Alltagskommunikation über Bäume

Bestimmte Dinge haben bei mir Tradition, ich ändere sehr ungern etwas daran, weil ich ein Stück Jugend damit aktualisiere. Zu diesen Dingen gehört der Frisör, den ich schon seit ca. 22 Jahren ausschließlich besuche. Selbst zu meiner Studienzeit in E. habe ich mir doch zu Hause die Haare schneiden lassen. Vielleicht liegt es an dieser langen Tradition, dass die Gespräche während des Schneidens immer sehr locker und wie selbstverständlich sich entwickeln. Häufig geht es um Hunde, da die Friseurin Hunde liebt und zurzeit dieselbe Rasse bevorzugt wie J., so dass ich immer etwas dazu sagen kann. Heute aber sind wir auf die Bäume zu sprechen gekommen, da eine mir eine palmenartige Topfpflanze im Salon aufgefallen war. Wie sich herausgestellt hat, liebt die Friseurin Pflanzen aller Art, Blumen, Stauden und Bäume, die sie in ihrem Garten kultiviert. Dabei bringt sie es nicht übers Herz, Ableger zu entsorgen oder Pflanzen nicht im kühlen Keller zu überwintern. Auch scheint sie sich gut auszukennen, sogar Tulpen- und Trompetenbäume waren ihr bekannt, und der Ginkgo, von dem sie ein schon recht hohes Exemplare ihr Eigen nennt. Auch wenn die Motive, sich mit den Pflanzen zu beschäftigen, und die Art des Umgangs mit ihnen bei den Menschen ganz unterschiedlich sein können, ein solches Gespräch, das manchmal sehr verzweigt sein kann und oft überraschende Einsichten gewährt, ist für mich immer wieder sehr spannend. Zeigt es mir doch, wie tief verwurzelt Erscheinung und Symbolik der Pflanzen im Bewusstsein und Alltag der Menschen verankert ist. Man muss das Thema nur hervorkitzeln und merkt sehr schnell, dass es sehr viel mehr Liebhaber gibt, als man denkt. Gut für die Bäume und gut auch für mich, da es mir immer wieder Stoff zum Weiterspinnen meiner baumsymbolischen Fäden liefert.

Zeit der Winter-Früchte

Manche Früchte erscheinen unheimlich spät im Jahr. Irgendwie skurril, dass man Mitte November bei wirklich unwirtlichem Wetter kirschgroße knallrote Mehlbeerfrüchte am Baum beobachten kann. Oder sie bleiben unheimlich lange hängen, wie etwa die Kornelkirschen, die zwar schon rotschwarz geworden sind, aber immer noch nicht abgefallen sind. Besonders auffällig im Kontrast zum satten dunkelgrün der Blätter sind derzeit die Beeren der Stechpalme, die in diesem Jahr besonders üppig ausgefallen sind. Gerade richtig, denn bald steht die Gestaltung der Adventskränze an, für die sie dringend benötigt werden. Und die Misteln laufen auch zur Hochform auf. Die Beeren sind diesmal recht zahlreich und dick ausgebildet, das tiefe Grün der Blätter aber macht leider immer noch einem meist gelblich gefärbten Ton Platz. Hoffentlich ändert sich das irgendwann noch einmal, denn die dekorative Brillanz der Misteln hängt wesentlich davon ab, dass die Blätter satt grün und die Beeren schneeweiß erscheinen. Besser kann die Symbolik des Schmarotzers nämlich kaum sichtbar werden.

