Ginkgo ?biloba?

Efeu-Fraktal

Der Ginkgo ist schon ein merkwürdiger Baum. Ich weiß nicht, ob er mich ohne das Hintergrundwissen um seinen botanischen und symbolischen Sonderstatus auf Grund seiner Erscheinung allein beeindrucken würde. Er tritt in verschiedenen Gestalten auf, häufig bohnenstangenartig mit kurzen seitlich abstehenden oder verdrehten Seitenästen, gelegentlich aber auch breitkronig und ausladender. Auffällig immer seine gefurchte markante Rinde – und natürlich die Blätter mit der faszinierenden Parallel-Nerven-Struktur. Weibliche Bäume mit den mirabellenartigen Früchten scheint es hierzulande gar nicht zu geben. Jedenfalls ist mir noch keiner unter die Augen gekommen. Der hohe, aber schmale Ginkgo am alten Schwimmbad scheint schon ein gewisses Alter zu haben. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Blattform in Abhängigkeit vom Alter varriiert. Dieser Baum nämlich trägt die bekannten zweilappigen Blätter (,,biloba“), auf die sein botanischer Name zurückgeht, und gleichzeitig solche, die fächer- oder spachtelartig geformt sind, bei denen also die trennende Einkerbung fehlt. Die Fotos zeigen die beiden Versionen.

Efeu-Geheimnisse

Ich hatte es vor einigen Tagen schon festgestellt: Der Efeu trägt zwei Arten von Blättern. Die normalen fünflappigen und die herzförmigen, die an den Blütentrieben erscheinen. Heute aber ist mir erst klar geworden, warum mir das nie aufgefallen war. Es hat mit dem Alter des Efeu zu tun. Obwohl der Bewuchs an der Grotte hinter dem Haus schon über 45 Jahre alt ist, haben wir im letzten Jahr erstmals Blüten und Früchte festgestellt. Letztere lassen sich übrigens wunderbar in Adventskränze einbinden. Erst wenn sie ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben, beginnen die Pflanzen zu blühen und Früchte auszubilden. Das kann allerdings nicht immer 45 Jahre dauern. In D. z. B. sind einige Parklaternen mit Efeu umrankt, der üppig blüht. Und da der Park höchstens 15 Jahre alt ist, muss die Blühbereitschaft noch von anderen Faktoren beeinflusst sein. Vielleicht komme ich noch dahinter.

August-Wachstum

In der August-Sonne, wenn sie denn wie in diesen Tagen einmal durchkommt, gedeihen die Blumen ganz wunderbar. Die ausreichende Feuchtigkeit ist in Kombination mit der Temperatur und dem Licht idealer Wachstumsrahmen. Und so entwickeln die über lange Zeit blühenden Arten, wie die Wandelröschen oder die Fuchsien etwa, eine ungeahnte Pracht, die man bei miesem Regenwetter nie erwarten könnte. Und den Bäumen geht es ähnlich. Unser noch junger Feigenbaum läuft jetzt gegen Ende des Sommers erst zur Hochform auf und zeigt von Grün strotzende Blätter und Früchte. Leider ist es wohl nicht warm genug, damit die Früchte reif werden. Aber viel würde nicht mehr fehlen. An anderen Tagen ist wiederum der Herbst deutlich zu spüren. Alle Früchte reifen, und manche Bäume setzen sogar schon die nächstjährigen Blüten an, ich denke da etwa an die Erlen oder die Birken. So als ob sie sagen wollten: Der Sommer ist nun endgültig vorbei und wir denken jetzt schon an das neue Jahr.

