Erholsame Auszeit unter sommerlichen Linden

Den Traditionsmarkt, neben der schon früher terminierten Gartenausstellung der erste eigentliche Antikmarkt des Jahres, konnte ich heute mit M. besuchen. Und A. ist wie in den Vorjahren auch noch dazugekommen. Ich bin sehr froh, dass wir das heute realisieren konnten, nachdem Ausflüge der Art zuletzt nicht mehr selbstverständlich waren und wir solche Vorhaben ohnehin nur noch kurzfristig beschließen können. Aber das war eben heute möglich, bei schönem, nicht zu knallig heißem Sommerwetter. Und auf diesem quadratisch mit Linden bewachsenen Marktplatz in W. ist das immer ein eindrucksvoller und auch stimmungsreicher Auftakt der Marktsaison. Eine Gelegenheit, Leute zu treffen, die ebenfalls regelmäßig und schon lange den Markt besuchen, aber auch Bekannte von früher, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben. Ich finde solche Ereignisse sehr erholsam, weil sie im Freien bei schönem Wetter stattfinden, weil sich dort wirklich Interessierte zusammenfinden und weil es einfach eine Abwechslung vom Alltag darstellt, bei der man einmal nichts Zweckmäßiges in Erwägung ziehen und effektiv verfolgen muss. Ganz ohne solche Auszeiten ist es wohl schwierig.

Auf der Suche nach dem Erfolgsrezept der schwarzen Maulbeere

Eigentlich wollte ich heute wieder nach den Maulbeeren sehen, weil ich davon ausgegangen war, dass sie zwei Wochen nach der ersten Sichtung halbreifer Beeren jetzt doch endlich einmal eine erste Ernte möglich machen sollten. Aber V. hat mir gestern schon mitgeteilt, dass sich tatsächlich nichts mehr getan hat. Die Reifung der Maulbeeren steht tatsächlich seit über zwei Wochen still und es sind auch keine neuen hinzugekommen, das vollständige Ausblieben in einer Hälfte der Krone inklusive. Das entspricht genau meiner eigenen Beobachtung. Das ist irritierend und unverständlich und natürlich sehr enttäuschend. Ich dachte eigentlich, das richtige Maß und den passenden Zeitpunkt für den Rückschnitt weit vor Beginn des Knospens ausfindig gemacht zu haben. Auch bin ich dabei wieder sehr sorgfältig und behutsam vorgegangen. Aber das allein scheint es nicht zu sein. Es muss noch weitere Einflussfaktoren geben, die den Fruchterfolg des Maulbeerbaums beeinflussen. Ein komplizierte und für mich noch nicht durchschaubare botanische Besonderheit. Vielleicht gelingt es mir zu Lebzeiten ja noch, das Geheimnis des Maulbeerbaums und das Erfolgsrezept der schwarzen Maulbeeren zu lüften.

Auf ein gesundes Gleichgewicht im Garten hinarbeiten

Beim abendlichen Rundgang durch den Garten und ums Haus wirken gerade die Gartenbäume in dieser Zeit des Jahres sehr dominant auf mich. So präsent und majestätisch wie in diesem Sommer erschienen mir insbesondere die hoch hinaus gewachsenen Bäume, der Walnussbaum, der Ginkgo und die ältere der beiden Gleditschien noch nie. Alle drei haben gewaltig an Höhe und Ausdehnung der Krone zugenommen. Wenn ich den Ginkgo heute mit dem von vor 10 Jahren vergleiche, als ich ihn noch mit einer parallel zum Stamm eingeschlagenen flexiblen Eisenstange stützen musste, so ist er kaum mehr wiederzuerkennen. So hochgewachsen, so zahlreich verzweigt, vor allem mit so starkem Stamm präsentiert er sich jetzt. Noch mehr zugelegt, innerhalb weniger Jahre, hat die Gleditschie, die mir bis vor einigen Jahren noch wie eine zarte Baum-Elfe erschienen war, die aber auf einmal einen enorm starken Stamm und unbändig in alle Richtungen wachsenden Seitenäste bekommen hat. Dabei habe ich ihn jedes Jahr aufs Neue kräftig zurückgeschnitten, insbesondere die tief liegenden Seitenäste herausgenommen. Aber jetzt ist der nächste notwendige Rückschnitt im Frühjahr nächsten Jahres schon erkennbar. Ich achte darauf besonders, da diese Bäume, bei aller Majestät sonst zu viel Schatten werfen und alle lichthungrigen Pflanzen unter ihnen verdrängen. So ist es schwierig geworden, im Kronenschatten der Bäume noch Kräuter oder Sommerblumen zu pflanzen, die kaum noch eine Chance zu gedeihen haben. Wir arbeiten noch daran, einen gesundes Gleichwicht in der Bepflanzung und Verteilung der Pflanzen im Garten langfristig hinzubekommen.