Mispel-Zubereitung

Es war nicht ganz leicht, brauchbare Rezepte zur Zubereitung von Mispel-Früchten zu finden. Im Internet findet man zwar einiges dazu, aber mir scheint, alle schreiben irgendwie voneinander ab. So kursiert etwa das Gerücht, die Früchte müssten mindestens einen Frost hinter sich haben, um weich genug für die Weiterverarbeitung zu sein und eine leichte Süße zu entwickeln. Auch ist immer wieder vom Vierteln und Entkernen der Früchte als erstem Arbeitsschritt die Rede. Wenn man einmal damit arbeitet, erkennt man demgegenüber ganz andere Wahrheiten: die meisten bereits Frost erprobten Mispeln sind schlicht faul, also unbrauchbar, und nicht etwa nur weich. Und Entkernen im üblichen Sinne ist auch unmöglich, da die vier sehr großen Kerne mitten im Fruchtfleisch sitzen, so dass beim großflächigen Entkernen praktisch nichts mehr übrig bliebe, zumal ja auch die raue Außenhaut geschält werden muss. Wenn man sich den sehr großen Aufwand antut, der mit dem Schälen und kernlos-Machen der Früchte verbunden ist, und dann auch noch ein gutes Rezept anwendet, z. B. das Mispel-Quark-Gratin oder Mispel-Kompott in Blätterteigtaschen, hat aber die Mispelfrucht durchaus ihre Reize. Ein eher herber, leicht säuerlicher und etwas bitterer Geschmack kennzeichnet sie und hebt sie damit deutlich von Äpfeln oder anderem Steinobst ab. Allen, die mal etwas Außergewöhnliches versuchen möchten und Zugang zu einem Mispelbäumchen haben, seien die Mispel-Koch- und Backexperimente durchaus empfohlen.

Individualität schlägt Artzugehörigkeit

Die Bäume verhalten sich sehr unterschiedlich, was das Abwerfen ihrer Blätter betrifft. Die Eichen sind jetzt schon fast kahl, während z. B. manche Kirschbäume mit überwiegend noch grünen Blättern offenbar auf den ersten richtigen Frost warten. Ähnlich ist es mit den Hainbuchen, deren Blätter aber schon größtenteils vertrocknet und braun sind. Manchmal beobachte ich, dass es nicht nur an der jeweiligen Art liegen kann. In D. etwa stehen zwei Kirschbäume im Abstand von wenigen Metern neben einander, wobei der eine bereits kahl ist und der andere noch zur Hälfte grünt. Es scheint, dass die Individualität des einzelnen Baumes gelegentlich das Artspezifische überlagert und dominiert. Wahrscheinlich ist es dieses Individuelle, was Menschen veranlasst, sich in den Bäumen zu spiegeln.

Vegetative Weihnachtssymbolik

Die Geschäfte sind schon vollkommen auf Weihnachten eingestellt. Alle Dekorationen und das Sortiment glitzern und funkeln, wohin man auch sieht. Darunter immer wieder neue und überraschende Ideen, die deutlich machen, welche ungeheuere Bedeutung Weihnachten und seine Atmosphäre für die Menschen hat. Die Kreativität führt es jedenfalls zu den höchsten Höhen. Wichtiger und schöner als das Fest selber scheint dabei die Vorbereitung und die Adventszeit zu sein. An dieser Stelle ist quasi-automatisch immer von Kommerzialisierung, Kitsch und ähnlichem die Rede. Ich kann dagegen sehr viel Schönes feststellen, an den Gegenständen, aber auch an den Menschen, die mit der Vorbereitung auf Weihnachten in unterschiedlichster Form beschäftigt sind. Dieses Fest vermag vieles zu verwandeln. Da dies ein Baumtagebuch ist, sei eine besondere Beobachtung erlaubt: Die immergrünen Pflanzen, allen voran der Mistelzweig, die Stechpalme und der Tannenzweig spielen als weihnachtliche Symbole immer noch eine wichtige Rolle. Kaum eine Serviette, ein Geschirrteil, ein Adventskalender oder ein Windlicht, welches nicht diese vegetative Symbolik verwendet. Und natürlich den Weihnachtsbaum als Ganzen. Und so freue ich mich, wenn ich in diesem Jahr eine kleine hängende in Gold gefasste Dekoration in Form eines plastisch ausgeformten Tannenzweigs und eines Tannenzapfens als Geschenk erhalten werde. Sie wird wunderbar den kleinen Weihnachtsbaum ergänzen, der bei mir nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern ganzjährig das Fenster ziert.

