Welcher Weinachtsschmuck?

Was die Advents- und Weihnachtsdekorationen angeht, sind wir uns noch nicht so ganz schlüssig. Das Schneiden der Mistelzweige war schon in den letzten Jahren recht unbefriedigend, da die Misteln meist nur noch gelbliche Blätter und grünliche Früchte trugen. Irgendetwas in der Population muss sich verändert haben. Das wirkt rein optisch aber nicht sehr überzeugend, und so hing es von Zufällen ab, ob wir dennoch einige ganz ansehnliche Exemplare auftreiben konnten. Jetzt, wo V. nicht fit ist und sich voraussichtlich auch längere Zeit keine allzu anstrengenden Aktionen wird leisten können, denken wir daran, ganz auf die Mistelzweige zu verzichten. Die Alternative ist noch unklar. Was bleibt: Nadelbaumzweige unterschiedlichster Art (Zypressen, Fichten, Tannen, Eiben), Efeu und Stechpalme. Vielleicht finden wir einen interessant geformten Unterbau zum Anfertigen eines Gestecks, zum Beispiel als Weihnachtspyramide oder ähnliches. Ich habe durchaus Lust, mal Neues zu versuchen und dem spannenden Thema eine weitere Facette hinzuzufügen. Längst noch nicht ist dieses Themenfeld ausgereizt. Wenn ich mir die Weihnachtsausstellung im Blumenhaus W. ansehe, dann könnte ich ins Schwärmen kommen. Unglaublich, was diese kreativen Fachleute an ebenso geschmackvollem wie sinnreichem Weihnachtsschmuck hervorzaubern. Sicher können wir uns daraus gewisse Anregungen entnehmen.

Martinsbrauch und innere Zeit

In unserer Gemeinde wird der Martinsumzug am Vorabend des eigentlichen Gedenktages veranstaltet. In den letzten Jahren habe ich das immer verpasst, weil er nicht mehr, wie Jahrzehnte zuvor üblich an unserer Haustür vorbeizieht, sondern heute andere Wege nimmt. Heute aber wollte ich noch einmal erleben, wie sich der Brauch anfühlt – als Erwachsener. Und war ziemlich enttäuscht. Das große Ereignis, das absolut einmalig Atmosphärische des Tages, mit langwierigen Vorbereitungen im Vorfeld, dem in meiner Erinnerung lange sich hinziehenden Umzug mit einem St. Martin-Darsteller zu Pferde, vielen bunten und meist selbst gebastelten Laternen (mein Gott, habe ich schöne Laternen damals gebastelt, aus schwarzem Tonpapier und transparentem Buntpapier hinter scherenschnittartig ausgesparten Motiven), dem gigantischen Martinsfeuer auf dem Bürgerplatz und der Verteilung der Martinsbrezeln im Kindergarten zum Abschluss, dieses große Ereignis konnte ich heute nicht wieder finden. Als ich dazu stieß, eine Viertelstunde nach Beginn, waren die Kinder und Eltern schon wieder auf dem Rückweg. Kurz darauf wurde von der Feuerwehr das vorbereitete Feuer entfacht, alle versammelten sich rund um das Feuer, und eine weitere Viertelstunde später war es schon vorbei. Als ob es darum gegangen wäre, etwas abzuhaken, machten sich die meisten Teilnehmer schon wieder auf den Heimweg. Ich weiß nicht, lag es an einer unüberlegten Inszenierung der Abläufe, an dem allzu fachmännisch und viel zu rasch abgebrannten Feuer, oder einfach an der schlichten Tatsache, dass Erwachsene die Dinge in einer anderen ,,inneren Zeit“ wahrnehmen, dass der Zauber für mich nur ganz schwach wahrnehmbar war. Immerhin, die abstrakte Botschaft des Festes und seiner verschiedenen Bräuche, war doch erkennbar: Teilen schafft Gemeinsamkeit und bringt uns näher zu Gott. Die Lichtsymbolik der Laternen und des Feuers vermag dies eindrücklich zu transportieren. Ich fühlte mich an unser alljährlich im Winter durchgeführtes Holzfeuer erinnert, welches wir entfachen, nachdem wir alle geschnittenen Äste unserer Obstbäume zu einem großen Haufen zusammen getragen haben. Dieses ganz profane Feuer hat für mich eine ähnlich spirituelle Ausstrahlung. Und so habe ich das stärkste Symbol dieses Abends einmal wieder in der Fotografie festgehalten. So kann ich für mich am besten erinnern, was St. Martin eigentlich bedeutet:
St. Martin 2006

