Konzentrierte Projekte in hochsommerlicher Auszeit

Atmosphärisch und auch klimatisch ist das gerade jetzt der absolute Höhepunkt des Hochsommers. Nicht nur, dass fast alle Privatleute und auch Betriebe gerade ihre Sommerferien eingeplant haben und ohnehin nicht erreichbar sind. Es macht sich auch außerhalb beruflicher und geschäftlicher Umgebungen gerade ein Sommer-Feeling breit, dem sich kaum jemand entziehen kann. Ich genieße die Ruhe, die das nebenbei mit sich bringt beim abendlichen Blumengießen und einem Rundgang durch den Garten, mit Blick auf das viele Grün der Blumen, Stauden und Bäume. Aber ich nutze solche Hochsommer-Auszeit-Phasen auch gerne, um konzentriert aktuelle Projekte weiterzuverfolgen. Nie bin ich so wenig davon abgelenkt und kann mich mit wenig Unterbrechungen so lange an zusammenhängenden Arbeitsschritten aufhalten. Das ist im Ergebnis enorm effizient und schafft künftige Freiräume für kreativere Vorhaben, die meist auch mehr Zeit und Muße erfordern. Ich hoffe, bei der von außen begünstigten Geschäftigkeit werde ich dennoch ein wenig Zeit zwischendurch erübrigen können, um die Baumfotografie des Sommers aufzugreifen und zu vertiefen oder meine Material- und Baumerkundungen im kunsthandwerklichen Arbeiten voranzutreiben.

Literarische Weihnachtsmodellierung im Hochsommer

Was ich gerade im Hochsommer ganz gerne einstreue, nämlich weihnachtliche Gedanken und Inhalte vorwegzunehmen und in einer Kulisse zu reflektieren, die gegensätzlicher nicht sein könnte, das habe ich am Nachmittag mit der letzte Woche schon begonnenen Lektüre eines Sammelbands mit weihnachtlichen Geschichten aus aller Welt wieder aufgegriffen. Darunter sind sehr unterschiedliche Geschichten von berühmten und weniger bekannten Autor/innen und auch in ihrer Thematisierung des Weihnachtsgedankens sehr verschiedenartige. Aber anrührend und spannend sind sie eigentlich alle. Wenig überraschend ist, dass gerade die, bei denen der Weihnachtsbaum eine Hauptrolle spielt, zu den eindrucksvollsten zählen. Da sind mir tatsächlich einige Male die Tränen gekommen, so rührend wurde jeweils im symbolischen Spiegel der Weihnachtsbaumwahrnehmung wesentliches Gedankengut rund um Weihnachten literarisch vermittelt. Sehr kreativ und oft überraschend, wie ich fand, und so, dass ich als Fachmann für den Weihnachtsbaum als Symbolbaum tatsächlich noch einige neue inhaltliche Motive erkunden und in sprachliche Formen gegossen vorfinden konnte. Das Thema ist eben zeitlos und wie es scheint unendlich, nie abgeschlossen und jederzeit weiterentwickelbar. Auf die restlichen, noch nicht gelesenen Geschichten freue ich mich sehr.

