Verblutete Bäume

Jedesmal, wenn ich abends durchs Dorf gehe, erschrecke ich neuerdings. Die Stellen, an denen die alten mächtigen Birken am Rande des Grundschulhofs standen, wirken wie Schlachtplätze. Da waren wohl wieder unglaublich unsensible und zudem fachunkundige am Werke. Nicht nur, dass das Fällen der Bäume an sich schon nicht nachvollziehbar ist, offensichtlich wurden die Bäume bei zunehmendem Mond gefällt, was zur Folge hatte, dass die ca. 10 cm über die Bodenoberfläche ragenden Stümpfe mindestens zwei Wochen lang bluteten. Der Wurzelstock der Birken ist regelrecht ausgelaufen, ein weiß-gelblicher Saft, der sich schäumend über die wie Tentakel wirkenden Wurzelausläufer ergoss und sich zu einer dichten, mittlerweile rötlich verfärbten harzigen Masse verdichtete. So sieht der Spaziergänger auf mehrere blutige Wunden, wenn man diese eher auf Tiere oder Menschen angewandte Ausdrucksweise auch auf den Zustand dieser Baumreste anwenden darf. Das Schlimme ist, dass die Wurzeln, die schon zu meiner eigenen Kindheit als knorrige Anker an der Oberfläche zu sehen waren, vermutlich noch Jahre sichtbar sein und bei jedem Blick an die einstmals prächtigen Bäume erinnern werden. Ich hoffe nur, dass die Zuständigen ein Einsehen haben, und wenigstens diese grausamen Mahner entfernen, meinetwegen mit maschineller Gewalt. Die Alternative wäre barbarisch.

Tag des Baumes

So ein verregneter, träger Tag! Ich weiß nicht, ob heute wirklich jemand an den Gedenktag der Bäume gedacht hat. Außer denen, die quasi beruflich damit zu tun haben, Politiker und Vertreter von Verbänden und Vereinen der Forst- und Waldbranche. Eigentlich spielt das auch keine so große Rolle, wichtig ist vielmehr, dass die Bäume generell im Leben der Menschen an Bedeutung gewinnen. Dazu kann vieles beitragen, z. B. diese Website, die Arbeit von Baumaktivisten, die Berichterstattung der Medien über Baum-Themen oder die Arbeit von Baumschutz-Aktivisten. In diesem Zusammenhang kann auch ein Gedenktag seine unterstützende und erinnernde Wirkung entfalten. Was dahinter steckt und warum der 25. April zum ,,Tag des Baumes” geworden ist, habe ich in der Presse nachlesen können:

,,Mitte des vergangenen Jahrhunderts wanderte Julius Sterling Morton in das baumarme Nebraska aus. Er war Journalist und bewirtschaftete eine kleine Farm, wo er vor allem als Erosionsschutz Büsche und Bäume pflanzte. Immer wieder wies er in seiner Zeitung auf den dabei gewonnenen Nutzen hin. Anfang 1872 fasste er seine Erkenntnisse in seiner “Arbor Day-Resolution” zusammen, in der er einen jährlichen “Tag des Baumes” forderte. Seinem Antrag stimmte die Regierung von Nebraska schließlich zu. Am 10. April 1872 pflanzten erstmals Bürger und Farmer nahezu eine Million Bäume. Damaligen Zeitungsberichten zufolge brachte ein Baumfreund in der Umgebung der Ortschaft Lancaster allein 10000 Pappeln und Weiden in die Erde.

Dieser Erfolg veranlasste die Staaten Tennessee und Kansas später, alle Staaten der USA davon zu überzeugen, den “Tag des Baumes” zu übernehmen. 1874 kam man schließlich überein, den Tag des Baumes am dritten Mittwoch im April zu begehen. Der Tag des Baumes wurde allmählich in der ganzen Welt bekannt. Am 28. November 1951 beschloss die FAO (Food and Agriculture Organisation) der Vereinten Nationen: “Die Konferenz sieht es als notwendig an, dass sich alle Menschen sowohl des ästhetischen und physiologischen als auch des wirtschaftlichen Wertes des Baumes bewusst werden und empfiehlt daher, jedes Jahr in allen Mitgliedsländern einen Weltfesttag des Baumes zu feiern und zwar zu dem Zeitpunkt, der unter örtlichen Bedingungen als gegeben erscheint”.

