Starker Tulpenbaum

Na ja, schön ist es in so einem Krankenzimmer eigentlich nie. Man kann sich nur irgendwie damit arrangieren, als Kranker wie als Besucher gleichermaßen, und wie gut das gelingt, hängt einfach davon ab, in welchem physischen und psychischen Zustand man sich gerade befindet. Immerhin, V. scheint es nach etwa 10 Tagen zumindest etwas besser zu gehen, was Hoffnung gibt auf ein glückliches Ende. Jedenfalls, wenn er noch sehr viel Geduld mitbringt, die Ärzte ihr Bestes geben, und er hoffentlich aus diesem Fall die richtigen Schlüsse für die Zukunft zieht. Das Erfreulichste wohl an dem neuen Zimmer und der neuen Station: Der Blick durch das Altbaufenster fällt geradewegs auf diesen riesigen und wohl schon über hundert Jahre alten Tulpenbaum. Ein stattliches Exemplar, den ich von meinen eigenen Besuchen dort bereits kannte, der aber normalerweise nicht sichtbar ist, da er nicht, wie die großen Linden, im zentralen Innenhof, sondern in dem für Besucher zwar nicht unzugänglichen, aber abgelegenen Hinterhofbereich steht. Möge dieser starke Baum V. etwas Freude bringen und ihm ein Stück seiner eigenen Standfestigkeit vermitteln.

Unverwechselbare Gerüche

Eigenartiger Tag. Dauerregen, bei dem kein Hund vor die Tür gehen mag! Trotzdem jede Menge hektische Betriebsamkeit, die mich nicht wirklich weiter gebracht hat. Und dann die Aussicht, dass am Donnerstag der Sommer wiederkehrt, mit angeblichen 26 Grad. Einfach unglaublich. Am Nachmittag habe ich in meiner Baumfrüchtegalerie die Aufnahme der Gleditschienfrucht aufgenommen. Und bei der Gelegenheit sind mir die Schoten eingefallen, die seit einigen Tagen hinterm Haus gelagert waren. Die habe ich mir jetzt vorgenommen und die Samenkerne extrahiert. Was nicht ganz einfach war. Diese Schoten haben einen eigenartigen Aufbau. An einem der Ränder ganz brüchig und trocken, auf der anderen noch saftig. Das merkt man besonders, wenn man sie quer einreißt oder der Länge nach aufschneidet. Dann tritt nämlich eine schleimige und klebrige Fruchtmasse aus. Und zwischen diesen beiden Seiten liegen die braunen und festen, ungefähr linsengroßen Samen. Die musste ich herausquetschen, da sie zusätzlich in fast verholzt wirkende Kammern eingebettet sind. Man glaubt es nicht, welche wunderlichen Gebilde die Natur sich ausgedacht hat. Und wie mannigfaltig und unwahrscheinlich die Formen von Blüten und Früchten sein können. Noch eine interessante Eigenart dieser Früchte, gleichzeitig eine, die mir sicherlich im Gedächtnis haften bleiben wird: Der Geruch. Da ist es ähnlich wie bei den Gerüchen von feinem Holzstaub. Ich erkenne sofort die jeweilige Art. Jedes Holz hat einen ganz spezifischen Geruch, und manche sind eben auch unverwechselbar. Diese innen noch sehr saftigen Fruchtschoten strömen eben einen solch eigentümlichen Geruch aus. Zunächst wollte es mir nicht einfallen, aber dann erinnerte ich es: den Geruch von Leinöl. Bestimmt enthält die Masse chemische Substanzen, die denen des Leinöls entsprechen. Falls ich also wieder einmal diesen Geruch wahrnehmen sollte, ich werde automatisch an zwei Dinge denken: Leinöl und die Frucht des Lederhülsenbaums.

