Reizvolle Unbekannte

Die Sträucher haben auch etwas Faszinierendes. Jetzt, wo ich mich daran wage, auch deren Geheimnisse zu entdecken. Aber es beginnt eben mit der Zuordnung zu einer Art. Das ist nicht immer einfach, obwohl man manche an jeder Ecke sieht. Heute ist mir wieder eine dieser unbekannten Blüten aufgefallen, die ich auch durch einen Blick in mein Baumbestimmungsbuch nicht identifizieren konnte:

Blüte

Schade, denn gerade diese kleinen und filigranen Sträucher tragen oft ganz interessante, orchideenhafte Blüten, die schon optisch sehr reizvoll wirken. Um wie viel schöner wäre es, diesen Reiz mit Inhalt zu füllen.

Versöhnliche Ablösung

Der Schulplatz ist jetzt fast vollständig gepflastert. Ein ziemlich kompliziertes Muster aus verschieden geformten und gefärbten Kunststeinen, aber durchaus durchdacht. Die Arbeiten daran waren so langwierig, dass man wohl von einer langen Haltbarkeit des Platzes ausgehen muss. Während der Platz sich in den vergangenen Wochen schrittweise mit Steinen füllte, hatte ich mich immer wieder gefragt, welche Bedeutung wohl die ausgesparten Karrees haben, die durch Randsteine abgetrennt sind. Jetzt ist es mir klar: Sie dienen als ,,Inseln” für die Pflanzung neuer Bäume, das dürften wohl um die sechs Stellen sein, inmitten des Schulhofs. Das wird die Steinwüste erheblich aufwerten. Und mich ein Stück weit entschädigen für den Verlust der großen Birken, die ich seit meiner eigenen Schulzeit kannte und die ich bis zu ihrem gewaltsamen Ende erleben durfte. Die Wurzeln, welche einige Monate lang ihre blutenden Wunden in erschreckender Form offenbarten, wurden glücklicherweise schon früher entfernt. Rundherum, einschließlich des angrenzenden Bürgerplatzes, wurden zudem alle Grünflächen gründlich entrümpelt und zu meinem Bedauern viele dort groß gewordene Sträucher und Hecken einfach entfernt. Das soll wohl zu einem einheitlichen Gesamtbild beitragen, das sich aber dann erst in einigen Jahren einstellen wird. Nun gut, ich bin gespannt, welche Bäume die alten Birken ablösen werden. Und wie sich der Platz in einigen Jahren präsentiert. Gut daran ist jedenfalls, dass die Kinder später unter den Bäumen werden spielen können, während sie sich auf dem Schulplatz aufhalten. Die Bäume werden damit zu einem der Mittepunkte des Pausenlebens, Schatten spenden, und, so wie bei mir vor vielen Jahren, zu möglicherweise prägenden Beobachtungen im Wechsel der Jahreszeiten Anlass geben. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass dort Nadelbäume erscheinen. Es werden in jedem Fall Laubbäume sein. Hoffentlich welche, die schnell wachsen, und von denen ich bei meinen Spaziergängen noch möglichst viel haben werde.

Efeu-Schnitt

In dieser Zeit des Jahres wächst der Efeu wie verrückt. Meist sind es diese gedrehten, sich nicht anlegenden, sondern widerspenstig aus der Decke ragenden neuen Triebe, die man besser abschneidet, weil die Hecke sonst ein sehr wuseliges Aussehen erhält und auch einfach zu dick wird. Die Folge ist dann, dass die dahinter liegenden Äste und ihre Blätter keine Luft und kein Licht mehr erhalten und, ähnlich den inliegenden Nadeln z. B. der Zypressen und Wacholderbäume, einfach vertrocknen, braun werden und absterben. Das macht es rein optisch weniger schön. Deshalb habe ich heute Abend unsere inzwischen fast zur Hälfte mit Efeuranken überzogene Wand an der Einfahrt in diesem Sinne geschnitten. Es wird noch einige Male öfter während des Sommers nötig werden. Besser ich übernehme diese Arbeit selber, wenn V. sich daran macht, ist er im Stande und benutzt eine Heckenschere – unvorstellbar bei Efeu mit seinen großen glatten Blättern und der rankenartigen Struktur seines Wachstums. Einige Samen des Efeu habe ich übrigens gesammelt, von ihrer fleischigen Hülle befreit und aufbewahrt. In den wenigen Tagen seitdem haben sie ihre Flüssigkeit verloren, sind ganz leicht geworden, und haben eine papierartige Hülle ausgebildet. Weiß nicht genau, was ich damit vorhabe, aber so etwas überhaupt zu tun, hat für mich einen gewissen Reiz, der mit zu meiner Art der Beschäftigung mit Bäumen gehört.

