Jahreszeit und Stimmung

Mein Kalenderblatt zeigt eine Hainbuchenallee im Schlosspark von Pulsnitz, Sachsen. Die Bäume tragen herbstlich gefärbte Blätter in leuchtenden Gelb-Orange-Tönen, ein Teil der Blätter ist aber noch grün. Sehr passend für den beginnenden Herbst. Ich schätze, in den kommenden Wochen werde ich wieder einige Herbst-Spaziergänge unternehmen. Natürlich wieder mit dem Hauptaugenmerk auf dem ,,goldenen“ Licht, das die Baumblätter zum leuchten bringt und eine ganz eigentümliche Transparenz entfaltet, welche sich ganz und gar von der des Sommer-Grüns unterscheidet. Solche lichtvollen Merkmale von Jahreszeiten sind es, die die Stimmung der Menschen wesentlich beeinflussen. Ich erfreue mich immer wieder an der Beobachtung dieses Umstands, die Selbstbeobachtung inbegriffen. Wie viel gewinnen wir doch durch den Wechsel der Witterung und die zyklischen Veränderungen der Vegetation! Menschen, welche in Regionen mit weitgehend konstantem Klima leben, müssen zwangsläufig anders denken, anders wahrnehmen, anders empfinden. Hat solche Zusammenhänge schon einmal jemand wissenschaftlich untersucht? Ich weiß es nicht, ein spannendes Themenfeld wäre es allemal.

Fotografische Anstöße

Dass Weihnachten nicht mehr weit ist, sehe ich daran, dass zum wiederholten Male innerhalb kurzer Zeit jemand eines meiner weihnachtlichen Motive unter fotolia herunter geladen hat. Interessanterweise jenes Tannenbaum-Teelicht, welches ich erst vor wenigen Tagen bereitgestellt habe. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass selbst in solchen Fotografien für andere vieles erkennbar und wahrnehmbar ist, was mich an Interesse, Beobachtungsintensität und Ehrfurcht mit bestimmten Themenfeldern verbindet, hier eben mit ,,Weihnachten“ und ,,Bäume“. Das ist schön zu erleben, für mich gleicht es der Intention künstlerischer Arbeit, unabhängig davon, ob man die Fotografien selber als künstlerisch auffassen möchte. Es geht um das Transportieren von Emotion, die Emotion selber darzustellen, nicht so sehr die eigene zum Ausdruck zu bringen, wie es die amerikanische Kulturphilosophin Susanne Langer so schön auf den Punkt gebracht hat. Natürlich ist eigene Erlebnisfähigkeit die Grundlage, aber das Ergebnis muss so sein, dass es bestimmte emotionale Lagen des Empfängers ,,anstößt“. Solches möglich zu machen, ist mir Grund genug, auch auf diesem Wege meine Bemühungen im Bereich der ästhetischen Kommunikation fortzusetzen.

Schon lange nicht mehr

Ein ziemlich hektischer Tag, der mich nach langem einmal wieder in die Nähe von Renovierungsarbeiten gebracht hat. Der Tapetenwechsel im Schlafzimmer war schon oft angedacht worden, aber jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, es auch zu realisieren. Rauhfaser, die klassische Variante, deren eingearbeitete Holzpartikel wohl den einzigen wirklichen Bezug zu den Bäumen heute darstellte, wird die gemusterte bisherige Tapete ablösen. Der Raum wird heller und offener dadurch werden. Außerdem birgt so ein Wechsel immer auch die Möglichkeit, andere Einrichtungsgegenstände zu verändern, zu variieren oder ganz einfach zu entfernen. Das Wohnen kann dadurch spannender werden. Andere Wahrnehmungen, eine veränderte Ästhetik, die durchaus auch alltagspraktische Auswirkungen haben kann, sind die positiven Nebenwirkungen. Ich bin gespannt, was diese für mich eher ungewohnte Betätigung noch mit sich bringt.