Wesentlich

Immer noch komme ich kaum nach, mit allem, was ich mir so vornehme. Unendlich vieles, was ich versuche aufzubereiten, zu archivieren, zu transformieren, zu modellieren, zu formulieren, zu reflektieren. Und doch reicht die Zeit nicht einmal annähernd, komme ich während des Lebens nie in ausreichendem Umfang dazu, das Leben zu beschreiben. Gerade danach ist mein Bedürfnis groß. ,,Beobachtung zweiter Ordnung“ nennt sich das in der systemtheoretischen Terminologie, eine Reminiszenz aus Zeiten, in denen ich mich vor allem wissenschaftlich mit dem Beobachten beschäftigt habe. Sehr viel lebensnaher ist mein Beobachten geworden, sehr viel enger am Gegenstand, sehr viel direkter – auch die darauf aufbauenden Formen des Bearbeitens und Überarbeitens. Dieses Tagebuch ist ein Beispiel dafür, Gedanken und Beobachtungen spontan, aus dem Bauch heraus, festzuhalten. Ich habe erfahren, dass daraus mehr Wahrheit zu gewinnen ist, man die Dinge so zumindest alltagskommunizierbar festhalten kann. Und auch meine Beschäftigung mit den Bäumen fällt in diesen Zusammenhang. Sie ermöglicht es mir, das Beobachten zu fokussieren, auch zu intensivieren, gleichzeitig zu abstrahieren von allem Unwesentlichen. Die Bäume sind für mich sowieso der Inbegriff von Wesen, die ihre Wesentlichkeit in überzeugender Weise zur Geltung bringen. Sie helfen uns, selber wesensgemäßer zu leben.

Illusion und Unwahrscheinlichkeit

M. hat sich über die beiden Armbänder gefreut. Erst in einigen Wochen, wenn das Öl tiefer eingedrungen ist, wird man wirklich sagen können, wie die Oberflächen wirken. Der kaukasische Nussbaum hat etwas sehr Dekoratives, mit einer marmorierten zwischen Schwarz und Kakaobraun wechselnden Färbung. Und der Vogelaugenahorn lässt vereinzelt die schillernden Vogelaugen glänzen. In Kombination übrigens sehr interessant. Noch interessanter zweifellos ein geheimnisvoller Brief an Bernhard Lux – www.wunschbaum.de adressiert. An alle vor 1978 Geborenen – gut getippt, war allerdings auch nicht schwer zu erraten – der durchaus treffende Text ist mir aus einem vor Jahren einmal gelesenen Forenbeitrag bekannt. Gute Zeiten zum Geburtstag mit lichtvollen Grüßen und Dostojewski-Zitat – sehr geschmackvoll, wie auch der braun-orangefarbene Umschlag. Von K. gewünscht – heißt Maia nicht ,,Illusion“?, das würde zu dem rätselhaften Tausch des Namenskürzels in K. passen. Und dann noch der charmante Weihnachtsbaum-Pin – woher weiß K./Maia von meiner großen Begeisterung für solch kleine Weihnachtsbaum-Darstellungen? Hatte ich das auch im Tagebuch einmal erwähnt? So viele Fragen. Dass die Antworten nicht unmittelbar auf der Hand liegen, macht sie besonders reizvoll. Und die Bäume sind, wie so häufig, die Mittler des Unwahrscheinlichen.