Premiere mit AhornSchon zwei Wochen vor diesem Beschluss, am 10. November 1951, hatte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sich auf einer Tagung in Bonn zu einem alljährlichen “Tag des Baumes” entschlossen, der dann am 25. April 1952 zum ersten Mal durchgeführt wurde. Dabei pflanzte der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, im Bonner Hofgarten einen Ahornbaum.”
(Auszug aus einem Artikel vom 25.04.2005, erschienen im Main-Rheiner, dem regionalen Onlinedienst der Tageszeitungen der Rhein Main Presse:
http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=1872478 )

Fernweh

Dieses Reisemagazin in Bayern3 ist jeden Sonntagnachmittag eine echte Bereicherung. Da werden die exotischsten Länder und Regionen überall auf der Welt in einer halbstündigen Reportage vorgestellt. Heute war Sikkim an der Reihe, ein Land, das an Indien, Nepal und Buthan angrenzt und in dem die buddhistische Religion vorherrschend ist. Der wohl bekannteste Ort in dieser Region ist Darjeeling im fruchtbaren Hochland, Heimat des berühmten Tees. Aufgrund eines ausgeklügelten Bewässerungssystems und des milden Klimas werden aber auch Reis und andere Früchte, wie zum Beispiel der Ingwer, dort in großem Stil angepflanzt. Am beeindruckendsten aber fand ich die Bilder und Berichte über buddhistische Klosteranlagen und das Leben der Mönche dort. Einen Wunschbaum habe ich nicht gesehen, aber überall waren die typischen buddhistischen Gebetsfahnen zu sehen, und es wurde über einen Wunschsee berichtet, in die die Menschen ihre Wünsche hineindenken konnten. Das hat mir einen weiteren Anstoß gegeben, mir die Tradition des Wunschbaums in der östlichen Religionswelt einmal näher zu betrachten. Das wird wahrscheinlich mein nächstes Text-Projekt.

Aufräumen

Aufräumen ist so eine Art Krisenbewältigung. Man räumt mit den Räumen auch immer das Innerste seiner selbst. Heute war so ein Aufräumtag, dem sicherlich noch viele folgen werden, da es um ein Zimmer geht, welches jahrelang als Abstellkammer für alles Mögliche gedient hat. Da ist es schwer, alles unterzubringen. Das Interessanteste am Räumen ist für mich der Schnelldurchgang durch bestimmte Lebensabschnitte, an die man sich durch diverse Gegenstände und Dokumente erinnert fühlt. Einige dieser Dokumente, die mich an weniger geliebte Zeiten erinnern, habe ich kurzerhand verbrannt, andere in Schränken verstaut und gleichzeitig eine neue Systematik aufgebaut. Was ich schon alles produziert und vor allem gestaltet habe! Teilweise war das seit Jahren aus der Erinnerung gelöscht gewesen. Die vielen Werkzeuge und speziellen Utensilien für meine Arbeit mit Holz, die Hilfsmittel fürs Modellieren, die Entwürfe und fertigen Broschüren für verschiedene Auftraggeber. Und wie immer fiel es mir nicht schwer, manches hinter mir zu lassen. Ich klebe nicht an der Vergangenheit und schon gar nicht an Gegenständen der Vergangenheit. Da kommt das Skorpionhafte in mir zum Vorschein, die Lust an der Umwälzung und vollständigen Verwandlung, wie sie der Planet Pluto repräsentiert. Und wer weiß, vielleicht birgt der Raum später, wenn ich mit dieser Arbeit abgeschlossen habe, neue Möglichkeiten, wird zum Zentrum neuer Aktivitäten, von denen ich bisher noch nichts weiß.

