Traditionsorte, biografische Erinnerungen und goldene Oktobertage

Das ganze bisherige Jahr waren die Gelegenheiten für Ausflüge, Ausstellungs- und Marktbesuche sehr rar gewesen. Einigem, was traditionell möglich war, standen ungünstige Bedingungen entgegen, anderes fand gar nicht mehr statt. Aber zuletzt haben wir dann doch einige z. T. unverhoffte Gelegenheiten wahrnehmen können. Unter anderem den Besuch des Traditionsmarktes, der nach 4 Jahren Pause erstmals wieder zum Leben erweckt worden war. Und auch auf dem heutigen Markt, der auf Plakaten mit dem Stichwort „Goldener Oktober“ beworben wurde, was bei dem lichten Wetter und der davon schon stärker herbstlich geprägten Baumlandschaft heute durchaus passend erschien, waren wir schon einige Male, aber zuletzt eben auch vor einigen Jahren. Es ist schön, trotz der Lücken und langen Pausen immer wieder vertraute Gesichter und Stände zu erblicken. Und auch Bekannten sind wir begegnet, in einer kleinen Stadt, die wir nur selten besuchen, mit denen uns aber ein herzliches Wohlwollen verbindet. Obwohl schon im benachbarten Bundesland liegend, steht uns dieser Ort näher als manches Ausflugs- und Einkaufsziel im eigenen Land. Die Fahrt hin und zurück gehört für uns immer zu dem Eindrücklichsten an den Ausflügen nach S. Denn am Flussufer entlang ist das einfach ein toller landschaftlicher Eindruck, der viele Erinnerungen aus der eigenen Biographie weckt und den reinen Landschaftseindruck damit symbolisch verstärkt. Vor allem erinnert S. an Ms Geburtsort und an wichtige Stationen der früheren Kindheit. Den Friedhof, auf dem Ms Mutter einmal beerdigt war, konnten wir auf dem Rückweg aber doch nicht mehr besuchen. Dafür wollen wir bei anderer Gelegenheit, mit mehr Zeit, noch einmal gesondert aufbrechen.

Neue Chancen auf goldene Oktobertage

Es war ein schon traditionell gewordener Ausflug heute, der zwar einem profanen Einkaufszweck diente, in der Familiengeschichte aber einen besonderen Stellenwert eingenommen hat. Insofern war ich froh, zusammen mit M. wieder dorthin zu fahren und notwendige Dinge zu erledigen. Allein die Hin- und Rückfahrt hat etwas, was mit innerfamiliärer Kommunikation zu tun hat. Aber auch die weitere Region kann durch diese Fahrten wieder in Erinnerung gerufen werden. Es ist eben nicht nur die romantische Fahrt über Land und durch Waldlandschaften, die reizvoll wirken können. Manchmal ist es einfach die Anknüpfung an langjährige Erfahrungen und Gewohnheiten, die anregend wirken können. Nebenbei habe ich heute erstmals bemerkt, dass der Baumherbst tatsächlich angekommen ist. Denn verbreitet waren herbstlich gefärbte Baumkronen zu sehen, in einer Dominanz, die deutlich für den Herbst spricht. Irgendwann ist das Laubgrün eben quantitativ und dann auch in der Wahrnehmung unterlegen und wird von den Braun-Rot-Gelb-Tönen des Baumherbstes überlagert. Wäre schon, wenn nächste Woche tatsächlich noch einmal eine Wärmeperiode beginnt. Dann könnte doch noch etwas aus dem goldenen Oktober werden, der nur mit trockenen Abschnitten eine Chance hat.

Fotografische Vielfalt und motivische Spektrumserweiterung

Die Detailarbeit an einer größeren Serie an Porträtfotografien hat mich zurzeit richtig gepackt. Selten habe ich so ausgefeilte und raffinierte Ergebnisse erzielt. Natürlich sind das Arbeiten im eigenen Interesse, die ich so nicht weiterberechnen kann und möchte. Aber die Erfahrung mit diesen Bearbeitungen ist für mich sehr wertvoll, weil es das Möglichkeitsspektrum für künftige Projekte doch enorm erweitert. Insofern bin ich sehr froh, dieses neue fotografische Motivfeld und diese Aufgabe gefunden und für mich entdeckt zu haben. Vor einigen Jahren hätte ich noch nicht gedacht, dass mich über die Natur- und Baumfotografie hinaus, vielleicht auch noch über die Weihnachtsfotografie hinaus, andere, eigentlich ganz abweichende fotografische Motiv so faszinieren könnten. Es sind am Ende einfach verschiedene Ansätze, ganz unterschiedlich Herangehensweisen, Techniken, Bildideen und auch Bearbeitungsroutinen, die bei dem einen oder anderen fotografischen Aufgabenfeld auf mich warten. Sehr spannend, das mit abwechselnden Schwerpunkten immer wieder durchspielen und weiterentwickeln zu können.