Atmosphäre und Gemeinsamkeiten

Kälter als angekündigt war dieser Tag. Das gilt aber nur für die Außentemperatur, die gepaart mit dem Mangel an Sonnenlicht ohne Heizung auch im Haus Anlass zum Frösteln geben könnte. Unspektakulär und entspannt war er zudem, was mit den zurzeit aktuellen Routinearbeiten und meiner Weigerung zu tun hat, im Geburtstag etwas Extrovertiertes zu sehen. Dennoch habe ich mich über den großformatigen Bildband mit ,,Baumriesen“, das Kräuterbeschreibungsbuch und den Mondkalender von J. und W., das Edelsteinbuch von Frau M. und verschiedene eMail-Grüße sehr gefreut. Manche erinnern sich eben doch daran, dass ich immer schon einen besonderen Sinn für die Atmosphäre von Fest- und Feiertagen hatte. Interessant auch die Parallelität der Aktivität mit Menschen, mit denen ich in lockerer Verbindung stehe. So hat mir Frau R. aus der Schweiz heute erzählt, dass ihre Familie die frostempfindlichen Pflanzen für den Winter vorbereitet hat. Gemeinsamer Bezugspunkt war der Feigenbaum im Garten, über dessen Gedeihen man sich angesichts eines ausgedehnten Sommers nur freuen kann. Genau das ist es, was mich an den Bäumen so fasziniert. Sie markieren wichtige Lebens-Konstanten, geben Anlass zur Reflexion über nationen- und zeitübergreifende Mensch-Natur-Beobachtungen. Bringen uns dem eigenen Kern näher und helfen damit sehr, den eigenen Standpunkt und die Bewegungs- und Entwicklungsmöglichkeiten dynamisch auszuloten.

Gestalterdenken

Wer hätte gedacht, dass ich eines Tages mit einem spanischen Kreativen in Kontakt kommen würde. Javier Delegado – toller Name, mehr ist mir allerdings nicht bekannt. Jedenfalls hat ihm eines meiner Baum-Bilder, speziell mit dem Namen ,,Totholz“ gefallen. Es stellt einen völlig verfaulten Baumstumpf in lichten Pastellfarben dar. Da tuen sich natürlich Spekulationen auf: Wofür verwendet dieser Spanier gerade diese Fotografie? Handelt es sich um einen Grafik-Designer, um einen kreativ tätigen Laien, oder um einen Bild-Redakteur? Ich weiß es nicht, finde es aber höchst spannend, solche Käufe vorzufinden, so wie vor einer Woche der Kauf einer französischen Grafikerin. Es zeigt mir vor allem eines: Nur wenn man selber gestalterisch aktiv ist, hat man auch beim Festhalten fotografischer Eindrücke einen Sinn für die spätere Verwendbarkeit. Natürlich habe ich bei der fotolia-Auswahl auf möglichst große Universalität und Plakativität geachtet. Das ist es auch, was auf dieser Plattform bevorzugt wird. Es muss eben in unterschiedlichsten Kontexten einsetzbar sein und trotzdem etwas Wesentliches transportieren. Ich glaube, hierfür habe ich einen besonders feine Antenne.

Eibenphase

Hatten wir nun einen Herbst oder nicht? Ich weiß es nicht wirklich zu entscheiden, denn er ist aus Gründen privater Turbulenzen weitgehend an mir vorbei gezogen. Wenn ich mich jetzt draußen bewege, scheint mir aber der Winter eindeutig seine Fühler auszustrecken. Kein Wunder, wir befinden uns ja auch in der ,,Eibenphase“, die vom 3. bis zum 11. November reicht, mit meinem Geburtstag mitten drin. Die Zeit des Umbruchs, der Umwälzung, der Transformation. Die Zeit, in der der Wechsel deutlich gemacht wird, unaufhaltsam in Richtung der Wintersonnenwende. Am Grab von G. hat die Roteiche fast alle ihre Blätter bereits verloren. Die müssen dann weniger entfernt werden. Nur die Hainbuche ist noch übervoll mit ihren bereits bräunlich verfärbten und papiertrockenen Flügelfrüchten. Bestimmt 10 Minuten habe ich gebraucht, um alle von der Farnabdeckung des Grabs zu entfernen, damit die Alpenveilchen wieder wie gewünscht zur Geltung kommen können. Diese Zeit ist anstrengend, auch wegen der körperlichen Umstellungen, aber sie hat jedenfalls für mich etwas sehr Anregendes, welches mich noch näher zu mir selber führt.

