Weitere Gartenerträge im Spätsommer

Draußen war es vor allem um die Mittagszeit wirklich krachend hochsommerlich. Solange man sich aber im Haus aufhält, ist die unverhoffte Hitze nicht so dominant wie im richtigen Hochsommer. Insgesamt ist das für uns eine schöne Übergangsjahreszeit, in der wir die Früchte des Gartens nach und nach ernten bzw. schneiden können. So heute mit den Physalis geschehen, die fast alle schon schön rot gefärbt sind und jetzt gut zum Trocknen aufgehängt werden können. Die verbliebenen sind sehr schön, allerdings sind viele schon vor Wochen in der Sonne verbrannt oder waren nicht gleichmäßig ausgereift. Deshalb ist die erhaltene Meine nicht so toll wie in manchem Vorjahr. Als nächste werde ich die Rizinussamen nach und nach einsammeln, immer wenn die Fruchtstände an der Staude bereits eingetrocknet sind, und natürlich meine Chilis, die in diesem Jahr so groß und aber genauso scharf geraten sind. Das wird sich noch sehr lange hinziehen, da jetzt gerade mal die ersten Exemplare reif geworden sind und an den Gewächsen überall noch neue Blüten erscheinen, während die Schoten langsam wachse und meist recht schnell von Grün auf Knallrot wechseln. So wird die Gewinnung des Pulvers noch einige Zeit auf sich warten lassen und bis dahin viel Arbeit machen.

Ein ausgewogener Arbeitstag

Ganz so hochsommerlich fühlen sich diese Tage eigentlich nicht mehr an. Das ist schon spürbarer Herbst, wenn auch bei angenehmen Temperaturen und wohltuendem Licht. So konnte ich immerhin bis kurz vor 20 Uhr noch draußen kunsthandwerklich arbeiten, ohne künstliches Licht bemühen zu müssen. Ein langer Arbeitstag, der aufgrund des tollen Wetters aber nicht nur anstrengend wirkt, an dem es einfach Freude gemacht hat, sich in die verschiedenen Projekte zu vertiefen. Inhaltliche Arbeit, Bildbearbeitung, Holzbearbeitung. Die richtige Mischung zwischen konzeptionellem und kreativem Focus und folglich auch ein ausgewogener Tag ohne viel Einseitigkeit.

Baum-Himmel-Eindrücke

Wetterfühlige haben bei solch hohen Temperaturen, die gar nicht mehr in die Jahreszeit passen, so ihre Probleme. Gerade hatten wir uns auf den Herbst eingestellt und eingestimmt, da es ja auch deutliche Anzeichen dafür gab, schon kehrt der Hochsommer mit Temperaturen zurück, die denen in der hitzigsten Hochsommerphase nicht nachstehen. Eines der vielen Klimawandelphänomene, mit denen wir wohl auch in den kommenden Jahren rechnen und leben müssen. Wenn die Re-Re-Akklimatisierung dann wieder gelungen ist, kann man solche Tage natürlich auch genießen, vor allem am Wochenende oder in freien Zeiten. So war das ein ruhiger Sonntag, an dem für mich eine Begegnung mit der aktuellen Baumlandschaft, gerade bei diesem Licht, nicht vermeidbar schien. Neben den reifen Früchten der Weißdorn- und Schlehdornhecken, die ihre Last kaum tragen können, haben mich heute vor allem die lichtdurchfluteten Kronenstrukturen der alten Eichen und Buchen an meinem Lieblingsweg fasziniert. Das die Blätter durchscheinende Licht steht dabei im Kontrast mit der Stamm- und Aststruktur der hohen alten Bäume. Blicke in die sich zueinander neigenden Kronen bieten zahlreiche immer wieder anders wirkende Baum-Himmel-Eindrücke, die in Gemälde umgesetzt an Dramatik und naturgewaltiger Ausdruckskraft nicht mehr zu überbieten wären.

Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer I
Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer II
Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer III
Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer IV
Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer V
Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer VI
Eichen- und Buchenkronen im Spätsommer VII

Präsente Zwetschgen

Unsere Zwetschgenbäume waren schon seit Jahren nicht mehr so präsent. Vor allem wegen der leckeren Kuchen, die am Ende des Verarbeitungsprozesses stehen. Heute haben wir wieder ein neues Rezept ausprobiert, diesmal mit Rührteig, umgekehrt flachgelegten Zwetschgen und einer Schicht aus Schmand, Eiern und Eierlikör. Eine wirklich gelungene Zusammenstellung, vor allem, wenn man am Schluss noch Schlagsahne drüber gibt. Vielleicht werden wir wieder einen Teil des großen Blechkuchens einfrieren. Vielleicht werden wir das Rezept aber demnächst auch variieren. Die restlichen Pfirsiche von unserem kleinen Bäumchen würden sich dafür auch eignen. Gut denkbar, die Zwetschgen einfach gegen die Pfirsiche auszutauschen und die übrigen Zutaten gleich zu lassen. Ich bin schon sehr gespannt.

