Prägendes Landschaftserleben

Bei der Lektüre eines Romans, der die dramatische Lebensgeschichte einer gebürtigen Tibeterin schildert, ist mir heute wieder klar geworden, wie sehr die heimische Landschaft doch die Wahrnehmung und das gesamte Lebensgefühl bestimmt. Dort beschreibt die Hauptfigur, dass ihre tibetische Heimat vor allem von blanker Erde, Staub und hohen Bergen geprägt war. Kaum ein Baum lag im Blickfeld der Bewohner des Tals. Erst auf ihrer Flucht über den Himalaya nach Nepal begegnete sie erstmals ausgedehnten Wäldern, dichtem Dschungel, in dem das Holz im Übermaß vorhanden war und nicht, wie in ihrem Dorf, mühsam zusammen gesucht werden musste. Ähnliche Eindrücke vermitteln Landschaften wie die im vorderen Orient oder in bestimmten afrikanischen Regionen, in denen Menschen kaum je Grün zu sehen bekommen. Wahrscheinlich würden Menschen aus waldlosen Regionen der Erde meine Wunschbaum-Seite gar nicht verstehen. Wahrscheinlich wüssten sie gar nicht, was mir als Mitteleuropäer, dem ausgedehnte Waldflächen und viele Grün selbst in den Städten selbstverständlich ist, die intensive Beschäftigung mit den Bäumen bedeutet. Gleichzeitig bin ich sehr froh, in dieser Landschaft zu leben und das Geschenk erhalten zu haben, die Bäume erleben zu dürfen. Auch wenn es nur eine von vielen Möglichkeiten ist, der Schöpfung und dem Ursprung alles Lebendigen und allen Seins schlechthin näher zu kommen, es ist eine, die meinem persönlichen Wesen und meiner sozialen Identität in ganz ausgezeichneter Weise entspricht.

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