Neue Blüten

Ein schöner hell-strahlender Tag. Da kann man gut fotografieren. Im Prinzip jedenfalls, denn das Licht steht nicht immer so, wie man will. Immerhin konnte ich heute ein paar Blütenaufnahmen machen: Vom Nussbaum – etwas gelungenere liegen mir aber noch von letztem Jahr vor. Von der Kaukasischen Flügelnuss – hätte ich beinahe schon wieder verpasst, aber ein Problem bleibt trotz guten Lichts, denn die langen, zarten und vielgliedrigen Blütenkätzchen lassen sich unheimlich schlecht scharf stellen. Außerdem wirft der Baum selber viel Schatten, so dass die Hälfte immer im Dunkeln liegt. Ich bleibe dran. Und noch einmal ein Versuch zur Roteichenblüte, die ähnliche Probleme macht wie die Flügelnuss. Ich hoffe auf noch viele Sonnentage in diesem Frühling, auf dass mir noch weitere Neuentdeckungen gelingen mögen.

Biblische Baumsymbolik

Die Sprache ist durchsetzt mit Ausdrücken, die sich auf Bäume beziehen. Eben ist mir ein Satz des neuen Papstes Benedikt XVI noch mal ins Gedächtnis gekommen, den er bei seinem ersten Auftritt kurz nach der Wahl geäußert hat: Er sei ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn. Der Rebstock, aber auch andere Bäume, wie der Feigenbaum, der Ölbaum und andere Fruchtbäume tauchen häufig an den verschiedensten Stellen der Bibel auf. Zahlreiche Texte beziehen sich deshalb auch auf die Bildhaftigkeit der Bäume in den biblischen Texten. Ein interessantes Thema, für das ich mich aber nicht sehr kompetent fühle. Was für mich an dieser Stelle wichtig ist: Der Baum steht häufig, so auch in diesem Satz des Papstes, für die Tendenz zum Wachstum, für eine Weiterentwicklung und – symbolisiert durch das erhoffte Ergebnis, die reifen Weintrauben – den reichen Ertrag in Folge sorgfältiger Pflege. Darin steckt vieles: Beständiges Bemühen birgt die Chance für reiche Ernte, aber auch: Es gibt trotz aller Anstrengungen und Sorgfalt auch viele Unwägbarkeiten, die dem Erreichen des Ziels entgegenstehen können. Mit anderen Worten: Ein Symbol des Lebens in seiner ganzen Komplexität.

Symbolik der Arten

Heute wurde ich wieder einmal daran erinnert, wie Gewinn bringend es doch wäre, wenn ich sukzessive einzelne Baumarten einmal genauer unter die Lupe nehmen würde. Ich hatte dieses Vorhaben bisher auf die lange Bank geschoben, weil es noch so unendlich viel Übergreifendes zu erarbeiten gilt, und die übergreifenden Themen scheinen mir gegenwärtig eben vorrangig. Trotzdem würde ich gerne zumindest zu den bekannteren Arten einen Überblick gewinnen. Es muss ja nicht gleich die Platane sein, auf die sich eine Besucherin meiner Seite heute bezog und über die ich in der einschlägigen Literatur leider nahezu nichts finden konnte. Was nicht heißt, dass es nichts gibt. Das Feld des im Laufe der Jahrhunderte zusammengetragenen Wissens ist schier uferlos und ich hoffe, dass ich nicht auf halber Strecke das Handtuch werfen muss. Also: Das Projekt bleibt im Hinterkopf. Damit auch die einzelnen Arten und die vielen Menschen, die sich für das Einzelne interessieren, zu ihrem Recht kommen.

