Verloren gegangenen Sinn zurückholen

Die Menschen tun sich sehr schwer mit dieser Nicht-Herbst-Witterung. Es ist eigentlich eine Keine-Jahreszeit-Witterung, die uns viel abverlangt. Da ist es noch am erfolgreichsten, nicht krank zu werden bzw. sich nicht von der ersten Erkältungswelle mitgerissen zu werden. Aber auch die bloße Motivation scheint darunter zu leiden. Gut für die Konzentration wirken solche Tage auf mich schon. Aber losgekoppelt von erwartbaren Kommunikationen ist das nicht nur erfreulich. Dennoch bin ich sicher, dass wir solches verkraften, auch weil die Krisen außerhalb des eigenen natürlichen und kulturellen Umfelds viel gravierender wirken. Da liegt es nahe, gerade in diesem Naherfahrungsbereich gegenzuseuern und sich verloren gegangenen Sinn zurückzuholen. Daran kann eigentlich jeder für sich und in seiner unmittelbaren Lebenswelt mitwirken. Möge ein hoffentlich schöner Blätterherbst die Motivation und Bereitschaft dazu beflügeln.

Die Bedeutung möglicher Lieferanten symbolkräftiger Energie

Ja, dieser Einundzwanzigste hatte wieder etwas Anregendes und Motivierendes. Das war zuletzt nicht bei allen zahlensymbolisch aufgeladenen Tagen so. Aber die Positiverfahrung freut mich gerade deshalb, auch weil es einen zusätzlichen Anstoß in schwierigen Zeiten darstellt. Immer wenn ich die Wirkung und Energie des Symbolischen erkennen kann, ist das für mich ein Erfolgserlebnis. Es bestätigt mir die zeitlose Bedeutung des Symbolischen, das in meiner persönlichen Biografie eine so große Rolle spielt. Zuletzt konnte man tatsächlich an der Wirkkraft und überzeitlichen Ausstrahlung symbolischer Formen zweifeln. Die Wahrheit aber ist, dass wir ohne diese Formen nicht auskommen. Die Bäume sind nur ein möglicher Lieferant symbolkräftiger Energie. Aber sie sind unter denen, die ich besonders schätze und zu denen ich deshalb so viel schreibe oder in deren symbolischem und formalem Umfeld ich mich so gerne bewege und kreativ bin. Natürlich hat auch da die Einundzwanzig ihre Bedeutung, u. a. als Zahl der Baumarten in der Systematik so genannten keltischen Baumkreises.

Lebensthematische Bezüge auch trüben Tagen

Überwiegend nass, aber merkwürdig mild temperiert war dieser Tag. Und er hatte ganz kurze sonnendurchflutete Phasen, an denen man sich aufrichten konnte. Aber die Aufgabenpläne sind so lang, dass ohnehin nicht viel Zeit fürs Durchschnaufen bleibt. So konnte ich den Auftakt der Arbeitswoche produktiv und fortschreitend nutzen. Und auch an einem solchen eher ereignisarmen Tag sind die Bäume, ihre Früchte, die herbstliche Ernte, was man so alles daraus kulinarisch machen kann, wieder Gegenstand von Gesprächen. Ich weiß gar nicht, ob das bei anderen Familien auch so ist. Aber bei uns spielen die Bäume und ihre vielfältigen Bezüge tägliche eine Rolle. Ganz ohne, dass wir es darauf anlegen. Deshalb ist es kein Zufall, dass ich schon vor über 20 Jahren zu diesem Lebensthema gekommen bin und seitdem in vielfältigsten Formen daran arbeite.

