Die „echten“ Ausnahmen

Das rührendste Ereignis des heutigen Tages war der kleine grüne Filzweihnachtsbaum, begleitet von einem Aufkleber mit weihnachtlichem Motiv, auf dem Antwortbrief einer Stadtverwaltung. So ganz anders als die üblichen und ach so nüchternen Formbriefe. Es kommt eben doch auf die einzelne Person, auf die individuellen Vorstellungen von Kommunikation an, die eben diese wesentlicher prägen als die formale Position oder die organisatorische Rolle. Solche Zeichen individuellen Ausdrucks sind mir auch im zeitlichen Abstand erinnerlich und weitaus bedeutungsvoller als funktionskonforme und nur zweckmäßige Ausdrucksformen. Zwar kann ich beim ständigen Fehlen solcher ,,Echtheit“ immer noch kaum mein Unbehagen verbergen. Andererseits ist es mir aber auch umso eher möglich, die ,,echten“ Ausnahmen zu würdigen und meinen eigenen Stil zu verteidigen.

Unsichtbare Bäume

Die Bäume wirken in diesen Wochen kurz vor der Winter-Sonnenwende wie abwesend. Als ob sie sich schon in einer anderen Dimension bewegen würden, die unsichtbar ist für uns Menschenwesen. Wenn ich mich jetzt zwischen ihnen bewege, ist meine Aufmerksamkeit häufiger abgelenkt. Tatsächlich zieht es mich dann eher in die Fußgängerzone, zu Menschen und ihren uferlosen Weihnachts-Kreationen, und nicht so sehr zu den Bäumen, was in der übrigen Zeit des Jahres undenkbar wäre. Um den Baum zu sehen, bedarf es jetzt eines Anlasses. So wie heute der Vogel, ein großer schwarzer Rabe, wenn ich es recht erinnere, der auf einem der noch recht schmächtigen Tulpenbäume landete, kurze Zeit später sich wieder in die Luft erhob, um dann sich auf dem Boden zu seinen Artgenossen zu gesellen. Der Ast, auf dem er saß, vibrierte nach seinem Abflug, so schwer war er. Und irgendwie kam mir die ganze Szene unwirklich vor. Raben hatte ich an dieser Stelle zuvor nie gesehen. Möglicherweise tauchten sie nur auf, um mich an den Baum zu erinnern, der mir heute sonst unsichtbar geblieben wäre.

Vatikanisch-Österreichische Bäume

Nachdem Monika Maria aus Oberösterreich mir heute einen weiteren Wunsch geschickt hat, las ich eine Nachricht, nach der die diesjährigen Christbäume des Vatikans aus Oberösterreich kommen.

Für die Bereitstellenden sicherlich eine große Ehre, und so war auch die ,,Verabschiedung“ ein feierliches Ritual:

32 Christbäume aus OÖ für den Vatikan
VORDERWEIßENBACH. 32 Christbäume für den Vatikan wurden am Samstag in Vorderweißenbach feierlich verabschiedet.

Oberösterreich sei stolz, nach 1989 (damals kam der Baum aus Kopfing) wieder die Christbäume in den Vatikan bringen zu können. Ein Christbaum sei ein Symbol für die Weihnachtsbotschaft von „Friede den Menschen auf Erden“, sagte Landeshauptmann Josef Pühringer. Die Christbäume stammen von der H. R. Fürst Starhemberg’schen Familienstiftung. Georg Starhemberg war selbst bei der Verabschiedung der Bäume anwesend.

Umrahmt wurde die Feier von der Stadtmusikkapelle Eferding, die Segnung der Bäume nahmen Pfarrer Erich Weichselbaumer aus Eferding und Pfarrer P. Petrus Mittermüllner aus Vorderweißenbach vor. Dazu gab es einen Ehrensalut durch das Bürgerschützenkorps Bad Leonfelden.

Die Fichte für den Petersplatz ist 30,5 Meter lang und rund sieben Tonnen schwer.

Für den Landeshauptmann gab es selbst gebastelten Christbaumschmuck von Eferdinger Kindern.