Stadteindrücke

Ein Stadtmensch werde ich wohl nie. Will nicht heißen, dass ein Ausflug, ein Einkaufs-bummel oder der Besuch in einem städtischen Museum nicht seinen Reiz haben kann. Bei den wenigen Gelegenheiten, die ich in dieser Richtung genieße, bin aber jedes Mal wirklich froh, dass es nur die Ausnahme ist. Zu hektisch, zu abstrakt-überzogen, zu naturfern, zu künstlich begegnet mir die Welt von Innenstädten. Zu weit außerhalb dessen, was Mensch-Sein im eigentlichen Sinne ausmacht. Man muss zu viel Energie darauf verwenden, die ganze Tünche wieder abzukratzen und klar zu sehen. Jedenfalls, wenn man die Dinge so sieht wie ich, möglichst pur und ungeschminkt, aber auch in ihrem ganzen ursprünglichen Zauber. Der Anblick der drei nebeneinander stehenden Ginkgo-Bäume am Stadttheater gehörte da zu den Highlights. Mehr überformt auch die neuen Swarovski-Kreationen, die weihnachtliche Motive aufgreifen und sogar einen ganzen Baum mit Blüten in stilisierter Form wiedergeben. Schade, den schon so lange gesuchten grünen Weihnachtsbaum-Pin mit den roten Punkten habe ich auch diesmal nicht gefunden. Er ist wohl für immer aus dem Sortiment verschwunden, und die ihn besitzen, wollen ihn nicht mehr hergeben.

Oktobersommer

Ein unglaublicher Tag, ganz wie im Frühsommer. Ein Licht und eine Temperatur, die Aufbruchstimmung vermittelt und so gar nicht in das Bild des Oktobers passt:

Oktobersommer

Der Weg durchs Dorf und am Fluss war sehr angenehm, die Menschen wirkten gelassen, unwirklich fasziniert von diesem außerordentlichen Klima. Auch die Pflanzen scheinen ganz verwirrt von dieser Entwicklung, dieser unvermittelten Vertauschung der Jahreszeit. So habe ich doch tatsächlich eine Brombeerblüte entdeckt. Und auch bestimmte andere Sträucher blühen zum zweiten Mal für dieses Jahr, weil sie sich offensichtlich getäuscht fühlen. Und die Früchte erscheinen umso saftiger und strahlender in diesem Licht. Mein Vorhaben mit den Gleditschien hat heute endlich gefruchtet. Mit Hilfe eines Holzstocks habe ich kräftig gegen den Ansatz der Früchte geschlagen und sie damit abgelöst. Schätzungsweise zwanzig solcher reifer Schoten mit der lederartigen Oberfläche umfasst meine ,,Ernte“. Einige besonders schöne habe ich aussortiert und auf der Fensterbank zum vollständigen Trocknen ausgelegt. Das ergibt eine augenfällige Dekoration. Und die übrigen werde ich aufschlitzen und die darin enthaltenen Samen herauslösen. Getrocknet lassen sie sich hoffentlich problemlos durchbohren, und dann möglicherweise in ein Schmuckarmband integrieren. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt.

Gartenarbeit

Das lief doch ganz gut heute mit der Gartenarbeit. Immerhin haben wir den Hintergarten so weit für den Winter vorbereitet: Geharkt, verwelkte Stauden abgeschnitten, bestimmte Blumen ausgetopft, andere ebenfalls geschnitten, die später im Keller überwintern werden. Das Wasserbecken gesäubert und mit der bewährten Abdeckung versehen. Die Rattan-Sitzgarnitur gereinigt und verstaut. Selbstverständlich auch den gesamten Waschbetonbereich gekehrt. Was mir zufällig, aber Gott sei Dank aufgefallen ist: Unser nicht sehr wachstumsfreudiger Ginkgo war an mehreren Stellen durch die Drähte, durch die er an seine Stützstäbe angebunden war, tief eingeschnitten, an einer Stelle einseitig fast bis zur Markröhre. Vielleicht ist das die Erklärung für das zögerliche Wachstum des schönen Baums. Ich bin mir nicht sicher, hoffe aber, dass die Säfte nun problemlos fließen können und das neue Frühjahr einen Wachstumsschub mit sich bringen wird. Mein Versuch, die Fruchtschoten des Lederhülsenbaums am Parkplatz der Klinik einzusammeln, ist wieder gescheitert. Zum nächsten Besuch morgen werde ich einen Stock mitnehmen und versuchen, die Früchte auf die Art zu erreichen bzw. abzulösen. Ich bin doch so gespannt auf die Samen, die ich trocknen und später weiterverarbeiten will.