Zu heißer Sommer schränkt die fotografische Aktivität ein

Ein Nachteil eines so hitzigen Sommers ist, dass ich kaum dazu komme, die sommerliche Entwicklung der Bäume fotografisch festzuhalten. Es ist nicht nur der Mangel an Zeit und Muße, letztlich ist es um die Mittagszeit einfach zu ungesund, sich länger bei praller Sonneneinstrahlung durch die Landschaft zu bewegen. Und länger muss es zum ergebnisreichen Fotografieren schon sein. Da muss ich mir schon Zeit lassen, um mit großer Aufmerksamkeit die Besonderheiten der jeweiligen Zeit und des jeweiligen Vegetationsstatus im Detail festzuhalten, die richtigen Einstellungen und Perspektiven zu finden, das passende Licht abzupassen. Ich hoffe, mit etwas moderaterer Wärme wird das demnächst doch noch möglich sein. Ich fürchte, sonst geht mir gerade diese sommerliche Hochzeit in Punkto Baumfotografie-Portfolio durch die Lappen. Ich hätte für diese Jahreszeit noch einiges dem Portfolio hinzuzufügen, das im sommerlichen Motivbereich noch an Umfang zulegen muss.

Vom Hegen und Pflegen des Maulbeerbaums

Der Sommer könnte jetzt doch noch in eine angenehme Phase übergehen. Maximal 30 Grad bei ziemlich durchgehendem Sonnenschein und etwas Wind sind schon sehr gute Voraussetzungen dafür. Und wesentlich angenehmer als vieles, was wir zuletzt erlebt haben. Das moderat warme und helle Hochsommerwetter sollte nun auch dem Maulbeerbaum guttun. Und die Maulbeeren hoffentlich zur Reife bringen. Ich werde das am Samstag noch einmal in Augenschein nehmen und dann vielleicht den ersten kleine Eimer der Früchte abpflücken. Einige abgestorbene Äste, ausgerechnet einige der tiefliegenden und weit herunterreichenden, werde ich außerdem absägen müssen. Das Pflücken wird auch deshalb wohl mühsamer werden als im Vorjahr. Und auch nicht so ergiebig. Aber eine zumindest kleinere Menge neuer Marmeladengläser würde ich mir nach dem Hegen und Pflegen des Maulbeerbaums doch auch in diesem Jahr wünschen.

Widerstandskraft angesichts der großen Hitze

Wahnsinn, der Sommer ist in seiner Frühphase, die wie ein vorgezogener Hochsommer wirkt, sehr hartnäckig. Aber immerhin sind die Temperaturen mit rund 30 Grad vergleichsweise moderat geworden und lassen nur phasenweise den Schweiß treiben, was in den Vortagen ja Dauerzustand war. Die Sommerblumen leiden unter solch intensiver und langanhaltender Sonneneinstrahlung natürlich massiv. Manche der gerade erst erschienenen Blüten, etwa bei unserer blauen Fächerhortensie, sind innerhalb weniger unbeobachteter Hitzetage verdorrt und auch bei den täglich unter Beobachtung stehenden müssen wir sehr achtsam sein, um ein Vergehen zu vermeiden. Auch an den Bäumen wird diese Rekord-Hitze-Periode nicht spurlos vorüber gehen. Ich hoffe aber sehr, dass insbesondere die Gartenbäume nicht dauerhaft unter Stress stehen werden und über den Sommer eher an Stärke und Widerstandskraft gewinnen.