Zeit für die Verinnerlichung des Natürlichen

Vom angekündigten Unwetter sind wir verschont geblieben. Wenigstens das. Aber der Herbst zeigt sich eben nicht von seiner schönsten Seite. Gute, dass so viele Aufgaben abzuarbeiten sind, darunter auch viel Kreatives. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf so manches andere, weg vom natürlichen Umfeld. Wenn dann noch Aufträge für die Herstellung von Lebensbaum-Armbändern hinzukommen, habe ich einen Ausgleich, quasi eine Entschädigung für verpasste jahreszeitliche Naturerfahrungen. So bewegt sich mit der Annäherung an Weihnachten wieder alles in Richtung der symbolischen Verarbeitung und Verinnerlichung des Natürlichen.

Bunte Jahreszeitenwundertüte

Kein Wetter fürs Fotografieren. So erfüllt sich mein Wunsch nach einem goldenen Oktober wohl doch nicht, obwohl es einige Tag Anfang des Monats danach aussah. Schade, denn damit werden auch die avisierten Herbstlaub-Fotografien wohl nichts werden. Wenn es nämlich so viel regnet und dann über Nacht frostige Temperaturen eintreten, fallen die Blätter häufig gleich von den Bäumen, ohne zuvor zu trocknen und das Grün zu verlieren. Verrottete Baumblätter sind so in den Vorjahren häufig im Oktober zu sehen gewesen, seltener die typischen ausgetrockneten und vom Chlorophyll befreiten Herbstblätter mit den braun-gelb-roten Farbtönen. Aber noch stehen zwei Drittel des Monats bevor. Vielleicht erleben wir noch eine positive Jahreszeitenwundertüte.

KI generierte Bilder vs individuelle Fotografie

Immerhin sehe ich mich derzeit mit zahlreichen und umfangreichen Kreativaufgaben konfrontiert. Viel Fotografie ist dabei und viel Gestalten und Illustrieren mit fotografischen Mitteln. Ich denke, auf dem Gebiet habe ich in den letzten Jahren einen großen Schritt vorwärts gemacht. Gerade die Möglichkeiten, Fotografie für illustrative Zwecke einzusetzen, wird wohl noch zu dürftig genutzt. Ich beobachte eine Reduktion auf Standardkonzepte, aber wenig Lösungen, die mit konkreten Räumen und Personen deren individuelle Bestimmung und Aufgaben wiedergeben. Anstrengend und planungsintensiv ist das zwar. Man kann aber sehr eindrucksvolle und vor allem unverwechselbare Ergebnisse erzielen, die Wirkung zeigen. Interessant ist für mich, dass ich nach langen Jahren der Fokussierung auf Baum- und Naturfotografie irgendwann zusätzlich auf Menschen und Aktionen als fotografisches Motivfeld gekommen bin. Dabei hätte ich zuvor nicht gedacht, dass mich das so herausfordern würde. Aber gerade die Porträtfotografie hat es mir inzwischen richtig angetan. Und auch das Festhalten von Arbeitssituationen, d. h. Menschen bei der Arbeit und in Aktion, ist heute für mich außerordentlich spannend. Und gleichzeitig sind diese Felder der Beweis dafür, dass die Fotografie nie ihre Bedeutung verlieren wird. Denn es sind Motive und Situationen, die eben nicht durch Rückgriff auf schon Vorhandenes generiert werden können. Das genau sind die Aufgaben, bei denen Bildgenerierung mittels generativer KI an ihre Grenzen stößt. An unüberwindliche Grenzen, was KI Bilder letztlich immer als eine eng beschränkte Ergänzung zur individuellen fotografischen Arbeit werden lässt.

