Umbrüche und Übergänge

Das Kalenderblatt vor mir hat wohl die ungewöhnliche Witterung dieser Tage nicht vorhersehen können. Es bildet für den März eine Allee blühender Kirschbäume im Alten Land ab. Auf der Wiese davor blüht ebenfalls der Löwenzahn. Wie weit sind wir doch von solchem Idyll entfernt! Sicher gab es mal Jahre, in denen jetzt schon der Frühling spürbar war. Jahre, in denen die Jahreszeiten noch in Verbindung mit den Wendepunkten und Tag- und Nachtgleichen der Sonne standen, was schon länger kaum noch zu beobachten ist. ,,Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?” Diese Frage könnte man für den Frühling, den Herbst und den Winter entsprechend variieren. Ein Thema, das mich schon länger beschäftigt. Selbst die Natur ist im Umbruch. Das zeigt mir einmal mehr, dass alles miteinander zusammenhängt: Die Energiesysteme des Menschen, der Tiere, Pflanzen, der Erde als umfassendes Ökosystem. Denn Umbrüche scheinen die Zeichen der Zeit zu sein. Umbrüche, die manchmal Durchbrüche sein können. Übergänge vielleicht auch in eine neue Phase, im Idealfall auf eine höhere, weiterentwickelte Stufe.

Bäume und kommunikativer Konflikt

Es ist nicht immer leicht, die Fassung zu behalten. In solchen Situationen kann es sehr hilfreich sein, wenn man sich klarmacht: Die Menschen sind verschieden. Das könnte man zwischendurch vergessen, setzt doch Kommunikation permanente Kompromisse voraus und die insgeheime Annahme, man könne sich verständigen und habe grundsätzliche Gemeinsamkeiten mit dem jeweiligen Kommunikationspartner. Spätestens seit meiner langjährigen wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesen Fragen weiß ich, dass das nur eine Illusion ist, eine Art Selbsttäuschung, durch die Kommunikation überhaupt erst möglich oder – wie es Luhmann ausgedrückt hätte – Kontingenz durch konkrete Selektion aufgelöst wird. Aber in Konflikten oder anderen Situationen, in denen es nicht fließt, kommt diese Wahrheit zum Vorschein. Oder man kann sich sie bewusst vergegenwärtigen. Mir hilft das sehr, die Dinge erhalten dadurch eine Relativität, die sonst nicht so an der Oberfläche liegt. Und sind dann besser zu steuern. Wenn ich mir diese Haltung personifiziert vorstelle, erscheint kein Mensch, sondern das Bild eines Baumes. Diese eigentümliche Einheit der Differenz von hochgradiger Selektivität, absoluter gestalthafter Einmaligkeit, und großer Offenheit durch die Zugehörigkeit zu einem großen ökologischen Ganzen. ,,Ich bin ich selber und doch nur einer unter vielen, die sie selber sind”, könnte der Baum sich selber beschreibend sagen. ,,Ich bin wichtig und gleich-gültig zugleich”, könnte er ergänzen. Und damit den Kern dessen treffen, was menschliche Kommunikation im Konfliktfall möglich und steuerbar macht. Die Bäume können uns auch in diesem Bereich als symbolisches Vorbild dienen.

Riesenmammutbaum

Sequoiadendron giganteum – Es ist also der Riesenmammutbaum, von dessen Holz mir eine Bekannte von M. vor einigen Wochen schon einen getrockneten Abschnitt überlassen hat. Heute nun fand ich eine ganze Tüte mit zahlreichen weiteren Scheiten vor, und die Information, dass es sich um den Riesenmammutbaum handelt. Der Küsten-Mammutbaum wäre ohnehin ausgeschlossen gewesen, weil der nur in einem eng begrenzten Streifen an der Küste des pazifischen Nordamerika beheimatet ist. Aber der Urweltmammutbaum wäre immerhin möglich gewesen. Ich bin gespannt, ob sich das Holz gut bearbeiten lässt. Es könnte attraktiv wirken, allein schon wegen der interessanten und ungewöhnlichen Färbung. Andererseits sind die Jahresringe extrem breit, und bei den nur 7 mm im Durchmesser dimensionierten Perlen wird man kaum eine wirkliche Maserung erkennen können. Vielleicht aber eine interessante Zellstruktur. Ich lasse mich überraschen. Aber dazu muss der Frühling endlich kommen und die Lust zum draußen Arbeiten wieder wachsen. So sieht das Holz im unbearbeiteten Zustand aus:

Holz des Riesenmammutbaums

Unwirkliche Landschaften

In den Nachrichten ist ständig von den Gefahren des Schneebruchs die Rede. Mancherorts, vor allem in Süddeutschland und der Schweiz, sind die Bäume so schwer mit Schnee beladen, dass Äste brechen und Spaziergänger verletzen können. So schlimm ist es bei uns hier im Saarland Gott sei Dank nicht. Auf mich wirkt die gegenwärtige für die Zeit untypische Witterung eher surreal. Der plötzliche Wechsel von Schneeverwehung zu gleißendem Licht in wolkenfreiem Himmel, vor allem aber der meist vorherrschende Hochnebel mit der dahinter strahlenden Sonne sind wohl verantwortlich, dass das Licht so unwirklich verstreut wird und alles in eine märchenhafte Szene taucht. Besonders deutlich, wenn wie heute früh die Horizonte von Bäumen mit lustigen Schneekappen gesäumt sind. Oder wenn wie heute Mittag die Sonne wie durch Milchglas von uns getrennt zu sein scheint und die Landschaft wie vom Mond entliehen aussieht. Hier und da ist das ganz eindrücklich, auf Dauer würde ich es aber nicht aushalten. Und so hoffe ich, dass der Frühling endlich durchbricht und dem Kopf die Möglichkeit gibt, wieder frei zu werden.

Kreative Spiralen

Eine eigene Arbeit mit größerem zeitlichem Abstand wieder aufzuarbeiten, in einen neuen, nun mit neuem Erfahrungshintergrund angereicherten Rahmen zu stellen, kann sehr anregend sein. Wenn sich dabei herausstellt, dass es sich um eine zeitlose Arbeit handelt, ist das für mich das beste Qualitätszeichen. Viele der Arbeiten, die ich heute fotografiert habe, finde ich auch 6 bis 10 Jahre nach ihrer Entstehung ganz hervorragend. Nicht nur, dass sie damals stimmig und wichtig waren – sonst hätte ich sie nicht realisiert. Sie haben auch heute ihre unverminderte Ausstrahlung und werden auch morgen ihre je eigene Kraft nicht einbüßen. Und wenn ich die einzelnen Skulpturen dann in eine chronologische Reihenfolge stelle, wie ich das diesmal vorhabe, ist das kleine Werkverzeichnis damit gleichzeitig ein wesentliches Stück Biographie. Aber darum geht es wohl immer: Sich selbst entäußern zu Gunsten der Kommunikation, und sich dann wiederum selber beobachten im Spiegel der eigenen Arbeiten. Das ist ein Spirale, ein nicht endender, sich immer wieder neu darstellender und fortsetzender Prozess. Ich habe viel Freude daran, diesen Prozess aktiv zu befördern und die jeweils neu erlernten Mittel einzusetzen, ihn möglichst kreativ zu gestalten.

Ein größeres Projekt

Mittlerweile hat sich das Multifunktionszimmer in eine Art Fotostudio verwandelt. Aber ich habe gute Fortschritte gemacht. Alle relevanten Holzskulpturen habe ich inzwischen fotografiert. Bei den größeren und besonders den hellen war das wieder ein Problem: Der Kontrast ist schwer hinzukriegen, mittels einer alten weiß lackierten Tür als Hintergrund war es dann letztlich einigermaßen realisierbar. Nun fehlen eigentlich nur noch die Gipse, die ich mir für morgen Vormittag vorgenommen habe. Und dann: endloses Freistellen, Einfärben, Animieren und Implementieren. Ein wahrhaft aufwändiges Projekt. Aber ich werde nicht locker lassen, die Mühe werde ich später bestimmt nicht bereuen. Ansonsten ein sehr ruhiger Tag, so ruhig, dass mir die Gespräche beim Spaziergang am Nachmittag schon fast zu viel waren. Irgendwie passten sie nicht zu diesem Tag.