Die große Anstaltslinde

Große Linde an den SHG-Kliniken in Merzig

Bei meinem eigenen Aufenthalt in der Klinik vor wenigen Wochen hatte ich mir vorgenommen, später bei Gelegenheit die mächtigen Linden im Hof zu fotografieren. Heute war diese Gelegenheit, denn J. musste wieder zu ihrer Behandlung. Auch in der Abendsonne wirkt der mächtigste dieser Bäume sehr beeindruckend. Das Foto zeigt sehr schön, wie stark die Linde zur atmosphärischen Stimmung in diesem Hof beiträgt, der vor allem von Patienten und ihren Besuchern genutzt wird. Und wie toll er sich in die Architektur des Gebäudekomplexes, dieser gelungenen Mischung aus renovierter alter Bausubstanz (die ehemalige Anstalt) und modernem Neubau einpasst, dass es wie selbstverständlich wirkt. Und wieder wünsche ich mir nichts mehr, als dass alle Naturgeister, die sich mit der Linde vertragen J. morgen helfend und heilend zur Seite stehen. So wie wir alle bei ihr sind.

Lebens-Konstanten

Ein hektischer Tag. Und morgen muss ich auch schon um 5.30 Uhr aus den Federn. Irgendwie komme ich in diesem Sommer nicht zur Ruhe. M. geht es genauso. Sie kann ihren Urlaub gar nicht richtig genießen. Ein Grund ist die mäßige Temperatur. Im Rekordsommer 2003 hatte man kein schlechtes Gewissen beim Nichts-Tun, es war selbstverständlich zu faulenzen, weil die Hitze gar keine Alternative ließ. In diesem Jahr ist alles anders, wie aus den Fugen geraten, ohne jede Kontinuität und Voraussagbarkeit. Als ob das Klima die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse spiegeln wollte. Ich bin froh, dass es für mich immer auch die konstanten Themen gibt, wohlgemerkt Themen, nichts was sich ohne weiteres in die Kommunikation einbauen lässt. Jedenfalls nicht ohne gute Vorbereitung und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Diese Themen, vor allem, aber nicht nur die Baum-Themen, bilden die Konstanten meines Lebens. Ohne das wäre alles viel schwieriger.

Feiertage und Pflanzen

Das ist ein sibirisches Wetter draußen, das mir große Probleme macht. Meine Wetterfühligkeit steigert sich an solchen Tagen ins Unermessliche. Ich hoffe sehr, dass die folgenden Tage endlich Aufschluss geben und vor allem eine Lösung in Sicht kommt. So lange freue ich mich an den Dingen des Alltags und an den Gesprächen im Familienkreis, die sich immer wieder auch um die Bäume drehen. Heute ging es wiederum um die Kräuterweihe anlässlich Mariä Himmelfahrt und die zahlreichen Wiesengräser, Blütenpflanzen und Baum- und Heckenfrüchte, die man zu diesem Zweck verwenden kann. Es ist schön, dass solche Feiertage immer wieder Anstoß geben, den Horizont und die Kenntnisse heimischer Bräuche und Pflanzen zu erweitern. So habe ich erstmals den Zusammenhang zwischen der Himmelfahrt der Gottesmutter und dem Brauch erfahren, an diesem Festtag Kräutersträuße zu weihen. Der Legende nach nämlich sollen die Apostel im Grab Marias nicht den erwarteten Leichnam, sondern Blumen vorgefunden haben.

Schnurbaum-Blüte

Schnurbaum-Blüte

Die Blütenknospen der Schurbäume scheinen Anfang des Jahres doch einen Kälteschick erhalten zu haben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es in diesem Sommer fast keine Blüten zu sehen gibt, während sie sonst die Bäume schon aus der Distanz haben strahlen lassen. Immerhin, einige der überlebenden Blüten hängen ziemlich tief, und so war es mir möglich, doch noch Fotos zu machen. Leider sind viele Knospen dieser opulenten Blütenstände noch nicht geöffnet. Deshalb werde ich einen zweiten Termin anschließen. Aber auch diese Aufnahme zeigt schon die sehr schön geformten Blütenblätter. Man muss eben nur genau hinsehen, dann lassen sich immer wieder neue Entdeckungen machen. Im Detail ist diese Pflanzenwelt voller kleiner Wunder.