Meine Entdeckung des Paulownia-Holzes fürs Kunsthandwerk

Den Versuch mit dem Holz des Blauglockenbaums (Paulownia) habe ich heute gleich umgesetzt und bis zum Nachmittag die Perlen für ein komplettes Wunschbaum-Armband fertiggestellt. Die waren sogar schon im Ölbad und liegen jetzt für einige Tage zum Trocknen aus. Danach kann ich sie einfädeln und das neue Armband im Bild festhalten. Ich werde es dann auch hier zeigen. Das Ölen ist generell der letzte Behandlungsschritt bei allen Perlen aus der Wunschbaum-Manufaktur, aber beim Paulownia-Holz ist entspricht das sogar der Empfehlung, die ich in Artikeln des holzverarbeitenden Handwerks nachträglich gelesen habe. Dort wird nämlich empfohlen, die Oberfläche mit Öl, Wachs oder Lasur zu veredeln, weil die Holzart extrem weich ist. Das kann ich nur bestätigen. Die sehr geringe Dichte und Weichheit waren schon beim Drechseln der Kantel offensichtlich und ausgeprägter, als ich das jemals bei einer Holzart mit geringem Gewicht beobachtet habe. Selbst Pappel, Linde oder Fichte setzen dem Drehstahl mehr Widerstand entgegen. Und beim Abtragen mit Schleifpapier muss man ebenso extrem vorsichtig vorgehen, um die Zieldicke nicht zu unterschreiten, was schneller als bei anderen Holzarten passiert ist. Eine Herausforderung war die Bearbeitung also schon, auch beim letzten Arbeitsschritt, dem manuellen Abrunden der Perlenkanten. Dabei musste ich lernen, viel weniger Druck und weniger Wiederholungen als sonst anzuwenden, weil ansonsten die Kanten zu stark abgerundet worden wären. An diese Eigenschaften muss man sich erst langsam herantasten und dann das richtige Maß für den Krafteinsatz herausfinden. Das Ölen hat neben der imprägnierenden und die Oberfläche stabilisierenden Funktion bei dieser Holzart zudem den positiven Effekt, dass es seine Zeichnung viel markanter hervortreten lässt. Dadurch erhält es auch bei den kleinen Perlen eine durchaus ansehnliche Zeichnung, die das Armband später attraktiver erscheinen lassen wird, als es der Fall ohne das Ölbad gewesen wäre. Ich bin gespannt, ob M. das Armband gerne tragen wird.

Der Blauglockenbaum ist einen Versuch wert

Nachdem ich eine Reihe von Kanteln aus dem Holz des Blauglockenbaums zum Testen erhalten habe, will ich ein Wunschbaum-Armband zu diesem Baum anlegen. Das wird meine Auswahl erweitern, unter der ja auch noch einige andere exotische, nicht heimische Baumarten vertreten sind. Die werden zwar traditionell nicht allzu viel nachgefragt, aber gelegentlich finden sich doch Interessenten, die auf ganz individuelle Weise mit der exotischen Baumart verbunden sind. Mit dem Blauglockenbaum bin ich selbst kaum verbunden, aber ich kennen ihn vom Stadtpark, der auf seinem Rundweg viele weniger bekannte Baumarten versammelt. Und ich fand die Art gerade wegen ihrer auffallend blauen, glockenartigen Blüten auch immer herausragend und spannend. Insofern ist es schon einen Versuch wert, diese neue Baumart mit der Wunschbaum-Manufaktur zu erkunden. Vielleicht kann ich schon morgen mit der Arbeit an einem Musterarmband aus Blauglockenbaum-Holz beginnen. Von außen, wenn ich von der Anmutung der Kanteln ausgehe und mitberücksichtige, dass die Art gerne als Bastelholz verwendet wird, sollten seine Eigenschaften denen der Pappel, vielleicht auch der Linde ähnlich sein. Das werde ich erst beim Bearbeiten, dem Drechseln, Sägen, Bohren, Schleifen und Polieren, später herausfinden. Da ich aber Erfahrung mit der Bearbeitung aller möglichen Holzarten habe, darunter auch viele, die gewöhnlich gar nicht im Handel auftauchen, bin ich zuversichtlich, auch diese neue Art zu Perlen verarbeiten zu können. Und vielleicht wird das Ergebnis trotz des Leichtgewichts und der wenig markanten Zeichnung des Holzes, am Ende ein eindrucksvolles und besonderes sein. So wie z. B. die Perlen aus Pappelholz einen wunderbar seidigen Oberflächenglanz und eine besonders lichte Ausstrahlung mit sich bringen. Ich bin sehr gespannt und werde hier irgendwann sicher auch das Ergebnis im Bild zeigen.