Herbstfarbenhoffnung

Schade, ich hatte mit einer Fortsetzung des hellen Herbstwetters, mit Sonne und einer Laubfärbung der Bäume gerechnet. Das hätte schön in die Entwicklung der Jahreszeit in den letzten Tagen gepasst. Aber jetzt sieht es eben doch nach Dauernässe aus, ohne Aussicht, dass sich das im Wochenverlauf wesentlich ändert. Hoffen wir auf die Unzuverlässigkeit des Wetterberichts und auf unverhoffte Überraschungen im positiven Sinne, wie wir sie in diesem Jahr so häufig schon erleben durften, neben all den Abweichungen vom Typischen und Gewohnten. Es wäre schade um die späten Früchte und natürlich um die Farbästhetik der Jahreszeit.

Pausenlosigkeit und kreatives Arbeiten

Ein erfreulich ruhiger Sonntag war das. Aber dennoch nicht ohne außerplanmäßige Arbeit, die derzeit unvermeidlich ist. Denn ich arbeite einen Stau allmählich ab, der sich durch angehäufte Aufgaben ergeben hat. Etwas, das gelegentlich in meinem Bereich nicht vermeidbar ist, aber auch nicht den Normalfall darstellt. Das wäre für den kreativen Anteil der Arbeit auch nicht förderlich. Denn Pausenlosigkeit ist nicht unbedingt förderlich für kreative Ergebnisse. So aber kann ich solche Phasen mit Erfahrung und Routine überbrücken. Ich freue mich auf die moderat temperierten Tage des hoffentlich goldenen Oktobers, die noch vor uns liegen. Und auf die Gelegenheit, die sich daraus auch für die Baumfotografie und das Festhalten des Baumherbstes in Fotografien ergeben kann.

Herbstliche Gartenarbeiten vor dem Winter

Immerhin in der Hinsicht ist es diesmal wie gewohnt abgelaufen. Die Sitzmöbel unter der Überdachung im Garten haben wir heute bereits abgebaut und reingeholt. Das Rattan-Sofa lassen wir allerdings draußen stehen, nur mit einer Plastikplane gut abgedeckt und vor Feuchtigkeit geschützt. Ein bisschen Arbeit ist das immer, auch weil rundherum einiges sauberzumachen ist. Vor allem das langsam sich lösende und trocknende Herbstlaub der Gartenbäume sammeln sich überall zu Haufen, die wir wohl auch noch in den kommenden Wochen immer wieder zusammenkehren müssen. So ganz ist die Gartenarbeit also noch nicht abgeschlossen. Aber die Aktion ging ganz gut von der Hand und konnte auch weitgehend beendet werden. Immerhin sind wir dann auch noch dazu gekommen, das traditionelle Herbstfest unserer Heimatstadt zu besuchen. Kurz wie immer, eigentlich nur, um eine gute Portion „Gromper Meisjer“ zu bestellen und eingepackt mit nach Hause zu nehmen. Das machen wir immer so, und bei der Gelegenheit haben wir auch noch einmal die ganz spezielle Atmosphäre bei diesem Fest mitgenommen, die auch nach so vielen Jahren noch etwas hat, natürlich auch wegen der Menschen, die man sonst nie sieht.

Der Beitrag des einzelnen zur „kritischen Masse“

Wie eigentlich immer ab Anfang Oktober bin ich tatsächlich heute schon an meinen Kellerarbeitsplatz umgezogen, um die jüngste Anfrage nach einem Lebensbaum-Armband zu bearbeiten. Jedenfalls nachdem ich in der Werkstatt die Grundlage, einen exakt 7mm starken Stab hergestellt hatte. Das war auch draußen für Oktober ein recht angenehmer Tag. Aber es wird schon früh dunkel und wenn man einige Stunden sitzt, ist es draußen dann doch nicht mehr zumutbar. Deshalb war der Umzug fällig. Wenn schon bei künstlicher Beleuchtung, wäre es doch schön, wenn diese Innenarbeitsraumsaison mit viel intensiver Manufakturarbeit angefüllt wäre. Von meinen jüngst initiierten Werbeaktivitäten könnte dafür ein geeigneter Impuls ausgehen. Die generelle Stimmung unter den Menschen ist dagegen ein Einflussfaktor, den man als einzelner Mensch und Kreativer nicht wirklich beeinflussen kann. So hoffe ich sehr, dass sich noch in diesem Jahr ein neuer Mut, mehr Zuversicht in die Gestaltbarkeit der Zukunft neu herausbildet und sich diese neue Zuversicht auch stabilisieren kann. Natürlich kann jeder einzelne versuchen, etwas dazu beizutragen. Letztlich wird es auf die legendäre „kritische Masse“ ankommen, ob eine Richtungsänderung spürbar und wirksam wird.

