich über ästhetische Kommunikation erarbeiten konnte, absolute unterstreichen. Dass es nämlich in der Kunst nicht darum geht, dass ein geistiger Inhalt (das Göttliche) mit Mitteln der Kunst darstellbar gemacht wird, also nicht darum, dass das Göttliche im Kunstwerk zum Ausdruck kommt. Das erlebten Realität des Künstlerischen entspricht es viel mehr, dass Künstler das Natürliche als Geistiges (Göttliches) umformen, dass durch das Wie der Umformung des Natürlichen das Geistige sinnlich erlebbar wird. Eine ganz andere Beziehung zwischen Inhalt und Form, die auch für aktuelle Kunst sicherlich anwendbar und zutreffend ist. Diese Lektüre aus dem Frühwerk Steiners, gerade zu ästhetischen Fragen, empfand ich heute als Freude und Bereicherung. Ebenso freue ich mich auf die späteren Beiträge zur Kunst und auf den dritten Band, der sich wieder einmal um das Erleben der Jahreszeiten und die große Rolle dreht, die die Pflanzen darin für die Weiterentwicklung von Mensch und Kosmos spielen.

Geisteswissenschaftliche Grundlagen einer Ästhetik

Ein Sonntag, der nach dem vormittäglichen Gedenken an B. eine Ruhe bescherte, die nach so vielen arbeitsintensiven lange Werktagen einfach willkommen und notwendig war. Ich freue mich, mit der Lektüre der Aufsatz- und Vortragssammlung Rudolf Steiners begonnen zu haben, die sich auf dessen Ausführungen zur Grundlegung einer Ästhetik konzentrieren. Ein Gebiet seines Schaffens, das für ihn zeitlebens eine große Bedeutung hatte, das aber letztlich nicht in ein geschlossenes Werk zu diesem Wissenschaftsgebiet eingeflossen ist. Die über einen größeren Zeitraum verstreuten Beiträge sind aber für mich wertvolle Ansätze, die mein wissenschaftliches Abschlussthema, die Grundlegung ästhetischer Kommunikation, um einige Facetten bereichert. Wenn ich diese Arbeit noch einmal zu bearbeiten hätte, würden Steiners Text möglicherweise einfließen, durchaus auch mit kommunikationswissenschaftlichen Ansätzen in Übereinstimmung zu bringen. Denn in den ersten Abschnitten, die ich bisher gelesen habe, wird schon deutlich, dass es um dieselben ästhetischen Grundfrage des Zusammenhangs zwischen dem formellen physischen Werk und einem geistigen Inhalt mit Allgemeinheitswert und Notwendigkeitsanspruch geht, der alle Fragen des künstlerischen Prozesses dominiert. Ein anderer Band aus Steiners Gesamtwerk, das sich auf den Lauf der Jahreszeiten bezieht, auch eines meiner Lieblingsthemen, habe ich zunächst hintenangestellt. Ich denke, diese Themen werden im Frühjahr, generell mit dem neuen Grünen und Blühen der Bäume wieder interessanter und auch gut nachvollziehbar.

Ästhetik, Symbolik und autobiographische Bedeutung der Adventszeit

Wenn die Gespräche in der Vorweihnachtszeit in Richtung all der schönen und traditionell gepflegten Ausschmückungen geht, bin ich immer wieder erstaunt, wie sehr die Menschen davon geprägt sind und wie viel ihnen das auch tatsächlich bedeutet. Auch solchen, von denen ich es bis dahin nicht vermutet hätte. Weihnachten und alles, was man autobiographisch, symbolisch, religiös und spirituell damit verbindet, ist eben das verbindende Fest, das eine ganze außerplanmäßige Jahreszeit mit sich bringt. In der Adventszeit davor ausgedehnter und eindrücklicher wahrgenommen als in der nachfolgenden Zeit der Raunächte. Aber die gesamte Zeit hat eine Wirkung auf die Menschen, die nicht zu verkennen ist. Mit dem Adventskranz und all den immergrünen Zweigen, die jetzt ins Haus geholt und arrangiert werden, schmücken viele ihre Wohnung und wollen das auch niemals missen. Und die Lichtersymbolik und -ästhetik schafft sich mit Teelichtern, Kerzen und zunehmend unterschiedlichsten LED-Beleuchtungen Raum, bis der Weihnachtsbaum später beides vereinigt, das Vegetabile und Immergrüne und das Licht, das in Zeiten der längsten Nächte und kürzesten Tage leuchtet. Beides Symbole für das Gemeinsame, einen Ursprung im Geistigen, an den wir in der Weihnacht vielleicht die deutlichste Erinnerung entwickeln können. Eine Erinnerung, bei der uns der Eindruck des leuchtenden Weihnachtsbaums behilflich ist.