Dominantes Gartenbaum-Dreieck

Von allen Gartenbäumen, deren Entwicklung ich seit Jahren genauestens beobachte, hat sich die Gleditschie in diesem Sommer am erstaunlichsten weiterentwickelt. Es ist der plötzliche Eindruck, den ich vor 3-4 Jahren vom Ginkgo hatte, dass er nämlich urplötzlich zu einem stattlichen hohen Baum mit starkem Stamm emporgewachsen war, der sich mir jetzt, in diesem Somme, bei der älteren der beiden Gleditschien aufdrängt. Noch im Vorjahr war sie der filigrane, lichte, irgendwie zerbrechlich wirkende Jungbaum. Und heute präsentiert sie sich mit enorm ausgeweiteter Krone, mit enorm in die Breite gewachsenem Stamm und vielen im oberen Teil der Krone sichtbaren Schotenfrüchten, die bisher noch nie so deutlich das sommerliche Bild beeinflussten. Und so licht und filigran wie zuvor erscheint er jetzt auch nicht mehr. Die jetzt dichter mit Blättern bewachsene Krone scheint deutlich erwachsen und lässt der Juniorbaum insgesamt auf einmal erwachsen wirken. Damit sind es erstmals drei dominierende Senioren unter den Gartenbäumen, die ein Dreieck bilden und den größten Teil der Gartenfläche überdachten: Walnussbaum – Ginkgo – Gleditschie. Der Feigenbaum nimmt sich dagegen wie ein Winzling aus, der wegen seiner typischen Wuchsform auch niemals die Höhe und Dominanz der anderen drei erreichen wird.

Parkähnliche Anmutung

Heute kam endlich mal wieder mehr Wind in die Atmosphäre, was die ansonsten noch immer hohen Sommertemperaturen erträglicher gestaltete. Der sehr belastende Eindruck von gestern war damit korrigiert, so dass wir uns auf etwas angenehmere Sommertage freuen können. Trotz der sommerlichen Hitzebelastungen freuen wir uns ungemein am vitalen Erscheinungsbild des Gartens, dem vielen Grün, dem Blühen, dem enormen Zuwachs in Kronenausdehnung und Stammdicke bei unseren älteren Gartenbäumen. Das geht schon fast in Richtung einer parkähnlichen Anmutung. Ich hoffe, wir finden die Muße, das auch durch Aufenthalte draußen genießen zu können.

Hitzefolgeschäden nicht nur für die Bäume

Mit Hitze konnte ich in den letzten Jahren eigentlich deutlich besser umgehen als in früherer Zeit. Tatsächlich war ich zuletzt in Hitzephasen recht kreativ und produktiv. Aber diese wirklich langanhaltende Hitze dieser Wochen macht mir nun doch zu schaffen – wie man hört nicht nur mir, sehr viele Menschen leiden an diese Wetter, das zudem gerade kaum irgendwelche Erleichterung z. B. in Form von Wind oder Regenschauern erfährt. Sehr beanspruchende Zeiten für wetterfühlige oder irgendwie körperlich angeschlagene Menschen. Ich kann nur hoffen, dass sehr bald eine Normalisierung eintritt, dass der Hochsommer ein angenehm warmer werden wird. Diesmal gilt der Wunsch v. a. für uns Menschen, nachdem ich hier im Baumtagebuch schon des Öfteren die Hitzefolgeschäden bei den Bäumen in den Mittelpunkt gestellt hatte. Nein, dann ist mir ein durchwachsener Sommer wie in den beiden vergangenen Jahren fast lieber. Und die Fruchtbäume mögen durchwachsene Sommer offenbar auch mehr, wie wir an dem sagenhaften Baumobstreichtum des Vorjahres gesehen haben. Dagegen dürfte dieses Jahr sehr bescheiden ausfallen, v. a. beim Maulbeerbaum scheint sich in Sachen reifer Früchte gar nichts voran zubewegen. Ich hoffe, irgendwann besser zu verstehen, von welchen Faktoren insgesamt der Baumobstertrag abhängig ist und inwieweit man das beeinflussen kann.

Warten auf den nächsten Regen nach langer Durststrecke

Die Sommerblumen sowieso, aber auch manche Stauden lassen nach der lang anhaltenden Hitzewelle öfter die Köpfe und Blätter hängen. Bei den Blumen kann ich dem durch abendlich großzügiges Gießen mit Regenwasser aus unseren Tanks entgegenwirken, so dass sie bis zum nächsten Abend ganz gut durchhalten. Bei den Stauden muss ich dagegen auf deren Widerstandkraft und Ausdauer hoffen, denn die kann ich täglich nicht auch noch gießen, gehen unsere Vorräte an Regenwasser doch langsam dem Ende entgegen. Natürlich benötigen auch die Bäume des Gartens bald einen Nachschub an Flüssigkeit, den sie in die Wurzeln und den Stamm einlagern können. Noch scheinen ihre Wurzeln tief und weit genug zu reichen, um die Durststrecke zu überbrücken. Aber in den nächsten Tagen sollten endlich wieder Schauern oder ergiebigere Gewitterregen kommen, um die Regenwasserreservoirs aufzufüllen und den Boden zu durchfeuchten, bis das Sommerwetter wieder moderate Züge annehmen wird.