Symbol der Hoffnung

Bäume können ein starkes Symbol der Hoffnung sein. Diese Rolle spielten sie nicht nur in den Kulturen unserer Vorfahren auf allen Kontinenten dieser Erde. Auch für uns heute entfalten Bäume ihre Symbolik und verweisen auf eine friedliche, ganzeitlich ausgerichtete, auf Wachstum hin orientierte und tolerante Welt. An diesem Tag mag niemand an die Bäume denken, wenn er die Zukunft der Welt in christlicher Sicht betrachtet. Ein Deutscher ist gerade eben zum neuen Papst und damit zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden, die so viele Menschen über den ganzen Erdball verteilt in ihrem Glauben repräsentiert. Auch wenn viele in dem bekannten Kirchenmann eine eher rückwärts gewandte Persönlichkeit sehen, hat mir die Wahl wie wohl vielen Deutschen die Tränen in die Augen getrieben. Wenn der erste Segen des neuen Papstes, einige Minuten nach seinem Erscheinen auf dem Balkon des Petersdoms, sich an die Christen in der Stadt und dem Erdkreis richtete, so werden sich gerade die Deutschen ganz besonders stark angesprochen gefühlt haben. Das ist für mich ein starkes Symbol der Hoffnung, von dem ich mir wünsche, dass es sich entfaltet und viele Menschen erfasst. Damit diese Welt lebenswerter, gerechter und ganz einfach menschlicher wird.

Was es Neues gibt

Seit einigen Tagen bricht die Bewölkung erst gegen Abend auf und die Sonne, die mir heute viel besser tut als alles andere, kommt zum Vorschein. Und mit ihr die Wärme, die besser zum Frühling passt, der versucht sich zu entwickeln. Die ersten Blüten der gewöhnlichen Traubenkirsche sind schon zu sehen, während der Schlehdorn nach den heftigen Regenfällen schon fast alle Blütenblätter verloren hat. Auch der Weißdorn braucht nicht mehr lange, die Knospen sind schon zu sehen, wenn auch noch in ihre grünen Hüllen eingeschlossen. Und die Kirschbäume erscheinen mir in diesem Jahr dominanter und strahlender denn je. Schade, dass wir in der Nähe des Bienenhauses keine haben, so müssen die Bienen noch etwas warten, bis es richtig los geht: Mit Weißdorn, Ahorn und allem, was bis zum August noch folgt.

Baumimpressionen aus der Vorderpfalz

Heute haben wir J. und W. in G. besucht. Am Rande der Autobahn das gewohnte Bild ziemlich verwüsteter Vegetationsstreifen. Massenweise abgeholzte ehemalige Baumflächen, darunter viele Birken, aber auch dicke Weidenabschnitte lagen zum Abtransport bereit jenseits der Leitplanken. Und wie immer konnte ich mir keinen wirklichen Reim darauf machen. Warum werden diese fragilen Birken entfernt, ohne dass Baumaßnahmen anstehen oder sie irgendwen oder -was gefährden? Dann in G. selber die Fortsetzung. Die Lärmschutzwälle am Rand total kahl geschlagen, die wenigen stehen gebliebenen Sträucher und kleineren Bäume bis 40 cm über dem Boden wie mit dem Lineal gekappt. Da bleibt der Verdacht, dass Sachverstand für diese Maßnahmen nicht richtungsweisend sein konnte. In Js und Ws Garten sind die umgepflanzte Zypresse mit den teilweise gekappten Wurzeln, die kleine Fichte und die beiden jungen Ebereschen gut angegangen. Sicher werden sie in diesem Jahr grünen und sich zu stattlichen Exemplaren weiter entwickeln. Mein Vorschlag, statt der geplanten Begrenzungsmauer mit schmiedeeisernen Aufbauten am Vorgarten lieber etwas Lebendes, nämlich idealerweise eine niedrige Buchsbaumhecke zu setzen, hat leider keine Zustimmung gefunden. So werden es wohl doch ca. 140 aneinander gereihte rötliche Kunststeine sein, die die Abgrenzung zum angrenzenden Fußweg bilden werden.