Biologische Vielfalt und symbolische Tiefe

Manchmal denke ich, ein bestimmtes Motiv, zurzeit eben die Blüten, hätte ich noch nicht in besonders guter Qualität erfasst. Meistens aber stelle ich dann im Nachhinein fest, dass die früheren Aufnahmen mindestens genauso gut, oft sogar besser waren. So liegt der Schwerpunkt der Motivation bei dem Festhalten neuer Eindrücke, bislang noch nicht fotografierter Blüten, Blätter und Früchte. Und bei ganz anderen Motiv-Serien, wie den Baumschatten, die ich vielleicht einmal als gesonderte Serie auf die Wunschbaum-Seite stellen sollte. Die Eindrücke fließen dahin, manifestieren sich in kreativen Projekten, vergehen wieder und erneuern sich in veränderten Zusammenhängen. Nie ist etwas gleich bleibend, unendlich sind die Facetten jeder einzelnen Erscheinung in der Natur. So unendlich wie die Möglichkeiten der Menschen, ihnen zu begegnen. Das ist es vor allem, was ich durch meine Streifzüge immer wieder erlebe, oder soll ich sagen ,,ergehe”: Die Vielfalt und Veränderbarkeit des vegetabilen Lebens in seinem ökologischen Zusammenspiel. Und besonders die unendliche Tiefe der Bäume, die einen Teil ihres Status als archetypische Symbole ausmacht.

Möbel-Ausflug

Ein Ausflug nach W., entlang einer Strecke, die ich noch nie zuvor gefahren bin. Einmal wieder ging es um einen Couchtisch aus Holz. Man sollte es nicht glauben, aber es ist ein wirkliches Problem, einen solchen zu finden. Diesmal war der Tipp der Möbelagentur wirklich gut. Ein sehr beeindruckendes Haus mit einer großen Auswahl, vor allem an solchen Tischen, die vollständig aus Holz sind, und nicht doch eine Glasplatte tragen. Sehr schöne Kirschbaum-, Nussbaum- und Eibe-Vollholzmöbel. Zu einem Ergebnis sind wir dabei allerdings trotzdem nicht gekommen. Zu hoch hatten wir vorab die Messlatte gesetzt: Die aktuellen Tische mit Schiefer und Metallapplikationen passen farblich und auch formal super gut zu den Sitzmöbeln – rein ästhetisch. Wenn da nicht die berüchtigten kalten Strömungen wären, die freilich in den Wintermonaten viel deutlicher hervortreten. Und so scheint der gegenwärtige Konsens zu sein, lieber auf das ultimativ Passende zu warten und so lange einfach die alten zu nutzen. Wie auch immer, den Ausflug war es in jedem Fall wert. Und bei der Gelegenheit haben wir zudem einen recht nützlichen Hinweis auf eine besondere Form von Matratzen erhalten, über die wir uns genauer informieren wollen.

Zwei neue

Allmählich schließen sich die Lücken. Es sind immer weniger Bäume und Sträucher, die ich nicht zuordnen kann und deren Blüten ich noch nicht fotografisch festgehalten habe. Heute habe ich ,,entdeckt”: den wolligen Schneeball und den Goldregen:

Blüte des Wolligen Schneeball

Blüte des Goldregen

Natürlich waren mir die Sträucher auch vorher schon bekannt, aber heute sind sie mir gleich an verschiedenen Orten begegnet, und es war mir möglich, ihre Blüten einzufangen. Außerdem habe ich neue Aufnahmen von der Blüte des Pfaffenhütchens, der rot blühenden Rosskastanie und der Eberesche gemacht. Bin gespannt, was ich im Laufe des Frühsommers noch so alles auskundschaften kann.