Rückschritte aufholen in einem globalen Klima der Depression

Wie sich die kunsthandwerkliche Arbeit mit den Holzarten des Baumkreises und verschiedenen Wunschbaum-Arten während des Sommers entwickelt, bleibt spannend. Derzeit sind die meisten mit der ungewöhnlichen Hitze beschäftigt. Wenn die gegangen ist, bleibt die ausgeprägte Krisenstimmung, die allein Grund für Unentschlossenheit und Aufschieben ist. Überhaupt nimmt die Desorientierung und Interesselosigkeit an fast allem zu. Ich hätte nicht gedacht, dass selbst das eigentlich zeitlose Baum-Thema einmal davon betroffen sein könnte. Zurzeit allerdings und auch in den letzten Jahren phasenweise scheint und schien es aber so. Natürlich kann man gegen solche übergreifenden, tief verankerten und sich über einen längeren Zeitraum langsam entwickelten Depressionen und Demotivationen nicht direkt und gezielt etwas tun. Selbst Gegensteuern ist schwierig. Aber wir sind gerade jetzt aufgerufen, neue Wege zu finden und möglichst zu vermitteln und zu teilen, die uns wieder zurück auf einen aufbauenden, fortschrittlichen Weg der Zukunftsgestaltung bringen. Da haben wir sehr viel aufzuholen, was vor längerer Zeit schon einmal entwickelt war, durch unvorstellbare hartnäckige und immer wiederkehrende Turbulenzen aber verschwunden zu sein scheint.

Günstige Bedingungen für gute Maulbeerenernte sind ein Rätsel

Gestern war es mir einfach noch zu heiß, aber heute Vormittag habe ich es dann doch gewagt, nach einer Woche dem Bienenhaus und meinen Maulbeerbaum einen Besuch abzustatten. Eigentlich mit dem Vorhaben, endlich das erste Eimerchen Maulbeeren abzupflücken. Dafür hatte ich extra noch eine Stehleiter von zuhause mitgenommen, die fürs erste geeigneter ist als die lange Ausziehleiter. Zu meiner großen Überraschung hat sich bei den Maulbeeren seit der vorangehenden Woche überhaupt nichts verändert. Immer noch sind die vorhandenen Früchte grün, weiß oder vereinzelt schon hellrot ausgefärbt. Aber reife, d. h. bei dieser Sorte schwarze waren überhaupt nicht dabei. Es scheint, dass das Hitzeklima dem Baum wider Erwarten keinen Anschub gegeben hat. Ganz anders, als ich erwartet hatte. Bei so viel Sonne, sollte die Zuckerproduktion doch auf Hochtouren laufen und die Früchte schneller reif werden. Aber es hat sich gar nichts verändert. Leider auch an der Zahl der Früchte nicht. Teile der Krone scheinen auf den ersten Blick fast frei von Früchten, und bei anderen sind sie zwar von Nahem betrachtet gewachsen, aber eben ziemlich spärlich verteilt und noch nicht ausgereift. Im Vorjahr konnte ich fast täglich neue Beeren pflücken, wobei die ganze Ernte schon im Juni abgeschlossen werden konnte. Und jetzt sind die Maulbeeren Ende Juni noch gar nicht erntereif. Das soll jemand verstehen. Ich hoffe, irgendwann hinter das Geheimnis dieser Baumart zu kommen und zu verstehen, welche Bedingungen für eine reiche Ernte förderlich sind.