Unterschiede in der Anmutung von Feiertagen

Der gesetzliche Feiertag hat mich heute noch weniger beschäftigt als in den Vorjahren. Aber das feiertäglich Aus habe ich doch gerne in Anspruch genommen. Anders als bei kirchlichen Feiertagen verbinde ich damit aber nichts Feierliches und Kontemplatives, eher eine Gelegenheit, die Dinge ruhiger anzugehen. Ich freue mich aber auch, am Wochenende eine neue Anfrage an die Wunschbaum-Manufaktur bearbeiten zu können, die mich dem Modus der kunsthandwerklichen Winterarbeit wieder näherbringen wird. Denn wie es aussieht, werde ich jetzt schon ins wärmere und windgeschützte Kelleratelier für die Feinarbeiten umziehen müssen. Leider hatte ich in diesem Sommer von dem Gartenarbeitsplatz nur sehr wenig. Auch das kann in 2025 nur noch besser werden.

Hoffnungen auf den goldenen Oktober

Den Wetterbericht hatte ich zuletzt ganz anders interpretiert. Aber in unserer Region scheint es das Wetter ausnahmsweise in diesem Jahr einmal besser zu meinen als erwartet. Jedenfalls hatten wir erstaunlich viel Sonne, noch etwas mehr als gestern schon. Das ist natürlich gut für meine späten Gemüsepflanzen, v. a. die Chilis, die zwar schon eine Reihe von Schoten haben reifen lassen. Aber gerade die Pflanzen mit den meisten Schoten sind noch nicht so weit, tragen zwar viele Früchte, die aber nicht richtig wachsen und erst recht nicht ausreifen wollen. So viel Sonnenlicht ist da natürlich förderlich und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass daraus noch etwas wird. Für die Bäume hat das schöne Oktoberwetter zwar keine aufbauenden Funktionen mehr. Aber wir könnten dank der Sonne noch zu einem goldenen Oktober kommen und echte herbstliche Laubfärbung erleben. Dann könnte ich nach Jahren auch wieder dazu kommen, mein fotografisches Portfolio im Bereich der Baumherbstfotografien zu erweitern. Um in dem Motivbereich wirklich neue und gute Ergebnisse erzielen zu können, bedarf es schon einer stabilen herbstlichen Wetterlage. Wir dürfen gespannt bleiben.

Unterscheidbare Jahreszeiten

Es war heute schön, die Sonne zu spüren und angenehm, wenn man sich draußen aufgehalten hat. Zumindest phasenweise war das wieder ein schöner Herbsttag, der Hoffnung auf einen goldenen Oktober machen könnte. Ich hoffe nur, dieser Eindruck wird sich in den Folgetagen bestätigen und wir erleben tatsächlich einen sonnenreichen Oktobermonat, der von einem deutlichen, an früher erinnernden Baumherbst und bunter Blattfärbung geprägt ist. Wenn das ausfällt, wie so oft in den letzten Jahren, fehlt etwas in Bezug auf unsere eingeprägten jahreszeitlichen Erwartungen. Auf Dauer ist dieses Ausfallen oder Überspringen der erkennbaren Jahreszeit etwas Lähmendes, das ich als Verlust wahrnehme. Wenn schon alles so unendlich kompliziert und schwierig geworden ist auf dieser Welt, warum sind uns dann nicht einmal wohltuende, aufbauende und motivierende Konstanten wie die unterscheidbaren Jahreszeiten unserer Kindheit vergönnt?

Kompensatorische Symbolarbeit

Es ist schön, dass ich demnächst Gelegenheit habe, ein Kinder-Lebensbaum-Armband herzustellen. Denn der Gedanke bei den Vater, Mutter & Kind-Armband-Sets oder eben auch bei den einzelnen Armbändern für Kinder ist faszinierend, dass die in späteren Lebensjahren vergrößert werden können und damit dem Kind bzw. dessen Handgelenk langsam mitwachsen. Ich stelle deshalb immer alle Perlen her, wie für ein durchschnittlich dimensioniertes Erwachsenenarmband, und legen die überschüssigen Perlen lose dazu, damit sie sukzessive ergänzt werden können. Solche Symbolarbeiten mit Bäumen und Holz sind für mich gerade in dieser Jahreszeit eine Freude, wenn das Licht weniger wird, und gerade in Monaten wie diesem September, der insgesamt zu den lichtärmsten der letzten 15 Jahre gehörte. Da tut symbolische Kompensation gut, und wie könnte die stimmiger und überzeugender ausfallen als im Spiegel der Bäume.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.