OÖNachrichten vom 05.12.2005

2. Advent und Barbaratag

2. Advent

Die Kerzen sind leider so gewaltig dimensioniert, dass der schöne Adventskranz darunter fast untergeht. Wir haben einfach keine anderen gefunden. So lassen wir sie einfach öfter als gewöhnlich brennen und haben mehr von der adventlichen Stimmung. Der Barbaratag fällt diesmal auf den Sonntag, anders als in den Vorjahren habe ich ihn aber rechtzeitig erinnert und auch J. gestern darauf hingewiesen. Ein Problem waren nur die Kirschbaumzweige, die einfach von allen, die man so im Rahmen des Brauchs verwenden kann, am schönsten blühen. V. hat mit einer verlängerten Astschere ein paar Zweige vom Kirschbaum des Nachbarn abgeschnitten, was diesem kaum auffallen dürfte, da der Baum in diesem Jahr wie verrückt gewachsen ist. Die Zweige sind allerdings ziemlich verzweigt gewesen, so musste ich sie etwas kleiner schneiden. Heraus gekommen sind zwei Vasen für die Wohnung und ein Bündel für den Arbeitsplatz, wo ich morgen ebenfalls eine Vase arrangieren werde. Inzwischen habe ich genug Erfahrung im ,,Steuern“ des Blütenwunders. In der Regel passiert in den ersten zwei Wochen fast nichts, dann aber beginnen die Knospen sich langsam zu öffnen. Na ja, und dann lässt sich mit geschicktem Temperaturmanagement der richtige Zeitpunkt für die Blüte schon lancieren. Wäre doch gelacht, wenn an Heiligabend der Frühling nicht schon frühzeitig bei uns eingezogen wäre!

Weihnachtliche Baum-Motive 5

Heute habe ich noch eine sehr schöne Postkarte mit dem Motiv des geschmückten Weihnachtsbaums gefunden. Die Streichholzschachtel, die losen Weihnachtsbaum-Deko-Blättchen und die beiden genähten Weihnachtsbaum-Anhänger passen auch gut in die Reihe. Es sind nun 21 Motive, bei der Zahl könnte ich die Auflistung eigentlich einstellen. Aber ich schätze, es wird nicht das letzte Motiv für dieses Jahr sein.

Weihnachtsbaum-Karte

Weihnachtsbaum-Streichholzschachtel

Weihnachtsbaum-Tischdekoration

Weihnachtsbaum-Dekoanhänger

Weihnachtsbaum-Dekoanhänger

Weihnachtliche Baum-Motive 4

Überall sind sie gegenwärtig. Die Baumkerzen benutzen wir allerdings nicht für den Weihnachtsbaum, sondern nur für die kleinen Lichterengel. Das Tischset und die Tempos sind von diesem Jahr, das mit duftenden Gewürzen gefüllte Filzsäckchen mit dem Mistelzweigmotiv ist schon älter.

Weihnachtsbaum-Kerzen

Weihnachts-Tischset

Weihnachtsbaum-Papiertaschentücher

Weihnachts-Duftsäckchen mit Mistelmotiv

Weihnachtsbaum als Symbol der Einheit

Das war doch wieder einmal schön: das erste Türchen im Adventskalender konnte geöffnet werden. Wir haben dem Chef den Vortritt gelassen. Und weiter geht’s gegen den Uhrzeigersinn. Das ist spannend, man kann jeden Tag einen kleinen Text lesen, den jeweils geöffneten Ausschnitt im winterlichen Nikolaus-Weihnachtsmarkt-Schlitten-Rentier-Motiv betrachten und das dahinter steckende Schokoladenteilchen verspeisen. Eine Vergegenständlichung der Vorfreude auf das schönste Fest des ganzen Jahres. Überhaupt ist die weihnachtliche Stimmung in diesem Jahr viel spürbarer und früher zugegen als in den Vorjahren. Vielleicht sind wir besser als bisher in der Lage, Gemeinschaft stiftende Traditionen bewusst wahrzunehmen und im Handeln zu artikulieren. Insofern sehe ich die Vorweihnachtszeit nicht so sehr unter dem oft kritisierten Kommerzialisierungs-Aspekt. Ich erkenne darin ein echtes Bedürfnis der Menschen, eine nie ganz zu bestimmende Sehnsucht nach Einheit und familiärer Gemeinschaft, die durch nichts besser zum Ausdruck gebracht wird als durch einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum. Für mich ist dieser Baum deshalb eines der stärksten Kultursymbole überhaupt. Und weil ich dieses Symbol auch in der übrigen Zeit der Jahres nicht missen möchte, hoffe ich insgeheim, das meine kleine Sammlung von Weihnachtsbaum-Darstellungen noch weiter wachsen wird, am liebsten durch den wunderbaren Kristallbaum von Swarovsky.