Altbekanntes und neu Entdecktes

Ein so schöner Tag, mit so schönem Licht! Da war viel Altbekanntes, das aber deshalb seinen Reiz niemals einbüßt. Zum Beispiel die herrlichen Blüten der rotblühenden Rosskastanie, bei denen jede, von Nahem betrachtet, wie ein bunter Blumenstrauß wirkt:

Rotblühende Rosskastanie

Oder die winzigen Blüten des Feldahorn, die sich so schwer ins Bild setzen lassen, was mir hier einmal ausnahmsweise gut gelungen ist:

Feldahornblüte

Und dann noch zwei ,,Neuheiten”. Zumindest hatte ich die Blüten dieser Sträucher bisher nie bewusst wahrgenommen. Ein Blick ins Baumbestimmungsbuch hat dann schnell Gewissheit verschafft. So blüht die rote Heckenkirsche:

Blüte der Roten Heckenkirsche

Und so das gemeine Pfaffenhütchen:

Blüte des Pfaffenhütchens

Welch eigentümlicher Kontrast zwischen Blüte und Frucht! Während die Heckenkirsche zwar leuchtend rote, ansonsten aber eher unspektakuläre runde Früchte hervorbringt und eine orchideenhafte Blüte zeigt, ist es beim Pfaffenhütchen mit der unscheinbaren Blüte und den sagenhaft geformten und gefärbten Früchten genau umgekehrt.

Die zwei Seiten der Veränderung

Schon denke ich an den Sommer. Der rotblättrige Spitzahorn am Park in D., der mir in den Vorjahren in den Hochsommermonaten während der Mittagspausen so wunderbaren Schatten und Abkühlung geschenkt hat, wird diese Funktion jetzt nicht mehr so gut erfüllen können. Man hat ihm vor einigen Wochen die tief liegenden Äste gekappt, um die Krone zu stärken. Das heißt aber auch, dass der Schatten kleiner ausfallen wird. Das ist jetzt schon, bei ziemlich dichter Belaubung, gut absehbar. Mal wieder ein Erlebnis weniger, dabei fand ich gerade dieses Sitzen im Schatten des Baums – der Bereich rund um den Stamm ist prominent, was aus dem Ganzen so eine Art Aussichtsposition macht – so ungemein wohltuend. Wie gesagt, in der heißesten Zeit des Jahres. Der einzigen, in der ich mich in dieser halben Stunde nicht durchgehend spazierend bewege, sondern größtenteils ausruhend, eben im Schatten. Wie immer, wird auch dieses zwei Seiten haben. Ich bin gespannt, was die Veränderung an hoffentlich Positivem mit sich bringt. Und ob dieses etwas anregend auf mich wirkt, oder nur Anlass für Aufregung und Ärgernis sein wird.

Frühllings-Gefühle

Eine Antwort auf die Frage, was es denn Neues gebe. Vielleicht hätte ich von etwas anderem reden können. Aber in dem Moment war der Hinweis auf das Blühen und Grünen der Bäume passender. Immerhin, es fällt auch anderen auf, sogar Ingenieure registrieren die große Menge Blütenstaubs in dieser Jahreszeit, auch wenn sie das vor allem mit der ,,Verschmutzung” ihrer Autos in Verbindung bringen. Welche Einstellung und Nähe jemand zu den Bäumen auch immer haben mag, die biologische Wirkung des Frühlings, der sich deutlicher als im Aufleben der Bäume nicht zeigen kann, dieser Wirkung kann sich niemand entziehen. Und so erwachen eben auch die menschlichen Lebensgeister und schwingen sich in ungeahnte Höhen auf. Dies ist es, was man gemeinhin ,,Frühlingsgefühle” nennt. Wem ist schon bewusst, dass diese – wie so vieles andere – ohne die Bäume gar nicht existieren würden.