Verschwundene Libanon-Zeder

Mit meinen Rezensionen in ich jetzt weitgehend durch. Nur der kleine Pin in Form einer stilisierten Libanon-Zeder, den ich kürzlich für M. angefordert hatte, ist leider verschwunden. Zumindest vorübergehend, denn dass im Haushalt Dinge verlegt werden und manchmal erst Wochen später wieder auffindbar sind, kommt häufig und immer öfter vor. Ich hoffe, die Libanon-Zeder wird innerhalb der Rezensionsfrist wieder zum Vorschein kommen. Ansonsten muss ich die Beurteilung anhand meiner Erinnerung an das Stück formulieren, das ich ja schon einmal, nach dem Auspacken, in Augenschein genommen hatte. Zumindest was die Symbolik der Baumart und das Baumsymbol an sich angeht, dürfte mir das nicht schwerfallen. Und auch die Verwendbarkeit und die Möglichkeiten, es als Kleidungsaccessoire einzusetzen, kann ich eigentlich ganz gut differenzieren. Allerdings hätte ich gerne auch die Erfahrung mit dem konkreten Tragen mit eingearbeitet. Das muss dann im ungünstigsten Falle ausbleiben.

Unwahrscheinliche Zeiten fördern Kreativität

Und die jüngste Handarbeit, konkret das vierte von vier Armbändern, die ich in den letzten Tagen sukzessive hergestellt hatte, konnte ich heute fertigstellen. Am Abend waren alle vier auch schon aus dem Ölbad geholt und können jetzt erst einmal ein paar Tage trocknen. Dann steht dem Einfädeln nichts mehr im Wege. Natürlich wäre es klasse, wenn ich gerade jetzt, in den hochsommerlichsten aller Tage, neue Projekte dieser Art angehen könnte. Bin mal gespannt, ob sich Interesse regt und die Menschen noch an etwas anderes als Urlaub und Hitzeschutz denken können. Generell mag ich solche Tage, z. B. auf dem Höhepunkt des Hochsommers, in der Fastnachtszeit, in der Weihnachtszeit oder der Zeit zwischen den Jahren. Diese Zeiten sind ganz unterschiedlich, haben aber eine unwahrscheinliche Ausstrahlung als Gemeinsamkeit. In unwahrscheinlicher Umgebung sind oft besondere kreative Leistungen möglich. Vielleicht weil sie vom Alltagsdenken abstrahieren und ganz unbefangene Herangehensweisen und Denkansätze dann möglich sind.

Handarbeit im Umfeld des Gartens

Es ist schon enorm, wie viele Hitzetage in Folge, und das verteilt über jetzt schon mehrere Wochen, wir in diesem Sommer erleben. In der Form, so glaube ich mich zu erinnern, hat es das tatsächlich noch nicht gegeben. Es waren sonst nur kurzfristige Inseln mit wirklich heißen Temperaturen, dann aber immer im Wechsel mit abgekühlten Phasen und Regen. Das hier ist schon ein Hitzesommer, der an das anknüpft, was in Spanien oder Portugal wohl schon vor Jahren Normalität war. Wir müssen uns einfach darauf einstellen, vor allem, weil sich solches wohl immer öfter einstellen wird. Trotz der Hitze genieße ich die Holzarbeit im Freien, die bis zum späten Nachmittag noch ganz angenehm im kühlen Schatten des Hinterhauses möglich ist und erst später dann schweißtreibend wird. Durch die jetzt schon hohen Gartenbäume, die gemessen an der Fläche des Gartens zudem eigentlich zu dicht stehen, haben wir aber gerade im Hochsommer ohnehin ein schattiges Plätzchen, das fast vollständig mit Baumkronen überdacht ist, die sich teils sogar überlagern. Daraus entsteht in sehr angenehmes Mikroklima, das diese Handarbeit im Umfeld des Gartens zu einem Erlebnis werden lässt.

