Ginkgo-Brosche

Nasskalter Novembertag. Bei solcher Witterung nehme ich die Bäume kaum wahr. Es ist, als ob sie in dieser Zeit genug mit sich selber zu tun hätten, und sich deshalb möglichst unauffällig verhalten. Zeit des Rückzugs, einen Monat vor der Sonnenwende des Winters. Habe heute eine Brosche in Form eines Ginkgoblattes als Weihnachtsgeschenk für M. bestellt. Der Schmuckkünstler (www.ginkgo-schmuck.com/index.html) kommt aus Worpswede, der legendären Künstlerstadt und arbeitet mit Punziertechnik. Die ausgewählte Brosche wirkt sehr naturalistisch, soweit das in diesem Material (Silber) möglich ist. Es wird ihr ganz bestimmt gefallen, zumal der Gingko in den letzten Monaten immer wieder Gesprächsgegenstand war und wir in den nächsten Tagen unseren Topf-Ginkgo in den Garten pflanzen wollen, damit er künftig stärkere Wurzeln schlagen kann.

Gleichgesinnter Dialog

Habe aus der Statistik ersehen, dass jede Menge Leute von einem österreichischen Diskussions-Forum 40+ (www.forum40.at) auf meine Seite zugegriffen haben. Dort gibt’s zurzeit einen langen Thread u. a. zum Thema ,,Keltischer Baumkreis” und ,,Baum-Symbol”. Freut mich, dass das Thema immer noch nicht gestorben ist und sich hervorragend für breit angelegte Vergleiche und Dialoge unter Gleichgesinnten eignet. Weniger nett, dass eine Teilnehmerin einen meiner Einzelbaum-Texte ohne Copyright-Nachweis verwendet hat. Aber immerhin zeigt es, dass der Text gefällt und gewisse Charaktereigenschaften wiederspiegelt.

Bäume sind Gedichte

Der erste Tau auf den Blättern, morgens beim Blick aus dem Fenster am Efeu der Grotte entdeckt. Jetzt ist Winter, Traubenlaub schon vollständig abgefallen, nur der Kirschbaum des Nachbarn hält noch ein paar Blätter, trotz der Fröste in den letzten Nächten. M. hat sich die nächsten Kränze vorgenommen, wird eine Heidenarbeit werden, wie jedes Jahr, sie hat die Tendenz, sich damit verrückt zu machen. Zufällig wieder den Spruch von Khalil Gibran entdeckt: ,,Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.” Habe das Zitat an den Anfang meiner Liste von Baum-Gedichten gestellt: Interessante Umkehrung, Gedichte über Bäume – Bäume sind Gedichte.

Beginn der Weihnachtszeit

Am Vormittag in unserem Waldstück bei Fitten mit V. Fichtenzweige für die Weihnachtskränze und -gestecke geschnitten. Bei der Gelegenheit auch gleich einen Baum als Weihnachtsbaum ausgesucht, aber noch nicht gefällt. Die Fichten werden immer höher, nur noch die Spitze ist zu verwenden. Dieses Jahr wirklich schwierig, Äste zu finden, die einigermaßen flach gewachsen sind, meist stehen die Zweigenden kreuz und quer ab. Misteln sind in diesem Jahr fast ausschließlich gelb, die Beeren häufig nicht ausgebildet. Verschiedene Leute haben auf der Höhe danach gesucht. Am Nachmittag eine fantastische Weihnachts-Deko-Ausstellung in Lisdorf besucht. Tolle Accessoires gesehen, am besten allerdings die verholzten Frucht-Relikte exotischer Bäume, die mit vorher noch nie zu Gesicht kamen: Eukalyptus-Kapseln, Palm-Frucht, Thika (?), Sirus-Frucht, Baobab-Frucht u. a. Konnte natürlich nicht widerstehen und habe einige mitgebracht. Am Abend hat M. den ersten Kranz aus Fichten, Zypressen, Efeufrüchten und Buchsbaum gebunden. Ist sehr gut gelungen, wir haben gleich ein Foto gemacht und J. per eMail geschickt.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.