Wiedersehen und geteilte Lebenszeit

Wieder einmal ein Arbeitstag mit Außentermin, der eine Art Abwechslung bot und an einen vergleichbaren Einsatz vor etwa einem Jahr anknüpfen konnte. Menschen mit zeitlichem Abstand wiederzusehen, mit denen man zwischenzeitlich auf anderen Wegen Kontakt hatte, ist immer spannend. Man kann dann Bezug nehmen auf eine Gemeinsamkeit, auf ein Teilstück kooperativ verbrachter Lebenszeit. In diesem Fall mit überwiegend positivem Verlauf und so, dass man sich einen Ausbau für die Zukunft vorstellen kann. Passend zum Wochenende bin ich anschließend zu meiner aktuellen kunsthandwerklichen Arbeit übergegangen, allerdings nicht sehr weitgehend, da ein zwischenzeitlicher Besuch mich von der Arbeit abgehalten hat. Immerhin, das Gespräch war ebenso abwechslungsreich und einen Anfang konnte ich zumindest setzen. Jetzt geht’s morgen weiter mit der Arbeit an Hainbuche und Ulme und ihrer zunehmend filigraner werdenden Verarbeitung.

Zeit für Aufmerksamkeit

V. findet in dieser Saison mit dem Baumobst kein Ende mehr. Heute waren die letzten Zwetschgen auf dem Plan, denen später allerdings noch weiteres Obst, v. a. Birnen und Äpfel folgen werden. Allmählich scheint es dann doch einmal genug mit der reichen Obsternte. Auch damit wir die weniger ertragsbezogenen Seiten des Frühherbstes besser aufnehmen und verarbeiten können. Ich finde, durch zu viel Zweckbezogenheit und Zugzwang können die Jahreszeiten auch einen Teil ihrer Reize einbüßen. Und sie bewusst wahrzunehmen braucht auch Zeit für Aufmerksamkeit.

Kreative Woche

Schön, zwischendurch einmal wieder handwerklich arbeiten zu können. Verschiedene Armbänder mit insgesamt drei Holzarten: Pappel, Hainbuche und Ulme. Letztere erfordert immer wieder eine Sonderbehandlung, wegen der besonderen Struktureigenschaften dieser Art, mehr Aufwand als gewöhnlich, aber im Ergebnis sieht es besonders lebendig aus. Das entschädigt für die viele Arbeit. Bei spätsommerlicher Wärme und viel Licht ist das eine schöne Arbeit, die ich gerne in den nächsten Tagen mit der Weiterverarbeitung der Stäbe fortsetze. Sieht so aus, dass das eine recht kreative Woche wird, nach Wochen fast ausschließlich technischer Herausforderungen.

Garten-Baumbegrenzung

Dass der kleine als Spalierobst gedachte Pfirsichbaum sich so gut entwickeln und gleich im zweiten Jahr derart große und saftige Früchte hervorbringen würde, hätte ich nicht gedacht. Da hatte V. einmal eine gute Idee, wenn auch die anderen kleinen Bäumchen, als Ersatz für die frühere Zypressenhecke als Sichtschutz und Begrenzung gedacht, sich als nicht besonders geeignet erwiesen haben. Vor allem der Kirschbaum hat jetzt schon einen fetten Stamm und lässt sich kaum noch in Form bringen. Auch den Pfirsichbaum werden wir stark zurückschneiden müssen, vor allem den Ast, der über den Rasen hinausragt. Da stößt man bei manchen Arten eben an Grenzen, die sich natürlich widerspenstig zeigen. Insgesamt finde ich die neue Lösung mit der Baumbegrenzung des Gartens aber gelungen und auf jeden Fall besser als diese blickdichten Zypressenwände, zumal ich die blaugrüne Art von Zypresse nie leiden konnte.

Prozesse der Baumobsternte

V. ist mit der üppigen Baumobsternte in diesem Jahr wie im Rausch. Dabei sind die Weintrauben am weiter außen gelegenen Standort immer schon weniger süß und dick ausgefallen, so auch in diesem Jahr. Aber sie sind eben vorhanden, und so vergehen wieder Tage, bis alles gelesen, eingemaischt und zu Rotwein vergoren ist, die vielen Arbeiten rund ums Saubermachen von Kelter, Häcksler und Fässern einmal abgesehen. Und mit Blick auf die ebenfalls umfangreichere Apfelernte ist die Saison auch noch nicht abgeschlossen. Ich bin ganz froh, wenn das alles hinter uns liegt und wir die weniger nützlichen, dafür aber umso ästhetisch reizvolleren Seiten des Altweibersommers in uns aufnehmen können. Die Chancen stehen nicht schlecht, sind doch recht angenehme Spätsommertemperaturen vorhergesagt.