Das wars wohl mit dem goldenen Oktober

Leider ist der versprochene zweite Tag in Folge mit goldenem Oktoberwetter uns verwehr geblieben. Das war heute ein Tag fast ohne Sonnenphasen und auch nicht so mild temperiert wie angekündigt. Und da es in der neuen Woche mit Novemberwetter weitergehen soll, war das wohl ein sehr durchwachsener goldener Oktober. Seltsam, auch das war eher nicht zu erwarten gewesen, wenn man sich die sehr ertragreiche Baumobstsaison ansieht, die zumindest auf ein wachstumsförderliches und freundliches Frühjahr rückschließend lässt. Die Tendenz zu immer mehr durchwachsenem und unberechenbarem Wetter setzt sich eben fort. Und wenn ich auf den Kalender schaue, stelle ich fest, dass in etwas mehr als 4 Wochen schon die Adventszeit beginnt. Die ist dann unabhängig vom Wetter von eigener symbolgetränkter Wärme gekennzeichnet. Die vier Wochen bis dahin müssen wir dann einfach überstehen, und uns einige sonnendurchwirkte Tag zwischendrin wünschen.

Die Garten-Erholungssaison beenden

Das sonnenreichere Wetter heute war doch sehr willkommen, da wie so oft am Samstag Gartenarbeit anstand. Diesmal habe ich die Sitzgarnitur unter der Hinterhausüberdachung winterfest gemacht bzw. teilweise auch nach innen geholt. Das ist immer ziemlich zeitaufwändig, auch weil so viele Kissen und Bezügen reinzuholen, zu waschen oder in Schränken bis zur nächsten Gartensaison zu verstauen sind. Außerdem habe ich einmal den ganzen Bereich hinterm Haus gekehrt und die erste große Ladung trockenes Herbstlaub von den Gartenbäumen in die Biotonne verfrachtet. Vor allem aber war es mir wichtig, den Efeu noch einmal vor dem Winter zurückzuschneiden. Diesmal nicht mit der Heckenschere, sondern per Hand mit der Gartenschere. Das war möglich, weil diesmal v. a. vereinzelte lange Triebe zu kappen waren, die ohne den Rückschnitt im Frühjahr ein chaotisches Bild ergeben hätte und dann zu viel Aufwand erfordert hätten. Zusammen mit einigen handwerklichen Arbeiten war mit diesen Aktionen der ganze Samstag komplett ausgefüllt. Gut, dass wir für die eher kontemplativen Anteile noch den Sonntag haben, erfreulicherweise wieder mit vergleichbarer zuletzt eher ungewohnt lichtreicher und moderat warmer Witterung.

Letzte Chance auf goldenen Oktober

Noch einer dieser dunklen und trüben Tage. Es kann einmal schon zu viel werden. Die Hoffnung liegt jetzt auf dem Wochenende, das ausnahmsweise mehr Sonnenlicht verspricht. Vielleicht zum letzten Mal für dieses Jahr. Und auch die letzte Chance auf goldenen Oktober. Ich freue mich auf dieses Wochenende und darauf, den Baum- und Blätterherbst einmal von seiner ästhetisch ansprechenden Seite zu erleben.

Soziale Herausforderungen und natürliches Gleichgewicht

Diese Tage könnten herbstlicher nicht sein. Alles ist auf Transformation und intensive Innerlichkeit ausgerichtet, entsprechend zurückhaltend geben sich die Menschen in der Kommunikation. Das ist für kommunikative Aufgaben ein größeres Hindernis und erfordert besondere Anstrengungen, die Dinge im Gang zu halten und möglichst voranzubringen. Gut, dass ich soviel Geduld mitbringe und täglich Gelegenheit habe, diese Eigenschaft zu verbessern bzw. situativ passende Alternativen auszutesten. Bei so viel sozialer Herausforderung sind mir alle Momente und Phasen wertvoll, die Ausglich und Beruhigung schaffen. Die Arbeit mit der Baumsymbolik, erst Recht die Begegnung und Beobachtung von Bäumen, aber auch die kunsthandwerkliche Arbeit mit deren Holz sind für mich wichtige Ansatzpunkte, dieses Gleichgewicht immer wieder herstellen zu können, ohne die technologischen und sozial-kommunikativen Aufgaben aus dem Blick zu verlieren.