Fliegende Tage

Die Geschäfte sind schon ganz auf Weihnachten eingestellt. So auch mein Lieblings-Drogeriemarkt, der häufig auch interessante Accessoires führt. Wie seit einigen Jahren üblich schon Anfang November. Es ist so, als ob die Adventszeit verdoppelt werden soll. Wie auch immer, Engel, Nikoläuse und Weihnachtsbäume kann man gar nicht genug haben. Die neuesten Errungenschaften: Ein Engel-Teelicht, eine Seife in Engelform und ein stilisierter Weihnachtsbaum, der sich im Badewasser als Badesalz auflösen lässt. So was benutze ich zwar nicht, aber ich versuche ihn zu fotografieren. Ansonsten hektisch wie in den vergangenen Tagen: Schleifen, Drechseln, und Maulbeerbaum und Efeu sind sogar schon fertig geölt. Die Tage fliegen auf diese Weise nur so dahin, wohl auch wegen der uhrzeitlichen Umstellung und der frühen Abenddämmerung, aber auch wegen der allabendlichen Besuche bei V., über die er sich sicher freut, soweit ihm das derzeit möglich ist, die aber leider keinen Anlass zur Zuversicht geben. Hoffen wir, dass die Ärzte sich endlich was einfallen lassen.

Anwachsen

Wir wissen nicht, wie lange es noch dauert, bis sich bei V. etwas bessert und er wieder nach Hause kann. Deshalb habe ich heute in der Baumschule nachgefragt, ob es möglich wäre, den Maulbeerbaum noch länger dort zu belassen. Das Einpflanzen in unserem Bienenhausgarten ist nämlich nicht ganz so unproblematisch, und da wäre es gut, wenn V. dabei ist. Eigentlich dachte ich, dass er übertreibt und wieder seine eigenen Methoden entwickelt hat, aber die Baumschule hat mir diese Vorgehensweise bestätigt, dass man nämlich zum Schutz gegen Wühlmäuse ein ziemlich großes Loch ausheben muss, das dann mit einem Geflecht aus weitmaschigem Hasendraht auszukleiden ist, bevor der Baum hineingesetzt wird. Am besten sei es, anschließend auch nach oben hin mit dem Draht abzuschließen. Zu meinen Bedenken, dass die Wurzeln, wenn sie dann stärker werden, möglicherweise durch den Draht eingeschnitten und geschädigt werden, meint er, dass dies in späteren Lebensjahren des Baums dann kein Problem mehr sei, die Wurzeln würden sich ihren Weg suchen. Nun gut, so will ich einmal einem Fachmann vertrauen und hoffen, dass die weiße Maulbeere einen würdigen Platz dort findet und gut anwächst. Der Tag war im Übrigen wieder der Holzarbeit gewidmet. Das Wunschbaum-Armband ,,Efeu“ ist jetzt ganz fertig, in den kommenden Tagen will ich mir jeweils 1 weiteres der Musterbänder vornehmen. Außerdem habe ich meine Vorräte an Walnussbaumkanteln und Rüsterstäben aufgefüllt. Morgen wird es dann mit dem Drechseln weiter gehen. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse, und wie flüssig die Arbeit fortschreiten wird.

Allerheiligen

Das war ein Allerheiligen-Tag, wie er im Buche steht. Klirrend kalt, ganz passend zum verinnerlichten Bild der Jahreszeit. Und trotzdem sonnig, lediglich durchbrochen durch heftige Winde und zeitweilige Schauer. Viele Menschen fanden sich am Nachmittag auf dem Friedhof zusammen, zur Zeit der Gräbersegnung, eine der seltenen Anlässe, die Menschen an einem Ort versammeln, welche sonst niemals zusammentreffen würden. Die wohl einmalige Verbindung eines privaten mit einem öffentlichen christlichen Ritual. Und eines, das mich immer schon sehr berührt, ein sicheres Gefühl des Zuhauseseins vermittelt. Am Vormittag schon haben wir eine Schale mit weißen Alpenveilchen zum Grab gebracht und auf dem mit Tannenzweigen vor einigen Tagen ausgelegten Oval platziert. Ganz übersäht war schon wieder alles mit den abgefallenen Flügelfrüchten der am Eck stehenden und Gs Grab überschattenden Hainbuche, und mit den restlichen Herbstblättern der Roteiche direkt gegenüber. Aber natürlich konnte man nicht schon wieder anfangen, alles zu säubern. Das wichtigste ist ohnehin der Besuch, und dass wir uns mit der festlichen Gestaltung des Grabs Mühe gegeben haben, das hat man in jedem Fall gesehen. Auf dem Rückweg haben wir noch die Ruhestätte von Frau M., Herr S. und Tante E. besucht und einen stillen Gruß hinterlassen. Ganz sicher wird mein Weg mich heute Abend noch einmal zum Friedhof führen. Die in der Dunkelheit leuchtenden Grablichter verbinde ich zwingend mit Allerheiligen, und dieses Erlebnis ist für mich ein Muss.