Baum-Prägungen

Da müssen schon einige günstige Faktoren zusammen kommen, wenn eine Beobachtung und die Dokumentation einer Beobachtung in der Fotografie oder in einem Text, oder in irgendeiner anderen kreativen Äußerung, wirklich eindrücklich sein soll. Faktoren, die mit einem selber zu tun haben: Die Tagesform, abhängig von der körperlichen Verfassung, dem Grad der Beanspruchung und der zur Verfügung stehenden Energie. Die Aufnahmefähigkeit, abhängig auch vom Klima, den Temperaturen, den Luftdruckschwankungen. Und Faktoren, die von außen in der Situation der Beobachtung selber wirksam werden: allen voran das Licht, das die Dinge, und ganz besonders die Bäume, in jeder Situation wieder in neuer Form erscheinen lässt. Und dann gibt es die Synchronizitäten, wenn man in dem Moment genau weiß: Das ist das Eigentliche, in diesem Moment hat sich, sprich mir, die wahre Natur z. B. des Baumes gezeigt, in genau diesem Augenblick und in einer ebenso einmaligen wie überzeugend einfachen, authentischen Weise. Zurück bleibt ein Eindruck, der den Erfahrungsschatz anreichert, der abrufbar ist in vergleichbaren Momenten, der ab sofort als Vergleichsmaßstab gelten kann, der immer auch ein Geheimnis bleibt, eine genuin private Empfindung und Lebenserfahrung. Der sich in der Regel schlecht mitteilen, meist auch nicht wirklich darstellen lässt. Fotografien bleiben meist nur ein Abklatsch, Texte wegen der Beschränkungen der Wortsprache ein Schatten. Und doch kann es Wirkungen haben, langfristige, nicht sofort zum Vorschein kommende. Man ,,strahlt” die Erfahrung aus, je intensiver sie war, umso deutlicher. Auch in anderen, dem Themenbereich ganz und gar entfernten Situationen. Die Erfahrung wird so zu einem wichtigen Teil der Persönlichkeit. Man ist, was man wahrnimmt und erfährt. Was ist eine Baum-Persönlichkeit? Solche theoretischen Fragen müssen unbeantwortet bleiben, entziehen sich einer Analyse. Aber diese Prägungen, ihre Ausstrahlungen und kommunikativen Wirkungen sind evident, vielleicht gerade weil sie sich nicht beschreiben und wissenschaftlich abgrenzen lassen. Das Geheimnis ist Teil und Voraussetzung ihres Auftretens.

Mysterium Baum

Es blüht so viel in dieser Zeit des Jahres. Demnächst werde ich meine Arbeit an der Fotosammlung der Baumblüten weiter fortsetzen können. Vor allem verschiedene Sträucher sind es, deren Blüte ich in den Vorjahren verpasst oder nicht registriert habe: z. B. vom Goldregen und Pfaffenhütchen. Oder die ich schlicht nicht zuordnen konnte. Immer wieder begegnen mir Gewächse, die ich noch nicht identifizieren kann. Aber durch genaue Beobachtung und Vergleiche mit den Abbildungen meiner diversen Baum-Bestimmungsbücher gelingt es dann meistens doch. Und schon ist das Spektrum dessen, was ich bei meinen Streifzügen wahrnehmen und benennen kann, wieder weiter gewachsen. Den oft geäußerten Einwand, die wissenschaftlicher Denkart entlehnte Verkopfung ließe den Zauber der Dinge hinter sich, den kann ich für mich nicht bestätigen. Der Zauber bleibt und ist sogar Hauptmotiv meines Beobachtens und meiner kreativen Arbeiten rund um die Bäume. Die Zuordnung, Systematisierung und Beschreibung stellt nur eine weitere Facette dar, dem Mysterium Baum schrittweise näher zu kommen.