Herbststimmung leitet zur Adventstimmung über

Wohl auch wegen der zunehmend kühlen Luft und dem Mangel an Sonnenlicht, das auch heute wieder dominant wirkte, denken wir jetzt schon viel an die Weihnachtszeit. Stimmungsmäßig, aber auch in der Wohnungsdekoration gehts schon deutlich in Richtung von Kerzen und punktuellen warmen Lichtquellen. Von da bis zur Weihnachtsbeleuchtung ist es nicht mehr weit. Und tatsächlich ist der Beginn der Adventszeit gerade mal 6 Wochen entfernt. Heute habe ich mir deshalb gleich noch eine weitere LED-Lichterkette bestellt, die in dem kürzlich erworbenen metallisch-rostigen großen Windlicht mit Häusersilhouettenhülle leuchten und so die Häuserfassade von innen beleuchten soll. Das ist dann schon richtig adventlich. Vorher steht noch die Vorbereitung des Gartens für den Winter bevor. Wir werden das wohl am Wochenende erledigen, auch wenn die Gartenarbeitssaison damit noch nicht abgeschlossen ist. Schließlich wartet der Großteil meiner Chilipflanzen noch darauf abgeerntet zu werden. Ich befürchte, dass viele Blüten erst nicht mehr dazu kommen werden, überhaupt sich in Schoten zu verwandeln. Und dass viele gerade wachsenden Chilischotten kaum noch übers Grün hinauskommen werden. Denn wenn die meisten Bäume ihr Herbstlaub abgeworfen haben werden, wirds auch für die Chilipflanzen wegen der sehr kühlen Nächte schwierig, noch weiterzuwachsen. Dann werde ich die schon ausgewachsenen Schoten z. T. frühzeitig ernten und auf der Fensterbank nachreifen lassen müssen. Schade, aber so ist das in den meisten Jahren, selbst in denen mit sehr heißen Sommermonaten und viel Licht gewesen. Um frühzeitiger zu vollreifen Chilis zu kommen, müsste ich sie in einem Gewächshaus großziehen. Und das steht mir leider nicht zur Verfügung.

Stunden möglicher Gelassenheit

Es ist schön, dass die Sonne wenigstens in kurzen Phasen herauskommt und dann gleich gleißend strahlt. Das vermittelt kurze Anmutungen von goldenem Oktober und hebt die Stimmung. Das Themenfeld Spätsommer, Herbst und Erntezeit, v. a. die Obsternte und all die häuslichen Aktivitäten drumherum, das Marmeladekochen, Kuchenbacken, Obst einmachen, Wein und Viez herstellen, war auch heute im Gespräch mit Bekannten wieder präsent und hat breiten Raum eingenommen. Etwas, was für viele in unserer Region identitätsstiftend wirkt und mit dem viele einfach etwas zu tun haben, was sie beschäftigt und auch erfreut. Es ist gut und schön, das solche Gespräche noch möglich sind. Sie vermitteln das beruhigende Gefühl von Normalität Stunden möglicher Gelassenheit, wo sonst nur Anspannung und Krisendenken dominieren.

Punktuell aufbauende Oktoberreize

Eine geschäftliche Fahrt nach S. hat den heutigen Tag fast vollständig dominiert. Immerhin, das mit Parken unter sehr schönen Bäumen inmitten der Großstadt hatte an diesem tendenziell goldenen Oktober ebenso wie die Heimfahrt bei tief stehender Herbstsonne etwas sehr Reizvolles. Ansonsten war der Ablauf der Gespräche eher durchwachsen, konnte das Projekt nur bedingt voranbringen. Aber in diesen Tag, wie so oft schon in diesem Jahr, kommt vieles zusammen, das gleichzeitig ver- und bearbeitet werden soll. So üben wir uns im weiteren Ausbau der ohnehin schon sehr ausgeprägten Geduld.