Prägendes Landschaftserleben

Bei der Lektüre eines Romans, der die dramatische Lebensgeschichte einer gebürtigen Tibeterin schildert, ist mir heute wieder klar geworden, wie sehr die heimische Landschaft doch die Wahrnehmung und das gesamte Lebensgefühl bestimmt. Dort beschreibt die Hauptfigur, dass ihre tibetische Heimat vor allem von blanker Erde, Staub und hohen Bergen geprägt war. Kaum ein Baum lag im Blickfeld der Bewohner des Tals. Erst auf ihrer Flucht über den Himalaya nach Nepal begegnete sie erstmals ausgedehnten Wäldern, dichtem Dschungel, in dem das Holz im Übermaß vorhanden war und nicht, wie in ihrem Dorf, mühsam zusammen gesucht werden musste. Ähnliche Eindrücke vermitteln Landschaften wie die im vorderen Orient oder in bestimmten afrikanischen Regionen, in denen Menschen kaum je Grün zu sehen bekommen. Wahrscheinlich würden Menschen aus waldlosen Regionen der Erde meine Wunschbaum-Seite gar nicht verstehen. Wahrscheinlich wüssten sie gar nicht, was mir als Mitteleuropäer, dem ausgedehnte Waldflächen und viele Grün selbst in den Städten selbstverständlich ist, die intensive Beschäftigung mit den Bäumen bedeutet. Gleichzeitig bin ich sehr froh, in dieser Landschaft zu leben und das Geschenk erhalten zu haben, die Bäume erleben zu dürfen. Auch wenn es nur eine von vielen Möglichkeiten ist, der Schöpfung und dem Ursprung alles Lebendigen und allen Seins schlechthin näher zu kommen, es ist eine, die meinem persönlichen Wesen und meiner sozialen Identität in ganz ausgezeichneter Weise entspricht.

Faszination Baum

Meine Art, das große inhaltliche und ästhetische Feld der Bäume nach Themenbereichen zu gliedern, finde ich gelegentlich auch in der aktuellen Baum-Literatur. So etwa bei der Lektüre von Eckart Potts ,,Faszination Baum”. Interessanterweise habe ich, um den Überblick zu behalten und auch um gute Anhaltspunkte für neue Texte und Illustrationen zu haben, meine eigene stetig wachsende Sammlung von Baum-Fotografien nach ganz ähnlichen Kriterien aufgeteilt: Wurzel, Blätter, Jahreszeiten, Borken, Wälder u. ä. Vielleicht ist es auch einfach nicht anders möglich, will man später noch mal etwas Spezielles finden bzw. auf eine spezifische Auswahl zurück greifen können, ohne ewig zu suchen. Das Buch ist ganz gelungen, anders als ich beim ersten Durchblättern vermutet hatte. Der Autor ist ein bewundernswerter Baumkenner, was nicht nur mit seiner wissenschaftlichen Erfahrung als Biologe zusammen hängt, sondern auch an den vielen Reisen und Erkundungen in verschiedenen Kontinenten der Erde, bei denen er eine große Zahl faszinierender Baum-Fotografien zusammen getragen hat. In seinem Ansatz und seiner Art, sich mit den Bäumen zu beschäftigen, sehe ich viele Parallelen zu mir, allerdings ist bei mir das Bedürfnis zu reisen weniger stark ausgeprägt. Und so orientiere ich mich lieber an den Bäumen meiner heimischen Lebenswelt.

Mispel-Ernte

Es ließ sich nicht weiter hinauszögern. Die Mispeln (bei uns auch ,,Honsärsch” genannt) fielen nach den jüngsten kalten Nächten schon vom Baum. So war es angebracht, sie zu pflücken. In festem Zustand sind sie zwar kaum genießbar, aber wenn einige Fröste darüber gegangen sind, oder (den Versuch habe ich gerade unternommen) wenn man mit der Gefriertruhe nachgeholfen hat, entwickeln sie eine leichte Süße, die den etwas bitteren und säuerlichen Geschmack aufwertet. Habe auch gleich einige Zubereitungsmöglichkeiten recherchiert, die ich in den kommenden Tagen ausprobieren will. In jedem Fall finde ich es spannend, handelt es sich doch um eine Frucht, die kaum noch bekannt ist, geschweige denn, dass jemand wüsste, was man damit anfängt. Dass daraus Schnaps gebrannt werden kann, ist mir seit langem bekannt. Und ob sonstige Zubereitungen der reifen Frucht für zeitgenössische Mägen zumutbar oder gar reizvoll sind, werde ich noch herausfinden. Für alle, die die Mispel-Frucht nicht kennen, ist hier eine Abbildung einiger heute gepflückter Exemplare:

Reife Mispeln

Lustiges Nilpferd

Ich habe die wunderbare Nachmittagssonne zu einem Spaziergang zur Burg Monclair genutzt. Zuletzt war ich im Dezember letzten Jahres dort, bei tiefem Schnee. Aber so ist es eigentlich noch schöner, besonders der Blick ganz oben auf die Saarschleife:

Blick aufdie Saarschleife

Na ja, für meinen Geschmack waren etwas zu viele Spaziergänger und Läufer unterwegs, dennoch ist mir der kürzlich neu entdeckte Blick auf die verborgenen Baumwesen heute wieder möglich gewesen. Und ich habe sogar ein sehr lustiges Wesen entdeckt, dem ich den vorläufigen Titel ,,Lustiges Nilpferd” gebe. Ein Nilpferd im saarländischen Wald, und dann auch noch mindestens Hundert Meter oberhalb der Saar, kann das sein? Natürlich, die Baumwesen kennen keine Grenzen:

Baumwesen

Der Nussbaum

Es kam heute, in der Zeit des Walnussbaums zu mir, das neue Baum-Gedicht Songüls. Es ist ein Gedicht der Sehnsucht und der Hoffnung, der Erinnerung und der Zuversicht. Und so wünsche ich Songül, dass der Nussbaum ihr den erhofften Sinn (zurück-)gibt:

Der Nussbaum

Als ich noch klein war,
6 oder 7 Jahr’,
fuhren wir in die Türkei,
wir hatten einen Garten mit Allerlei.

Es ist in einem Dorf am Schwarzmeer,
ich vermisse die Zeiten wirklich sehr.
Vor allem erinnere ich mich an Dich – Nussbaum,
aber mittlerweile bist du mein unvergesslicher Traum!

Jetzt holt mich die Vergangenheit ein,
werde ich bald wieder bei Dir sein?
Wenn meine Eltern Dich nochmal pflanzen, wirst Du neu entstehen?
Bedeutet es für mich auch, meine Wünsche werden möglicherweise in Erfüllung gehen?

Hilf mir lieber Nussbaum,
zu verwirklichen jeden einzelnen Traum,
damit ich weiß, wofür ich lebe,
bevor ich mich wieder einmal sinnlos aufgebe!

Von Kühen und Misteln

Kuhblicke

Wir sind heute versehentlich auf den falschen Wanderweg geraten. Gesucht hatten wir den Mühlenweg rund um B. und gefunden haben wir den Streuobstwiesenweg. Der M. dann allerdings etwas zu steil und anstrengend war. Deshalb fiel das ganze auch kürzer aus als geplant. Immerhin bei der Gelegenheit sind wir zu einer Kuhherde geraten, die offensichtlich glücklich und zufrieden auf einer sonnenbeschienenen Weide graste. Das brachte mir ein paar ganz gelungene Kuh-Bilder ein (Kühe sind wahnsinnig fotogen), und M. hatte Gelegenheit, ihre Empathie zu Tieren jeglicher Art unter Beweis zu stellen. Ihr bloßes Gut-Zureden hat die Herde tatsächlich veranlasst, sich immer näher und zahlreicher dem Elektrozaun um sie herum in unsere Richtung zu nähern (Kühe sind wahnsinnig neugierig). Auf dem Weg konnte man auch sehr gut beobachten, wie sehr die Obstbäume unter dem Befall durch die Misteln leiden. Natürlich liegt das an der mangelnden Pflege dieser Bäume, ein Phänomen, das man im gesamten Landkreis beobachten kann. Was auch auffällt: Kaum noch sieht man irgendwo Misteln mit wirklich grünen Blättern und schneeweißen Beeren. Vielmehr sind sie fast ausnahmslos gelblich mit grünlichen oder gelblichen Früchten. Wir rätseln an dieser Stelle jedes Mal, woran das wohl liegen mag. Das einzig positive daran: Nach dem Fall des Blattkleides wirken die kugeligen Mistelgewächse fast schon dekorativ und mancherorts gar landschaftsprägend:

Mistel-Baum

Sommerliche Reminiszenz

Das neue Baumgedicht von Songül ist dem Kirschbaum gewidmet. Es kommt mir heute gerade recht, denn das war wohl der erste richtige Novembertag, der bei aller Gemütlichkeit, die diese Witterung auch ausstrahlen kann, doch auch den Sommer wieder vermissen lässt:

Unterm Kirschbaum

Erinnerst Du Dich noch an damals? Es war Sommer.
Du hast mich getröstet, denn ich hatte wieder einmal Kummer.
Unsere Begegnung fand an einem besonders schönen Ort statt,
ein Ort, wo der ewige Sommer seinen Platz für immer gefunden hat!