Vier mal Dreiundzwanzig

Ich weiß nicht, ob ich den diesjährigen Herbst nicht verpasst habe. Ein richtiger Herbstspaziergang mit dem typischen Oktoberlicht ist mir bisher noch nicht vergönnt gewesen. Seltsam, obwohl ich zurzeit eigentlich mehr Freizeit habe als gewöhnlich, reicht die Zeit trotzdem nicht, um alles gleichmäßig zu realisieren, was mir sinnvoll und notwendig erscheint. Manches muss einfach eine Weile warten, bis ich es wieder aufgreife. So die Arbeit an den Demonstrations-Armbändern aus Maulbeerbaum, Weinstock, Vogelaugenahorn und Kaukasischem Nussbaum, für die ich schon vor einigen Wochen die Stäbe gedrechselt habe und deren Weiterverarbeitung ich erst heute wieder angehen konnte. Zwei davon sind für mich selber, und die beiden anderen für M. Eigentlich nur provisorisch, denn eigentlich geht es nur darum eine Vorlage zum Abfotografieren zu haben. Ich habe mich für den Maulbeerbaum – natürlich – und den Weinstock entschieden. M. bekommt den Vogelaugenahorn – sehr dekorativ – und den tiefdunkelbraunen kaukasischen Nussbaum, der in Kombination mit einem Band aus hellem Holz sicherlich auch sehr schön aussehen wird. Wie auch immer, das heißt pro Band 23 Mal Sägen, Bohren und Schleifen. Und etwa 20 Stunden Arbeit zusammen genommen. So hoffe ich, dass ich die Arbeit im Freien erledigen kann und die Temperaturen zwischendurch mitspielen.

Schöner Maulbeerbaum

Unser Maulbeerbaum ist jetzt geliefert worden. Nach Hause holen konnte ich ihn aber nicht, da mir die Transportmöglichkeit derzeit fehlt. Ich hoffe, wir werden das in ca. 14 Tagen nachholen können. So habe ich die Baumschule gebeten, den Baum so lange bei sich zu behalten. Außerdem warten wir ja noch auf die Kirschpflaume, die später dazu kommt. Er ist nicht in einem Container stehend, sondern mit einem dicken ummantelten Wurzelballen versehen. So wird er sicher die Wochen bis zum Einpflanzen gut überstehen, auch wenn er dann vermutlich keine Blätter mehr tragen wird. Zwar nicht sehr dick, aber doch schon schön stabil und vor allem hoch ist dieses Exemplar eines weißen Maulbeerbaums. Ich schätze 3 Meter. Wie er genau fällt, kann ich noch nicht sagen, da die Äste zusammen gebunden waren. Aber ich nehme an, an dem Standort, den V. sich schon ausgedacht hat, wird er sich gut machen und auch gut gedeihen. Besonders gespannt bin ich, ob im kommenden Jahr schon Früchte zu sehen sein werden und wie sein Breitenwachstum ausfällt. Jetzt schon weiß ich, dass er zu meinen Favoritenbäumen zählen wird.

Eindrückliche Spuren

Ich wünsche mir sehr, dass es V. sehr bald besser geht. Gewisse Fortschritte hat er bereits gemacht, aber er ist immer noch weit davon entfernt, sich normal bewegen zu können. Wir denken deshalb viel an ihn und versuchen ihm etwas von unserer Energie abzugeben. Schon so häufig bin ich jetzt selber oder als Besucher in Kliniken gewesen. Das sind Erfahrungen, über die man eigentlich nicht schreiben kann, die sich im Stillen absetzen und Wirkungen hinterlassen, sie gehören zu den starken Eindrücken, die ihre Spuren nach sich ziehen. Bei der Ankunft heute habe ich noch einmal bei etwas besserem Licht die Früchte des Lederhülsenbaums fotografiert. Diese Aufnahme macht sehr deutlich, wie der Baum zu seinem Namen kam:

Lederhülsenbaumfrucht

Leider hingen sie alle zu hoch, um welche abpflücken zu können. Zu gern hätte ich noch einmal einige Kerne gesammelt und getrocknet, um sie später in Erde zu setzen und Bäumchen zu ziehen.