Auch die Schlehen sind dieses Jahr reich an Früchten

Wie ich beim Spaziergang auf meinem Lieblingsweg am späten Nachmittag feststellen konnte, hängen die Schlehenfrüchte nach wie vor in ziemlicher Zahl an den Zweigen. Teilweise sind sie prall, teilweise schon rosinenartig eingetrocknet. Ich denke aber, dass sich das Pflücken dieses Jahr lohnen könnte. Ich habe das schon seit mehreren Jahren nicht mehr gemacht, auch weil die sonstigen Baumobsternten so viel Zeit in Anspruch genommen haben. Das Problem stellt sich zwar in dieser Saison auch, aber reizen würde es mich schon. Der Zwecke des Sammelns dieser Früchte ist, daraus einen sehr wildfruchtigen Likör anzusetzen. Der hat schon etwas sehr Spezielles, eine Rarität, die man kaum noch antrifft, zumal die meisten den Aufwand des Pflückens an den stacheligen Sträuchern scheuen. Mal sehen, vielleicht kann ich einen langen, möglichst sonnigen Nachmittag in den kommenden Wochen dafür reservieren.

Das vermeintliche Verschwinden der Jahreszeiten

Der erste Tag seit Langem, der tatsächlich wie goldener Oktober wirkte. Wenn es doch wenigstens eine Woche anhalten würde, damit wir wirklich den schon ausgefallenen Altweibersommer kompensieren können. Klar, dass genau diese Witterung den Herbst beflügelt, denn bei kalten Nächten und sonnendominierten Tagen mit Licht sehen sich die Bäume besonders motiviert, ihre grünen Blattbestandteile abzuziehen, sich quasi aus der aktiven Wachstumsphase zurückzuziehen. Für uns ist dann ein jahreszeitliches Faszinosum, das nie seine Wirkung verlieren wird. Dass sich die Jahreszeiten, und so auch der Herbst in den Farben und der Konsistenz der Baumblätter spiegeln, das gehört einfach zur DNA aller Bewohner der mittleren Breiten. Und das prägt unser Symbolverständnis und unsere Kultur. Eben deshalb thematisiere ich hier so häufig das vermeintliche Verschwinden der Jahreszeiten, das an Tagen wie diesem wie eine unzutreffende Diagnose erscheinen mag.

Ungewohnt ausgeprägte Schwerpunkte in diesem Jahr

Nachdem V. in einer Fernsehsendung das Rezept eines leckeren Apfel-Schmand-Kuchens gesehen hat, soll es am Wochenende wohl ein weiteres Kuchenbacken geben. Natürlich sollen M. und ich das realisieren, nur dass wir von Apfelkuchen nicht ganz so begeistert sind. Ich habe jedenfalls einige interessant klingende Rezepte herausgesucht, von denen wir wohl eines versuchen werden. Noch eine Premiere: Noch nie zuvor hatten wir derart viel mit der Baumobsternte zu tun gehabt. Und jetzt kommt auch noch ein ungewohnter Eifer beim Kuchenbacken hinzu. Ich denke, wir müssen diese Tätigkeiten langsam reduzieren, weil es doch zu viel wird und all das andere Wichtige eben auch seine Zeit und seinen Raum beansprucht.

Baumthema und Grundlagenorientierung

Anspannung im Verlauf der Problemlösungssuche und Auflösung, kreative Drangphasen und kontemplative Rückschau, konzentrierte Analyse und gestalterischer Anspruch. Diese Einstellungen und Arbeitsphasen wechseln sich bei mir ziemlich häufig ab, durchdringen sich, gehen ineinander über. Im Bezug auf einen angenommenen Lebensplan betrachtet ist das der Idealfall, etwas durchaus Erstrebenswertes, wenn es gelingt, eine Balance immer wieder herzustellen. Diese Balance ist dabei vielleicht das Schwierigste. Bei den kontemplativen und kreativen Anteilen spielt meine Grundlagenorientierung, v. a. die Beschäftigung mit und die Erkenntnisse aus der Arbeit rund um die Baumsymbolik und -ästhetik eine große Rolle. Vielleicht ist das mein eigentlicher Antrieb hinter der täglich vielfältig ausgefüllten Baumthematik. Bleibt zu hoffen, dass es mir noch lange vergönnt ist, das Thema weiterzuentwickeln.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.