Motivreich

Heute war ich wieder an der Saar, das Wetter war einfach zu verlockend. Offenbar auch für viele andere Ausflügler, die das unverhoffte Hoch Anfang Oktober zu einem Spaziergang, einer Radtour oder einfach zu einem Abstecher per Auto an die Saarschleife genutzt haben. Bei mir war es natürlich der Fußweg, wobei ich zweimal mit der Fähre übergesetzt bin. Das Geißblatt hat mir keine Ruhe gelassen, und so habe ich die einzige Stelle, an der es dort wächst, wiederum aufgesucht und eine ganze Serie von Aufnahmen gemacht. Einige davon sind sehr gut gelungen, so sind doch noch scharfe Abbildungen dieser schönen Blüte entstanden:

Blüte des Geißblatts

Überhaupt war der Weg sehr motivreich, richtig spannend – immer wieder – was man so entdecken kann. Bisher nicht aufgefallen waren mir die neuen Bäume am Rande der Viehweiden, die offenbar in Spaliermanier gezogen wurden. Das ergibt einen interessanten, fast zeichnerisch wirkenden Astaufbau, der mich an diese bekannten jüdischen Kerzenleuchter erinnert:

Spalierwuchs

Spalierwuchs

Auf dem Rückweg konnte ich M. doch noch ihren geliebten Hopfen mitbringen. Einige Ranken waren in greifbarer Höhe. Es wird sicherlich ihre Herbst-Dekoration aktuell aufwerten.

Ereignisreich

Wieder so ein wechselhafter Tag. Bis Mittag regnerisch und ziemlich kühl. Und am Nachmittag lockerte es dann auf, mit immer wiederkehrenden sonnigen Abschnitten. Bereits früh sind V. und ich zur Baumschule Bohr nach Sch., um uns nach dem Maulbeerbaum zu erkundigen. Das Gelände dort ist ziemlich ausufernd, auf Grund der schlechten Witterung konnten wir uns aber nicht wirklich umsehen. Immerhin, sie hatten tatsächlich einen weißen Maulbeerbaum vorrätig, schon ziemlich hoch und etwa 8 cm stark im Stamm, leider aber eine Trauerform mit hängenden Ästen, was uns weniger zusagte. So haben wir die Normalform bestellt und hoffen, eine vergleichbar starke Qualität zu erhalten. V. hat zudem noch nach der Kirschpflaume gefragt. Erstmal wusste niemand, um welchen Baum es sich handelt. Nachdem ich aber versichert hatte, dass der Baum unter dieser deutschen Namensbezeichnung in der Literatur erwähnt ist und ich ihn auch schon im Original gesehen hatte, konnte man sich doch erinnern. Die Kirschpflaume sei normalerweise nur als ,,Untergrund“ im Gebrauch, sprich: Man pfropft andere Obstbaumarten auf den Kirschpflaumenstumpf auf. Schade eigentlich, denn das eine mir bekannte und schon recht hoch gewachsene Exemplar ist als eigene Art sehr attraktiv und trägt im Sommer wunderbare pastellfarbene Früchte, die an Mirabellen erinnern, wenn sie auch anders gefärbt sind. Man will versuchen, einen solchen Baum aufzutreiben und so bin ich gespannt, wann wir Bescheid erhalten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Brauhaus dann am Nachmittag ein kurzer Ausflug an die Saarschleife, allerdings ohne V., der sich lieber hinlegen wollte. Nach einem kleinen Spaziergang haben wir uns dort auf der obligatorischen Bank niedergelassen, na ja, ich musste natürlich wieder fotografieren:

Ausflug an die Saarschleife

Zsaboo hatte kurz zuvor W. fast in die Saar gezogen, vor lauter Begeisterung für das vorbeifahrende Frachtschiff, und vielleicht auch wegen der einen oder anderen Ente!
Auf dem Rückweg dann das botanische Highlight des Tages. Ein kurzer Blick genügte, um es zu identifizieren: Das ,,Gemeine Geißblatt“, so dachte ich jedenfalls, aber zu Hause musste ich feststellen, dass die genaue Bezeichnung ,,Echtes Geißblatt“ lautet. Wie auch immer, der Kletterstrauch trägt wunderbare filigrane Blüten, die eigentlich schon einige Monate früher fällig gewesen wären, während um diese Jahreszeit die Früchte erwartbar gewesen wären. Aber dieses Jahr scheint alles anders zu sein:

Blüte des Geißblatts

Der Wind ging allzu stark, deshalb ist die Aufnahme nicht superscharf geraten, vielleicht werde ich irgendwann einmal bessere Aufnahmebedingungen vorfinden. Nachdem J. und W. wieder nach G. abgereist waren, habe ich die Sonne genutzt und bin noch einmal zu meiner Lieblingsrunde über den Saardamm. Diesmal konnte ich den Perückenstrauch noch einmal genauer ins Visier nehmen. Auch hier merkwürdig: Eigentlich müssten jetzt schon die Früchte zu sehen sein. Solche konnte ich aber nicht wirklich erkennen. Stattdessen scheinen immer noch die Fäden ziehenden Blüten aktuell zu sein. Ein interessantes Gehölz ist es in jedem Fall:

Perückenstrauch

War doch recht ereignisreich an diesem frühherbstlichen Tag. Fehlt eigentlich nur noch das gewisse Quäntchen Glück im Spiel. Wir haben uns anstecken lassen und zwei Tippgemeinschaften gebildet. Sollte das Wagnis Früchte tragen?

Kurs auf Weihnachten

Irgendwie hat die Vorweihnachtszeit schon begonnen. In den Katalogen erscheinen die Deko-Artikel, und man wundert sich, dass immer wieder neue Ideen umgesetzt werden. Das Wetter ist schon auf winterlich eingestellt. Und in der Mischung aus Ruhe, In-Sich-Gekehrt-Sein und Lähmung im Leben der Menschen scheint die winterliche Sonnenwende schon vorbereitet zu werden. Heute hat zum wiederholten Male jemand ein weihnachtliches Baum-Motiv von meiner fotolia-Auswahl herunter geladen, fast so, als ob der Herbst übersprungen werden sollte. Vielleicht werden wir morgen dieser Tendenz etwas entgegen setzen. Wir wollen nämlich in der Baumschule mit dem 25%-Rabatt-Angebot mindestens einen neuen Baum erstehen. Mein Favorit wäre der weiße Maulbeerbaum, alternativ kämen die Kirschpflaume oder die Mehlbeere in Frage. Bin gespannt, welcher von diesen das Rennen macht und ob er dann auch den Winter überlebt.

Ruhiger Herbsttag

Wie gestern schon kam am späten Nachmittag die Sonne doch noch hervor. Wir hielten uns zu dieser Zeit bei J. in der Klinik auf und als der blaue Himmel sich zu stabilisieren schien, habe ich die Gelegenheit genutzt, um den ,,Park der Andersdenkenden“ einmal wieder zu besuchen. Der Spaziergang ging aber noch weiter nach oben, entlang der sich den Hügel hochschraubenden Straße, die in einen gepflasterten Weg und schließlich in einen Waldweg überging. Erstaunlicherweise haben mehrere Spaziergänger sich dort aufgehalten, was mich sehr überrascht hat. Aber dieser Ort hat auch etwas ganz Besonderes, sehr Intimes. Ein Ort, an dem man sehr gut zur Ruhe kommen kann. Zwei Aufnahmen sind dabei entstanden. Infiziert von meinem aktuellen Thema ,,Holzstrukturen“ eine Makroaufnahme eines schon in Zersetzung befindlichen und irgendwann zuvor mit der Kettensäge halbseits in Segmente geteilten Baumstamms. Und am selben Stamm einer dieser tellerminenartigen Baum-Pilze:

Holzstruktur

Baumpilz

Es war ein ruhiger Tag, geprägt von einer frühherbstlichen Atmosphäre, der sich in der sichtbaren Zurückgezogenheit der Menschen ausdrückte. Ich mag solche Tage, sie machen den Kopf frei für Grundsätzliches.