Feigenfülle

Unser Feigenbaum ist dieses Jahr unglaublich fruchtbar. Während wir 2005 die ersten wenigen Feigen ernten konnten, auch wegen des langen Sommers, ist die Zahl der reifen Früchte jetzt viel größer. Auch wachsen sie unheimlich schnell, trotz der nicht gerade hohen Oktober-Temperaturen. Ich schätze, dass es bis jetzt bestimmt schon 40 Feigen waren, die wir verspeisen durften. Und sie schmecken wirklich gut. Für mich überraschend war, dass sie von außen gar nicht vollständig blau-violett erscheinen müssen, um innen reif zu sein. Besser ist es, sich an der fühlbaren Konsistenz zu orientieren. Und so sind die reifen Früchte meist zum Stiel hin noch grün und an der gegenüber liegenden Seite dunkel verfärbt. Wenn man sie halbiert, lassen sie sich, ähnlich Kiwis, sehr gut auslöffeln. Ich hoffe, der Baum übersteht den Winter so gut wie beim letzten Jahreswechsel und wird weiter wachsen und stark werden. Dann können wir uns in wenigen Jahren sicherlich auf einen stattlichen und sehr fruchtstarken Baum freuen, der uns das Mittelmeerfeeling noch augenscheinlich werden lässt.

Literatur und Gefühlskonstanten

Hermann Hesse gehört sicherlich unter den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts zu denjenigen, die ein besonders enges Verhältnis zu den Bäumen pflegten. Das kommt in seinen zahllosen sehr autobiographisch geprägten Texten zum Ausdruck, in denen Bäume zentrale Rollen einnehmen, natürlich insbesondere in den Texten über die Bäume selber. Den Sammelband mit Baumtexten Hesses habe ich vor einiger Zeit schon unter meine Rezensionen aufgenommen. Zurzeit nun lese ich nach längerem wieder etwas von Hesse, eine Auswahl von Erzählungen, und ich bin erstaunt über die thematische Vielseitigkeit dieses großen Schriftstellers. Ich denke, die Größe zeigt sich darin, dass diese Texte, obwohl vor einem Dreiviertel-Jahrhundert oder früher entstanden, absolut zeitgemäß wirken. Beobachtungen, die genauso gut von einem Zeitgenossen stammen könnten, eine Darstellung von Wesentlichem und für viele Nachvollziehbarem, menschlichen Gefühls- und Verhaltenskonstanten, die wie ich vor wenigen Tagen bereits bemerkt habe den Kern künstlerischer Qualität schlechthin ausmachen. Wenn ich eine Liste mit den zehn größten Künstlern des 20. Jahrhunderts aufstellen sollte, Hermann Hesse wäre als Stellvertreter der literarischen Zunft sicher mit dabei.

Lederhülsenbaum

Vor einigen Tagen noch hatte ich diese interessanten Fruchtschoten fotografiert, um zu Hause erst heraus zu finden, dass sie von der Gleditschie stammen. Heute nun bringt V., der unglückseligerweise wieder in die Klinik musste, mir eine dieser Schoten mit. Wir haben sie dann zerlegt und tatsächlich bohnenartige dunkelbraune Samenkerne gefunden, die wir trocknen wollen, um später eigene Bäumchen zu ziehen. In meinem Bestimmungsbuch ist ergänzend auch die deutsche Bezeichnung ,,Lederhülsenbaum“ genannt. Sehr treffender beschreibender Name, den diese Schoten haben tatsächlich eine lederartige Konsistenz. Der Baum insgesamt erinnert äußerlich an die Robinie, von seiner Architektur eher an den Schnurbaum. Bestimmt sind die auch irgendwie verwandt, bei dieser Ähnlichkeit der Früchte. Mal sehen, ob die Bäumchen angehen und wachsen. Und vielleicht kann ich ja die Kerne tatsächlich einmal in ein Armband einarbeiten. Das Buch spricht davon, dass sie angeblich zur Herstellung von Halsbändern verwendet würden. Das könnte eine ganz neue Variante der Armbänder erschließen, die nicht nur das Holz, sondern auch bestimmte andere Bestandteile von Bäumen miteinbezieht.