Zuckerguss-Intermezzo

Der Winter hat heute noch einmal eine wahrhaft märchenhafte Form angenommen. Zumindest solange man aus dem Fenster auf die dichten Schneefälle und die dicken Schneeflocken schauen konnte und sich nicht durch die total verschneiten und vereisten Straßen kämpfen musste. Wie zugepudert waren die Bäume, die Wege, Autos und Hochspannungsleitungen. Ganz so, wie man es sich idealerweise für Weihnachten wünscht, zu dieser Gelegenheit allerdings seit Jahren nicht erlebt hat. Ich schätze, die Zuckerguss-Idylle wird nicht lange währen, für Mittwoch nächster Woche sind schon 11 Grad Plus angesagt. Der Frühling kommt also doch, und dies hier war nur ein ungewöhnliches Intermezzo, eine Täuschung sozusagen. Na ja, ich hatte es ja schon vor Tagen am Gesang der Vögel gemerkt, dass die Dinge mal wieder nicht so sind, wie sie scheinen. Ich hoffe, es wird ein kreatives Wochenende, die Einstimmung ist ganz gut gelungen.

Authentische Bewegung

Vorgestern habe ich die Videokamera erhalten. Und ich bin sehr gespannt, ob ich damit ähnlich bereichernde Erfahrungen machen werde wie mit der digitalen Fotokamera vor einigen Jahren. Die ersten Versuche, mich mit der Technik vertraut zu machen, haben zumindest gezeigt, dass es sich wieder einmal um eine recht gewöhnungsbedürftige Sache handelt. Aber das macht eben den Reiz aus, und dieser neuen Möglichkeit auf die Spur zu kommen, finde ich recht spannend. Meine Vorstellung ist es, sehr einfache und kurze Sequenzen aufzunehmen, die als Web-Elemente genutzt werden können. Um Bewegungen authentisch darzustellen, die in rein flash-animierter Form eher verspielt und eben konstruiert wirken. Nicht immer ist dieser künstliche Effekt erwünscht. So verspreche ich mir von der Videotechnik eine Erweiterung des Bewegungsaspekts meiner Seiten, die geeignet ist, den Charme und die Aura der Bäume noch eindrücklicher zu vermitteln.

Zeitlose Themen

Die Zugriffe auf meine Download-Texte zur Symbolik der Bäume schwanken sehr stark. Manchmal kann man es an der Jahreszeit festmachen, wenn z. B. der Text zum Palmsonntag oder zum ersten Mai besonders stark nachgefragt wird. Manchmal aber hängt es auch mit den Suchmaschinen zusammen, die aus unerfindlichen Gründen mal diesen und mal jenen Text an exponierter Stelle linken. So kommt das thematische Feld aus unterschiedlichen Gründen in Bewegung. Und das ist gut so, weil es die Aufmerksamkeit somit auf das breite Spektrum der Seite lenkt und nicht nur immer in ein und dieselbe Richtung. Dem kommt sehr entgegen, dass die Inhalte ohnehin zeitlos sind, und zu allen Jahreszeiten und unabhängig von sich verändernden Zeitumständen interessant sein können. Mein Anspruch, die Ergebnisse meiner eigenen Überlegungen und Rekonstruktionen solchen Menschen zugänglich zu machen, die ein besonderes Verhältnis zu den Bäumen pflegen oder für diese Informationen empfänglich sind, kann sich so erfüllen.

Efeu-Zyklus

Der Februar geht zu Ende und der Winter hat es uns zum Schluss noch mal richtig gezeigt. Wie in den vergangenen Monaten, extremer Wechsel der Witterung, von kalt-trocken-himmelblau zu nass-kalt-schneeverhangen, und das von einem Tag auf den anderen. Aber die Vögel singen schon. Sie müssen einen Grund haben, und ich schätze es ist der Frühling, den wir bisher nicht ahnen, uns umso mehr aber herbeiwünschen können. Derweil sehe ich durchs Fenster auf einen radikal geschnittenen Kirschbaum beim Nachbarn zur linken und einen seit Jahren nicht mehr geschnittenen beim Nachbarn zur rechten. Letzterer beklagt sich zwar regelmäßig darüber, dass die fast senkrecht in die Höhe schießenden Äste den Baum haben zum Monstrum werden lassen, unternimmt aber nichts dagegen. In dieser undefinierbaren Zwischen-Jahreszeit drehte sich das Gespräch beim Mittagessen um den Efeu, dessen Reize, insbesondere die Früchte, offenbar auch viele andere Menschen beeindrucken. Schön sind sie eigentlich immer, zumal man über bestimmt ein halbes Jahr etwas davon hat, entwickeln sich die Früchte doch sehr langsam aus den Blüten und verbleiben dann, immer praller und schwärzer werdend, noch viele weitere Monate am Strauch, um einige Zeit später schon wieder von der neuen Blüte abgelöst zu werden. So ist der Efeu eigentlich ganzjährig Thema und Beobachtungsmarke in einem. Kein anderer Baum/Strauch erinnert auf so anspruchsloser Grundlage und in sich rasch vermehrender Gestalt an das immergrüne Pflanzenleben – auch im tiefsten Winter.