Früchte ernten

Einen sehr schönen Mehlbeerbaum habe ich heute im Innenhof des Krankenhauses gesehen. Bisher kannte ich nur den noch sehr jungen bei uns im Dorf, dieser aber trug jede Menge Früchte, was den Wunsch in mir aufkommen ließ, vielleicht auch einen solchen im Herbst zu erwerben und oben beim Bienenhaus einzupflanzen. Damit wäre die Wunschliste um einen weiteren Kandidaten erweitert. Mal sehen, was letztlich wirklich daraus wird. Überhaupt ist es die Zeit der roten Baumfrüchte. V. hat endlich seine Portion reifer Weißdornfrüchte gesammelt, von den Blättern befreit und will sie jetzt mit Schnaps ansetzen. Soll ja angeblich gut fürs Herz sein. Und wenn nicht, ist jedenfalls die Zubereitung selbst schon eine spannende Angelegenheit. Ansonsten: Schwedische Mehlbeeren, Hagebutten in allen möglichen Varianten, und die Stechpalmenfrüchte lassen auch nicht mehr lange auf sich warten. Eine weitere Frage stellt sich für die wieder zahlreichen Mispeln. Was diesmal damit anfangen? Die Aktion mit dem Mispelkompott und den Blätterteigtaschen war mir dann doch entschieden zu anstrengend. So bleibt wohl nur die Möglichkeit, sie einzumaischen und irgendwann in hochprozentige Form zu bringen.

Holz-Strukturen

Die Strukturen des Holzes sind ein interessantes Thema, da wir Bäume in vielen Situationen des Alltags durch die Brille ihres Baustoffs wahrnehmen. Ich möchte deshalb die Wunschbaum-Fotogalerie um diese Dimension erweitern und habe schon mal die zugehörigen Seiten angelegt. Nur mit der Auswahl der Fotografien bin ich noch nicht ganz so weit. Vor allem bin ich nach eingehender Beschäftigung zu dem Schluss gekommen, dass noch verschiedene Motive fehlen. Motive, die ich bei besserem Licht ganz gut zu Hause aufnehmen kann und die das ziemlich weite Spektrum dieses Motivfeldes komplettieren können. Kürzlich erst habe ich eine Anfrage erhalten, die neben einem Wurzelstock-Bild sich auf eine Baumscheibe mit sichtbaren Jahresringen bezog. Tatsächlich ist mir dieses schon öfter auf Postkarten oder als Illustration auf Websites oder Büchern begegnet, denn kaum etwas kann den abstrakten Begriff des stetigen Wachstums, des Alterns und des Geschichtlichen so plastisch versinnbildlichen. In der Baumscheibe spiegelt der Betrachter sein eigenes Lebensalter, setzt seine begrenzte Biografie in Beziehung zur Zahl und wechselhaften Ausprägung der Jahresringe und erkennt sich selber in einem erweiterten ökologischen Zusammenhang. Die Galerie der Holz-Strukturen wird einen weiteren Beitrag zur Darstellung der Bedeutung leisten, die Bäume für das Leben nahezu aller Menschen spielen.