Vom richtigen Zeitpunkt

Ein Gespräch über die wunderlichen klimatischen Schlängelwege dieses Jahres, über das so spät noch mögliche Fruchten mancher Obstbäume, über die sonst nie da gewesene zweite Blüte mancher Sträucher war der entspannende Teil eines Gerichtstermins. Der hatte davon abgesehen aber ohnehin das beste aller erwartbaren Ergebnisse mit sich gebracht. Mit noch nicht ganz feststehendem Ausgang. Dafür aber mit einer Art kommunikativer Wiedergutmachung, einer Art symbolischer Aufhebung verkehrt gelaufener Entscheidungsfolgen. Ich denke, der Zeitpunkt hierfür konnte einen Tag vor Allerheiligen, dieses Tags und der Nacht der Vermischung von Oben und Unten, der besonders dichten Annäherung von Diesseits und Jenseits, nicht besser gewählt sein. Auch wenn es von Seiten der Behörde möglicherweise kein bewusst gewählter Termin war, er ,,fiel“ eben richtig. Ich bin ganz sicher, dass so etwas kein Zufall ist, wie ich immer mehr auch das Unangenehme und Schmerzhafte als sinnhaft und im großen Blick auf die Dinge wohl platziert wahrnehme. Solche Phasen helfen bei der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, dienen vielleicht auch der Korrektur allzu abschweifender Lebenswege.

Gedanken vor Allerheiligen

Und immer wieder überrascht uns der liebe Gott mit einem sonnenreichen Tag. Ende Oktober und in dieser Dichte zu meinen Lebzeiten noch nicht da gewesen. Diese Erinnerung teile ich mit den meisten, mit denen ich mich darüber unterhalten habe. Und so habe ich es heute sehr genossen, wieder im Freien arbeiten zu können, an meinen exotischen Armbandkreationen. Vielleicht wird der Abschluss dieser Arbeit noch in die Sonnenphase fallen, bevor das zu Allerheiligen eher passende Klima die Oberhand gewinnt. Gespannt bin ich auf den Allerheiligen-Abend, an dem mich der Weg traditionell zum Friedhof mit seinen vielen Lichtern führt. Bei diesem gedanklichen Vorgriff denke ich an Lakota, mit der ich in der virtuellen Welt ein Stück gemeinsamen Lebensweges gegangen bin. Nachdem ich lange nicht mehr in diesem Licht-Forum war, musste ich nun lesen, dass Lakota nicht mehr unter uns Lebenden ist. Das hat mich sehr berührt, denn ich fühlte mich auf eine ganz brüderliche Art sehr verbunden mit ihr. Da sieht man, welche Wirkungen relativ wenige, aber bedeutungsreiche Kommunikationen haben können. Ich denke, solche müssen dann auch nicht abreißen, sondern können sich auf einer neuen Ebene ihre Fortsetzung suchen.

Raritätenarbeit

Die Gleditschiensamen, die ich auf meiner Fensterbank zum Trocknen ausgelegt habe, fangen an, rissig zu werden. Schade, denn eigentlich hatte ich vor, einige davon kunsthandwerklich zu nutzen. Das wird so nicht mehr möglich sein. Die wenigen, welche ich einige Wochen zuvor schon aufgehoben hatte, zeigen diese Risse nicht. Vielleicht hängt das mit dem Reifegrad zusammen, keine Ahnung. So werde ich diese wohl ausschließlich für den Versuch gebrauchen können, kleine Bäumchen zu ziehen. Wäre doch gelacht, wenn bei so vielen Samen nicht wenigstens ein paar davon angingen. Ich hoffe, nächste Woche endlich einmal zur weiteren Arbeit an meinen fünf Armbändern zu kommen. Sämtliche Perlen sind schon hergestellt, und als nächstes steht das Bohren auf der Tagesordnung, dann die Kniffelarbeit am Schlussstück und der Hauptperle und schließlich das nahezu endlose Kantenglätten. Alle Arbeitsschritte mal 23, macht 115 Arbeitsvorgänge bis die Perlen zum Ölen fertig sind. Das Ergebnis wird hoffentlich entschädigen, denn dabei sind echte Raritäten, auf deren optische Präsenz und energetische Ausstrahlung ich sehr gespannt bin.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.