Vergangenheit, Selbstmusealisierung und Baumsymbolik

Die Besuche der alten Nachbarn sind seltener geworden. Aber wenn sie stattfinden und sich längere Gespräche daraus entwickeln, wirkt das auf uns immer auch wehmütig, weil es an früher gemeinsam Erlebtes und auch an früher lieb gewonnene Menschen erinnert. Dann scheint die Zeit still zu stehen, man sich in frühere Jahre zurückversetzt, wohl wissend, dass sich zwischenzeitlich so viel verändert hat und die Wahrnehmung des Vergangenen zwangsläufig eine durch Erlebtes geprägte Färbung erhalten musste. Dennoch, solche Gelegenheiten zur Selbstmusealisierung, die immer etwas von der Betrachtung eines erweiterten Kreises von Personen zu tun hat, die in einer schicksalhaften Verbindung zueinander stehen, solche Gelegenheiten scheinen mir wichtig, weil es die Lebensläufe begleitet und die Reflexion über die Lebensläufe ermöglicht. Bei dieser Selbstreflexion spielen für mich nicht mehr nur Menschen eine Rolle. Ich kann tatsächlich sagen, dass die Bäume und alles, was ich über die Jahre mit ihnen zu verbinden gelernt habe, ein wesentlicher Teil meiner Biographie sind. Lebewesen, die oft gar nicht als solche in Erscheinung oder ins Bewusstsein treten, sondern bei mir häufig in ihrer ästhetischen und symbolischen Dimension Wirkung und Einfluss haben. Denn die Bäume sind Mittel der Selbstreflexion, weil sie es möglich machen, eigenes menschliches Leben in ihnen zu spiegeln. Das ist möglich, weil vieles von dem, was Bäume in ihrem Wesen verkörpern, menschliche Individualität bezeichnet. So kommen wir über den Umweg der Baumsymbolik und -ästhetik zu uns selbst und unserem individuellen Kern zurück.

Ästhetik des Ländlichen

Der Besuch in S. hat zwar nicht wirklich den erhofften Gewinn gebracht. Aber immerhin war er mit einer schönen Fahrt durch relativ hell beschienenen Vorfrühlingswald und Landstraßen verbunden. Eine Strecke, die mir aus früheren Zeiten bestens bekannt ist und insofern gewisse nostalgische Emotionen weckt. Diese Strecke hatte etwas Befreiendes und Anregendes zugleich. Es war eine Art Sammlung auf dieser Strecke möglich, gerade weil sie landschaftlich so schön und abwechslungsreich gestaltet ist. So können auch solche kleinen Ausflüge, in der richtigen Stimmung durchgeführt, dazu beitragen, den Alltag zu entschleunigen und die Ästhetik des Ländlichen kreativ umzuwandeln.

Ästhetische Selbstbeobachtung

Der Eindruck des Theaterbesuchs gestern wirkt für M. und mich heute noch stark nach. Das hat den Kopf einmal ganz frei gemacht oder einmal in eine ganz andere Richtung gelenkt, genauso, wie es die Veranstalter auch gedacht hatten. Meine Überlegung von gestern sehe ich bestätigt, wo ich gerade wieder von der Bearbeitung eines Wunschbaum-Produkts komme. Wenn ich mit meinen Routinearbeiten über Stunden befasst bin und dabei gleichzeitig das je Individuelle des Empfängers versuche in die erzeugten Formen hineinzulegen, dann ist die Seele immer sehr beschäftigt. Vieles davon läuft sicher im unbewussten Bereich ab. Aber ich bin bei dieser Arbeit, wenn sich gleichzeitig Gedanken in Bezug auf Kunst oder Kunstrezeption entwickeln, immer auch bei der Reflexion dessen, was kreative Arbeit im besten Fall bewirken kann. Dann laufen Selbstbeobachtung und Beobachtung des ästhetischen Prozesses ineinander. Ein für mich sehr spannender Rahmen, der die praktische Arbeit wiederum bereichert und dauerhaft interessant und herausfordernd gestaltet.