Saarländischer Hitzerekord schon wieder passé

Der deutsche Hitzerekord, der gestern noch dem heimatlichen Saarbrücken verortet wurde, ist heute schon durch eine Stadt in Sachsen-Anhalt abgelöst worden. Aber belastend und ungewöhnlich dürfte diese langanhaltende Hitzephase wohl für alle europaweit und besonders innerhalb Deutschlands sein. Gut ist, dass das Ganze wohl vorläufig seinen Höhepunkt überschritten hat und bald durch heftige Gewitter abgelöst wird, die dann Abkühlung und Normalisierung bringen sollen. Danach kann es sommerlich entspannter weitergehen. Ich hoffe, die Hitze draußen wird gewisse hitzige Dysbalancen und interne Konflikte nicht auch noch weiter aufheizen. Und ich hoffe, dass die Pflanzen, eigentlich Profiteure von viel Sonnenlicht, durch das Zuviel an aggressiver Sonneneinstrahlung keine Schäden davontragen werden. Ganz besonders hoffe ich das für die Bäume, bei denen sich solche Hitzefolgeschäden oft erst im Folgejahr zeigen.

Baum-Symbol in Form eines Edelstahl-Pins

Der kleine Pin aus goldfarbenem Edelstahl, den ich M. geschenkt habe, ist heute angekommen. Ich fand ihn ganz niedlich, weil er eine stark stilisierte Libanon-Zeder als silhouettierte und ausgeschnittene Form zeigt. Ziemlich klein und auch nicht besonders perfekt in der Hochglanzpolitur, aber es stellt doch etwas Zeitloses und auf einem Blick Erkennbares dar. M. hat den Pin bisher noch nicht getragen. Ich bin aber gespannt, wie er sich zur Alltagskleidung kombinieren lässt. Bei so etwas, was ich sonst vielleicht nicht beachten würde, kommt eben doch meine Leidenschaft für die Bäume und ihre formalen Aspekte und symbolischen Darstellungen durch. Und diesmal handelt es sich ausnahmsweise einmal nicht um einen Weihnachtsbaum-Pin, von denen M. auch so einige während der Weihnachtszeit zur Verfügung hat und ansteckt.

Sommerliche Ausdehnung in kosmische Weiten

Wie erwartet noch ein weiterer Hitzetag, an dem man sich fast schon an den Zustand gewöhnt hat. Auf den Straßen sind die Menschen schon vollständig auf Hochsommer eingestellt und entsprechend locker leicht gekleidet. Könnte sein, dass sich das nach einigen Tagen zu einem angenehmen Sondererlebnis entwickeln wird. Und doch sind im familiären Umfeld die Wogen hochgeschlagen und ebben zwischendurch ebenso unwahrscheinlich wieder ab, so ein Hin und Herr, ein Auf und Ab des Unerwarteten und Unerwartbaren, für das jeder eine neue, weil noch nie dagewesene Auflösung suchen muss. Nur die Bäume und anderen Grünpflanzen ist das einerlei. Die tanken in diesen Tagen einfach nur viel Sonne, treiben ihre Photosynthese auf einen Höhepunkt hin und greifen so immer weiter in Richtung der kosmischen Weiten, bevor sie sich irgendwann im Laufe des Herbstes wieder in Richtung der Erde und irgendwann dann auch bis unter ihre Oberfläche zurückziehen.

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Der vollen Sonnenwirkung ausgesetzt

Noch vor zwei Wochen hätten wir wohl nicht voraussehen können, dass wir eine sommerliche Phase mit solcher Hitze erleben würden. Das sind jetzt die wohl heißesten Tage des Jahres, und es sind einige Tage hintereinander mit nahezu gleichmäßiger Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen, die vielleicht an der 40 Grad Marke kratzen werden, was für unsere Bereiten durchaus Rekordwerte bedeutet. Ich hoffe, unsere Sommerblumen werden überleben. Einige Arten, die ich abends besonders intensiv wässern muss, scheinen damit Schwierigkeiten zu haben und wirken gegen Abend wie verdorrt. Bisher konnten sie sich bis zum nächsten Morgen immer noch erholen. Hoffen wir, dass es so bleibt und auch die Gartenbäume den Punkt nicht erreichen, ab dem sie unter der Trockenheit und heftigen Sonneneinstrahlung leiden. Denn den Schatten werfen sie überwiegend auf die anderen Pflanzen, während sie selbst von himmelwärts der vollen Sonnenwirkung ausgesetzt sind.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.