Von der Form zum Inhalt

Nicht selten komme ich auf Umwegen zu einem Thema. So war es auch bei den Bäumen, die ich während meiner Kindheit und Jugend zwar wahrgenommen, aber nicht sehr intensiv beobachtet oder symbolisch gewürdigt habe. Das kam erst durch die Beschäftigung mit dem Holz als bildhauerischem Material. Ich wollte einfach etwas Plastisches schaffen, Abbildungen in einem Anleitungsbuch für Holzschnitzer waren der Auslöser. Das Erstlingswerk, gemacht aus einem Stück Brennholz, hatte zwar nur entfernte Ähnlichkeit mit der Vorlage, faszinierte mich aber derart, dass in kurzer Folge gleich eine ganze Latte von Folgearbeiten entstanden. Das war der Beginn einer sehr intensiven Beschäftigung mit dem Holz als Material und den Möglichkeiten seiner Bearbeitung und Formung für bildhauerische Zwecke. Und über diese Bildhauerei bin ich auf das Thema ,,Baum“ gekommen. Irgendwann waren mir die Holzskulpturen nicht mehr genug, die Oberflächenwirkung und ,,schöne Form“ nicht mehr ausreichend. Bäume und Wälder wurden die Vorbilder der künstlerischen Konzepte und aus den Holzskulpturen wurden Baum-Skulpturen. Die Differenz deutlich zu machen, war mir wichtig, und so habe ich diese in verschiedenen Texten versucht zu formulieren. Vielleicht war es diese eingehende Arbeit am Thema, die mir den Weg zu den Bäumen geebnet hat. Von nun an begegneten sie mir als Mit-Lebewesen, deren Ausstrahlung, selbstverständlicher Präsenz, innerer Stärke und übermenschlicher Weisheit ich mich nicht mehr entziehen konnte. Dieser Zusammenhang, mein Weg zu den Bäumen, die mir heute wie enge Vertraute und ständige Lebensbegleiter erscheinen, ist mir heute wieder zu Bewusstsein gekommen, als ich mit V. ein Landmaschinengeschäft besucht und wir eine motorisierte Heckenschere gekauft hatten. Auch wenn die technische Seite der Holzbearbeitung mich nicht mehr ganz so fasziniert wie noch vor Jahren, sehe ich gerade darin die Wurzeln meines Lieblingsthemas: Vom Formalen zum Inhaltlichen. Und wenn ich das verinnerliche, was Eckart Tolle in seinem Buch ,,Eine neue Erde“ in den Mittelpunkt stellt, die Entwicklung weg von der Form zum formlosen Ursprungszustand unseres Wesens, dann weiß ich, dass die Bäume mir diesen Weg aufgezeigt haben. Und dass sie mir täglich helfen ihn weiter zu gehen.

Reife-Grade

Überraschend sonnig fiel der Nachmittag aus. Was einmal wieder beweist, wie wenig man sich auf die Wettervorhersagen verlassen kann. Natürlich freut mich das, denn Licht ermöglicht gute Fotografien, und der Herbst bietet jede Menge Motive. Darunter sind welche, die mir zwar schon vorliegen, aber gerade die Baumfrüchte erwischt man nicht immer im fortgeschrittenen Reifegrad. So ist mir heute endlich einmal eine Hainbuche begegnet, die sich schon verfärbende Fruchtstände zeigte, gewöhnlich erscheinen sie bis zuletzt grün und wirken gar nicht wie Früchte:

Hainbuchenfrucht

Ähnlich war es beim Berg-Ahorn, jetzt treten die Propeller so richtig hervor, da sie sich bräunlich verfärben:

Bergahornfrucht

Und der Japanische Schnurbaum hat von dem vielen Regen der letzten Tage profitiert. So können sich die Früchte endlich entfalten, die dem Baum seinen Namen geben. Die andere Bezeichnung ,,Bohnenbaum“ ist beim Anblick dieser länglichen Früchte leicht nachvollziehbar:

Schnurbaumfrucht

Solche Tage können nach meinem Geschmack regelmäßig kommen. Ein langer goldener Herbst wäre mir lieber als ein endloser Winter, wie wir ihn zuletzt ertragen mussten.