Wechselnde und konstante Themen

Mit Büchern ging es mir schon häufig so, dass sie mir synchronistisch in die Hände fielen. Das richtige Buch im richtigen Augenblick sozusagen. So war es mit den beiden zuletzt gelesenen, der Hintergrundbericht zum Celestine-Film James Redfields und das Buch von Chris Griscom ,,Zeit ist eine Illusion”, welches ihre persönliche Biografie und Entwicklung als spirituelle Heilerin und Visionärin beschreibt. Die Celestine-Story ist mir schon seit vielen Jahren vertraut, auch habe ich praktisch alle Publikationen hierzu gelesen, von ,,Die Prophezeiungen von Celestine” über ,,Die Zehnte Prophezeiung von Celestine”, die beiden Handbücher hierzu, ,,Die Vision von Celestine” als Hintergrundbuch, ,,Das Geheimnis von Shambala” sowie damit in losem Zusammenhang stehende Bücher wie ,,Gott und die Evolution des Universums” (James Redfield, Michael Murphy, Sylvia Timbers) und ,,Geistwende” von Albert. D. Gaulden. Das Buch über den Celestine-Film, von dem ich zuvor noch nie etwas gehört habe, hat mir nun einen interessanten Einblick in die weitere ,,Öffentlichkeitsarbeit” und das beeindruckende kreative Potential dieses Visionärs eröffnet. Auch von Chris Griscom habe ich vor Jahren schon einmal etwas gelesen. Es ging um spezielle geistige Heilungsmethoden und die Licht-Arbeit. In diesem Buch, einem Klassiker, wie der Klappentext verspricht, gibt sie Einblick in ihren Werdegang und die synchronistischen Ereignisse, die ihren Lebensweg bestimmt haben. Besonders der darin ins Zentrum gestellte Zusammenhang zwischen den verschiedenen Energiekörpern hat mir wieder etwas ins Bewusstsein gerufen, was vor Jahren für mich wichtiges Thema war, was aber zwischenzeitlich wieder in den Hintergrund getreten war. Es ist gut, in zeitlichem Abstand ein Thema wieder aufzugreifen und im Spiegel der zwischenzeitlich hinzu gekommenen Erfahrungen neu zu beleuchten. Meist bringt dies neue Erkenntnisse mit sich, in jedem Fall aber eine Erweiterung des Horizonts. Von dem Bewusstmachen von Verschüttetem und dem immer notwendigen Versuch, eingeschliffene Routinen abzulegen und zu transformieren einmal abgesehen. Die Aufmerksamkeit für Themen wechselt also bei mir immer wieder. Konstant geblieben ist aber das große Thema ,,Bäume und Naturwahrnehmung”, das mich eigentlich seit mehr als 10 Jahren nicht mehr loslässt. Ich glaube, es liegt daran, dass sich am Beispiel und im Medium des Baums alles, was für uns Menschen, unsere Entwicklung und Selbstreflexion, wichtig sein kann, fokussieren lässt. Ein archetypisches Symbol, das unglaublich sinnreich und komplex ist. So komplex, dass ein Leben nicht ausreicht, es vollständig zu begreifen. Aber darauf kommt es auch nicht an.