Ein Kern des Künstlerischen

Es war eine beeindruckende Veranstaltung, die ich ohne den Gewinn wohl zusammen mit M. nicht hätte erleben können. Alles, was sich in Zirkusatmosphäre abspielt, hatte für mich immer schon etwas Faszinierendes, da es das Eintauchen in eine ganz andere Welt erfordert. Und ich habe auch schon immer Menschen bewundert, die sich beruflich dem Erschaffen dieser Welten verschrieben haben. Eine ganz besondere Spezies, die besondere Begabungen zur Unterhaltung anderer auf den Punkt bringen kann, und das in zahlreichen Wiederholungen, wie bei dieser Show, die von November bis Februar an sechs Tagen der Woche läuft. Sich da immer wieder motivieren und eine konstante Leistung, immer wieder aufs Neue Begeisterung entwickeln zu können, das hat meine absolute Hochachtung. Ich erinnere mich, in früheren Jahren beim Besuch alternativer Theaterprogramme in einem Zirkuszelt ähnlich beeindruckt gewesen zu sein. Vor allem atmosphärisch war das etwas, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Damit klingt für mich auch ein allgemeinere Saite an, nämlich die des Künstlerischen schlechthin. Was ich an diesen Auftritten bewundere, ist gerade das, was ich dem Kern des Künstlerischen zuschreiben würde. Mit dem Erzeugen und Vermitteln von Formen Verbindungen herzustellen, und zwar auf dem Weg des Heraufholens immer schon dagewesener Gemeinsamkeiten aller, die den Darbietungen beiwohnen. Was da an archetypischen Gemeinsamkeiten hervorgespült und je individuell verfügbar gemacht wird, würde ohne die Wahrnehmung der Auftritte als künstlerisch erst gar nicht entstehen. Eine große Leistung der Künstler, wie ich finde. Irgendwie fühle ich mich dann auch selbst angesprochen, fühle eine starke Nähe, denn die Wunschbaum-Projekte zielen genau auf dasselbe. Insofern sind sie eine konsequente Weiterführung meiner früheren künstlerischen Arbeiten, nur dass sie so vielleicht nicht genannte werden. was damit möglich ist und tatsächlich ja auch immer wieder geschaffen wird, kommt für mich dem gleich, was Kunst im besten Falle verändern kann.

Der Weihnachtsbaum als Symbol der Feiertagskultur

Die emotionale Bestimmung im Advent, ein besonderer Augenmerk auf die Ästhetik vorweihnachtlicher Symbole und Formen, das hat mein Erleben früherer Jahre in dieser Zeit des Jahres immer sehr geprägt. Ich merke, dass sich das, nachdem es in den vergangenen Jahren etwas abgeblasst war, nun doch wieder einholt und meine Aufmerksamkeit sich der damaligen ähnelt. Es ist ganz spannend, das an mir selbst zu beobachten, da sich auf anderen Ebenen natürlich vieles verändert hat. Es gibt aber diese Themen und die Formen, sich ihnen zu widmen, die wie überzeitlich wirksam sind, wodurch ich oft Déjà-vus erlebe. Das Symbol des Weihnachtsbaums ist ein wichtiges Element dieses Erlebens. So finde ich immer wieder Gefallen an den alten und kontinuierlich neu erfundenen und kreierten Formen, den Weihnachtsbaum als Symbol des weihnachtlichen Ereignisses zu fassen und ihn als anziehendes und motivierendes Zeichen mit tiefer Bedeutung einzusetzen. Dieser Faszination kann sich meiner Beobachtung nach kaum jemand entziehen. Und wenn M. in diesen Tage immer wieder von wild fremden angesprochen wird auf ihre Weihnachtsbaum-Pins und kleinen am Revers angebrachten Broschen, dann zeugt das von einer zeitlosen Ästhetik, die Menschen unterschiedlichen Alters und sonstiger Couleur begreiflich ist und bleibt. Es ist schön, solche Konstanten in ansonsten so unbestimmten und wechselhaften Umfeldern zu erblicken. Gut ist das für die Seele, aber auch für die Stabilität und Lebendigkeit feiertäglicher Kultur.