Die Form der Blätter

Tulpenbaum-Blatt

Jetzt bewegt sich sehr viel in der Natur. Vielleicht auch wegen des durchwachsenen, immer wieder sonnigen, aber auch feuchten und zwischendurch bedeckten Wetters halten sich die Baumblüten länger als sonst. Besonders die Kirschblüten. Mit am typischsten für den Frühling finde ich aber das Sich-Entfalten der zarten Blattknospen. Es wirkt wie ein kleines Wunder auf mich, zu sehen, wie aus vor wenigen Wochen noch winzigen, kompakten, wie kleine Schwellungen der Zweigenden wirkenden Knospen sich diese vergleichsweise komplizierten Blattkonstrukte entwickeln, sich langsam auffalten und in schon wenigen Wochen dem Baum ein vollkommen anderes Aussehen verleihen werden. Heute konnte ich das an der Roteiche und sehr schön auch an den Tulpenbäumen beobachten. Die Blattform der Tulpenbäume fasziniert mich immer wieder von neuem, so unwahrscheinlich wirkt sie – wie mit der Schere ausgeschnitten. Besonders lustig hierbei: die ganz kleinen Blätter wachsen auf einer Seite schneller als auf der gegenüberliegenden und bilden zunächst eine ganz schiefe Form, die sich beim weiteren Wachsen aber dann korrigiert und in diese ungewöhnliche Symmetrie übergeht. Das ist vielleicht noch so ein Thema für dieses Jahr: Eine Serie von Fotografien über besonders beeindruckende Blatt-Formen.

Merkwürdiger Efeu

Der Efeu gehört wirklich zu den merkwürdigsten Bäumen. Soweit man von Bäumen reden kann. Er wirkt auf mich immer wie etwas Eigenständiges, wohl weil er sich kletternd an einen Wirt anhängt und diesem dadurch ein verändertes Aussehen gibt, umgekehrt aber erst durch diese Stütze sichtbar wird. Um diese Jahreszeit sieht man an manchen Gewächsen immer noch die Früchte in ganz unterschiedlichen Reifegraden: Manche schon ganz prall und tiefschwarz-violett, andere voll ausgebildet, aber noch grünlich, wieder andere erst in dem Zustand, wie er sich zeigt, wenn die Blüte gerade dabei ist, sich in eine Frucht umzuwandeln. Alles gleichzeitig, so wie im Spätherbst die Blüten sich gleichzeitig mit ersten Früchten zeigen. Klare Zuordnungen lassen sich beim Efeu also auch im Wachstumszyklus nicht erkennen, er entzieht sich dem normalen Ablauf. Und gehört gerade deshalb zu meinen Lieblingen.

Die letzte Ruhestätte

Heute Nachmittag ist es mir doch noch eingefallen, wenn auch das Licht nicht das beste war: Der Kirschbaum in D.

Kirschbaum-Blüte

So übervoll mit Blüten habe ich ihn selten gesehen. Wenn das mal kein üppiges Kirschenjahr wird! Ein Gespräch am Nachmittag unter Kollegen drehte sich um verschiedene Formen von Bestattung. Ich habe von der Möglichkeit erzählt, dass man sich auch in vielen deutschen Städten bereits einen Friedwald-Baum aussuchen kann, an dessen Wurzelsystem die Asche des Verstorbenen eingebracht wird. Auch Frau M. fand es wichtig, dass man einen Ort der Trauer hat, der ein Aufsuchen oder Besuchen des Verstorbenen möglich macht. Der Friedwald ist lediglich eine Variante, die die konkrete Ruhestätte, den Lebensbaum des Verstorbenen, lediglich den Angehörigen bekannt macht. Anders als das klassische Friedhofsgrab lädt er die letzte Ruhestätte aber mit einer starken Lebenssymbolik auf, die sich in einem weiter wachsenden Lebewesen zum Ausdruck bringt und gedanklich mit dem Verstorbenen in Verbindung gebracht wird.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.