Über Sommerblumen und erschöpfte Reben

Der Tag war wie geschaffen für die Aufgabe: Die Sommerblumen rund ums Haus in Tröge, Kübel und Töpfe einzupflanzen, am richtigen Platz zu arrangieren und alles wieder zu säubern. Wie in den Vorjahren haben M. und ich zusammen die Blumen in der Gärtnerei ausgesucht. Wir hatten zwar schon gewisse Vorstellungen, aber jedes Jahr gibt wieder neue Überraschungen, und so ist die Zusammensetzung am Ende doch recht unterschiedlich. Auch die Zusammenstellung der Blumen nach Farben und Arten, die sich am Gesamterscheinungsbild und der intuitiven Stimmigkeit bemisst, variiert. Wie es letztendlich wirkt, wird sich erst in einigen Wochen zeigen, wenn die Pflanzen sich entwickelt und ihre vollen Blüten ausgebildet haben. Jedenfalls haben wir alles geschafft, und noch einiges mehr. Zum Beispiel die Weinreben. V. ist aufgefallen, dass bestimmte Äste der weit verzweigten Reben kein neues Grün treiben. Bei näherem Hinsehen haben sie sich als abgestorben erwiesen. Seltsam, vor einigen Monaten noch haben sie reiche Frucht getragen. Man blickt da nicht wirklich durch, aber über Winter kann da einiges passieren, was man nicht unbedingt absehen kann. Schade, denn die Einfahrt ist jetzt, nachdem wir die morschen Äste entfernt haben, ziemlich kahl. Glücklicherweise ist an der Stelle der größten Verlustes schon ein neuer Stock angegangen, der also den alten ersetzen wird. Allerdings wird es einige Jahre brauchen, bis dieser eine vergleichbare Stärke erreicht haben wird. Das morsche Holz hat V. in ganz kleine Abschnitte geschnitten, damit wir es im Winter als Feuerholz verwenden können. Die besonders dicken Abschnitte habe ich zurückbehalten. Ich will bei Gelegenheit endlich einmal versuchen, einen Stab daraus zu drehen und ein Armband herzustellen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert, auch wenn es mir sehr unwahrscheinlich erscheint, denn das Holz ist äußerst porös und vermutlich viel zu elastisch. Das war ein schöner Frühsommertag, der uns Hoffnung macht auf hoffentlich durchgängig angenehme Sommermonate.

Gewolltes Baumbild

Seit sich die Gemeindegärtner darauf verlegt haben, die Bäume so radikal zu schneiden, in diesem Jahr wurde das flächendeckend in allen Gemeinden der Gegend so gehandhabt, begegnen mir die einzelnen Baumwesen in ganz ungewohnter Gestalt. Irgendwie entrückt, was wohl daran liegt, dass es kaum noch tief liegende Äste gibt, die ich so mochte, weil sie Makroaufnahmen von Blüten, Blättern und Früchten möglich machen. Stattdessen muten selbst junge Bäume schon wie Einzelgänger an, darauf getrimmt, möglichst rasch in die Höhe zu wachsen und eine gewaltige Krone auszubilden. Ich finde das schade, weil es Distanz zu den Bäumen schafft, die Kommunikation, wenn man so will, erschwert. Auf der anderen Seite ist es aber auch interessant, denn die neue Schnitttechnik zieht ein ganz neues Bild nach sich, vermittelt noch stärker als bisher den Eindruck von Gestaltung, von bewusstem Formwillen der Menschen, die sich für die Ordnung und Pflege öffentlicher Grünanlagen zuständig halten. Immerhin zeigt es aber auch, dass das Interesse, die Aufmerksamkeit und der diesem Thema gewidmete Zeit-, Personal- und Kostenaufwand stetig zunimmt. Das stimmt mich dann wieder optimistischer, auch wenn mir der Stil persönlich weniger zusagt.

Eigensinniges Efeu

Die Früchte des Efeu hängen um diese Zeit immer noch, die meisten haben eine tief schwarze Farbe angenommen, wenige aber sind noch grün. So ist das beim Efeu, der sich ständig in einer Art Übergangsphase bewegt, bei dem Blüte und Fruchtbildung ineinander überfließen, sich dabei gegenseitig überlagern, und das bei unterschiedlichen Blüten und Früchten derselben Pflanze in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Vielleicht deshalb fand ich dieses Gewächs immer schon hoch interessant. Nie war ich bis vor kurzem aber auf die Idee gekommen, die Früchte einmal näher zu betrachten, sprich sie zu zerdrücken, was im reifen Zustand leicht ist. Bei der ersten Analyse dieser Art vor einer Woche sind vier etwa gleich große Kerne zum Vorschein gekommen, die sich nahtlos im Zentrum zu einer Kugel zusammengefügt haben. Die beiden Früchte heute aber hatten nur eine bzw. zwei Kerne. Interessant, dass sich die Undeutlichkeit und Unregelmäßigkeit auch in der Mikrostruktur wieder spiegelt. Die Kletterpflanze Efeu zeigt sich so als durch und durch eigensinniges Lebewesen, das dem Ruf der Bäume als Repräsentanten des Einmaligen im Kollektiven alle Ehre macht.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.