Zur symbolisch-ästhetischen Ausgestaltung der Weihnachtszeit

Diese Tage und Nächte fühlen sich so richtig wie Winter an. Nicht unbedingt die angenehmste Ausformung des Winterwetters, aber eine, die uns das Verabschieden und Abschließen dieses Jahres leicht macht. Tatsächlich mehren sich jetzt schon die Mails und sonstigen Mitteilungen, die Weihnachts- und Neujahrsgrüße vorwegnehmen, so als ob Heilig Abend unmittelbar vor der Tür stünde. Als wenn manche es nicht erwarten könnten. Gefühlt ist aber noch enorm viel zu erledigen, zum Abschluss zu bringen, neu zu initiieren, bevor das neue Jahr seine eigenen Startverzögerungen mit sich bringt und die Dinge mit erneuertem Schwung wieder aufgegriffen oder weitergeführt werden können. Es ist uns dank der Dekorationsanstrengungen ganz gut gelungen, die weihnachtliche Stimmung schon zu Beginn der Adventszeit wahrzunehmen und zu schätzen. Umgeben von so vielen kleinen Weihnachtsbaumsymbolen und -figuren aus verschiedensten Materialien und mit unterschiedlichster Gestaltung sowie anderen Weihnachtssymbolen ist das allerdings auch leicht. Nein, ich empfinde dieses Gefallen an der symbolisch-ästhetischen Ausgestaltung der Weihnachtszeit, wie sie in den letzten Jahrzehnten in unserer Region entstanden ist, keineswegs als kitschig oder abschreckend. Ich finde das im Gegenteil bereichernd, zumal es dazu beiträgt, Weihnachten als christliches Hochfest in seiner ganzen tiefen und die Seele berührenden Bedeutung zu erfahren.

Symbolformen verinnerlichen – und was uns die Weihnacht sein kann

Die Weihnachtsausstellung in S. war wieder schön, mit einer wunderbaren auf die Adventszeit einstimmenden Atmosphäre, vielen ästhetischen Anreizen und neuen Dekorationsideen und Interpretationen weihnachtlicher Symbolik. Dieses Feld ist so weit und tiefgründig, dass es ganz sicher nie zu einem Ende kommt, immer wieder weitergedacht, weiterentwickelt, zeitgemäß in Formen umgesetzt werden kann. Und dennoch trauere ich den früheren Jahren auch dieser speziellen Ausstellung nach, die m. E. deutlich stimmungsvoller und eindrücklicher waren. Auch kreativer und noch mehr auf die vegetative Symbolik der Weihnachtszeit ausgerichtet, damals mit vielen Weihnachtsbaumformen und mit immergrünen Zweigen arrangierten weihnachtlichen Dekorationen, die mir noch heute wegen ihrer Originalität in Erinnerung sind. Heute ist das deutlich abgeschliffener, mundgerecht gemachter, auf durchschnittliche Vermarktungsfähigkeit hin ausgerichtet. Heute ist es auch noch mehr mit künstlichen Materialien umgesetzt, noch weniger mit echtem Baum- und anderem Pflanzenmaterial. Ich frage mich dann immer, ob das andere Besucher, die diese Ausstellungen seit Jahren verfolgen, überhaupt ebenfalls bemerken. Aus der Beobachtung kann ich das eher nicht erkennen. Und dann wünsche ich mir auch im Umgang mit Symbolformen wieder mehr Innerlichkeit, wieder genaueres Hinsehen und kritische Distanz, wo Innerlichkeit nicht direkt und fraglos angesprochen, sondern über Hintertüren konstruiert werden muss. Letzteres ist dem Anspruch und dem eigentlich nicht angemessen, was uns die Weihnachtszeit sein kann und wie sie uns in Bezug auf unsere Entwicklung als geistige Wesen Fortschritte ermöglichen kann.

Holzästhetik und Erwartungen

Auch die Ästhetik spielt bei den Holzkreationen eine nicht unwichtige Rolle. Das gilt für die Ergebnisse selbst, vor allem, wenn die Auswahl einer Holzart oder einer Kombination von Holzarten unter eben ästhetischen Gesichtspunkten erfolgt ist und die Wahrnehmung sich anschließend mit der vorgängigen Erwartung verbindet. Aber auch schon bei der Verarbeitung der Hölzer schwingt die Ästhetik mit, wirkt wie ein Katalysator. Ich gehe allerdings davon aus, dass die konkreten ästhetischen Vorstellungen der Interessenten sich von meinen während der Arbeit oder in Bezug auf die bearbeitete Holzart generell unterscheiden. Das ist nicht tragisch, denn der Abgleich sozusagen baut ja auf einer Art Vorgabe auf. In der Regel kann ich gut nachvollziehen, was etwa an einer bestimmten Kombination besonders gefällt, z. B. ein Hell-Dunkel-Kontrast, eine Stimmigkeit der Farbkombination, der Ausdruck des Typischen der Art auf der polierten Oberfläche der Perlen. Es ist dann eine Herausforderung, dieser Erwartung möglichst nahe zu kommen und Formen herzustellen, die ihre ganze Symbolik in Bezug zu den Trägern entfalten können. Das sind Gedanken, die mir bei der heutigen Arbeit an einem Kombinationsarmband mit den Hölzern des Walnussbaums und des Olivenbaums durch den Kopf gegangen sind.