Gemacht oder natürlich

Nach der Gartenarbeit gestern sieht aktuell alles wieder so aufgeräumt und sauber aus. Seltsam, wie uns gerade das Schaffen von Übersicht und Ordnung in unserem Umfeld zufrieden stimmt, selbst wenn es um Pflanzen geht. Das scheint beim Garten ähnlich zu sein wie mit unserem Verhältnis zur Waldlandschaft. Je geordneter und bewirtschafteter der Wald ist, desto eher entspricht er unserer Erwartung und wird dann auch erst richtig wahrgenommen. Es ist wohl kein Zufall, dass mir regelmäßig die eindrucksvollsten Fotografien von Baumdetails gerade in Parks gelingen. Je natürlicher die Bäume eingefasst sind, desto schwieriger wird es, sie im Bild greifbar zu machen, sie mit klarer Kontur zu versehen. So ist es tatsächlich inzwischen, dass uns das aufwändig Gemachte, das möglichst vollständig Kontrollierte wie das eigentlich Natürliche erscheint.

Zwetschgenkuchentradition

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Technikwoche mit Gartenwochenende

Die Arbeitswoche endete wieder mit einer technischen Aufgabe, die aber nach wochenlanger Entwicklung des Problems schon routiniert von der Hand ging. Da laufen bestimmte Fäden zusammen, die erhebliche Einarbeitung und Spezialisierung erfordert haben. Gut, damit jetzt noch souveränere Möglichkeiten an der Hand zu haben. Nach so viel Projektarbeit will ich das moderate Spätsommerwetter am Wochenende für etwas Gartenarbeit nutzen. Die Efeuhecke wartet auf einen weiteren Rückschnitt. Die Wurzelstöcke der geschnittenen Sonnenblumen müssen ausgegraben werden. Und bei den Gleditschien muss ich mal überprüfen, ob die Anbindungen, die sie in eine geradere Wuchsform bringen sollen, nicht doch an verschiedenen Punkten einschneiden. Das kann die Nährstoffversorgung beeinträchtigen und dem Baum Stress verursachen. Zeit also, auch die jüngeren Bäume im Garten wieder genauer in Augenschein zu nehmen.

Sommerabschied auf Raten

So ungemütlich, dass ich zum ersten Mal in dieser Sommersaison einen Pulli überziehen musste. Dabei soll morgen zumindest für einen Tag der Hochsommer in unserer Region zurückkehren. Für unsere Pflanzen wäre jetzt mehr Wärme schon wichtig. Auch für das Gemüt, das aus anderen Richtungen ohnehin flächendeckend stark belastet ist. Bei moderater Wärme hoffe ich, am Wochenende restliche Gartenarbeit erledigen zu können. Unter anderem benötigen die Efeuhecken wieder einen Rückschnitt. Aber auch die teils schon eingetrockneten Wurzeln der Sonnenblumen müssen aus der Erde. Das sind dann schon die ersten Arbeiten, mit denen der Garten auf die nächste Saison vorbereitet wird. Irgendwie traurig, wenn man sich so auf einmal des Sommerendes bewusst wird.

Eine angenehme Gartenzeit

Der Hochsommer soll gegen Wochenende doch wieder zurückkommen. Vielleicht nur kurzzeitig, aber es wäre auch schade, wenn er so abrupt mit Dauerregen und Temperatursturz geendet hätte. Ich freue mich besonders, wenn wir einen lang ausgedehnten Altweibersommer erleben dürften. Das vereint die Vorzüge des Sommers, nur moderater und die ästhetischen Reize des Herbstes. Eine für mich reizvolle Zeit, die ich gerne auch bei handwerklicher Arbeit im Freien verbringe. Das sind die letzten Möglichkeiten, den Garten und seine Eindrücke bei angenehmer Witterung zu genießen. Und da gibt’s schon noch einiges zu beobachten und zu tun: Die Walnüsse, die noch nicht erntereif sind, die Chilischoten, die demnächst gelbe oder vielleicht auch wieder rote Färbung annehmen werden, die Samenkerne des Rizinus, die hoffentlich noch an der Staude trocknen. Das ist Voraussetzung dafür, sie im Folgejahr nutzen zu können. Wenn die Fruchtstände nicht schon an der Pflanze trocknen, sind die Kerne in der Regel nicht zu gebrauchen. Und ich würde sehr gerne auch im nächsten Jahr wieder Nachfolger züchten, weil die Pflanze einfach ein Hingucker im Garten ist.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.