Flachwasserspiegel

Ganz merkwürdig, gerade heute, in der Hochzeit der Fastnacht, war die Atmosphäre ruhiger als in den Tagen zuvor. Der Spaziergang heute Vormittag war von wirklicher Ruhe und Stille gekennzeichnet. Zwar waren Menschen unterwegs, aber alle, die mir begegneten, schienen in eine quasi meditative Stimmung versetzt. Das war trotz der Kälte insofern sehr erholsam. Immer wieder faszinierend sind die Spiegelungen auf der Oberfläche der Flachwasserzonen. Kaum eine Stelle des ohnehin spannenden Wegs ist so abwechslungsreich und immer wieder für ästhetische Überraschungen gut. So konnte ich auch heute wieder interessante Motive festhalten:

Flachwasserspiegel

Flachwasserspiegel

Flachwasserspiegel

Verlorene Inhaltlichkeit

Das Thema beschäftigt mich nun schon seit einigen Tagen: Diese merkwürdige Abkehr vom Inhaltlichen. Zu Studienzeiten habe ich gerne damit kokettiert, dass ich mit der Kommunikationswissenschaft nichts Inhaltliches lernen würde, dass es eigentlich immer nur um Methoden, Selbst- und Fremdbeobachtung, Analyse und Rekonstruktion gehe. Nicht aber um geschichtliche Daten, Zahlen oder Vokabeln. In gewisser Weise stimmte das auch, aber die Inhalte fliegen mir im Alltag ständig zu. Und das angelernte Instrumentarium bereichert mich ungemein, wenn es darum geht, diese Inhalte zu selektieren, zu strukturieren, zu modifizieren und für eigenes Gestalten und Schaffen fruchtbar zu machen. Deshalb hat mich seit dem Ende meiner Schulzeit auch das Inhaltliche nie losgelassen. Aber dass es mir sehr viel bedeutet, das merke ich erst jetzt, umgeben von rein formaler, auf den Ablauf des Wirtschaftsprozesses oder die Sicherung des alltäglichen Wohlstands konzentrierter Denkart. Eine Denkart, die mich zunehmend erschreckt. Haben wir denn gar nichts mehr zu sagen? Gibt es keine Themen mehr, die außerhalb massenmedialer Kurzsichtigkeit und Selektivität den Einzelnen bewegen, zur Stellungnahme herausfordern, zum Gestalten hinführen oder einfach Anlass zu einem Gespräch sind. Vor allem letztere, die Gespräche scheinen verloren gegangen zu sein, einer reinen Oberflächenkommunikation, der genannten Denkart folgend, gewichen zu sein. Welch unglaubliche Verarmung der kommunikativen Kultur, ich weiß nicht, nur in diesem Lande? Bei aller eigenen Begeisterung für moderne Technologien und effizienten Formalismus. Es hat doch alles einen Sinn, der auf Inhaltliches abzielt. Oder wenigstens einmal abzielte, denn es scheint sich zwischenzeitlich verselbständigt zu haben. Ich wünsche mir einen neuen inhaltlichen Diskurs im Alltag, der ermöglicht, die ermüdenden Routinen zu durchbrechen und damit das Leben zu bereichern. Meine Arbeit über und mit den Bäumen sehe ich als einen Beitrag, das verloren gegangene Inhaltliche wieder hervorzuholen. Und die Resonanzen zeigen mir, dass es sich lohnt.

Weisheit im Baumspiegel

Jetzt ist es mir doch entfallen. Dabei habe ich mir fest vorgenommen, die Weisheit im Gedächtnis zu behalten, die ich heute in einem Bekleidungsgeschäft an der Wand hängend sah. Die Sätze waren Kommentar zu einem Aquarell, welches zwei an einem steilen Hang stehende Bäume abbildete. Der Baum im Hintergrund war noch belaubt, der im Vordergrund dagegen herbstlich gefärbt. Darauf bezog sich auch der Text, den ich leider nur sinngemäß noch wiedergeben kann: ,,Wenn die Menschen, die dich im Frühjahr bewundert haben, jetzt im Herbst noch beachten, dann kannst du dich glücklich schätzen”. Ich hoffe, ich habe den Sinn aus der Erinnerung getroffen. Ein schöner Gedanke, die mit der sinnhaften Differenz von Oberfläche – Veränderung – Persönlichkeit spielt. Ein Baumbild, in dem man sich als Mensch leicht spiegeln kann. Ein Bild, das den Aspekt der Kreativität, der Vielgestaltigkeit und der Schönheit des Jahreszeitenzyklus ebenso wie des wechselhaften Lebenslaufs der Menschen in wunderbarer Weise anspricht und zugleich wertet. Denn die Moral ist nicht ganz zu leugnen. Der Spruch will belehren, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Das ist möglich in Kombination mit dem unmittelbar die Seele ansprechenden Bild.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.