Pflanzen-Tag

An Mariä Himmelfahrt gibt es in der Kirche die traditionelle Kräutersegnung. Zu diesem Anlass suchen wir in den Tagen zuvor gerade aktuelle Wiesenpflanzen und Früchte tragende Zweige zusammen und M. bindet daraus verschiedene Sträuße. Heute waren wir damit recht erfolgreich. Nachdem V. und M. bereits am Vormittag unterwegs waren und Heckrosenzweige mit Schlafäpfeln, Zweige mit Früchten des Gemeinen Schneeballs, Abschnitte der bereits Früchte tragenden Gemeinen Waldrebe und verschiedene blühende Gräser mitgebracht hatten, haben M. und ich uns am Abend auch noch an der Saar umgesehen. Dort sind wir auf schon rote Hagebuttenfrüchte gestoßen, auf wenige noch ganz grüne Haselnüsse und auf wunderbare Fruchtstände der Falschen Möhre. Dass es sich dabei um die Fruchtstände handelt, hatte ich bereits vermutet, eine Floristik-Meisterin, die uns begegnete, hat es mir dann auch bestätigt. Kurz und gut, die Sträuße sind gebunden und stehen oder besser hängen für den Segen bereit. Überhaupt war es heute ein Pflanzen und Bäume-Tag. Auf dem Friedhof habe ich am Grab von G. den Buchsbaum wieder in seine angedachte Kurgelform gebracht. Und an der Grotte hinter dem Haus musste der Efeu seinen bestimmt 5. Schnitt für dieses Jahr über sich ergehen lassen. Denn Mariä Himmelfahrt ist auch der Namenstag der Gottesmutter, wie mir M. heute erklärt hat. Aus diesem Grund wollte sie die Grotte schön herrichten. Ach ja, und dann ist da noch das Geschenk für W., das ich heute verpackt habe, und das auch mit Pflanzen und Jahreszeiten zu tun hat. Ich freue mich, dass wir als Familie mit diesem Groß-Thema ,,Pflanzen und Garten“ eine ganz neue, vor Jahren noch nicht ausgeprägte Gemeinsamkeit und einen das ganze Jahr über spannenden Themenrahmen gefunden haben.

Der ewige Baum

Es hätte mich doch sehr gewundert, wenn mir die Bäume an diesem Tag gar nicht begegnet wären. In dem in Südostasien spielenden Film ,,Der Fluch des dunklen Sees“ ist er dann am Abend doch noch aufgetaucht: Der ewige Baum. Ein gewaltig dicker, aber ziemlich dürr wirkender Baum-Riese, der wohl für das ewige Leben stehen sollte. In der Geschichte steht sein Sturz für den Beginn eines politischen Machtwechsels, der durch die Durchdringung der Erde durch ein Kriegerschwert eingeleitet wird. Erst als unbestimmte Zeit später das Schwert zufällig gefunden und wieder aus der Erde gezogen wird, verändert das Schicksal den Lauf der Dinge. Auch hier also wieder: der Baum als Wegweiser und Sinnträger dramatischer Wandlungen.

Der Schnurbaum

Beim Abendspaziergang habe ich doch noch eine Baumblüte entdeckt, die mir in meiner Sammlung fehlt. Der Japanische Schnurbaum blüht sehr spät, das hatte ich in Erinnerung, aber dass sich die opulenten Blüten so spät, Mitte August, erst zeigen war mir neu. Seltsam auch, dass an den drei Bäumen vor dem Bürgerhaus nur vereinzelt die Blütenstände zu sehen sind, ich musste richtig danach suchen. Mal sehen, vielleicht in einer Woche, wenn die weißen Blütenblätter richtig rausgekommen sein werden, versuche ich, sie im Foto festzuhalten. Endlich, denn im letzten Jahr, als sie sehr opulent blühten, hatte ich sie knapp verpasst. Auch die schnurartigen Früchte, von denen der Baum wohl seinen Namen hat, sind sehr interessant. Das Fotojahr ist also noch nicht ganz abgeschlossen.