In meinen Gedanken stehe ich ab und zu dort,
befinde mich mit Dir an unserem geheimen Ort.
Es war unterm Kirschbaum,
ich träume noch immer diesen Traum!

Lass uns doch die Zeit zurückdrehen,
noch einmal unterm Kirschbaum stehen,
um die schönsten Momente unseres Lebens zu genießen,
lassen den ewigen Sommer in unsere Herzen hineinfließen!

Eibe und Pluto

Die beiden kommenden Wochen mögen einigermaßen trockenes Wetter bringen. Kühl kann es ruhig sein. Aber ich würde den Urlaub gerne nutzen, um die Stimmung des November und der Bäume in einigen Fotografien festzuhalten, und das geht nun mal vernünftig nur ohne Regen. Nach der von Vescoli konstruierten Systematik ist dies die Hochzeit der Eibe: die Phase vom 3. bis 11. November. Bezeichnenderweise liegt mein Geburtstag genau in der Mitte dieser Phase, ein weiteres Indiz dafür, dass mir die Eibe außerordentlich verbunden ist. Und ein weiterer Grund dafür, dass ich die Einteilung des Keltischen Baumkalenders nach Vescoli recht sympathisch finde. Auch wenn sie sich historisch in keiner Weise nachvollziehen oder begründen lässt. Es ist die Zeit des Niedergangs in der Natur, um es einmal drastisch auszudrücken. Ein Niedergang, der für mich immer vor allem das Potential zum Neuanfang und Neuaufbau in sich trägt. Der klirrend kalte Winter ist dann nur noch die reine Ausformung dieser Ruhephase vor dem neuen Erwachen. Anfang November aber die erste deutliche Ankündigung, die sich sogleich in der Stimmung der Menschen und dem biologischen Rhythmus von Mensch, Tier und Pflanze niederschlägt. Und solche Umbruchphasen interessieren und faszinieren mich von jeher. Deshalb verbinde ich die Eibe auch gerne mit dem Pluto-Aspekt, dem Vulkanischen, der unbedingten und unaufhaltsamen Transformation eines Zustandes in einen ganz anderen, in seiner Substanz und seinem Charakter verwandelten. Eine Motiv, welches meine eigene Persönlichkeit als Mensch stark bestimmt.

Begegnungen

Wenn ich mir vorstelle, dass die Tulpenbäume in D., die ich heute nach langer Zeit wieder besucht habe, einmal die Größe des riesigen alten Exemplars im Anstaltspark von M. haben werden, denke ich gleichzeitig an meine eigene Lebensspanne. Das ist es eben auch, was die Bäume in uns spiegeln: die eigene Endlichkeit. Sofort kommt zu Bewusstsein, dass sie uns zumeist überleben werden. Und doch hat der Gedanke etwas Tröstliches, dass ich die Chance habe, diese Lebewesen, die mir durch zahlreiche Spaziergänge und unzählige Begegnungen zu den verschiedenen Jahreszeiten und in verschiedenem Licht, in unterschiedlichen Stimmungen und Einstellungen so vertraut sind, in 20 oder 30 Jahren noch einmal zu besuchen. Um dann zu reflektieren, wie es uns beiden, als lose Schicksalsgemeinschaft sozusagen, zwischenzeitlich ergangen sein mag. So werde ich es in vielen Jahren mit dem neu gepflanzten Kirschbaum auf der Bildhauerwiese in B. tun. Der einzige Grund, der mich dort einmal hinführen könnte. So wird es mit diesen Bäumen in D. und ganz sicher mit vielen anderen sein, die ich von meinen so häufig wiederholten Gängen am Saarufer fortlaufend beobachte und begleite. Sie werden immer denselben Standort beleben. Ich aber werde die Freiheit haben, sie aufzusuchen und in meiner eigenen Unbeständigkeit an ihrer Konstanz, Ruhe und Souveränität, vielleicht auch an ihrer Verletzlichkeit, ihrem Behauptungswillen und ihrer Leidensfähigkeit Anteil zu haben.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.