Zurück ziehen

Die Apfelernte ist dieses Jahr ganz an mir vorbei gegangen. Das hat V. alles alleine erledigt. War aber auch nicht viel, einige Säcke Viez-Äpfel und wenige zum Essen. Immerhin, denn vor einigen Wochen hieß es, es gebe gar keine Äpfel, ganz so war es dann doch nicht. Eingemaischt und gekeltert sind sie auch schon. Wahrscheinlich wird der Viez später zu Alkoholischem weiter verarbeitet. Mit der letzten Aktion der diesjährigen Erntesaison scheint der Herbst nun endgültig auch entschlossen sich zu entfalten. Ein richtiger Temperatursturz, der auch durch die zwischendurch intensiv scheinende Sonne nicht ausgeglichen werden kann. Für mich bedeutet das, mich stärker zurückzuziehen. Mehr lesen, mehr denken, die Dinge zur Transformation vorbereiten, die dann im November hoffentlich ihren Höhepunkt erreicht haben wird. Vorher wünsche ich mir allerdings noch einen Goldenen Herbst. Damit das Klischee sich auch in den Augen wieder findet und das zu generieren hilft, was wir jahreszeitliche Stimmung nennen.

So schön

Die Pfaffenhütchen sind so genial! Bei sonnigen Phasen, wie wir sie heute wieder hatten, kann ich mich an diesen wunderbaren Früchten satt sehen. Die Farben, die Form, die Gesamterscheinung – ein kleines Naturwunder, das einem ganz unwahrscheinlich vorkommt. Und dennoch stehen sie einfach so am Wegesrand, in Gesellschaft von Hartriegel, Heckenrosen, Schneeball, Haselstrauch und Liguster:

Pfaffenhütchen

Pfaffenhütchen

Am tollsten finde ich es, wenn die Hüllen aufbrechen und diese organgefarbenen Kerne zum Vorschein kommen. Auf der zweiten Aufnahme kann man sehen, dass manchmal auch die Kerne aufplatzen, und scheint es fast, als ob darunter wiederum Rosa erscheint – Kurios!
Den Purgier-Kreuzdorn, mein Eintrag von gestern, habe ich nun auch im Kasten. War nicht ganz einfach, da dunkle Früchte schlechte Kontraste bilden, aber es ging dann doch:

Purgierkreuzdornfrucht

Purgier-Kreuzdorn

Wenn mich vor einigen Wochen jemand gefragt hätte, was ein Purgier-Kreuzdorn sei, hätte ich ihm die Antwort geschuldet. Natürlich hätte ich auf einen Strauch getippt, aber im Alltagsgebrauch ist mir diese Art und die Bezeichnung noch nicht vorgekommen. Bei dem Spaziergang vor einigen Tagen mit V. ist uns der Strauch unbekannter Weise aufgefallen, inmitten von rotem Hartriegel und Heckenrosen. Und wir rätselten beide. Mein Baumbestimmungsbuch hat dann die Gewissheit gebracht, man konnte es vor allem an den Früchten und den Blättern erkennen. V. hat, als ich ihm davon erzählte, bestritten, dass der Strauch Dornen getragen habe, er wisse das genau. Ich habe das, da ich selber nicht so sicher war, dann heute einmal überprüft. Und tatsächlich, auf den ersten Blick sind sie nicht zu erkennen. Bei genauerer Betrachtung aber zeigen sich doch Dornenansätze, teilweise mit stumpfen Enden und vereinzelt auch lange spitze Dornen, die bei dieser Art nicht so dominant zu sein scheinen wie etwa beim Schlehdorn oder beim Weißdorn. Der Versuch, sie zu fotografieren, ist leider fehlgeschlagen. Nicht wie so häufig wegen des Lichts oder der Perspektive, sondern weil das Akku meines Apparats sich entladen hatte und das Gerät erst gar nicht ansprang. Hoffentlich bringen die nächsten Tage noch einige sonnige Abschnitte, damit ich es nachholen kann!

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.