Weihnachtliche Baum-Motive

Bei der Durchsicht der vielen Abbildungen von Lea-Stein-Schmuckkreationen könnte man die Lust am Sammeln entwickeln. Dieses Design ist wirklich beeindruckend und so herrlich erfrischend in dieser glanzlosen und irgendwie farblosen Zeit. Aber wenn ich tatsächlich etwas sammeln sollte, dann wahrscheinlich Baum-Motive und Gegenstände mit Baumdarstellungen. Gestern habe ich schon mal mit dem Fotografieren solcher angefangen. Ich werde das im Laufe der Adventszeit komplettieren:

Weihnachtsbaum-Dekoband

Weihnachtsbaum-Tischset

Weihnachtsbaum-Windlicht

1. Advent

Eigentlich stellt man sich einen Adventssonntag beschaulich vor. Tatsächlich aber sind wir alle heute aus dem Denken an und Vorbereiten von Weihnachten gar nicht mehr heraus gekommen. Was natürlich sehr schön ist, und deshalb will ich mich an dieser Stelle auch gar nicht beschweren, sondern mich darauf freuen, in den kommenden Wochen die Atmosphäre einatmen und die für mich wichtige adventliche Stimmung erleben zu dürfen. Wir haben uns sehr bemüht, zahlreiche Medien dafür in und auch außerhalb des Hauses zu erschaffen. Hier sind nun einige Fotografien, die ich später sicher noch ergänzen werde. Vor allem werde ich die Details zu baumsymbolischen Darstellungen auf den vielen Deko-Materialien und Haushaltsgegenständen zusammen tragen, die sich so im Laufe der Jahre angesammelt haben.

Adventskranz auf winterlichem Grab

Adventskranz an Haustür

Adventsgesteck

Adventsgesteck

Adventsstrauß

Adventsstrauß

Adventsstrauß

Beleuchteter Mistelstrauß

Adventskranz

Advents-Schmuck

Das war ein ziemlich Baum intensiver Tag. Nicht nur wegen der drei Armbänder, deren Perlen ich heute fertig gestellt habe. Auch die Weihnachtsgestecke und auf Weihnachten und Advent bezogenen Schmuckelemente der Wohnung waren wieder Thema Nummer eins. Am Vormittag schon hat V. die Spitze einer unserer Fichten in dem neuen Baumständer verankert und auf dem vorderen Balkon platziert. Später habe ich die Lichterketten angebracht, was bei der Eiseskälte nicht sehr angenehm war. Es hat sich aber gelohnt, er leuchtet sehr schön, und da es diesmal ein richtiges kleines Bäumchen ist und nicht schon auf der Höhe des Balkongeländers endet, fällt es auch auf und wird ein echter Aufmerksamkeitslenker werden. Am Nachmittag dann habe ich wie jedes Jahr im Mangelzimmer den Mistelzweig aufgehängt, mit der Lichterkette versehen und mit einem roten Stoffband geschmückt. Hoffen wir, dass ein Zweig ausreichen wird, das Problem damit ist jedes Mal, dass er bei der warmen Raumluft dort mit der Zeit austrocknet, wobei die Blätter brüchig werden und sich leicht lösen. Und M. ist schon den ganzen Tag mit ihren unzähligen Deko- und Binde-Aktionen beschäftigt: Sie hat den schon seit Tagen fertig gebundenen Adventskranz mit vier goldenen Kerzen versehen, das ebenfalls schon vorbereitete Weihnachtsgesteck am vorderen Treppenaufgang platziert, einen weiteren Kranz für das Grab von G. gebunden, den wir wohl morgen dorthin bringen werden, diverse Stick- und Stoffgehänge mit weihnachtlichen Motiven im Wohnzimmerfenster aufgehängt und sämtliche Weihnachtsdekorationen, -teller, -engel, -lämpchen aus dem entsprechenden Archiv geholt und nacheinander in der ganzen Wohnung verteilt. Ich muss morgen bei Tageslicht mal die wichtigsten Ergebnisse im Bild festhalten und stelle das dann hier vor.