Das breite Spektrum der Holzästhetik beobachten

So viele interessante und immer wieder überraschende Ansätze zur kreativen Arbeit mit Holz und dem Thema Baum finde ich gerad ein jüngster Zeit bei Pinterest. Ohne die automatischen Newsmitteilungen würde ich das so gar nicht realisieren, da meine Affinität zu Social Media merklich schrumpft und ich eigentlich kaum noch Zeit in dem Bereich investieren möchte. Aber diese bildhaften Eindrücke mit Links zu den Ursprungsseiten haben oft etwas Anregendes. Das ist dann ausnahmsweise keine Belastung, sondern u. U. eine Bereicherung. Es würde mir nie einfallen, irgendetwas davon sozusagen zu übernehmen. Ich finde es vielmehr interessant, überhaupt zu sehen, in welchen Bereichen sich die Menschen engagieren und wie viel Spektrum rund um das Holz und seine vielfältigen ästhetischen, symbolischen und energetischen Qualitäten beobachtet werden kann.

Holzkunst zwischen dekorativ und zeitlos

Die kreativen Objekte und Skulpturen aus Holz, die ich regelmäßig etwa bei Pinterest sehe, zeugen von einem ungeheuren Einfallsreichtum und zeigen, wie endlos und nie abgeschlossen die Möglichkeiten der Gestaltung mit diesem Material sind. Dabei beobachte ich aber einen Trend zu stark dekorativen Denkweisen, die bestimmte Oberflächeneigenschaften der Hölzer, roh oder farbig gefasst, glatt geschliffen oder gröber bearbeitet, aber immer so, dass aus der Oberfläche und der Struktur, oft auch zu seriellen Mustern aus Einzelstücken zusammengesetzt, die Attraktivität erklärt werden kann. Kaum jemand, der den Baum zum Thema macht, jedenfalls nicht in der Weise, wie ich das als Motiv meiner bildhauerischen Arbeit immer verstanden habe. Die Denkweise ist dabei noch gleichgeblieben, einfach weil das rein Dekorative sehr schnell an Spannung und Kraft verliert. Die grundlegenden symbolischen Eigenschaften, die aus der Arbeit mit dem Holz eines Baums hervorgeholt und vermittelt werden können, markieren aber etwas Allgemeingültiges und Zeitloses. Das wird sich nie ändern, aber als Künstler muss man die richtigen Vermittlungsformen finden, und natürlich die künstlerische Umsetzung, der von Zeitgenossen verstanden werden kann, weil sie aktuelles Wahrnehmen anspricht und durch dieses erst seinen Wert erhält. Diese Gradwanderung wäre die größte Herausforderung, sollte ich die künstlerische Arbeit wieder aufnehmen können.

Ästhetische Kommunikation mit Archetypen

Erstaunlich, der Kiefernstammquerschnitt ist nach wie vor, seit mindestens 7 Jahren, der Spitzenreiter in der Beliebtheit meiner Microstock-Portfolios. Das gilt für alle Portfolios, die ansonsten durchaus unterschiedliche Interessen ansprechen. Für mich eine Bestätigung der Erkenntnis, dass zeitlose Themen und archetypische Symbole tatsächlich länder- und kulturübergreifend verstanden werden. Wenn eine Fotografie spontan ganz unterschiedliche Menschen anspricht und in ihnen vergleichbare Bilder und symbolische Assoziationen wachruft, dann ist eine für kommunikative Zwecke sehr geeignete Fotografie. Eigentlich entspricht das dem, was ich vor Jahren einmal als den Kern des Künstlerischen, der ästhetisch vermittelten Kommunikation, beschrieben habe. Ich bin sehr froh, viele Jahre später diese Form und Variante der konkreten Arbeit mit Symbolformen in der professionellen Kommunikation für mich entdeckt zu haben. Eine Arbeit, die ich immer wieder neu aufnehmen, ausweiten, intensivieren und auf wechselnde Zielgruppen und Verwendungen ausrichten kann.