Mehr- und Fleißarbeit in der Wunschbaum-Manufaktur

Den Ersatz für den gestern falsch weiterverarbeiteten Stab aus Kastanienholz habe ich heute gleich hergestellt. Natürlich war das ärgerlich und mit einem unverhältnismäßigen Mehraufwand, dem erneuten Einrichten der Maschine u. s. w. verbunden. Aber es war eben auch unvermeidlich, weil ich mit der Arbeit weitermachen wollte und diese Grundlage eben gefehlt hat. Auch dieser zweite Stab war nicht einfacher herzustellen, wegen der bekannten Besonderheiten des Esskastanienholzes. Aber das Ergebnis war letztlich doch sehr zufriedenstellend, sehr exakt und gleichmäßig gearbeitet, was das Wichtigste für das Herstellen der Perlen ist. Und mit den gleich vier Armbändern, die ich gerade in Arbeit habe, bin ich bis zum Abend auch gut vorangekommen. Es fehlt noch das Glätten der Kanten aller kleinen Perlen. Eine Fließarbeit, deren Abschluss aber jetzt schon ganz gut absehbar ist.

Falsche Perlenlänge nach dummer Verwechslung der Maße

Die Fortsetzung der Holzarbeit am Nachmittag hat Spaß gemacht, bei fast unverändert moderat warmem Sommerwetter – und zum ersten Mal für diese Saison überhaupt an meinem Arbeitstisch hinterm Haus. Leider ist mir beim Sägen des ersten Stabs ein Konzentrationsfehler passiert, den ich erst bemerkt hatte, nachdem ich mit dem zweiten Stab beginnen wollte. Ich hatte die Perlenlänge des zweiten auf den ersten Stab angewandt – mit dem Ergebnis, dass die Perlen für dieses Armband zu kurz sind. Ich werde diese sauber gearbeiteten Perlen zwar irgendwann für ein anderes Projekt verwenden können. Aber den Stab und das Sägen der Perlen muss ich tatsächlich wiederholen. Ziemlich viel Mehraufwand, den ich mir lieber erspart hätte. Aber da muss ich jetzt durch -hoffe nur, dass mir ein so ärgerlicher Fehler nicht noch einmal passiert.

Holzlastige Manufaktur ist eine wahre Freude

Nach einigen Wochen war das wieder ein sehr holzlastiger Tag. Allerdings nehme ich die Wunschbaum-Manufaktur selten als Last wahr, es ist um diese Jahreszeit ein wahre Freude, wenn ich mich auf das Material und seine Eigenarten, seine Energie und Ausstrahlung konzentrieren und intensiv damit arbeiten kann. Vor den insgesamt 5 Stäben habe ich heute auch meine Vorräte an Kanteln aus Holunder aufgefüllt. Dafür muss ich immer die Kreissäge hervorholen, um aus größeren getrockneten Abschnitten die Kanteln mit etwa 22 cm Länge herauszusägen. Ich bereite meist so 8-12 von jeder Holzart, die ausgegangen ist, vor. Das reicht eine Weile, bis irgendwann alle verbraucht sind ich wieder für Nachschub sorge. Bei über 40 Holzarten, die ich in ganz unregelmäßiger Verteilung bearbeite, ist auf dem Gebiet eigentlich immer etwas zu tun. Das Drechseln der Stäbe ist dann natürlich die eigentliche Herausforderung. Die Holunder-Stäbe und auch der aus Linde und Eberesche gingen recht problemlos und ziemlich gleichmäßig, ohne viel Korrekturbedarf, von der Hand. Aber der aus Esskastanienholz war wie eigentlich immer, sehr schwierig herzustellen. Ich habe tatsächlich auch zwei Anläufe benötigt, weil der erste, schon zur Hälfte bearbeitete Stab nicht geeignet war. Der hatte genau in der Mitte eine Art Astloch, das den Stab instabil machte und das zudem zu viel Materialverlust bedeutet hätte. Ich musste deshalb eine andere Kantel als Ersatz hervorholen, die dann ganz gut zu verarbeiten war.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.