Grüne Erde

Das Räumen hat kein Ende mehr. Nachdem das renovierte Zimmer wieder eingerichtet ist, ging es gleich in den Nachbarräumen weiter. Kaum zu glauben, was sich im Laufe der Jahre so alles ansammelt. Da hilft nur radikales Durchforsten, und von dem einen oder anderen Teil muss man sich dann einfach trennen. Das meiste aber landet einfach nur an einer anderen Stelle. Vielleicht besser sortiert, sinnvoller eingeordnet oder leichter zu finden. Aber einige Jahre später wird auch dies nicht die dauerhafteste Lösung gewesen sein. Ganz begeistert haben mich heute die beiden Kataloge von ,,Grüne Erde“. Vollholzmöbel, Matratzen aus Naturmaterialien, die maßgeschneidert werden können, tolle Wohnaccessoires. Da könnte man sich, wenn es erschwinglich wäre, eine komplett neue Schlafzimmergarnitur zulegen, und vermutlich danach besser und gesünder schlafen. Zum Beispiel aus Birkenholz, was ich sehr freundlich finde, und was auch nach Jahren noch irgendwie neu aussieht, ganz anders als die üblichen Fichte-, Kiefer- oder Buchenmöbel. Mal sehen, ob ich mir zumindest einige der schönen Dinge werden leisten können, irgendwann…

Erholsame Konstanten

Wenn man an einer Ecke des Hauses mit dem Renovieren anfängt, merkt man plötzlich, dass die übrigen Räume nicht mehr ganz dazu passen. Man könnte gleich weiter machen, um alles auf denselben Stand zu bringen. Das ist natürlich unmöglich. Und so kann man sich vorerst an dem hoffentlich gelungenen Anfang erfreuen. Das Einrichten der Räume im Anschluss ist das eigentlich Spannende. Meine Tendenz ist immer: möglichst wenig im Raum platzieren, und wenn es sich nicht vermeiden lässt, muss ein großer Schrank her, in den man alles verfrachten kann. Auch das funktioniert nicht wirklich, aus Kostengründen, oder weil es einfach zu viele Kleinigkeiten gibt, die früher oder später dann doch ihren Platz fordern. Den Versuch ist es aber in jedem Fall wert, so etwas wie Übersichtlichkeit herzustellen. Ähnlich geht es mir mit meinen Schreibtischen. In ,,normalen Arbeitsphasen“ türmen sich automatisch immer mehr Materialien, Informationen, Papierkram darauf, bis es irgendwann zu viel wird und ich alles radikal reduziere, heißt: das meiste einfach wegwerfe. Danach fühle ich mich besser – ein neuer Anfang. Bei dem üblichen Auf- und Ab, Hin- und Her, dem ewigen Reproduzieren von Abläufen, die man eigentlich so nicht will, bin ich sehr froh, auf Konstanten zurückgreifen zu können. Eine solche Konstante sind die Bäume, oder die Beschäftigung mit ihnen. Ein Thema, das nie abreißt, das an allen Tagen für mich aktuell ist, wenn auch in wechselnder Intensität und mit veränderlichem Schwerpunkt, aber immer spannend, herausfordernd, die Reflexion fördernd. So ist das Baumtagebuch ein Versuch, dieser Konstante ein äußerliches und auch kommunizierbares Pendant zu verleihen. Übrigens: vielleicht noch 6 Wochen, und ich habe es tatsächlich geschafft, zwei Jahre lang täglich dieses Buch mit Inhalt zu füllen. Ich schätze, das könnte jetzt schon Buchumfang haben.

Selbstbeobachtung und Alltagsroutinen

Ungewohnte Arbeiten können anstrengend sein. Aber sie machen auch den Kopf frei, lenken die Aufmerksamkeit weg vom Routineleben. Und können gerade deshalb sehr anregend und förderlich sein, wenn es um Kreativität geht. Ich mag solche meist selbst initiierten Veränderungen, kleine mir selber auferlegte Herausforderungen, um den eigenen Status näher zu beleuchten, um auf dem Wege einer Art Selbstüberlistung zu sehen, wo ich stehe. Das kann für Themen gelten, die mich ständig beschäftigen, aber auch für eingefahrene Routine-Tätigkeiten und alltägliche Abläufe, die nur aus Gewohnheit genau so gestaltet sind, aber natürlich auch ganz anders sein könnten. Diese verstärkte Form der Selbstbeobachtung ist für mich ein notwendiges und sehr erfrischendes Instrument der Weiterentwicklung. Selbst meine leidenschaftliche Beschäftigung mit den Bäumen und ihrer Symbolik erfordert von Zeit zu Zeit eine solche Überprüfung, um gestärkt aus dieser wieder hervorzugehen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.