Hirnholztexturen

Das Licht war zwar an diesem Tag noch nicht ideal. Dennoch wollte ich die Gelegenheit nutzen, so lange der Stapel noch nicht abgetragen ist. Dabei sind ganz interessante Textur-Fotografien entstanden, die ich noch einer weiteren Durchsicht und Bearbeitung unterziehen will. Aber in diese Richtung könnte es bei einem Teil der Aufnahmen gehen, nämlich denen mit einem Stapel dicker Kiefernbohlen:

Hirnholzansicht gestapelter Kiefernbohlen I
Hirnholzansicht gestapelter Kiefernbohlen II
Hirnholzansicht gestapelter Kiefernbohlen III

Die Symbolik im Bauholzstapel

Wie so oft zieht bei meiner heutigen Entdeckung menschlicher Eingriff Natur illustrierende Projekte nach sich. Die hiesigen, gerade erst begonnenen Bauarbeiten an der Bahnunterführung haben mich wegen der Geschäftigkeit der Arbeiter dort irgendwie angezogen. Beim Schlendern über den ehemaligen Güterbahnhof habe ich dann unverhofft große Stapel gerade erst angelieferten Bauholzes gesichtet. So schön lagenweise übereinandergeschichtet, dass sich aus den Stirnseiten und vielleicht auch von den Aufsichtsperspektiven sicher ganz gute Holz-Struktur und Holz-Textur-Fotografien anfertigen lassen. Dazu benötige ich allerdings mehr Ruhe, als sie während der Arbeiten dort vorhanden ist, und natürlich das richtige Licht. Also eine Aufgabe für einen lichtreichen Wochenendtag. Auf die Ergebnisse bin ich jetzt schon sehr gespannt, vor allem weil es außerhalb solcher Konstellationen nahezu unmöglich ist, größere Reihen oder Mengen gleichartig verarbeiteter Holzabschnitte zu finden. Der Reiz ergibt sich dabei aus der Einheit der Differenz von einheitlicher Holzart, hier vor allem von Fichten- und Kiefern, und den ganz unterschiedlichen Ausschnitten und Formen der Jahresringstruktur. Da wird ein ungemein lebendiges Moment an die Oberfläche gebracht, das symbolisch für die Vitalität der Bäume steht, aus denen diese Baumholzabschnitte gewonnen wurden. Natürliche Strukturen und Besonderheiten werden durch diese zweckhaft künstliche Anordnung stärker hervorgehoben und gerade deshalb so schön sichtbar.

Unsensibler Baumschnitt

Dieses Bild scheinbar blindwütiger Verwüstung der Baumlandschaft scheint in diesen Wochen weit verbreitet zu sein. Bei der heutigen Autofahrt habe ich ständig Waldränder passiert, die mit teils sauber gestapelten, teils wild durcheinander liegenden Stämmen und Astschnitt übersät waren. Es wird einige Zeit brauchen, bis das wuchernde Grün dieses Bild erträglicher gestaltet. Und noch länger, bis die Abschnitte abtransportiert sind. Falls überhaupt, denn immer wieder begegne ich ganzen Stapeln vor Jahren gefällter Stämme, die niemals abgeholt werden und deshalb an Ort und Stelle vermodern. Immerhin einige Insekten haben dann etwas davon. Wahrscheinlich würde mich das weniger aufregen, wenn so etwas wie System erkennbar wäre. Tatsächlich aber wechseln sichtbare und nachvollziehbare Rückschnitte mit unmotiviertem Schneisenschlag ab. Dahinter steht in jedem Fall mangelnde Sensibilität und ausgeprägte Gleichgültigkeit gegenüber den ästhetischen Werten unserer Kultur- und Baumlandschaft.

Außen und Innen

Ohne Sonne ist es schwieriger, auf Betriebstemperatur zu kommen. Das geht mir bei der Arbeit an verschiedenen Hölzern eigentlich immer so. Der Blick richtet sich an solchen Tagen, die ganz von dieser Arbeit ausgefüllt sind, nach Innen und damit auch eher zur eigentlichen Symbolik der Hölzer, um die es ohnehin geht. So gesehen hat das häufige Wetterwechseln auch seine guten Seiten. Außen und Innen, Form und Inhalt, Ästhetik und Symbolik erhalten so wechselnde Betonungen. Auch eine Voraussetzung, das Projekt lebendig zu halten und reine Routinen zu vermeiden, welche die symbolische Kraft der Formen zurückfahren könnten.