Ewiger Weihnachtsbaum

Die Kollegen haben mich daran erinnert, und ich bin der Aufforderung sogleich gefolgt: Der Weihnachtsbaum-Weihnachtsmusik-Bildschirmschoner für meinen PC musste wieder aktiviert werden. Wo doch schon alles auf Advent eingestimmt ist und der Erste Advent vor der Tür steht. So haben wir uns auch schon mit Spekulatius und Lebkuchen eingedeckt. Im Kaufhaus habe ich außerdem einen Milka-Adventskalender entdeckt und später im Büro aufgehängt. Nun müssen wir uns nur noch über die Reihenfolge des Öffnens verständigen. Der Bildschirmschoner, der mit aktiviertem Lautsprecher erst seine ganze Attraktivität entfaltet, ist aber das Stärkste. In diesem Jahr wollte ich bis zum Frühsommer nicht mehr darauf verzichten, so begeistert war ich von dieser virtuellen Winterlandschaft mit Schneeverwehungen, tanzenden Lichtern und dem sich drehenden und hüpfenden Weihnachtsbaum, begleitet von weihnachtlicher Musik, die irgendwann mittendrin in sakrale (Orgel-) Tönung übergeht. Und warum auch nicht: hier zu Hause habe ich auch ganzjährig einen kleinen vergoldeten Weihnachtsbaum aus Blech im Fenster hängen. Er ist für mich ein universeller Lebensbaum, der das ganze Jahr über seine heilsame Wirkung zu entfalten und auszustrahlen vermag.

Baumschnitt-Pragmatismus

In D. scheint man neuerdings Gefallen am Schneiden der Bäume gefunden zu haben. Dass dem mit solcher Akribie nachgegangen wird, muss auf den Ehrgeiz einzelner Verantwortlicher zurückzuführen sein. Auch trägt die Art des Schnitts eine charakteristische Handschrift. Radikal werden alle in Kopfhöhe und niedriger wachsenden Äste gekappt zu Gunsten einer stärkeren Krone. Dem liegt wohl die Überlegung zu Grunde, dass das Entfernen der unteren Äste das Wachstum des Baums in der Krone forciert und möglicherweise stärkere Äste im Kronenbereich dadurch entstehen. Mir scheint, man hat dabei weniger ästhetische Gründe als praktische. So wird das Wachstum der niedrigeren Sträucher, Blumenbeete etc. auf keinen Fall behindert, so fällt genug Sonnenlicht auf die anderen Pflanzen und vor allem: so sind die städtischen Grünlagenarbeiter nicht gehindert, ihren Pflegearbeiten nachzugehen. Der Preis für so viel Pragmatik: Das Erscheinungsbild der Bäume, die in einer Weise zu Giganten herangezogen werden, die nicht bei jeder Art ihrem Charakter entspricht. So kommt das Vorgehen an vielen Stellen einer Vergewaltigung der Baum-Wesen gleich, die mir in diesem Moment geradezu leid tun. Liebe Grünflächen-Gurus: Wie wär’s mit etwas mehr Sensibilität und mit ein bisschen mehr Rücksicht auf die natürlichen Wachstumstendenzen der Bäume?

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.