Holz und Sonne

Die handwerkliche Arbeit mit Holz tut in dieser Jahreszeit sehr gut. Besonders, wenn am späteren Nachmittag die Sonne endlich herauskommt und bereits tief stehend ihr ganz besonders helles Licht abstrahlt. Das ist sehr angenehm. Und das Holz steht wie die Bäume, von denen es kommt, eben in einer besonders engen Beziehung zum Licht. Deshalb geht mir diese Arbeit vor dem Hintergrund der Sonne besonders leicht und mühelos von der Hand. Es fließt dann, könnte man sagen, jedenfalls wenn auch alle anderen Faktoren stimmig sind. Ich versuche, auch in die Armbänder diesen Gedanken und diese Wahrnehmung von Licht und Sonne einfließen zu lassen. Während der Handarbeit an ihnen, aber auch nach Fertigstellen der Perlen im Öl, welches sie durchtränkt, und das ich nur bei Sonnenschein auf der Fensterbank platziere. Die Sonne zieht dann quasi mit dem Öl in die Holzzellen und konserviert sich dort. Ich bin sicher, dass der spätere Träger dies wahrnimmt und das ein wirklich gutes Produkt ein solches ist, was nicht nur handwerklich gut gemacht ist, sondern bei dem die Gedanken während der Arbeit auf das Licht und die Wärme ausgerichtet sind.

Aufbruchstimmung

Heute war ich enorm produktiv. Der freie Nachmittag kam mir dabei allerdings sehr entgegen. Drei lange Stäbe und ein kurzer. Das ist nicht schlecht für ca. 3,5 Stunden. So kann ich mich beruhigt zum Wochenende hin orientieren. Gut auch, dass die Temperatur im Laufe des Tages angezogen ist und wir uns auf ein paar wärmere Tage freuen können. Ich hoffe, der Sommer kommt damit wieder ansatzweise zurück. Und mit ihm meine Gesundheit und der klare Kopf.

Baum-Aspekte

Ich freue mich, mit den Themen ,,Verwurzelt“, ,,Holz-Feuer“ und ,,Tot-Holz“ drei weitere Fotogalerien in meine wunschbaum-Seite integriert zu haben. Ich denke, es war ganz gut, solche Baum-Aspekte den jahreszeitlichen Impressionen hinzuzufügen. Es ist eine Möglichkeit, auf der Ebene der Bilder die unglaubliche Vielfalt der Baum-Symbol-Themen aufzuarbeiten. Später werde ich sicherlich einzelne Fotos zu diesen kleinen Serien ergänzen. Außerdem werden noch viele andere Aspekte folgen, zu denen mir augenblicklich noch nicht genug Material vorliegt. Wie im Bereich der Texte liegt vieles noch auf Lager und wartet auf die richtige Zeit und die richtige Situation, um in Form gebracht und veröffentlicht werden zu können.

Die Vorboten des Herbstes

Was für ein extremer Sommer 2005! Heute Vormittag hatten wir, von der Temperatur einmal abgesehen, Novemberatmosphäre. Und am Tage wechselten sich heftige Schauer und unwirklich lichtes Sommerwetter ständig ab. Die Natur aber hat sich bereits auf den Herbst eingestellt. Die Erlen haben bereits ihre nächstjährigen Blüten ausgebildet, die Brombeeren sind schon teilweise reif, sogar die Gemeine Waldrebe trägt jetzt schon, viel zu früh wie mir scheint, ihre seidig bewimperten Früchte. Und überall kreuzen Regenschnecken die Wege, in allen Nischen spannen sich Spinnweben, die von feinen Tropfen belastet im Licht glitzern. Man weiß nicht wirklich, was man denken soll, aber es ist ganz gut, um einmal zur Ruhe zu kommen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.